Berufungsverhandlung Eine Pussy-Riot-Aktivistin kommt frei, zwei müssen ins Lager
Überraschung in Moskau: Das Hafturteil gegen ein Mitglied der Punkband Pussy Riot ist aufgehoben worden. Die beiden anderen Musikerinnen indes müssen zwei Jahre in Haft.
© Natalia Kolesnikova/AFP/GettyImages

Die Mitglieder von Pussy Riot Jekaterina Samuzewitsch, Marija Aljochina und Nadeschda Tolokonnikowa (v.l.n.r.) am Mittwoch vor Gericht in Moskau
Das juristischen Ringen um die Punkband Pussy Riot hat ein Ende: Ein russisches Berufungsgericht hat einer der drei Musikerinnen der Band die Haftstrafe erlassen. Jekaterina Samuzewitsch kommt auf Bewährung frei. Die zwei anderen Frauen müssen aber für zwei Jahre ins Straflager.
Gegen dieses ursprüngliche Strafmaß hatten alle drei Aktivistinnen Berufung eingelegt. Die bereits für vergangene Woche angekündigte Entscheidung darüber war zunächst vertagt worden, weil Samuzewitsch ihre Anwälte entlassen hatte. Sowohl ihre beiden Bandkolleginnen als auch ihre Verteidiger hatten sich überrascht von dieser Entscheidung gezeigt.
Die neue Anwältin von Samuzewitsch machte nun geltend, dass die Aktion ohne ihre Mandantin stattgefunden habe. Samuzewitsch sei bereits wenige Sekunden, nachdem sie die Kirche betreten hatte, festgenommen worden. Während der Aktion in der Kirche habe sich die Sängerin also bereits außerhalb der Kirche befunden, sagte die Anwältin während der Anhörung.
Bis zuletzt hatte die Verteidigung nicht mit einer Revision des Urteils gerechnet. Als Grund für ihren Pessimismus nannten die Anwälte eine Hetzkampagne gegen ihre Klientinnen. "Leider hat die Regierung mit ihrer Propaganda Erfolg und weite Teile der Bevölkerung sind davon überzeugt, dass die Strafe für unsere Mandantinnen gerechtfertigt ist", sagte Verteidiger Nikolaj Polosow vor der Anhörung. Zuletzt hatte Präsident Wladimir Putin dem Fernsehsender NTV erklärt, er halte das Urteil gegen die drei Frauen für richtig. "Das ist zweifellos eine Ausübung von Druck auf das Berufungsgericht", so Polosow.
Punk-Gebet in der Christ-Erlöser-Kirche
Die Band-Mitglieder hatten im Februar mit den für ihre Auftritte charakteristischen bunten Sturmmasken den Altarraum der Christ-Erlöser-Kathedrale gestürmt. In einem "Punk-Gebet" brachten sie lautstark ihre Wut über den damaligen Ministerpräsidenten Putin sowie dessen enge Verbindung zur russisch-orthodoxen Kirche zum Ausdruck. Am 17. August wurden sie deshalb wegen "Rowdytums aus religiös motiviertem Hass" verurteilt.
Der Prozess brachte Putin weltweit in die Kritik, der Urteilsspruch nährte die Zweifel an der Unabhängigkeit der russischen Justiz und war für viele Symbol für die harte Hand der Regierung gegenüber Dissidenten. Schließlich setzten sich auch internationale Stars wie Paul McCartney und Madonna für die Musikerinnen ein.
Daraufhin hatten aber offenbar sowohl Politik als auch die Kirche ein großes Interesse daran, den Fall hinter sich zu bringen, um im In- und Ausland weitere Proteste und Kritik zu vermeiden. So forderte Ministerpräsident Dmitri Medwedew bereits vor einigen Wochen Milde für Samuzewitsch, Nadeschda Tolokonnikowa und Marija Aljochina. Sie weiter in Gefangenschaft zu halten sei "unproduktiv".
Kein Schuldeingeständnis
Schließlich setzte sich auch die russisch-orthodoxe Kirche für eine Begnadigung von Pussy Riot ein. Zwar müssten die Musikerinnen auf jeden Fall bestraft werden, sagte ein Kirchensprecher. "Wenn sie aber Reue in irgendeiner Form zum Ausdruck bringen, muss dies berücksichtigt werden."
