Wahlkampf nach Sandy : Obama macht den Schröder

Der US-Präsident hat im Krisengebiet den Sandy-Geschädigten Mut gemacht und schnelle Hilfe zugesagt. Profitiert er wie der deutsche Kanzler im Jahr 2002 vom Flut-Effekt?
Präsident Obama in New Jersey © Larry Downing/Reuters

Der Sturm ist über das Land gezogen, jetzt kommen die Politiker: In festem Schuhwerk und Windjacke landete US-Präsident Barack Obama in dem schwer beschädigten Küstenort Atlantic City, um die Zerstörungen nach dem Wirbelsturm Sandy zu begutachten.

New Jerseys Gouverneur Chris Christie begrüßte Obama per Handschlag und mit Schulterklopfen. Schon kurz nach der Flut hatte der Republikaner Christie den Präsidenten für seinen "hervorragenden Einsatz" in der Krisensituation gelobt. Gemeinsam mit dem Gouverneur überflog der dann die durch den Wirbelsturm Sandy überschwemmten Gebiete.

Obama versprach den Geschädigten unkomplizierte Hilfe. "Wir werden keine Bürokratie tolerieren", sagte er. "Das ganz Land hat zugesehen. Jeder weiß, wie hart es Jersey getroffen hat." Die Regierung in Washington werde mit den Behörden auf Bundesstaats- und Lokalebene bei der Beseitigung der Sturmschäden eng zusammenarbeiten. "Wir sind hier für Sie. Wir werden sicherstellen, dass Sie all die Hilfe bekommen, die sie benötigen."

Klicken Sie auf das Bild, um die Fotostrecke zu starten.© Getty Images

Allerdings mahnte Obama zur Geduld. Die durch den Sturm verursachten Probleme ließen sich nicht "über Nacht" lösen. Am wichtigsten sei es, zunächst die Stromversorgung wiederherzustellen.

Das Weiße Haus wies zurück, dass es sich bei dem Besuch in dem Katastrophengebiet um einen Wahlkampfauftritt handeln könnte. "Es ist völlig angemessen, dass der Präsident New Jersey besucht", sagte Obamas Sprecher Jay Carney. "Dies ist keine Zeit für Politik." Auch der Wahlkampfberater des Präsidenten sagte, Obama gehe lediglich seiner Verantwortung nach.

Obamas Herausforderer Mitt Romney kündigte an, der "Waffenstillstand wegen des Sturms" sei nun beendet. Der Republikaner sprach in Florida auf einer Wahlkampfveranstaltung. Er stehe für den "wahren Wandel", den der Amtsinhaber bislang nicht erreicht habe, sagte er vor etwa 2.000 Anhängern. "Ich spreche nicht bloß über Wandel, ich habe einen Plan, um den Wandel zu bewirken und geschehen zu lassen." Florida gilt als einer der wichtigsten sogenannten Swing-States, in denen das Ergebnis noch offen ist. Gewählt wird am 6. November.

Ob die Sturmkatastrophe tatsächlich Einfluss auf das Wahlergebnis haben kann, darüber herrscht unter Politikexperten in den USA Uneinigkeit. Der Wirbelsturm gilt als Chance für Obama. Unverhofft verschafft Sandy ihm die Möglichkeit, sich als entschlossener Problemlöser in Szene zu setzen.

In Deutschland hatte Gerhard Schröder die Bundestagswahl im Jahr 2002 gewonnen, nachdem es ein Hochwasser an der Elbe gegeben und er sich im Krisengebiet mit Gummistiefeln und Regenjacke gezeigt hatte . Vor der Flut hatte seine rot-grüne Koalition in den Umfragen noch hinten gelegen. In den USA hofft die Wahlkampfmannschaft um Obama nun auf denselben Effekt.

Es ist unklar, welche Folgen der Sturm für die Wahl am Dienstag haben wird. Manche Kommentatoren sehen für Obama eine Chance, sich als Krisenmanager zu profilieren und so einige Wählerstimmen zu gewinnen. Das könnte unter Umständen entscheidend sein, denn Umfragen zufolge liegen Obama und sein Herausforderer Mitt Romney weniger als eine Woche vor der Abstimmung nahezu gleichauf. Am heutigen Donnerstag will Obama in den Wahlkampf offiziell wieder eingreifen.

Bei einem Treffen mit Chefs von Energiefirmen habe Obama Wert darauf gelegt, dass die Wiederherstellung der Stromversorgung oberste Priorität habe, teilte das Weiße Haus mit. Nach CNN-Angaben waren gut 24 Stunden nach dem Durchzug des Sturms an der Ostküste weiter sieben Millionen Menschen ohne Strom.

