RusslandPussy-Riot-Mitglied in "Höllenlager" verlegt

Die verurteilten Aktivistinnen von Pussy Riot werden in Straflager weit ab von Moskau gebracht. Damit wird der Kontakt zu ihren Familien für die jungen Mütter erschwert. von afp, dpa und

Maria Aljochina (links) und Nadeschda Tolokonnikowa im Moskauer Gerichtssaal am 10. Oktober

Maria Aljochina (links) und Nadeschda Tolokonnikowa im Moskauer Gerichtssaal am 10. Oktober  |  © Maxim Shemetov

Zwei Mitglieder der Moskauer Band Pussy Riot sind in weit entfernte Straflager gebracht worden. Die beiden jungen Mütter waren wegen ihres Protests gegen Wladimir Putin zu zwei Jahren Haft verurteilt worden und sollen die Haftstrafe Hunderte Kilometer von ihren Familien entfernt absitzen.

Die 22-jährige Nadeschda Tolokonnikowa , die eine vierjährige Tochter hat, komme in ein "Höllenlager" in der Teilrepublik Mordwinien, mehr als 420 Kilometer südöstlich von Moskau . Das berichtete die Künstlergruppe Woina über Twitter . Tolokonnikowas Ehemann ist Mitglied der Gruppe. Die 24-jährige Bandkollegin Marija Aljochina , Mutter eines fünfjährigen Sohnes, müsse die Strafe in der Stadt Perm am Ural etwa 1.150 Kilometer östlich der Hauptstadt verbüßen, teilte Woina mit. Es seien die "schlimmstmöglichen Camps", die für die Frauen ausgesucht worden seien.

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Nach Angaben der Anwältin der Musikerinnen erfuhren die Angehörigen erst von der Verlegung, als sie den Frauen am Montag Pakete in das Gefängnis in Moskau bringen wollten. Die Musikerinnen seien bereits am Samstag aus der Haftanstalt weggebracht worden.

Bewährung für eine Angeklagte

Das Untersuchungsgefängnis in Moskau habe den Abtransport bestätigt, sagte Verteidiger Mark Fejgin der Agentur Interfax. Allerdings gebe es noch keine offizielle Bestätigung, wohin die Aktivistinnen kämen. Bürgerrechtler warnten vor unmenschlichen Haftbedingungen und brutalen Misshandlungen durch Mitgefangene.

Ein Moskauer Gericht hatte am 10. Oktober das Urteil gegen die beiden Frauen wegen Rowdytums aus religiösem Hass bestätigt . Die Strafe für die dritte Angeklagte Jekaterina Samuzewitsch war in zweiter Instanz zur Bewährung ausgesetzt worden. Alle drei hatten am 21. Februar mit einem Punkgebet in der wichtigsten Moskauer Kirche gegen Putins Rückkehr als Präsident in den Kreml protestiert.

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Leserkommentare
    • tchonk
    • 22. Oktober 2012 16:54 Uhr

    Würde mich mal interessieren, ob die Leute, die in alten Kommentaren die Strafe tatsächlich verteidigt haben, das immer noch gut finden.

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    • TddK
    • 22. Oktober 2012 18:18 Uhr

    Natürlich, Sie wussten selber worauf Sie sich eingelassen haben.

    die nicht nur immer noch sondern jetzt gerade erst recht.

    Dieses aufgeblusterte Fürsorgeszenarium für diese Tussis kann einem schon auf den Geist gehen.
    Man muß immer vorher sehen, was nachher die Folgen des eigenen Fehlverhaltens sein können.
    Aber dazu fehlt einem ja schon ansatzweise auch nur die kleinste Einsicht.
    Auf der Strasse hätte sich kein Mnesch über diese Dinge aufgeregt.
    In Kirchen macht man sowas halt nicht. Nicht in Russland und auch nicht in Deutschland oder anderswo.
    Iss mal gut jetzt.

    Im übrigen sollte die Radaktion wenigstens darauf achten, keine falschen Tatsachenbehauptungen aufzustellen:

    "Die beiden jungen Mütter waren wegen ihres Protests gegen Wladimir Putin zu zwei Jahren Haft verurteilt worden und sollen die Haftstrafe Hunderte Kilometer von ihren Familien entfernt absitzen."

