Berufung : Gericht verschiebt Entscheidung über Pussy-Riot-Strafmaß

Überraschende Wende im Berufungsprozess gegen die drei Mitglieder der Punkband Pussy Riot: Die Richter haben die Verhandlung vertagt.

Ein Moskauer Gericht hat die Berufungsverhandlung im Prozess gegen die russische Punkband Pussy Riot vertagt. Das Verfahren soll nun am 10. Oktober stattfinden. Die Künstlerinnen hatten gegen ihre Verurteilung zu je zwei Jahren Lagerhaft Protest eingelegt .

Auslöser für die Verschiebung ist der Wunsch einer der inhaftierten Musikerinnen nach neuen Verteidigern. Die Richterin gab ihrem Antrag statt, die Anwälte auszutauschen. Ihre Position stimme nicht mit der ihrer drei Verteidiger überein, sagte Jekaterina Samuzewitsch im Gerichtssaal.

Sowohl ihre beiden Bandkolleginnen als auch Nikolaj Polosow, einer der Anwälte der Musikerinnen, zeigten sich überrascht von Samuzewitschs Entscheidung. Es habe im Laufe des Prozesses "niemals eine Meinungsverschiedenheit" gegeben, sagte er nach der Anhörung.

Vor dem Gerichtsgebäude hatten sich bereits am Morgen mehr als 100 Menschen in Erwartung einer Entscheidung versammelt. Anhänger der Band und Vertreter verschiedener politischer Gruppen hatten Plakate mitgebracht. Mehrere Menschen forderten mit aufblasbaren Puppen eine schärfere Verurteilung der drei Frauen. Eine Gruppe gläubiger orthodoxer Christen sprach Gebete, während im Gerichtssaal die Anhörung lief. Polizisten sicherten das Gebäude ab, zu Unruhen kam es nicht.

Ursprünglich hatte die Verteidigung noch an diesem Montag mit einer Entscheidung über die Anträge gerechnet. Von einem Erfolg allerdings gingen die Anwälte nicht aus. Sie erwarten lediglich, dass das Gericht das Strafmaß maximal um sechs Monate reduzieren wird . "Wir haben niemals Hoffnung in den russischen Staat gelegt", sagte Pjotr Wersilow, der Ehemann einer der verurteilten Aktivistinnen, im Vorfeld der Verhandlung im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP .

Die Band-Mitglieder hatten im Februar mit den für ihre Auftritte charakteristischen bunten Sturmmasken den Altarraum der Christ-Erlöser-Kathedrale gestürmt. In einem "Punk-Gebet" brachten sie lautstark ihre Wut über den damaligen Ministerpräsidenten und heutigen Präsidenten Wladimir Putin sowie dessen enge Verbindung zur russisch-orthodoxen Kirche zum Ausdruck . Am 17. August wurden sie deshalb wegen "Rowdytums aus religiös motiviertem Hass" verurteilt .

Der Prozess brachte Putin weltweit in die Kritik , der Urteilsspruch nährte die Zweifel an der Unabhängigkeit der russischen Justiz und war für viele Symbol für die harte Hand der Regierung gegenüber Dissidenten . Schließlich setzten sich auch internationale Stars wie Paul McCartney und Madonna für die Musikerinnen ein.

Inzwischen haben aber offenbar sowohl Politik als auch die Kirche ein großes Interesse daran, den Fall hinter sich zu bringen, um im In- und Ausland weitere Proteste und Kritik zu vermeiden. So forderte Ministerpräsident Dmitri Medwedew bereits vor einigen Wochen Milde für Nadeschda Tolokonnikowa , Jekaterina Samuzewitsch und Marija Aljochina . Sie weiter in Gefangenschaft zu halten sei "unproduktiv".