Sandy war über eine Breite von mehreren hundert Kilometern am Montag auf die US-Ostküste geprallt. Die Schäden werden im zweistelligen Milliardenbereich erwartet. Die Zahl der Toten stieg nach Medienberichten weiter. Allein in der Stadt New York seien inzwischen 22 Opfer registriert, berichtete die New York Times . Insgesamt gebe es in den Sturmregionen bis zu 50 Tote. Der TV-Sender CNN sprach von mindestens 40 Toten an der Ostküste.

In New York verbrachten Hunderttausende die zweite Nacht ohne Elektrizität. Viele waren auch ohne Wasser, Internet und Telefon. Mehrere Tausend Menschen mussten weiter in den 76 Notunterkünften der Stadt schlafen. Bis Freitag sind öffentliche Verkehrsmittel kostenlos.

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Kommentare

40 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Obama profitiert von Not ???

Was ist das denn schon wieder für eine Möchte-Gern-Unterstellung:

Wenn ein Republikaner einen Demokraten lobt, sagt das doch schon mehr als 1000 Worte:

"Schon kurz nach der Flut hatte der Republikaner Christie den Präsidenten für seinen "hervorragenden Einsatz" in der Krisensituation gelobt."

hervorragend ist hervorragend. Was soll daran jetzt weggemäkelt werden??

Man möchte hinzufügen

Auch wenn man Schröder nicht mag, ist es schon etwas seltsam, ihm gelungenes Krisenmanagment vorzuwerfen. Und dass er sich am Ort des Geschehens zeigt, wurde selbstverständlich von ihm erwartet. Zahlreiche Oppositionspolitiker jener Zeit sind ja ebenfalls pressewirksam ins Oderbruch gereist (ähnlich wie heute Romney in den USA).
Also bitte ohne diesen vorwurfsvollen Ton. Natürlich ist es für den Herausforderer eine schwierige Situation, aber ich möchte doch sehr bezweifeln, dass Obama sich eine Naturkatastrophe herbeigewünscht hat, um bessere Karten im Wahlkampf zu haben.

Das...

...amerikanische Volk ist glücklicherweise nicht so leicht durch die Medien manipulierbar, wie das deutsche. Wie Medienkanzler Schröder sich zu inszenieren wusste, ist in der Politikgeschichte einmalig und kann somit nicht als Vergleich dienen!

Ich halte es für extrem unwahrscheinlich, dass Obama von Katrina profitiert, schließlich macht Romney einfach die bessere Politik.

mit solidarischem Gruß,
besorgter_mitbuerger

@18 edgar: Immer wieder gerne

Gerade hier bei Zeit-Online füttere ich gerne die Trolle. Denn hier haben sie ein warmes Zuhause gefunden und sitzen gesellig beisammen. Die Haltungsbedingungen sind hier auch einfach gut - selbst die Moderation scheint artverwandt.

Sie müssen das verstehen: Wenn nicht wegen der Trolle, dann hätte ich ja gar keinen Anlass mehr bei Zeit-Online zu lesen. Es klag ja schon an: Solche Überschriften ziehen Trolle magisch an. Da solche Überschriften bei Zeit-Online Methode haben, hat auch das Ansiedeln von Trollen hier Methode.

Wenn ich ordentliche Nachrichten lesen will, dann schau ich bei sueddeutsche.de oder faz.net vorbei.

Genau....

...deswegen rief Obama auch im Fernsehen zu Geldspenden für das Rote Kreuz auf, während Romney -natürlich überhaupt nicht für die Fernsehkameras- Konserven sammelte. Nun hat das rote Kreuz dort in jedem Aufruf ausdrücklich stehen, dass Sachspenden eher ungern genommen werden, weil sie dann erstmal ausführlich damit beschäftigt sind, diese zu sortieren und zu überprüfen, und dass eher selten das dabei ist, was sie auch wirklich brauchen, weiß einer, der hierzulande in einer Spendenannahme arbeitet. Diese Probleme haben sie bei Geldspenden nicht, aber wie Sie schon sagten: Romney macht einfach die bessere Politik. Ok, er wollte die nationale Behörde, die Katstrophen dieser Art bekämpft, privatisieren, aber das war sicherlich mal wieder eines dieser zahlreichen Mißverständnisse, die sich während dieses Wahlkampfes aufgetan haben, ich sage nur: 47 Prozent.

Bessere Politik?

Ich glaube - mit Verlaub - da haben Sie was nicht mitgekriegt?! Von welcher Politik und wo reden Sie? Ich denke, dass R. vor allem ein steinreicher Businessman ist und von Politik, welche durch den Vertreter eines ganzen Landes repräsentiert werden sollte, wenig versteht. Wie meistens in der Vergangenheit, würde er als republikanischer Präsident in erster Linie Klientelpolitik für seinesgleichen betreiben. Doch was viel bedenkenswerter ist, dass er die USA möglicherweise in einen neuerlichen Krieg (Iran) führt, woran sowohl die Mehrheit in den Staaten als auch wir Europäer kein Interesse haben bzw. haben sollten.