Die Nato-Soldaten könnten sich früher als bislang geplant aus Afghanistan zurückziehen . "Die Umstrukturierung einiger Truppen könnte beschleunigt werden", sagte der Generalsekretär des Verteidigungsbündnisses Anders Fogh Rasmussen in der britischen Tageszeitung The Guardian . Ursprünglich sollte der Abzug der Kampftruppen Ende 2014 abgeschlossen sein, die Afghanen danach allein für ihre Sicherheit sorgen.

Rasmussen verwies auf eine Direktive des Nato-Generals John R. Allen. Dieser befasst sich mit einem Sicherheitsmanko, das in den vergangenen Monaten zu einem großen Problem für die ausländischen Truppen geworden ist: die green-on-blue-attacks , die Angriffe also, die afghanische Soldaten und Polizisten auf ihre Ausbilder und Mentoren von der Nato verüben. Im laufenden Jahr ist die Zahl solcher Innentäter deutlich gestiegen , durch sie starben bislang 51 Menschen.

Rasmussen verhehlt in dem Interview nicht, dass dies an der Moral der Truppe in Afghanistan zehrt. "Ohne Frage, die Angriffe haben das Vertrauen völlig zerrüttet", sagte der Nato-Chef dem Blatt und räumte ein, dass die Taliban die Attacken zu verantworten hätten . "Wahrscheinlich ist es ein Teil ihrer Strategie", die einheimischen Sicherheitskräfte zu unterwandern und in den Reihen der ausländischen Soldaten Misstrauen zu stiften.

Konkrete Pläne

Offenbar zeigt diese Taktik Wirkung. Rasmussen jedenfalls kündigte an, dass die Nato künftig ihren Einsatz den aktuellen Begebenheiten anpassen will. "Unsere Truppen können andere Aufgaben übernehmen oder gar abgezogen werden", so der Däne. "Und ich kann nicht ausschließen, dass wir diesen Prozess in einigen Gebieten beschleunigen, falls es die Sicherheitslage erlaubt."

Auch über 2014 hinaus hat das Atlantische Bündnis bereits konkrete Pläne. So sollen die etwa 350.000 Sicherheitskräfte des Landes weiter von internationalen Soldaten ausgebildet werden. Wie groß die Mission sein wird, ist noch offen. Laut Rasmussen werden dazu die Nato-Verteidigungsminister in der kommenden Woche in Brüssel erste Pläne ausarbeiten. Dabei wollen sie auch mit Nicht-Mitgliedern des Bündnisses wie etwa Finnland und Schweden zusammenarbeiten.