Und einen Tag vor der Anhörung in dem Berufungsverfahren setzt sich nun auch die russisch-orthodoxe Kirche für eine Begnadigung von Pussy Riot ein. Zwar müssten die Musikerinnen auf jeden Fall bestraft werden, sagte ein Kirchensprecher am Sonntag. "Wenn sie aber Reue in irgendeiner Form zum Ausdruck bringen, muss dies berücksichtigt werden." Die Kirche hoffe aufrichtig auf die Buße derer, die die heilige Stätte entweiht hätten. "Das würde ihren Seelen auf jeden Fall guttun", sagte der Kirchensprecher weiter.

Dies lehnt die Punkband ihren Anwälten zufolge aber weiter kategorisch ab: Wenn die Kirche Reue im strafrechtlichen Sinne gemeint habe, werde es dazu mit Sicherheit nicht kommen, sagte einer der Verteidiger am Sonntag einem russischen Fernsehsender. "Unsere Klientinnen werden keine Schuld zugeben , eine solche Forderung ist sinnlos."

Verlagsangebot

Die Macht der Vorurteile

Vorurteile prägen unseren Alltag. Woher sie kommen. Wem sie nützen. Und warum man sie so schwer loswird. Jetzt in der neuen ZEIT.

Hier lesen

Kommentare

93 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

Pro Pussy Riot

Nun seien Sie doch nicht so spießig!

Das ist doch total künstlerisch und punkig.
Zudem können die Kinder nebenbei sehen/ lernen, welchen Weg ein Neugeborenes nimmt, um ans Tageslicht zu kommen.

Schade, dass z.B. diese Aktion nicht so sehr in den Medien auftaucht, im Zusammenhang mit Pussy Riot.
Denn so könnten wir evtl noch mehr Unverständnis dem Putinschen Regime und seiner Justiz-Willkür aufbauen... oder?

@8 Ja, ich finde auch...

Nicht 'jahrelang' sondern 2 Jahre. Selbst wenn es 5 Jahre wären, es sind nicht unsere Gesetze, sondern russische und gehen uns absolut nichts an!
Die Medienpräsenz dieser nutzlosen Aktion soll lediglich einer Anti-Russenstimmung dienen, und wie erwartet steigen alle man auf den Zug. Warum regt sich niemand über Gesetze in anderen Ländern auf, die sowas nicht mit läppischen 2 Jahren Arbeitslager sondern mit grausamen Tod bestrafen? Diese Menschen haben nicht so viel zu lachen wie diese Gören hier die ständig in die Kamera gickeln.
Ich hab die Aktion der Mädels gesehen und trotz meiner Abneigung Religionen gegenüber fand ich es mehr als kränkend und mies.

Kränkend und mies - nicht ohne Grund

Respekt, Moral und Anstand als Geschmackssache hinzustellen, sowie dahingende Gefühle lächerlich zu machen hat in den Konzernmedien System. Eine Bevölkerung mit 'gebrochenem Herzen' ist beliebig manipulierbar, da sie sich nur noch mittels Willen und Verstand aber ohne Herz ausdrücken zu trauen. Damit einher gehen Kompensationshandlungen, wie Alkohol und Fettkonsum (Schokolade, Käse!) und teils schwere Erkrankungen, an denen das Gesundheitssystem sich dumm und dämmlich verdient. So weit zu denken, dafür ist sich natürlich jeder Journalist zu schade. Der russische Gesetzgeber nicht: Das russische Herz verdient allen Schutz! Warum nicht auch das deutsche?

Mir fällt nichts mehr

Bitte, bitte wandern Sie aus. Es gibt so viele totalitäre Staaten, in denen Sie sich so lange pudelwohl fühlen würden, bis es Sie selbst trifft. Also ab dafür.

Und was soll dieser Vergleich mit Saudi-Arabien? Dort ist es noch schlimmer, ergo ist es in Russland gut? Wenn ich androhe, Ihnen den Fuß abzuhacken und mich dann letztlich entscheide, Ihnen nur den Arm abzuhacken, bedanken Sie sich dann?

