BürgerkriegWeitere Gefechte trotz Waffenruhe in Syrien

Vier Tage lang sollen die Kämpfe in Syrien unterbrochen werden. Ob die Vereinbarung wirklich hält, ist unsicher – Aktivisten berichten von andauernden Gefechten. von afp, dpa und dapd

Feuerpause in Aleppo, Syrien

Feuerpause in Aleppo, Syrien  |  © Philippe Desmazes/AFP/GettyImages

Im syrischen Bürgerkrieg hat offiziell die viertägige Waffenruhe begonnen. Trotz der Feuerpause, die mit Beginn des islamischen Opferfestes Eid al-Adha in Kraft trat, ist es zu einzelnen Gefechten in Syrien gekommen.

Aktivisten der Opposition berichteten von mehreren Toten. Drei Menschen seien in Harasta bei Damaskus durch Armeebeschuss und Heckenschützen ums Leben gekommen, meldeten die Mitarbeiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London . Gefechte wurde neben Idlib auch aus Homs gemeldet. Auch der türkische Nachrichtensender NTV berichtete von Gefechten zwischen Regierungstruppen und Rebellen nahe der Grenze zur Türkei .

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Die syrische Armee hatte am Donnerstag der von den Vereinten Nationen unterstützten Waffenruhe zugestimmt . Das Militär behielt sich aber vor, auf Verstöße gegen die Feuerpause von anderer Seite zu reagieren und den Rebellen eine Festigung ihrer Positionen zu verwehren. Zudem würden alle Versuche unterbunden, Kämpfer mit Nachschub zu versorgen.

Die bewaffnete Opposition hatte sich schon vorher mit dem Vorschlag des internationalen Syrien-Vermittlers Lakhdar Brahimi einverstanden erklärt, über die Feiertage die Kämpfe einzustellen. Allerdings gelte das nur, wenn sich auch das Regime von Baschar al-Assad mit Militärmaßnahmen zurückhalte, sagte der Rebellen-Oberst Kasim Saad Eddine.

Vermittler Brahimi hofft, dass das vorläufige Ende der Gefechte den Beginn einer politischen Lösung markieren wird. Unterstützt wird er in seiner Initiative vom Weltsicherheitsrat . "Die Mitglieder des Sicherheitsrat rufen alle Beteiligten – besonders die syrische Regierung als die stärkere Seite – dazu auf, positiv auf die Initiative des Sondervermittlers zu reagieren", hieß es in einer Erklärung. Frühere Initiativen für Feuerpausen waren gescheitert. Eine am 12. April ausgerufene Waffenruhe wurde rasch gebrochen . Ein neuerliches Scheitern könnte die Kämpfe laut Brahimi noch verschärfen.

Hoffen auf eine politische Lösung

Die USA äußerten sich skeptisch über die Vereinbarung. Das syrische Regime habe bisher nicht bewiesen, dass es sich an Abmachungen halte, sagte Außenamtssprecherin Victoria Nuland. Man sei zwar froh über jeden Tag, an dem eine Feuerpause in dem Land herrsche, da dies "den Raum dafür öffnet, weiter am (politischen) Übergang zu arbeiten". Aber im Laufe des vergangenen Jahres sei klar geworden, dass "das syrische Regime gut darin ist, Versprechen zu machen, aber weniger gut darin, sich an sie zu halten", sagte Nuland.

Die UN-Vetomacht Russland , ein enger Verbündeter des Assad-Regimes, nannte die Waffenruhe "fundamental wichtig". Sie eröffne die Möglichkeit einer politischen Lösung, sagte ein Sprecher des Außenministeriums. Russland hoffe, dass die Muslime in Syrien das bevorstehende Opferfest ohne Angst um ihr Leben oder das ihrer Familie begehen könnten.

Außenminister Guido Westerwelle ( FDP ) sprach von einem kleinen "Schimmer der Hoffnung für die leidgeprüften Menschen". "Nun kommt es entscheidend darauf an, dass den Worten Taten folgen und die Waffenruhe ab Freitagmorgen auch tatsächlich eingehalten wird", hieß es in einer Erklärung Westerwelles.

