US-Wahlkampf : Der Trend ist Republikaner

Präsident Obama steht unter Druck: Umfragen zufolge verliert er Staat um Staat an Romney. Viele Chancen zur Trendumkehr hat er nicht mehr. Von Christoph von Marschall
US-Präsident Obama (r.) und sein republikanischer Herausforderer Romney während des zweiten TV-Duells © Lucas Jackson/Reuters

Es wird immer enger für Barack Obama . Das Team des Präsidenten muss sich ernsthaft Sorgen um seine Wiederwahl machen. Vor zehn Tagen hat sein Herausforderer Mitt Romney die Führung in den nationalen Umfragen übernommen. Und nun ist kurz vor der dritten und letzten Fernsehdebatte der beiden an diesem Montag eine weitere Hiobsbotschaft für Obama hinzugekommen. Erstmals im Wahljahr 2012 führt Romney bei der Zahl der Wahlmänner aus den mutmaßlich "sicheren" Staaten. Als "sicher" gelten Staaten, in denen eine Seite so deutlich führt, dass dieser Vorsprung die statistische Fehlerquote der Umfragen übersteigt. In dieser Berechnung steht es nun 206 zu 201 zu Gunsten des Republikaners.

Das heißt für Obama: Er muss punkten. In der TV-Debatte soll es vor allem um Außenpolitik gehen. Und ausgerechnet jetzt wartet die New York Times mit einer Sensation auf: Die USA und der Iran hätten sich auf direkte Gespräche über das Atomprogramm geeinigt. Die Informationen stammen angeblich aus der US-Regierung, doch das Weiße Haus dementiert die Geschichte. Höchst unklar ist, wem die Neuigkeit, wenn sie denn stimmt, wahltaktisch hilft: Obama oder Romney? Die Zeitung behauptet, es nütze Obama, wenn er zu Verhandlungen bereit sei; Romney, der direkte Gespräche mit dem Iran ablehnt, stehe als Kriegstreiber da.

Amerikanische Wähler bevorzugen jedoch aller Erfahrung nach eine Position der Stärke, gerade gegenüber Gegnern wie dem Iran. Als Obama im Wahlkampf 2008 seine Gesprächsbereitschaft gegenüber Teheran versprach, schadete ihm das in den Umfragen. Auch aktuell ist dies kein Thema, mit dem er bei den Wählern automatisch punkten kann.

Wahlmännerstimmen entscheidend

Zudem kommt es im US-Wahlsystem auch gar nicht darauf an, wer die meisten Stimmen erringt. Entscheidend sind nicht die Wähler, sondern die Wahlmänner. In jedem der 50 Bundesstaaten wird einzeln ausgezählt. Der jeweilige Sieger bekommt alle Wahlmänner dieses Staats zugesprochen, unabhängig davon, ob er dort nur hauchdünn oder mit großem Stimmenvorsprung gewinnt.

Die Zahl der Wahlmänner richtet sich nach der Einwohnerzahl eines Staats und reicht von drei Wahlmännern im Fall bevölkerungsarmer Staaten wie Wyoming bis hin zu 55 für Kalifornien , den Staat mit den meisten Einwohnern. Es gibt 538 Wahlmänner, 270 sind für den Sieg in der Präsidentschaftswahl erforderlich. Regelmäßig kommt es vor, dass der frisch gewählte Präsident nur die Mehrheit der Wahlmänner gewonnen hat, nicht aber die Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Das galt im Jahr 2000 für den Sieg George W. Bushs über Al Gore.

2012 könnte sich nun der umgekehrte Fall ereignen. Viele Demoskopen rechnen inzwischen damit, dass Obama den Kampf um die Stimmenmehrheit verliert. Wenn er Glück hat, verteidigt er aber einen hauchdünnen Vorsprung unter Wahlmännern und gewinnt so die Wiederwahl. Sicher ist das aber längst nicht mehr. Über Monate hatte Obama bei der Zahl der sicheren Wahlmänner deutlich geführt, ungefähr im Verhältnis 220 zu 180; das galt selbst in den Zeiten, als er in den landesweiten Umfragen nur noch knapp vorne lag und sogar, als Romney nach seinem souveränen Auftreten in der ersten Fernsehdebatte am 3. Oktober die Führung übernahm.

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Kommentare

86 Kommentare Seite 1 von 11 Kommentieren

Kuba und so

Angesichts des gelungenen Artikels über die Kuba-Krise sollte man sich mal fragen, was wohl geschehen wäre, wenn ein etwas weniger diplomatischer Mann wie Kennedy am Hebel gesessen wäre. Jemand wie Romney.

Da wir auch heute eine ähnliche Situation haben (Iran, Syrien, Russland, China auf der einen Seite, USA, EU und Israel auf der anderen), wäre schon allein deswegen ein Präsident vorzuziehen, der zumindest noch so tut, als wäre er an Diplomatie interessiert.

Schweinebucht

Ihnen ist bewusst, dass der "demokratische Kennedy" diese Aktion zu verantworten hatte, oder?

Verdeckte CIA-Operationen haben zwar Tradition, deswegen werden sie unter Demokraten aber nicht besser. Vielleicht interpretieren Menschen östlich des Atlantiks auch zu viel in das Wort "Demokrat" hinein.

Im richtigen Kontext bezeichnet es nämlich nichts weiter als eine Partei. Die könnte auch "Ganz liebe Menschen" heißen, würde dann aber immer noch versuchen, wie im Beispiel CIA und Schweinebucht, andere souveräne Staaten gemäß ihrer Prämisse zu lenken. Irgendwie gar nicht so demokratisch.

Und aktuell? Ob Sie nun von Romney oder Obama darüber belehrt werden, wie wichtig Foltergefängnisse sind oder wie heldenhaft man Menschen in den Kopf schießt, um sich Prozesse zu sparen, das ist nun wirklich egal.

Ich gebe zu, dass mit Romney oder zuvor Palin zwei wirklich grotesk erscheinende Politiker die Bühne betraten und auch Bush Junior mitunter herzlichen zum Lachen einlud. Besagtes Lachen vergeht einem aber schnell, wenn man sieht, dass die demokratische Seite (wieder: es ist nur der Name) die alten Errungenschaften noch mal toppt und der Welt sicherlich auch weiterhin viel Anti-Terror und genauso viel "Amerika rettet die Welt, kann aber keinen Internationalen Strafgerichtshof akzeptieren" verkaufen wird. Krieg im Iran gibt's dann auch, ganz demokratisch.

Bradley Manning hilft das nichts, der Demokratie auch nicht und Namen sind, wie vorher auch, Schall und Rauch.

Die positive Berichterstattung.....

über Romney zeigt also seine Wirkung. Bisher konnte man die Patzer Romney vergessen machen. Nun aber schlägt sie voll durch. Diese Berichterstattung wird Romney letztlich auch ins Weiße Haus spülen. Leidtragende sind die einfachen Menschen in den USA und in vielen anderen Staaten. Gut gemacht.