Dies allerdings hatte die Band immer kategorisch abgelehnt und wies eine solche Forderung auch im Berufungsverfahren von sich. Gleichwohl entschuldigten sich die Frauen noch einmal bei den Gläubigen, deren Gefühle sie verletzt haben. Sie betonten, dass sich ihre Aktion nicht gegen russisch-orthodoxe Christen gerichtet habe. "Wir wollten niemanden beleidigen", sagte Alechina. "Wir sind in die Kathedrale gegangen, um dagegen zu protestieren, dass sich die politischen und spirituellen Eliten vereinen."
- Datum 10.10.2012 - 13:46 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, dapd, AFP
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"Der Prozess brachte Putin weltweit in die Kritik, der Urteilsspruch nährte die Zweifel an der Unabhängigkeit der russischen Justiz und war für viele Symbol für die harte Hand der Regierung gegenüber Dissidenten."
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"Die katholische Kirche hat ein Gruppe von Unterstützern der russischen Band Pussy Riot angezeigt. Den drei Demonstranten droht eine Haftstrafe, weil sie eine Messe im Kölner Dom gestürmt haben."
"Die drei könnten nun wegen Hausfriedensbruch und Störung der Religionsausübung belangt werden. Letzteres kann mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit einer Geldstrafe bestraft werden. In einem ähnlichen Fall war ein Berliner 2006 zu neun Monaten Haft verurteilt worden, nachdem er zwei Jahre zuvor den zentralen Festgottesdienst zum Tag der deutschen Einheit durch laute Schreie gestört und mit Flugblättern um sich geworfen hatte."
http://www.fr-online.de/p...
diesen Mist nun unter jeden Pussy-Riot Artikel kopieren und sich dabei resistent jedes Argumentes zeigen? Zwischen Gesetz und Rechtsprechung gibt es Unterschiede. Was da in Russland passiert ist, ist eine Schande und eine Unterdrückung. Es ist eine Menschenrechtsverltzung, die die Mehrheit der Menschen gut findet. Es ist ein sittlicher und moralischer Rückfall in längst vergangene Zeiten. Und nicht zuletzt ist es ein Zeichen dafür, dass Kirchen niemals wieder die Macht über Europa erlangen sollten. Sie sind nicht demokratisch.
diesen Mist nun unter jeden Pussy-Riot Artikel kopieren und sich dabei resistent jedes Argumentes zeigen? Zwischen Gesetz und Rechtsprechung gibt es Unterschiede. Was da in Russland passiert ist, ist eine Schande und eine Unterdrückung. Es ist eine Menschenrechtsverltzung, die die Mehrheit der Menschen gut findet. Es ist ein sittlicher und moralischer Rückfall in längst vergangene Zeiten. Und nicht zuletzt ist es ein Zeichen dafür, dass Kirchen niemals wieder die Macht über Europa erlangen sollten. Sie sind nicht demokratisch.
...dass es
1. Jekaterina Samuzewitsch ist,
2. die auf Bewährung freikommt ?
ich hätte es überlesen.
Es steht gleich im ersten Absatz.
ich hätte es überlesen.
Es steht gleich im ersten Absatz.
Entfernt. Verzichten Sie bitte auf überzogene Polemik. Danke, die Redaktion/ds
ich hätte es überlesen.
Er kann die Gruppe spalten (bzw. auch noch den Umkreis der Gruppe), und setzt genau die Frauen fest, die ein Kind haben und unter der Haft/dem Arbeitslager besonders leiden werden.
Nicht, dass ich damit sagen will, er hätte die kinderlose Frau einsperren sollen... aber seitens der Regierung in RF ist das wirklich eine "gelungene" Aktion. Auch gegenüber dem Westen, denn für russische Verhältnisse handelt es sich um recht geringfügige Strafen.
Dass es dafür keine strafrechtlich relevante Grundlage gab, ist ja egal... und Putin kann sich als Beschützer der orth. russ. Kirche weiter etablieren.
Interessant, trotz allem, ich habe Schlimmeres erwartet.
"Dass es dafür keine strafrechtlich relevante Grundlage gab, ist ja egal... und Putin kann sich als Beschützer der orth. russ. Kirche weiter etablieren."
Natürlich gibt es die! Selbst in Deutschland stehen auf Störung der Religionsausübung bis zu 3 Jahre Haft.