Heftige Gefechte bis kurz vor der Pause

Radikale Islamisten in Syrien halten allerdings wenig von der Initiative. Die Terrorgruppe Al-Nusra-Front hat bereits angekündigt , für sie gelte eine Vereinbarung mit dem Assad-Regime nicht. Die Gruppe hatte sich bereits mehrmals zu Bombenanschlägen bekannt.

Kurz vor Beginn der Waffenruhe lieferten sich Regierungstruppen und Rebellen noch heftige Gefechte. Aktivisten der Opposition meldeten mehr als 100 Tote. Meldungen aus Syrien sind wegen der Medienblockade von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen.

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Leserkommentare
  1. Es gibt schon zu viele Interessengruppen, die im Syrienkonflikt involviert sind, als dass sich eine generelle Kampfpause durch eine Vereinbarung von zweien der Konfliktparteien herbeizaubern liesse.

    Generell glaube ich dass der Syrienkonflikt auf Jahrzehnte einen festen Platz in unseren Nachrichtenreportagen behalten wird. So wie zuvor schon der Kurdenkonflikt, der Irakkonflikt, der Palaestinenserkonflikt und der Buergerkrieg im Libanon.

    • hysni
    • 26. Oktober 2012 8:56 Uhr
    2. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Argumenten. Die Redaktion/ls

  2. Zitat: "Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sprach von einem kleinen "Schimmer der Hoffnung für die leidgeprüften Menschen". "Nun kommt es entscheidend darauf an, dass den Worten Taten folgen und die Waffenruhe ab Freitagmorgen auch tatsächlich eingehalten wird", hieß es in einer Erklärung Westerwelles."

    Wo sind die Taten?

    Bisher hat sich Deutschland in die Reihe der "Freunde Syriens" eingeordnet. Die Gesantheit der Rebellen wurden moralisch, mit Geld, Ausbildung und Waffen unterstützt. Das galt auch für die Al Nusra Front! Oder hat sich unser Außenminister jemals von diesen Terroristen distanziert? Im Gegenteil hat er an Stelle eines Dialogs deutsche Steuergelder für den "Day After" eingesetzt. Marschrichtung "Assad" muss weg".

    Haben wir überhaupt eine Strategie in der Außenpolitik?

    Wollen wir eine Intervention, ggfs. auch auf Seite der Aktivisten ohne Uniform, wie ein "renommierter" Professor der Universität der Bundeswehr in einer Talk Show mit Anne Will vor Monaten ungerügt äußern konnte?

    Die Diskussionen um Mali signalisieren bereits wieder: mit harmlosen Schritten in das nächste "Fettnäpfchen".

    Herr Westerwelle,
    beginnen Sie endlich mit der Unterstützung eines friedlichen Dialog unter dem Aspekt, dass beide Seiten Schuld auf sich geladen haben, und unterstützen Sie Brahimi nicht nur verbal. Die gemeinsame Grundlage ist vorhanden: die Resolutionen des UNSC und die Genfer Beschlüsse.

  3. 4. [...]

    Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare und verzichten auf Spekulationen. Danke, die Redaktion/ls

  4. 5. [...]

    Entfernt. Bitte verfassen Sie differenzierte Kommentare. Danke, die Redaktion/ls

  5. <em>Die bewaffnete Opposition hatte sich schon vorher mit dem Vorschlag des internationalen Syrien-Vermittlers Lakhdar Brahimi einverstanden erklärt</em>

    Die bewaffnete Opposition gibt es nicht. Es gibt dutzende Kampftruppen ohne Oberfehl mit eigenen Kommandeuren und ganz individuellen Zielen. Einige Al-CIAda nahe Gruppen (z.B. Ansar al-Islam) haben ja bereits verkündet sie werden die Waffenruhe ignorieren. Das sind die, die verheerende Bombenattentate verüben mit hunderten zivilen Toten, über die wir leider nichts in der Zeitung lesen (z.B. Sonntag in der Altstadt von Damaskus).

    http://rt.com/news/syria-ceasefire-eid-holiday-239/

    <em>Die USA äußerten sich skeptisch über die Vereinbarung. Das syrische Regime habe bisher nicht bewiesen, dass es sich an Abmachungen halte</em>

    Die USA sollten sich lieber garnicht mehr äussern. Wer in der türkischen Grenzregion mit CIA Agenten die Waffenlieferungen an die Milizen koordiniert, hat nichtmal im Ansatz das Recht über Frieden bzw. Waffenruhe zu sprechen.