    Die "Damen", die jetzt für die Medien plötzlich nur noch arme Mütterchen sind, sind wegen Kirchenschändung und Rowdytum verurteilt worden. Putin hat nicht mal Anzeige wegen Beleidigung erstattet. In Deutschland ist für die genannten Delikte ein ähnliches Strafmaß möglich.

  1. Mit Straflager für Rowdies. Wie paßt das zusammen?

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    • chrisi
    • 22. Oktober 2012 18:55 Uhr

    Nun ja. In den russischen Meinungsumfragen befürworten die meisten Russen das Urteil.
    In diesem Sinne ist das Urteil doch schon im Namen des Volkes gesprochen meinen Sie nicht?

  2. ... ob ein Putin wirklich so schwach ist, dass er zu solch drakonischen Strafen greifen muss, um Protestaktionen und Demonstrationen verhindern zu können?
    Die Studentenproteste zeigen: ja. Auch sein Rückhalt in der Bevölkerung mangelt insbesondere bei den jungen Menschen in Russland. Ob diese Ungerechtigkeit in Form eines rechtstaatlichen Prozesses tatsächlich junge Russen davon abhalten wird, gegen das Regime zu protestieren? Ich schätze mal zum Großteil. Ein kleiner Teil davon wird sich verhärten und umso motivierter den neurussischen Zarren in Frage stellen. Es ist auch eine Schande für die russische Bevölkerung, dass sie nicht gegen dieses drakonische Urteil auf die Straße geht. Vielleicht sind sie aber schon so durch Armut, Medien und Kirche indoktriniert, dass sie darin eine Gerechtigkeit sehen. Ich hoffe es nicht.

    Eine Leserempfehlung
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    • TddK
    • 22. Oktober 2012 18:15 Uhr

    Die Studentenproteste zeigen: ja. Auch sein Rückhalt in der Bevölkerung mangelt insbesondere bei den jungen Menschen in Russland.
    Welche Studentenproteste?
    Selbst die Opposition in Russland hat sich sofort von den Pussy-Riot distanziert und gesagt dass diese Aktion den Oppositionellen sehr geschadet hat. Putin hat immer noch sehr hohen Rückhalt in der Bevölkerung.

    Wenn Sie echte Demonstrationen sehen wollen, schauen Sie Portugal, Spanien, Griechenland wo Millionen auf die Straße gehen und nicht wie in Moskau mit 10000 Demonstranten in einer über 12 Millionen Einwohner Stadt.

    Es ist auch eine Schande für die russische Bevölkerung, dass sie nicht gegen dieses drakonische Urteil auf die Straße geht. Vielleicht sind sie aber schon so durch Armut, Medien und Kirche indoktriniert, dass sie darin eine Gerechtigkeit sehen. Ich hoffe es nicht.

    Mehr als die Hälfte der Russen halten die Straffe für gerechtfertigt und gut 1/3 halten diese für zu mild! Es die Sache der Russen welche Urteile sie fällen und nicht der Deutschen Möchtegern Weltverbesserer, selbst in Deutschland währen die Pussy-Riot nach § 167 Störung der Religionsausübung ggf. auch noch § 123 StGB Hausfriedensbruch Hintergitter gekommen!
    Was die Armut angeht, in Deutschland ist der Bevölkerungsanteil unter Armutsgrenze größer als in Russland.

  3. Ganz offensichtlich reicht es Putin nicht, dass viele russische Mütter ihre Kinder verlassen müssen und im Ausland niedrige Arbeiten verrichten müssen, weil der Mann, dank Putins Politik säuft.
    Nein, er sorgt auch ganz persönlich dafür, dass junge Mütter wegen Kritik an ihm, wie sie in jedem Rechtsstaat mehr als normal ist, ins Arbeitslager gebracht werden, fern von den kleinen Kindern.
    Ich weiss ja, dass Putin alles andere als eine gerechte Person ist. Aber dass er so tief fällt und sich so schuldig macht, übertrifft meine kühnsten Vorstellungen.
    Wir tun gut daran, sein Regime im Auge zu behalten und den Handel aufs Nötigste zu beschränken.
    Der Mann ist gefährlich, verblendet von seinem unendlichen Stolz und dem festen Glauben Gottgleich zu sein.

