In ihrem ersten TV-Duell im US-Wahlkampf hat der Herausforderer Mitt Romney Amtsinhaber Barack Obama unter Druck gesetzt. Weniger als fünf Wochen vor der Wahl am 6. November versuchte Romney mit einem aggressiven Auftritt seinen Rückstand in den Umfragen aufzuholen und warf Obama die hohe Arbeitslosigkeit und schlechte Wirtschaftslage vor. Dabei tat sich Präsident Obama sichtlich schwer, zu reagieren. "Ich bin beunruhigt über die Richtung, die Amerika in den vergangenen vier Jahren eingeschlagen hat", sagte Romney in seinem Schlusswort . Amerika brauche einen neuen Kurs.

Obama konterte, er habe das Land aus der schweren Finanzkrise geführt. Er erinnerte daran, dass die US-Wirtschaft bei seinem Amtsantritt die schlimmste Krise seit der Großen Depression durchlaufen habe. Außerdem habe er von seinem republikanischen Vorgänger George W. Bush wegen der Kriege im Irak und in Afghanistan sowie nicht gegenfinanzierter Steuersenkungen ein Haushaltsdefizit von mehr als einer Billion Dollar geerbt. Dagegen schade Romneys Politik der Mittelschicht und nutze den Reichen.

Nach einer Schnellumfrage des TV-Senders CNN noch in der Nacht meinten 67 Prozent der insgesamt 430 Befragten, der Republikaner Romney habe in der Debatte besser abgeschnitten. Nur 25 Prozent sahen Obama vorn. Unklar war allerdings zunächst, ob Romneys Punktsieg ausreicht, seinen Rückstand in den Umfragen aufzuholen. Obama liegt vor allem in den am härtesten umkämpften Bundesstaaten – den Swing States – vorn.

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Insgesamt verlief das eineinhalbstündige Rededuell in Denver – die erste von insgesamt drei Debatten bis zur Präsidentenwahl am 6. November – ohne echte Höhepunkte. Beide Kandidaten verloren sich zeitweise in langatmigen Erklärungen mit vielen verwirrenden Details und Zahlen.

Romney hielt Obama vor, in seinen vier Jahren Amtszeit das staatliche Defizit verdoppelt zu haben. "Der Präsident hat versprochen, er wolle das Defizit halbieren. Unglücklicherweise hat er es verdoppelt." Obama warf seinem Herausforderer vor , er wolle durch Steuererleichterungen reiche Amerikaner um 250.000 Dollar im Jahr entlasten und gleichzeitig die Steuern für die Mittelschicht um mehrere Tausend Dollar erhöhen. Immer wieder versuchte er, den Multimillionär Romney als Politiker der Industrie zu porträtieren.


Weiteres Reizthema war die Gesundheitsreform, das wichtigste Reformwerk von Obama. Romney kritisierte, die Reform sei viel zu teuer und habe Jobs gekostet. Der Präsident erwiderte, dass die Krankenversicherungsbeiträge nun so langsam steigen würden wie seit 50 Jahren nicht mehr. Dagegen führe Romneys Politik dazu, dass Millionen Menschen ihre Krankenversicherung verlieren. Das Gesetz sieht im Kern vor, dass jeder Amerikaner krankenversichert sein muss.

Experten warnen davor, das Duell überzubewerten

Viele Beobachter hatten nicht mit einem so defensiven Obama gerechnet. Er versuchte zwar immer wieder, seine eigene Regierungsbilanz zu verteidigen. Seine Regierung habe in den vergangenen vier Jahren fünf Millionen neuer Jobs im Privatsektor geschaffen. Auch die Automobilindustrie habe ihre schwere Krise hinter sich. Zugleich musste er aber einräumen: "Wir haben noch viel zu tun."

Zwar gelten TV-Debatten als wichtige Ereignisse im Wahlkampf und als großes Medienspektakel. Doch Experten warnen davor, ein Duell überzubewerten. Studien zeigten, dass es in den vergangenen 50 Jahren bestenfalls zwei Debatten gegeben habe, die tatsächlich erheblichen Einfluss auf das Wahlergebnis gehabt hätten. Am 16. Oktober findet in Hempstead im Bundesstaat New York die zweite Debatte in Form eines Townhall-Meetings mit Bürgerfragen statt.

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