Der UN-Sicherheitsrat hat den syrischen Angriff auf die Türkei auf das Schärfste verurteilt und Regierungstruppen dafür verantwortlich gemacht. Das Gremium forderte die syrische Regierung auf, "die Souveränität und territoriale Integrität ihrer Nachbarn" zu achten. Derartige Verstöße gegen das internationale Recht müssten umgehend aufhören und dürften sich nicht wiederholen, hieß es. Angesichts der Gefahr einer weiteren Eskalation des Konflikts verlangte der Rat zudem Zurückhaltung von beiden Ländern. 

Um die Formulierung hatten die Ratsmitglieder stundenlang gerungen. Während der Westen das Regime von Präsident Baschar al-Assad klar in der Verantwortung sieht, hatten die Russen jede Kritik an der syrischen Regierung verhindern wollen. In einem ersten Entwurf war der Einschlag syrischer Granaten in dem türkischen Grenzort Akçakale , bei dem am Mittwoch fünf Zivilisten getötet worden waren, noch als "ernste Bedrohung des Friedens und der internationalen Sicherheit" bezeichnet worden.

Diplomaten zufolge soll noch ein weiterer Text verabschiedet werden, in dem die Anschläge in Aleppo am Mittwoch verurteilt werden, bei denen 48 Menschen getötet worden waren, die meisten davon Soldaten. Dieser zweite Text ist ein Zugeständnis an Syriens Verbündeten Russland .

Eine in Syrien abgeschossene Granate hatte am Mittwoch in der Ortschaft Akçakale fünf Frauen und Kinder getötet. Mindestens zehn weitere wurden laut türkischen Medienberichten verwundet. Zur Vergeltung beschoss die türkische Armee Ziele in SyrienDas türkische Parlament erteilte der Regierung ein Mandat für eine weitere militärische Intervention. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan versicherte aber, seine Regierung strebe keinen Krieg mit Syrien an. In Istanbul demonstrierten rund tausend Demonstranten gegen einen möglichen Krieg.

Während die Türkei den UN-Sicherheitsrat zum Handeln aufrief, sprach Syrien in einem Brief den Familien der Opfer Beileid aus. Der syrische UN-Botschafter in New York , Baschar al-Dschafari, sagte, dies sei aus Solidarität zu den Familien geschehen. Es sei aber keine Entschuldigung gewesen.

Die US-Regierung unterstützte den Nato-Verbündeten und bezeichnete die Vergeltungsangriffe als angemessen. Sie werden einen "abschreckenden Effekt" haben.

Die Nato hat nach eigenen Angaben bisher keine Bestrebungen, in Syrien militärisch zu intervenieren . "Wir glauben, dass eine politische Lösung der richtige Weg ist", sagte Nato-Chef Anders Fogh Rasmussen . Das Land sei zu groß – und die Lage zu explosiv. Zudem fehlt ohne einen entsprechenden UN-Sicherheitsratsbeschluss die rechtliche Basis für einen Militäreinsatz.

Russland und China sollen Blockade überdenken

Außenminister Guido Westerwelle ( FDP ) äußerte sich besorgt über die Gewalt und mahnte zur Besonnenheit. Zugleich rief er Russland und China zur Zusammenarbeit auf. "Diejenigen, die bisher im Sicherheitsrat blockiert haben, sollten jetzt erkennen, dass die Gefahr eines Flächenbrandes für die gesamte Region wächst, je länger der innersyrische Konflikt ungelöst bleibt", sagte er. "Russland und China sollten die jüngsten Spannungen an der türkisch-syrischen Grenze zum Anlass nehmen, ihre Haltung im Sicherheitsrat noch einmal zu überdenken. Wir brauchen eine politische Lösung und einen Neuanfang für Syrien", sagte der Minister. Die beiden Vetomächte hatten drei Mal im Sicherheitsrat eine Verurteilung der syrischen Regierung wegen ihres gewaltsamen Vorgehens gegen die Oppositionsbewegung verhindert.

Deutschland soll syrische Flüchtlinge aufnehmen

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz ( CDU ), hat sich derweil für eine Aufnahme syrischer Flüchtlinge in Deutschland ausgesprochen. Bund und Länder sollten prüfen, wie dies möglich gemacht werden könne und welche Unterstützung der Staat dazu leisten müsse, sagte Polenz. Viele der etwa 50.000 Syrer in Deutschland würden gern Verwandte bei sich aufnehmen, die sich in eines der Nachbarländer gerettet hätten, sagte er.