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    • Isi 1st
    • 22. Oktober 2012 18:31 Uhr

    ...und was sind Freiheitskämpfer(innen) ohne Kampf? Eine bessere vielleicht aber auch tragischere Lobby hätten die Beiden doch gar nicht bekommen können - ein Gnadenersuch haben sie doch abgelehnt...

    Russland stand vor dem Abgrund an den es der ständig trunkene Jelzin heran geführt hat. Betrug, Willkür und Anarchie hat einige wenige 'Egoisten' zu Oligarchen, zu Milliardären!!! aufsteigen lassen. Die Sowjetunion ist zerbrochen und einem 'reichen' Russland drohte der Weg Griechenlands. Dies zu stoppen wird nicht leicht sein - was sind da schon drei möchtegern Punkerinnen.
    Wobei die Rolle des Auslands hierbei noch nicht wirklich hinterfragt ist. Die USA wollen Russland noch immer in die Knie zwingen. Steht vielleicht doch ein ausländischer Geheimdienst hinter dem Auftritt in der Kirche?
    Auch finde ich den Ausdruck Höllenlager mächtig populistisch - gibt es schließlich auch Dissidenten (oder Staatsfeinde) im 'guten' Westen: Assange, Manning, Svartholm, Watson,...
    ...klar, schaut man in den Westen wird man von der Sonne geblendet - da sieht man die Schandflecken (mehr Kriege, mehr Tote) nicht!

    • TddK
    • 22. Oktober 2012 18:15 Uhr

    Die Studentenproteste zeigen: ja. Auch sein Rückhalt in der Bevölkerung mangelt insbesondere bei den jungen Menschen in Russland.
    Welche Studentenproteste?
    Selbst die Opposition in Russland hat sich sofort von den Pussy-Riot distanziert und gesagt dass diese Aktion den Oppositionellen sehr geschadet hat. Putin hat immer noch sehr hohen Rückhalt in der Bevölkerung.

    Wenn Sie echte Demonstrationen sehen wollen, schauen Sie Portugal, Spanien, Griechenland wo Millionen auf die Straße gehen und nicht wie in Moskau mit 10000 Demonstranten in einer über 12 Millionen Einwohner Stadt.

    Es ist auch eine Schande für die russische Bevölkerung, dass sie nicht gegen dieses drakonische Urteil auf die Straße geht. Vielleicht sind sie aber schon so durch Armut, Medien und Kirche indoktriniert, dass sie darin eine Gerechtigkeit sehen. Ich hoffe es nicht.

    Mehr als die Hälfte der Russen halten die Straffe für gerechtfertigt und gut 1/3 halten diese für zu mild! Es die Sache der Russen welche Urteile sie fällen und nicht der Deutschen Möchtegern Weltverbesserer, selbst in Deutschland währen die Pussy-Riot nach § 167 Störung der Religionsausübung ggf. auch noch § 123 StGB Hausfriedensbruch Hintergitter gekommen!
    Was die Armut angeht, in Deutschland ist der Bevölkerungsanteil unter Armutsgrenze größer als in Russland.

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    Es die Sache der Russen welche Urteile sie fällen und nicht der Deutschen Möchtegern Weltverbesserer, selbst in Deutschland währen die Pussy-Riot nach § 167 Störung der Religionsausübung ggf. auch noch § 123 StGB Hausfriedensbruch Hintergitter gekommen!

    Blödsinn, man konnte in den letzten Monaten ähnliches hier sehen (Joachim Witt mit seiner neuesten Entgleisung gegenüber dem Glauben und gegenüber dem deutschen Militär) und - es hat niemanden interessiert.
    Nur weil etwas tatsächlich strafbar sein kann heisst dies nicht, dass es auch generelle Praxis ist dies so zu bestrafen. Putin hat Paragraphen gegen "Majestätsbeleidigung" eingeführt um seine Macht zu sichern - eben typisch Russisch/Sowjetisch. Nur weil viele Leute in Russland dies als normal ansehen heisst es noch lange nicht, dass es dies nach den Maßstäben einer zivilisierten Welt auch ist.