[Schließlich, nur für's Protokoll. Halten wir fest, wie sich die Kirche verhält. Halten wir es fest und erinnern wir uns daran! Falls und sobald in Russland die Freiheit einkehrt, wird sich die Kirche dort genauso scheinheilig, weltoffen und friedsuchend präsentieren wollen, wie sie es hier tut.]

Lesen können... recherchieren können

" Pussy Riot was founded by two former members of Voina, but they are different groups."

Und?

http://en.wikipedia.org/w...
Nadeschda Andrejewna („Nadja“) Tolokonnikowa (* 7. November 1989) stammt aus Sibirien, studierte in Moskau Philosophie und lernte dort ihren späteren Mann Pjotr Wersilow kennen.[3] Gemeinsam waren sie Mitbegründer der Künstlergruppe Woina (Krieg),

http://en.wikipedia.org/w...

Wer mithilfe von Pussy Riot gegen Putin und Russland stänkern will muss neben deren Kritik an der Kirche auch tote Hühnchen in einer Vagina aushalten.

So einfach ist die Welt eben nicht.

2 Jahre

sind "jahrelang". Es sind zwei Jahre!

Und russische Gesetze gehen jeden etwas an, der sie rational fassen und begreifen kann.Sie könnnen sich ja in ihrem Leben nur für sich und ihre Umgebung interessieren, es gibt aber noch aufgeschlossene Menschen, die überall das Menschenrecht einfordern.

Für mich gilt: Ein Angriff auf das Recht eines Menschen ist ein Angriff auf das Recht aller Menschen. Diesen Frauen geschieht furchtbares Unrecht, und sie decken das auch noch mit Argumenten, die vor 1947 bestimmt viele Menschen im petto hatten!. Sie sollten sich schämen.

Wir vergleichen

uns jetzt also nach Unten,statt nach oben? unser Anspruch ist fortan nur, dass niemanden etwas abgehackt wird oder niemand umgebracht wird? Andere Menschenrechtsverletzungen nehmen wir stillschweigend hin, weil sie uns ja nicht betreffen?

Manche Deutsche haben nichts aus ihrer Geschichte gelernt, NICHTS! Ich schon! Ich stehe auf der Seite der Freiheitskämpferinnen in Russland, die Mutig die Regierung und die Macht der Kirche kritisiert haben, und das kreativ, bunt, gewaltfrei und künstlerisch. ich stehe auf der Seite dieser aufgeklärten Studentinnen. Sie zeigen die Fratze einer autoritären Politik und erwidern sie mit einem mutigen Lächeln. Ich stehe auf der Seite von allen, die Freiheit in Russland fordern.

Pussy Riot...

Ich fand die Mädels von Pussy Riot haben das damals sehr cool gemacht. Natürlich fragte ich mich ob die Mädels jetzt nun einfach Eier in der Hose haben, oder ob die einfach nur blöd waren. Im Endeffekt kam ich aber zu dem Schluss, dass die Aktion als linke Aktion im Gegensatz zu rechten Aktionen durch ihre Buntheit und Gewaltfreiheit bestochen hatte - Zudem war nämlich damals immer wieder in den Medien geäußert worden, dass Linksradikale und Rechtradikale gleich gefährlich wären... dem ist aber nicht so!

Verhältnismäßigkeit und Relevanz ...

Bei allem Respekt vor dem Protest gegen Mächtige sehe ich hier die Sorge um letztlich doch selbstgemachte Leiden und ein m.E. politisch motiviertes, nicht aufhörendes Klagen der Medien auf hohem Niveau, vor allem, wenn ich es mit der aussichtslosen Lage hunderttausender Menschen im Ostkongo vergleiche, die seit dem letzten ZO-Bericht vor fast zwei Monaten mit keinem Wort wieder erwähnt wurde.

