US-Wahlkampf : Obama bezeichnet Romney als Dummschwätzer

Ein Schimpfwort aus Obamas Mund verschafft ihm negative Schlagzeilen. Aber ein prominenter Politiker aus dem Republikaner-Lager wechselt für den Präsidenten die Seite.
Präsident Barack Obama spricht bei einem Wahlkampfauftritt in Cleveland, Ohio. © Mandel Ngan/AFP/Getty Images

US-Präsident Barack Obama hat seinen republikanischen Herausforderer Mitt Romney mit einem Schimpfwort bedacht. Zumindest indirekt bezeichnete er Romney in einem Interview als "Dummschwätzer" (Bullshitter). In einer Gesprächspassage mit der Musikzeitschrift Rolling Stone ging es um Obamas große Popularität bei Kindern. Wörtlich sagte der Präsident: "Kinder haben einen guten Instinkt. Sie schauen auf den andern und sagen: Er ist ein Dummschwätzer."

Der TV-Sender CNN sprach das Schimpfwort selbst nicht aus, auch bei einer schriftlichen Einblendung des Interview-Textes war das Wort nicht ausgeschrieben. Das Romney-Lager reagierte empört: Obama habe nichts zu bieten als Attacken und Beleidigungen, zitierte der CNN einen Romney-Sprecher.

Obamas Wahlkampfberater David Axelrod bekräftigte den Vorwurf sogar noch: Obama ziele auf Romneys häufige Meinungsänderungen ab. Die Bemerkung hätte für Romney "keine echte Überraschung sein sollen".

Entscheidung in den Swing-States

In Umfragen liegen Obama und Romney weiter praktisch gleich auf . Aktuell liegt Romney in einer Erhebung von Ipsos mit 47 zu 46 Prozent leicht vor dem Demokraten Obama. Allerdings sind 13 Prozent der registrierten und 30 Prozent der wahrscheinlichen Wähler noch unentschieden.

Im Wahlkampf konzentrieren sich Obama und Romney derzeit auf die als wahlentscheidend geltenden Bundesstaaten Ohio , Florida und Virginia, in denen viele Wechselwähler leben. Gewählt wird am 6. November.

Obama hat seine Stimme bereits abgegeben. Der Präsident wählte am Donnerstag in seiner Heimatstadt Chicago . Anschließen scherzte Obama mit Wahlhelfern und Beobachtern: "Ich kann Ihnen nicht sagen, wen ich gewählt habe", sagte er. Außerdem riet Obama zu frühzeitigem Wählen, das mache unabhängig vom Wetter am Wahltag und von Problemen der Kinderbetreuung. Auch sei kein Urlaubsantrag für den 6. November nötig. Der Wahltag ist in den USA kein arbeitsfreier Tag.

Obama verliert bei weißen Wählern

Präsident Obama hat nach einer weiteren Umfrage der Washington Post und des TV-Senders ABC an Zustimmung bei der weißen Bevölkerungsmehrheit eingebüßt. Der Demokrat liegt demnach bei weißen Wählern um 21 Prozentpunkte hinter seinem Herausforderer Romney. 79 Prozent der Amerikaner sind Weiße. Vor vier Jahren habe Obama bei Weißen lediglich um acht Prozentpunkte hinter seinem damaligen Gegner John McCain gelegen, schreibt die Zeitung. Dafür könne Obama aber bei nicht-weißen Amerikanern erheblich punkten: 79 Prozent wollten ihre Stimme für den Amtsinhaber abgeben.

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Kommentare

37 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Bigott

So ist es und darum eigentlich auch eher uninteressant als Meldung.

Das eigentlich interessante am Thema ist für mich die bigotte Haltung amerikanischer Medien.
>>Der TV-Sender CNN sprach das Schimpfwort selbst nicht aus, auch bei einer schriftlichen Einblendung des Interview-Textes war das Wort nicht ausgeschrieben.<<

Ja recht so! Da könnten kleiner weiße Kinderchen eventl. vielleicht noch lernen, wie man die Worte schreibt, die sie täglich in ihren Rap-Songs in den Ohren haben, oder die ach so anständigen (aber leider anscheinend völlig unmündigen Bürger) könnten ja irritiert werden, wenn ihnen im News-Break zwischen der letzten Folge eines Folter-Pornos und der neuesten Folge einer verklemmten Sex-Sitcom solche unanständige Worte um die Ohren fliegen.

Man merkt eben immer noch, dass die Gründungsväter dieses Staates Mitglieder einer puritanischen Sekte waren.

Amerikanische Sprache

Nun habe ich das Interview in seinem Gesamtzusammenhang nicht gelesen, aber ich denke, indirekt ist eben nicht direkt. Die amerikanische Sprache ist eher lässig und das Wort "Bullshitter" wird dort öfters verwendet als hier das Wort Dummschwätzer (wie übrigens auch das Wort Fuck). Und Kinder und Jugendliche haben noch diesen natürlichen Instinkt um erkennen zu können, das Romney eben wirklich ein Bullshitter ist. Wer erst 47% der Wähler verunglimpft und nach Bekanntwerden sagt, er hätte sich unglücklich ausgedrückt und noch eine Woche später diese 47% hofiert, der verkauft auch Eskimos Kühlschränke, wo sie keine brauchen (oder seine tote Großmutter, um im Bild zu bleiben).

Lieber die Dinge beim Namen nennen als Romney als "Buddy" zu bezeichnen. Ich glaube, amerikanische Wähler sind da weniger empfindlich als wir hier in Deutschland.