In Deutschland (Erfurt) wurde auch ein Mann zu 9 Monaten Haft wegen Störung der Religionsausübung (§167 StGB) verurteilt. Er hat eine Predigt mit Schreien unterbrochen und mit Flugblättern um sich geworfen.
"Dass es dafür keine strafrechtlich relevante Grundlage gab, ist ja egal... und Putin kann sich als Beschützer der orth. russ. Kirche weiter etablieren."
Natürlich gibt es die! Selbst in Deutschland stehen auf Störung der Religionsausübung bis zu 3 Jahre Haft.
In Deutschland (Erfurt) wurde auch ein Mann zu 9 Monaten Haft wegen Störung der Religionsausübung (§167 StGB) verurteilt. Er hat eine Predigt mit Schreien unterbrochen und mit Flugblättern um sich geworfen.
Entfernt. Verzichten Sie auf Unterstellungen und tragen Sie argumentativ zum Thema bei. Die Redaktion/mak
hat das Trio in der Kirche doch begangen, oder? Wenn die orthodoxe Kirche überraschenderweise sogar eine goldene Brücke baut, ist es doch unklug, dies nicht zu nutzen. Man hätte sich doch für den Hausfriedensbruch entschuldigen können, ohne von der inhaltlichen Aussage des Auftritts abzurücken.
"Dass es dafür keine strafrechtlich relevante Grundlage gab, ist ja egal... und Putin kann sich als Beschützer der orth. russ. Kirche weiter etablieren."
Natürlich gibt es die! Selbst in Deutschland stehen auf Störung der Religionsausübung bis zu 3 Jahre Haft.
In Deutschland (Erfurt) wurde auch ein Mann zu 9 Monaten Haft wegen Störung der Religionsausübung (§167 StGB) verurteilt. Er hat eine Predigt mit Schreien unterbrochen und mit Flugblättern um sich geworfen.
steht nicht 3 Jahre sondern bis zu 3 Jahre und die würden niemals auf diese Weise angewandt werden, weil das gegen das Grundgesetz verstoßen würde, welches die Menschenrechte schützt.
Sie sind einfach gegen Pussy Riot und für Putin. Sie ertragen es nicht, dass "Der Westen" mal wieder Russland kritisiert. Ich aber ertrage es nicht, dass wegen diesem Ideologiestreit Frauen, die Mutig waren wie die Bürger in der DDR oder Luther selbst, in den Knast wandern müssen und das auch noch von vielen Applaus erntet.
wird man allerdings nicht zu 2 Jahren Straflager verurteilt sondern zu 1 Jahr Gefängnis.
Straflager verletzen massiv die Menschenrechte, indem sie Arbeiter unmenschlichen Bedingungen aussetzen und ehrverletzende Maßnahmen einsetzen. In Deutschland und auch im Rest der EU wäre eine solche Situation undenkbar da sie sowohl gegen das Grundgesetz als auch gegen die EU-Menschenrechtskonvention verstößt.
war der Mann bereits vorbestraft und hat einen aktiven Gottesdienst gestört mit Propagande gegen das Abtreibungsrecht von Frauen. Er bekam 9 Monate Haft.
Pussy-Riot haben keinen aktivne Gottesdiesnt gestört, haben sich gegen ein offensichtlich undemokratisches Russland geäußert und die Verknüpfung der Kirche in diese Undemokratie an den Pranger gestellt und bekommen dafür 2 Jahre Straflager.
Ein Unterschied wie Tag und Nacht, auch wenn ich beide Strafen für überhöt halte. Niemand sollte ins GEfängnis, wenn er keine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt. Das ist meine Überzeugung. Eine Strafe allein darf Gefängnis nicht sein, denn es bedeutet Freiheitsentzug.
Dennoch ist ihr Vergleich ätzend und unsachlich und eine Verharmlosung von Menschenrechtsverletzungen.
ist dsa was Pussy-Riot tun vielmehr mit dem was Dissidenten und Bürger überall auf der Welt tun, wie zB Kirchenbesetungen. Sie sind ein häufiges Mittel von Unterdrückten um auf die Unterdrückung hinzuweisen.
Passiert sogar noch in Deutschland, ohne drastische Konsequenzen, wie hier:
http://www.bundeswehr-weg...
In der DDR wurde
http://www.ad-hoc-news.de...