Hat die deutsche Außenpolitik ggf. vor, mit ihrem Know How in der DRC zu vermitteln? Sind deutsche NGOs möglicherweise in der Krise vor Ort tätig, um Menschen zu helfen und die Gorillas im Virunga N.P. zu schützen?..

Selbst was der UN-Generalsekretär aktuell zum Kongo sagt ( http://www.un.org/apps/ne... ), erfahre ich als ZO-Leser nicht.

Hat sich Ban eigentlich bisher zu Pussy Riot geäußert?

Furchbar

dass hier immer von Menschenrechtsverletzungen ablenkt werden soll! Amnesty International schafft es sowohl auf die Menschenrechtsverletzung von Pussy Riot als auch von Menschenrechtsverletzungen in Japan, Uganda oder sonstwo zu berichten, die mehr oder weniger schlimm wiegen.D er Punkt ist, dass die eine Verletzung die andre nicht wegstreicht, nur weil sie schlimmer zu sein scheint, denn der Punkt bei Menschenrechten ist, dass ihnen jeder Zuteil wird.

Offenbar schafft es der gemeine Deutsche nicht dieses Multitastking aufzubringen. Er wittert Russenfeindlichkeiten und befürwortet sofort Menschenrechtsverletzungen Russlands, nur weil die Medien sich seiner Meinung nach zu viel darum kümmern! Wie grotesk!

@ 6 Der Doktor

Wieso schliesst eigentlich das eine das andere aus? Stimmte der Bericht gestern im Auslandssjournal, durfte die Mutter die Tochter nach 6 Monaten nicht mal in den Arm nehmen. Was macht die Justiz da wohl mit richtigen "Gangstern". In Deutschland wäre das vielleicht bei extremen Straftaen möglich.

Und dann darf man fragen, ob nicht Aktionen wie die von Pussy Riot solche Verhältnisse wie in Ost Kongo eher verhindern helfen, als das Schiessen mit Kanonen auf Spatzen und 2 Jahre Arbeitslager für nichts als das Verletzen von "staatlicher Autorität" und Respektlosigkeit vor "Gefühlen".

Der souveräne Christ würde um Respekt vor den kirchlichen Räumen bitten und entweder die Angelegenheit auf sich beruhen lassen oder auch mal über manches nachdenken wie z. B. über die Rolle der Kirche im Gefüge von Gesellschaft und Herrschaft.

Danke für den Link,

allerdings bin ich mir nicht sicher, ob Sie mein Anliegen verstanden haben. Seit Monaten reiht sich ein Pu-Ri-Artikel an den anderen, das Thema ist hinreichend bekannt und für meine Begriffe eben nicht so relevant wie Flucht, Vertreibung, Mord im Ostkongo, wovon Hunderttausende betroffen sind; das hat für mich eine völlig andere Dimension.

Daher ist mein Anspruch an ein Qualitätsmedium, das eigentlich zu meinen Favoriten gehört, eine ausgewogene Berichterstattung und nicht ein kampagnenartiges Wiederholen von schon Bekanntem zu Lasten anderer Themen, die für meine Begriffe eine ebensolche, wenn nicht höhere Relevanz haben, immerhin liegen sie auf dem Tisch des UN-Generalsektretärs

@12 TDU

"Wieso schliesst eigentlich das eine das andere aus?"

Das müssen Sie die Redaktion fragen, nicht mich. Es ist ja eigentlich auch meine Frage, die ich hier schon mehrmals gestellt habe ... Zählen Sie mal spaßeshalber die Beiträge zu Pussy Riot und die zur Lage der Menschen im Ostkongo. Da sind übrigens die öffentlich-rechtlichen Medien weiter, wenn ich an den Deutschlandfunk denke.

Entschuldigung

aber hier wird nicht aus WIllkür berichtet, sondern aufgrund aktueller Geschehnisse. Was vor ein paar Wochen wichtig war, kann heute nicht einfach für unwichtig erklärt werden. Schließlich wird heute über die Berufung entschieden.

