Der Sturm ist über das Land gezogen, jetzt kommen die Politiker: In festem Schuhwerk und Windjacke landete US-Präsident Barack Obama in dem schwer beschädigten Küstenort Atlantic City, um die Zerstörungen nach dem Wirbelsturm Sandy zu begutachten.

New Jerseys Gouverneur Chris Christie begrüßte Obama per Handschlag und mit Schulterklopfen. Schon kurz nach der Flut hatte der Republikaner Christie den Präsidenten für seinen "hervorragenden Einsatz" in der Krisensituation gelobt. Gemeinsam mit dem Gouverneur überflog der dann die durch den Wirbelsturm Sandy überschwemmten Gebiete.

Obama versprach den Geschädigten unkomplizierte Hilfe. "Wir werden keine Bürokratie tolerieren", sagte er. "Das ganz Land hat zugesehen. Jeder weiß, wie hart es Jersey getroffen hat." Die Regierung in Washington werde mit den Behörden auf Bundesstaats- und Lokalebene bei der Beseitigung der Sturmschäden eng zusammenarbeiten. "Wir sind hier für Sie. Wir werden sicherstellen, dass Sie all die Hilfe bekommen, die sie benötigen."

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Allerdings mahnte Obama zur Geduld. Die durch den Sturm verursachten Probleme ließen sich nicht "über Nacht" lösen. Am wichtigsten sei es, zunächst die Stromversorgung wiederherzustellen.

Das Weiße Haus wies zurück, dass es sich bei dem Besuch in dem Katastrophengebiet um einen Wahlkampfauftritt handeln könnte. "Es ist völlig angemessen, dass der Präsident New Jersey besucht", sagte Obamas Sprecher Jay Carney. "Dies ist keine Zeit für Politik." Auch der Wahlkampfberater des Präsidenten sagte, Obama gehe lediglich seiner Verantwortung nach.

Obamas Herausforderer Mitt Romney kündigte an, der "Waffenstillstand wegen des Sturms" sei nun beendet. Der Republikaner sprach in Florida auf einer Wahlkampfveranstaltung. Er stehe für den "wahren Wandel", den der Amtsinhaber bislang nicht erreicht habe, sagte er vor etwa 2.000 Anhängern. "Ich spreche nicht bloß über Wandel, ich habe einen Plan, um den Wandel zu bewirken und geschehen zu lassen." Florida gilt als einer der wichtigsten sogenannten Swing-States, in denen das Ergebnis noch offen ist. Gewählt wird am 6. November.

Ob die Sturmkatastrophe tatsächlich Einfluss auf das Wahlergebnis haben kann, darüber herrscht unter Politikexperten in den USA Uneinigkeit. Der Wirbelsturm gilt als Chance für Obama. Unverhofft verschafft Sandy ihm die Möglichkeit, sich als entschlossener Problemlöser in Szene zu setzen.

In Deutschland hatte Gerhard Schröder die Bundestagswahl im Jahr 2002 gewonnen, nachdem es ein Hochwasser an der Elbe gegeben und er sich im Krisengebiet mit Gummistiefeln und Regenjacke gezeigt hatte . Vor der Flut hatte seine rot-grüne Koalition in den Umfragen noch hinten gelegen. In den USA hofft die Wahlkampfmannschaft um Obama nun auf denselben Effekt.

Es ist unklar, welche Folgen der Sturm für die Wahl am Dienstag haben wird. Manche Kommentatoren sehen für Obama eine Chance, sich als Krisenmanager zu profilieren und so einige Wählerstimmen zu gewinnen. Das könnte unter Umständen entscheidend sein, denn Umfragen zufolge liegen Obama und sein Herausforderer Mitt Romney weniger als eine Woche vor der Abstimmung nahezu gleichauf. Am heutigen Donnerstag will Obama in den Wahlkampf offiziell wieder eingreifen.

Bei einem Treffen mit Chefs von Energiefirmen habe Obama Wert darauf gelegt, dass die Wiederherstellung der Stromversorgung oberste Priorität habe, teilte das Weiße Haus mit. Nach CNN-Angaben waren gut 24 Stunden nach dem Durchzug des Sturms an der Ostküste weiter sieben Millionen Menschen ohne Strom.

Sandy war über eine Breite von mehreren hundert Kilometern am Montag auf die US-Ostküste geprallt. Die Schäden werden im zweistelligen Milliardenbereich erwartet. Die Zahl der Toten stieg nach Medienberichten weiter. Allein in der Stadt New York seien inzwischen 22 Opfer registriert, berichtete die New York Times . Insgesamt gebe es in den Sturmregionen bis zu 50 Tote. Der TV-Sender CNN sprach von mindestens 40 Toten an der Ostküste.

In New York verbrachten Hunderttausende die zweite Nacht ohne Elektrizität. Viele waren auch ohne Wasser, Internet und Telefon. Mehrere Tausend Menschen mussten weiter in den 76 Notunterkünften der Stadt schlafen. Bis Freitag sind öffentliche Verkehrsmittel kostenlos.