    >>Was die Armut angeht, in Deutschland ist der Bevölkerungsanteil unter Armutsgrenze größer als in Russland.<<

    Das kann man auch nur behaupten, solange man keine gemeinsame Bemessungsgrundlage für beide Staaten nimmt. Wie oft reisen denn die durchschnitts-Russen in den Urlaub? Wie hoch ist das durchschnittliche Privatvermögen? Wie viele Smartphones hat ein Durchschnittshaushalt? Wollten Sie andeuten, dass es den Menschen in Russland etwa besser geht wie hier?

    • hd74
    • 22. Oktober 2012 22:44 Uhr

    für gerechtvertigt und 1/3 hält sie für zu mild"

    Mich würde da mal interessieren, wen man da gefragt hat und vor allem, wer da gefragt hat. Ein staalicher Nachrichtensender oder irgendein politisches Büro oder sonst irgendjemand, der Putin untersteht?Nichts lässt dich so schön und einfach beinflussten oder fälschen wie Meinungsumfragen.

    • TddK
    • 22. Oktober 2012 18:18 Uhr

    Natürlich, Sie wussten selber worauf Sie sich eingelassen haben.

    Antwort auf "Immer noch? "
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    • Jalella
    • 23. Oktober 2012 7:56 Uhr

    "Sie wussten, worauf sie sich eingelassen haben"? Das kann ja wohl nicht Ihr Ernst sein. Und einen Protest gegen das Nazi-Regime hätten Sie dann auch so bewertet? Hans und Sophie Scholl hingerichtet? Schon Ok, sie wussten ja, worauf sie sich eingelassen haben?

    • tchonk
    • 22. Oktober 2012 18:24 Uhr

    "Mehr als die Hälfte der Russen halten die Straffe für gerechtfertigt und gut 1/3 halten diese für zu mild!"

    Sie wissen aber schon, dass die Medien in Russland ständig berichten, das es den Frauen um die Verletzung religiöser Gefühle ging?!

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    • TddK
    • 22. Oktober 2012 18:34 Uhr

    Wenn Sie schon mal Russische Nachrichten verfolgt hätten, würden Sie nicht so einen Blödsinn schreiben!

    • Isi 1st
    • 22. Oktober 2012 18:31 Uhr

    ...und was sind Freiheitskämpfer(innen) ohne Kampf? Eine bessere vielleicht aber auch tragischere Lobby hätten die Beiden doch gar nicht bekommen können - ein Gnadenersuch haben sie doch abgelehnt...

    Russland stand vor dem Abgrund an den es der ständig trunkene Jelzin heran geführt hat. Betrug, Willkür und Anarchie hat einige wenige 'Egoisten' zu Oligarchen, zu Milliardären!!! aufsteigen lassen. Die Sowjetunion ist zerbrochen und einem 'reichen' Russland drohte der Weg Griechenlands. Dies zu stoppen wird nicht leicht sein - was sind da schon drei möchtegern Punkerinnen.
    Wobei die Rolle des Auslands hierbei noch nicht wirklich hinterfragt ist. Die USA wollen Russland noch immer in die Knie zwingen. Steht vielleicht doch ein ausländischer Geheimdienst hinter dem Auftritt in der Kirche?
    Auch finde ich den Ausdruck Höllenlager mächtig populistisch - gibt es schließlich auch Dissidenten (oder Staatsfeinde) im 'guten' Westen: Assange, Manning, Svartholm, Watson,...
    ...klar, schaut man in den Westen wird man von der Sonne geblendet - da sieht man die Schandflecken (mehr Kriege, mehr Tote) nicht!

    Antwort auf "Es reicht noch nicht"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, tis
  • Schlagworte Russland | Nadeschda Tolokonnikowa | Wladimir Putin | Agentur | Gefängnis | Jekaterina Samuzewitsch
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