Und was SIE schlimmer finden ist irrelevant. Ich finde auch schlimmer, dass jeden Tag hunderte Schweine in Deutschland Rechtswidrig hingerichtet werden. Darüber wird so gut wie gar nicht berichtet. Dennoch kapere ich nicht einen FDP Artikel mit dem Thema und versuche die Aufmerksamkeit umzulenken.

Die Berichterstattung über die krasse Verurteilung einer Künstlerinnengruppe und die damit einhergehende Verletzung ihrer Menschenrechte am Rande Europas hat weltweite Auswirkungen, ob es Ihnen passt oder nicht.

Denn oft reicht ein Sandkorn aus um das nötige zu tun. Oder wissen Sie nicht, wie die schwarze Bürgerrechtsbewegung in Amerika ins rollen gekommen ist?

Diese Frauen, die da im Gefängnis für Blasphemie ihre Freiheit einbüßen stehen für alle Menschen, die von einer autokratischen oder diktatorischen Regierung ihrer Menschenrechte beraubt werden.

Mich persönlich empört es gerade so, weil hier zwei Dinge, die ich ablehne, sich vereinen um Kunstfreiheit und Meinungsfreiheit einzuengen: konservative Kirche und autoritärer Staat!

Und zu Lasten welchem Thema geht nun der Artikel drauf? Haben Sie für Ihre Behauptung einen Beleg? Das ist wirklich purer Hohn, was Sie da von sich geben.

@16 HerrWirtler

"Und zu Lasten welchem Thema geht nun der Artikel drauf? Haben Sie für Ihre Behauptung einen Beleg?"

Das können Sie in meinem Post 15 hier im Forum nachlesen.

"Das ist wirklich purer Hohn, was Sie da von sich geben."

Was Hohn ist, können Sie vielleicht selbst herausfinden, wenn Sie das freche Grinsen der angeblich so leidenden jungen Frauen auf oben zu sehendem Foto mit jedem einzelnen Menschenschicksal vergleichen, das hinter dieser Nachricht steckt:

http://www.nachrichten.at...

Vielleicht verstehen Sie dann, warum ich ernsthaft darüber besorgt bin, dass ich über Letzteres hier so gut wie nichts erfahre, dafür aber jedes Detail der Pussy-Riot-Story kennen soll ...

Das kann ich da nicht

nachlesen. Denn der Platz einer Onlinezeitung ist groß und er wird mit weit belangloserem Verschwendet als der Bericht einer Menschenrechtsverletzung in Russland, wie etwa dem Sportteil oder irgendwelchen Kreutzworträtzeln! Sie haben keinen Beweis, dass die Aufmerksamkeit für Pussy Riot in irgend einer WEise von anderen, schlimmeren Ungerechtikeiten ablenkt. Das tut sie nämlich nicht im Geringsten!

Wegen frechem Grinsen sind also fortan Menschenrechtsverletzungen zu dulden? Diese Frauen wollen sich stark zeigen gegen Putin, gegen seine Justiz, gegen die autoritären Kirchenführer. Sie wollen nicht vor ihnen zu Kreuze kriechen. Sie sind starke Frauen, die all ihre Stärke in das stecken was sie glauben. Dafür haben sie viel geopfert. Ihr Zynismus lässt mich erschaudern.

Unfassbar

Nun habe ich das Video mal geshen. Es ist unfassbar, welchen Aufstand eine Regierung wegen solcher Albernheiten, man nenne sie Kunst oder nicht, veranstaltet. Wobei ich die Aktion in der Kirche nicht gut fand.

Das haben die aber auch schon zugestanden, die Kirche solte endlich Ruhe geben und sich z. B. in Moskau aufs Kerngeschäft konzentrieren. Sonst erfrieren wieder wie jedes Jahr, jede Menge Menschen, die kein Obdach oder nichts an Wärme haben.