    <em>Die UN-Vetomacht Russland, ein enger Verbündeter des Assad-Regimes, nannte die Waffenruhe "fundamental wichtig". Sie eröffne die Möglichkeit einer politischen Lösung, sagte ein Sprecher des Außenministeriums. </em>

    Russland hat auch wieder der USA vorgeworfen, Waffen an die Milizen zu liefern und den Bürgerkrieg zu schüren.

  6. Warum wird folgendes Zitat so häufig eingefügt?
    "Meldungen aus Syrien sind wegen der Medienblockade von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen."

    Wer sich bemüht, kommt an Informationen, zwar einseitig gefärbt, daran sind aber auch westliche Medien beteiligt.

    Tatsache ist, dass viele Medien Mitarbeiter in Syrien gehabt haben oder noch haben, auch freie Journalisten berichten, z.B. Karin Leukefeld. Die ARD hatte Kamera-Teams vor Ort etc.

    Man muss es nur wollen und sich an bestimmte Regeln halten.

    Auch die Berichte illegal eingereister Journalisten aus den Rebellenlagern sind informativ.

    Teils stellen sie die Terroristen als Freiheitskämpfer dar, die nur "das Beste" wollen:
    "Bei den Islamisten von Aleppo"
    http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-08/syrien-aleppo-al-kaida

    Andere haben den Mut, einem anderen Teil der "Wahrheit" auf die Spur zu kommen:
    "Inside Syria's civil war"
    http://www.cbsnews.com/video/watch/?id=50133121n

    Eine derartige "Exkulpation" entspricht nicht den Tatsachen.

    • SonDing
    • 26. Oktober 2012 10:56 Uhr

    Eine Waffenruhe hört sich erst einmal gut an und ist kurzfristig sicher gesünder für alle Beteiligten. Wenn Brahimi und mit ihm die UN-Verantwortlichen, jedoch langfristig nicht nur an ihrer Imagereparatur und wirklich an einem Ende des Blutvergiessens interessiert sind, dann sollte jetzt auch Klartext gesprochen werden, was die zahlreichen ausländischen Unterstützer der aus allen möglichen arabischen Ländern kommenden Terroristen, betrifft.

    Wie ist es möglich, dass dies zwar gelegentlich in Nebensätzen Erwähnung findet, jedoch nie so richtig zugeordnet und angeklagt wurde. Hier wird Völkerrecht gebrochen.

    Staaten, die selbst ihre Probleme im Umgang mit Menschenrechten haben, massen sich an, andere Staaten zu reglementieren und "aufständische Rebellen" mit Waffen zu unterstützen. In welcher Welt leben wir, dass ein amerikanischer Folterstaat zu Regimewechseln aufruft und diese unterstützt und im eigenen Land selbst nicht entsprechend agiert?

    Das Blutvergiessen wird unvermindert weiter gehen, solange die ausländische Intervention nicht beendet wird.

    "Der Präsidentschaftskandidat der Libertarian Party, Gary Johnson, sagte, dass die Bewaffnung der syrischen Rebellen durch die Regierung der USA eine "Fortsetzung der US-Politik" in einer langen Liste von militärischen Interventionen ist, die zu "Millionen" von Feinden geführt hat."

    http://de.ibtimes.com/articles/26118/20121014/gary-johnson-ein-viertel-d...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, dapd
  • Schlagworte Guido Westerwelle | Bürgerkrieg | Syrien | FDP | Weltsicherheitsrat | Feiertag
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