Rasse?

"Romneys Wahlkampfleiter bezeichnete Powells Anmerkungen als Entscheidung für die Hautfarbe: Der Ex-General helfe Obama, weil dieser auch schwarz sei. Er habe sich von den Republikanern abgewandt, um "jemanden seiner Rasse" zu unterstützen"
Eine Aussage, welche die Partei in Deutschland umgehend ins rechte Licht gerückt hätte. Meiner Meinung nach zurecht, ich finde diese Aussage mehr als geschmacklos!

Oben hat jemand geschrieben, man muss das Kind auch beim Namen

nennen dürfen.
Können Sie ausschließen dass Herr Powell es genau aus diesem Grund tut? Nein.
Ich glaube zwar nicht dass er es deshalb tut, weil ich Herr Powell als Politiker sehr schätze aber mit RECHTS hat das in meinen Augen nichts zu tun
Immerhin wird es genug Leute geben die Obama aus genau diesem Grund unterstützen. Nicht ohne Grund sind die Werte der Demokraten-wählenden Farbigen in den USA vor 4 Jahren nach der Ernennung Obamas zum Präsidentschaftskandidaten plötzlich um fast 15% gestiegen.
(Auf der anderen Seite wird es wahrscheinlich genau so viele Leute geben die ihn NICHT wählen weil er farbig ist. Das ist schon eher rechts.)

Ihre Argumentation

... ist eine schlichte Unterstellung. Genau so haltlos wie der Vorwurf der Republikaner selbst.
Mit einer Suggestivfrage wie "Können Sie ausschließen dass Herr Powell es genau aus diesem Grund tut?" können Sie theoretisch jede, noch so haarsträubende Behauptung untermauern. Das ist argumentativ unzulässig.
Bitte lesen Sie den Artikel.
Colin Powells Lob für Obama begründet dieser mit Fakten und eigenen sachlichen Wertungen. Der Versuch die Aussagen des ehemaligen Generals, Sicherheitsberaters und Außenministers mit der "Rassismuskeule" in den Schmutz zu ziehen, kommt imho einer Verleumdung nahe und gehört für mich in die Kategorie "unterste Schublade".

Natürlich nicht.

"...Können Sie ausschließen dass Herr Powell es genau aus diesem Grund tut? Nein...."

Genauso wenig kann ich ausschließen, dass Dieter Bohlen nach seiner Karriere im Showgeschäft Bundeskanzler wird und den Physiknobelpreis gewinnt. Was soll das sein? Ein Argument? Sie können einem Powell - immerhin nicht nur einst Außenminister unter Bush sondern auf dem Höhepunkt seiner militärischen Laufbahn auch Generalstabschef der US-Streitkräfte - durchaus zutrauen, dass er über derart primitive Motive erhaben sein dürfte. Derlei sagt m.E. weitaus eher was über die Geisteshaltung derjenigen aus, die ihm dies unterstellen.

Die Frage ist nicht, ob man den Vorwurf ausschließen kann,

sondern Tatsache ist, dass die Hautfarbe von einem hochrangigen, ehemaligen mormonen Bischof ins Feld geführt wird,
an den man die Frage stellen könnte, ob er ein Sektierer ist.
Was womöglich seiner Politik eine andere, verborgene Farbe geben kann. Ist das auszuschließen.

Wenn man keine konkrete Kritik anbringen kann, sind das nicht nur merkwürdige Wahlkampfblüten.

Und warum geschmacklos?

Äh, also ich weiss ja nicht wie es ihnen geht, aber als ich das letzte mal nachgesehen habe waren Colin Powell und Barack Obama durchaus beides Afroamerikaner, also ich sehe jetzt nicht wo die Erwähnung der Rasse geschmacklos wäre.
Ich glaube zwar nicht, dass das der Grund ist, sondern dass Colin Powell als ehemaliger General einfach ein Mann von Ehre ist, der nach wie vor seine Beteiligung am Irak Krieg bedauert und auch dem politischen Gegner Respekt gegenüber bringt, wenn er diesen im Recht sieht. Aber am Argument der Republikaner kann ich jetzt auch nichts verwerfliches erkennen. Es ist eigentlich sogar taktisch klüger, es einfach auf die Hautfarbe zu schieben und damit herunterzuspielen, anstatt eingestehen zu müssen, dass er sich wegen seiner Werte und Überzeugungen entschieden hat.

PS: Warum brüllen immer alle gleich "reeeeechts!" wenn Worte wie "Rasse" fallen. Ist das sowas wie beim Pawlowischen Hund?

An JohnPreston und Rend

Zunächst einmal gibt es keine Schwarze Rasse. Wer behauptet, dass Menschen in Rassen aufteilbar sind, ist ein Rassist, oder nicht? Zum anderen ist es Geschmacklos, weil nun wo endlich mal jemand schwarzes Präsident ist, man ihn natürlich nur wählen kann, weil man seine Hautfarbe hat. Nicht etwa, weil man ihn für qualifiziert hält oder so, nein, "Neger" oder "Schwarzrassige" können das doch nicht sein, das muss andere Motive haben, oder?

Dieser Mann hat nicht verdient so denunziert zu werden, zumal er eine vernünftige Begründung für sein Umschwenken angibt.
Hingegen sollten sich die Leute, die den Vorwruf machen mal selbst betrachten und nachsehen, ob sie Republikaner sind, weil sie etwas gegen Schwarze haben?

Können Sie das ausschließen?/ironieoff