Und ein gutes Beispiel für den Selbstläufer Staatsräson. Einmal angewandt kann sie nicht mehr zurück. Der Hauptmann von Köpenick ist immer aktuell und wird es auch bleiben.

Willkürliche Gesetzgebung?

Die Frauen hätten ihre 'Kunst' an einem neutralen öffentlichen Ort aufführen können. Natürlich hätte es dann keine Sau interessiert.
Jede Gesellschaft hat das Recht ihre Normen zu definieren. In Deutschland ist zB die 'Holocaustleugnung' faktisch Straftatbestand,
der sozusagen die Äußerung eines Gedankens verbietet.Man muss noch nicht mal maskiert an einen sakrosankten Ort gehen, um bestraft zu werden. Dann ist es keine Willkür, wenn das Gesetz besteht, bekannt ist, und angewandt wird - oder?
Die Gewissenhaftigkeit mit der das Gericht hier vorgeht ist schon fast Satire, aber das ist bei dem Fall wohl angemessen.

Nein, hätten Sie nicht

Die Kunstaktion konnte nur in einer bedeutenden orthodoxen Kirche stattfinden können, weil sie als Kritik an dieser, bzw ihrem Verhältnis zur Macht, gemeint ist. Sie haben nicht zu entscheiden, wo eine Kunstaktion am besten gemacht werden sollte, sondenr die Künstler selbst!

Im Übrigen ist ihr Holocaustvergleich läppisch. Das ist etwas absolut einzigartiges in der Geschichte eines landes. Hier in Russland geht es um etwas so profanes wie die Macht der Kirche und die Macht eines autokratischen Herrschers und seines Gefolges. Es geht darum, dass diese Justiz nicht mehr als unabhängig gelten kann. Es geht darum, dass die angeblichen gefühle von Gläubigen über Meinungs- und Kunstfreiheit gestellt werden und dass der Prozess als solcher aller Rechtsstaatlichkeit entbehrt hat, denn fast keiner der Zeugen von Pussy Riot wurden zugelassen, obwohl diese Anwesend gewesen sind, während irgendwelche YOu-Tube Zuschauer als Zeugen zugelassen wurden. Und was bitte soll diese "Religiöser Hass" Geschichte? Entweder hat die russische Justiz ein schlechtes Verhältnis zur Grammatik oder eines zur Logik.

Ausserdem sollten Sie dringend mal auf den Rest meiner Kommentare eingehen.

Und das Gesetz wurde so noch nie angewandt. Es entspricht nicht der üblichen russischen Rechtsprechung. Seit Putin wieder an der Macht ist, hat sich einiges verändert in Russland.

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte

Artikel 29 Absatz 2: Jeder ist bei der Ausübung seiner Rechte und Freiheiten nur den Beschränkungen unterworfen, die das Gesetz ausschließlich zu dem Zweck vorsieht, die Anerkennung und Achtung der Rechte und Freiheiten anderer zu sichern und den gerechten Anforderungen der Moral, der öffentlichen Ordnung und des allgemeinen Wohles in einer demokratischen Gesellschaft zu genügen.

Religionsfreiheit ist auch in den Menschenrechten verankert und dazu gehört für mich auch, diese in Ruhe ausüben zu dürfen. Die Menschenrechte sind auch nur eine Formulierung von dem, was jeder mit einem gesunden Menschenverstand auch so wissen sollte. Mein gesunder Menschenverstand sagt mir zum Beispiel, dass es falsch ist, das Heiligste für Millionen von Menschen zu entweihen nur um meine Meinung kund zu tun. Vielen Gläubigen ist das Gotteshaus heilig, dieses wird mit dem "Punk-Gebet" lächerlich gemacht.
Ihnen scheinen die Menschenrechte heilig zu sein und natürlich sind Sie berechtigter weise aufgebracht, wenn diese mit Füßen getreten werden.