In der DDR ging ein großer Teil des Protests der Bürgerbewegung von der Kirche aus, und zwar nicht von denen, die Analog zu Russland ein Patriarch gewesen wären, sondern vom "Fußvolk" dass sich auch gegen seine eigene Kirche wandte, die sich der Staatsführung hingab. Berühmt geworden ist die Besetzung des Erfurter Doms durch Gläubige. Die Kirche und der Staat versuchten diese zu verdecken und täuschten Baumaßnamen vor. Die "Religionsausübung" wurde also massiv gestört.
http://einestages.spiegel...
Wir müssen uns wieder auf diese Menschen besinnen, die in unsere Geschichte und in der Geschichte der Menschheit immer wieder gezeigt haben, dass die Veränderungen und Revolutionen hin zur Demokratie und Aufklärung häufig von Menschen kommen, die den Mund aufmachen, etwas riskieren und sich selbst mitunter Opfern um auf eine Sache hinzuweisen.
Pussy Riot sind solche Heldinnen der Geschichte.
steht nicht 3 Jahre sondern bis zu 3 Jahre und die würden niemals auf diese Weise angewandt werden, weil das gegen das Grundgesetz verstoßen würde, welches die Menschenrechte schützt.
Sie sind einfach gegen Pussy Riot und für Putin. Sie ertragen es nicht, dass "Der Westen" mal wieder Russland kritisiert. Ich aber ertrage es nicht, dass wegen diesem Ideologiestreit Frauen, die Mutig waren wie die Bürger in der DDR oder Luther selbst, in den Knast wandern müssen und das auch noch von vielen Applaus erntet.
wird man allerdings nicht zu 2 Jahren Straflager verurteilt sondern zu 1 Jahr Gefängnis.
Straflager verletzen massiv die Menschenrechte, indem sie Arbeiter unmenschlichen Bedingungen aussetzen und ehrverletzende Maßnahmen einsetzen. In Deutschland und auch im Rest der EU wäre eine solche Situation undenkbar da sie sowohl gegen das Grundgesetz als auch gegen die EU-Menschenrechtskonvention verstößt.
war der Mann bereits vorbestraft und hat einen aktiven Gottesdienst gestört mit Propagande gegen das Abtreibungsrecht von Frauen. Er bekam 9 Monate Haft.
Pussy-Riot haben keinen aktivne Gottesdiesnt gestört, haben sich gegen ein offensichtlich undemokratisches Russland geäußert und die Verknüpfung der Kirche in diese Undemokratie an den Pranger gestellt und bekommen dafür 2 Jahre Straflager.
Ein Unterschied wie Tag und Nacht, auch wenn ich beide Strafen für überhöt halte. Niemand sollte ins GEfängnis, wenn er keine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt. Das ist meine Überzeugung. Eine Strafe allein darf Gefängnis nicht sein, denn es bedeutet Freiheitsentzug.
Dennoch ist ihr Vergleich ätzend und unsachlich und eine Verharmlosung von Menschenrechtsverletzungen.
ist dsa was Pussy-Riot tun vielmehr mit dem was Dissidenten und Bürger überall auf der Welt tun, wie zB Kirchenbesetungen. Sie sind ein häufiges Mittel von Unterdrückten um auf die Unterdrückung hinzuweisen.
Passiert sogar noch in Deutschland, ohne drastische Konsequenzen, wie hier:
http://www.bundeswehr-weg...
In der DDR wurde
http://www.ad-hoc-news.de...
In der DDR ging ein großer Teil des Protests der Bürgerbewegung von der Kirche aus, und zwar nicht von denen, die Analog zu Russland ein Patriarch gewesen wären, sondern vom "Fußvolk" dass sich auch gegen seine eigene Kirche wandte, die sich der Staatsführung hingab. Berühmt geworden ist die Besetzung des Erfurter Doms durch Gläubige. Die Kirche und der Staat versuchten diese zu verdecken und täuschten Baumaßnamen vor. Die "Religionsausübung" wurde also massiv gestört.
http://einestages.spiegel...
Wir müssen uns wieder auf diese Menschen besinnen, die in unsere Geschichte und in der Geschichte der Menschheit immer wieder gezeigt haben, dass die Veränderungen und Revolutionen hin zur Demokratie und Aufklärung häufig von Menschen kommen, die den Mund aufmachen, etwas riskieren und sich selbst mitunter Opfern um auf eine Sache hinzuweisen.
Pussy Riot sind solche Heldinnen der Geschichte.
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