Ich bin aber in diesem Fall nicht Ihrer Meinung. Pussy Riot hätte überall sonst, so einen Auftritt hinlegen können, da hätte ich, genauso wie die russische Justiz, nichts dagegen. Das hätte aber bei weitem nicht so viel Publikum im Ausland und Inland gegeben, also hat man sich speziell für den Altar in der Christ-Erlöser-Kathedrale entschieden.

Wer sich so Gehör verschaffen will, hat in meinen Augen nichts bedeutendes zu sagen.

Religionsfreiheit

Religion in Ruhe auszuüben? Die Religionsausübung wurde nicht beeinträchtigt. Es waren nur wenige Minuten. Sind Minuten von Gläubigen wichtiger als von Nicht-Gläubigen? Diese Frauen haben diese Bühne gesucht und gefunden um darauf aufmerksam zu machen, wie sehr die Kirche in die Macht über RUssland verstrickt ist, und wie wenig das mit Demokratie und Menschenrechte zu tun hat.

Sie sehen das nicht, weil sie eine falsche Loyalität zu Russland haben, die die Menschen nicht mit einbezieht, die durch aktuelle russsiche Politik IN Russland und als Russen leiden. Das sind Homsoexuelle und Unreligiöse. Das sind Regierungskritiker und Feministinnen. Das sind die Gruppierungen, die sich für Demokratie einsetzen.

Ich finde es absurd, dass sie diese Werte einer Demokratie so brachial angreifen und nicht einsehen wollen, dass hier ein Gigant eine Ameise zerquetschen will. Eine Ameise, die, wenn sie erstmal gewisse Werte in das Volk streut, Stärker ist, als jede Kirche und Jeder Putinist sein kann!

Im Übrigen

Antworten Sie nicht auf meine Antwort. Sie haben geschrieben, man müsse russisches Recht respektieren. Ich sage ihnen, dass man das erstens nicht muss und zweitens zu russischem Recht formal auch die allgemeine Erklärung der Menschenrechte gehört. Damit habe ich Sie widerlegt. Unabhängig davon, was Sie sich da sonst noch belanglosem aus dem Artikel über Religionsfreiheit aus den Fingern saugen.

Gegenfrage

Sind Länder, die die Menschenrechte nicht achten weniger wert als die die es tun? Ohne jetzt darauf zu antworten, im Endeffekt sind es alles Menschen ob gläubig oder nicht, jeder von ihnen hat etwas was ihnen heilig ist und wenn andere das mit Füßen treten und missachten, so ist es weder mit den Freiheiten einer Demokratie noch mit den Menschenrechten vereinbar. Diese "Bühne" hätte vor der Kirche, in der Kirche auf den Bänken oder sonst wo sein können, aber es musste unbedingt der Altar sein. Millionen von Menschen die vielleicht gläubig sind dürfen sich im Internet anschauen wie 4 maskierte Frauen auf dem Altar rumtanzen und rumschreien.

Natürlich ist Russland nicht perfekt, das behauptet keiner. Wenn man sich aber die Geschichte der Gruppierung Woina anschaut und was sie alles schon gemacht haben. Denen wurde nie ein Haar gekrümmt, selbst für öffentliche Kopulation. Das waren auch bis jetzt alles Bagatellen, der Auftritt in der Kirche wiegt um einiges schwerer, vorallem mit der Geschichte.

Wenn sie meinen, mit dem Auftritt in der Kirche wurden positive Werte vermittelt, dann bin ich definitiv nicht ihrer Meinung. Die Gruppe hat gezeigt, dass nichts heilig ist und man alles machen darf wenn es darum geht ein Ziel zu verfolgen. Nichts ist heilig. Stark wäre es die Menschen dazu zu bewegen sich Gedanken zu machen über die Regierung und die Zustände.

Ich habe nirgendwo von russischem Recht gesprochen sondern nur von den Menschenrechten. Sie haben also gar nichts widerlegt.