Im syrischen Bürgerkrieg hat offiziell die viertägige Waffenruhe begonnen. Trotz der Feuerpause, die mit Beginn des islamischen Opferfestes Eid al-Adha in Kraft trat, ist es zu einzelnen Gefechten in Syrien gekommen.

Aktivisten der Opposition berichteten von mehreren Toten. Drei Menschen seien in Harasta bei Damaskus durch Armeebeschuss und Heckenschützen ums Leben gekommen, meldeten die Mitarbeiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London . Gefechte wurde neben Idlib auch aus Homs gemeldet. Auch der türkische Nachrichtensender NTV berichtete von Gefechten zwischen Regierungstruppen und Rebellen nahe der Grenze zur Türkei .

Die syrische Armee hatte am Donnerstag der von den Vereinten Nationen unterstützten Waffenruhe zugestimmt . Das Militär behielt sich aber vor, auf Verstöße gegen die Feuerpause von anderer Seite zu reagieren und den Rebellen eine Festigung ihrer Positionen zu verwehren. Zudem würden alle Versuche unterbunden, Kämpfer mit Nachschub zu versorgen.

Die bewaffnete Opposition hatte sich schon vorher mit dem Vorschlag des internationalen Syrien-Vermittlers Lakhdar Brahimi einverstanden erklärt, über die Feiertage die Kämpfe einzustellen. Allerdings gelte das nur, wenn sich auch das Regime von Baschar al-Assad mit Militärmaßnahmen zurückhalte, sagte der Rebellen-Oberst Kasim Saad Eddine.

Vermittler Brahimi hofft, dass das vorläufige Ende der Gefechte den Beginn einer politischen Lösung markieren wird. Unterstützt wird er in seiner Initiative vom Weltsicherheitsrat . "Die Mitglieder des Sicherheitsrat rufen alle Beteiligten – besonders die syrische Regierung als die stärkere Seite – dazu auf, positiv auf die Initiative des Sondervermittlers zu reagieren", hieß es in einer Erklärung. Frühere Initiativen für Feuerpausen waren gescheitert. Eine am 12. April ausgerufene Waffenruhe wurde rasch gebrochen . Ein neuerliches Scheitern könnte die Kämpfe laut Brahimi noch verschärfen.

Hoffen auf eine politische Lösung

Die USA äußerten sich skeptisch über die Vereinbarung. Das syrische Regime habe bisher nicht bewiesen, dass es sich an Abmachungen halte, sagte Außenamtssprecherin Victoria Nuland. Man sei zwar froh über jeden Tag, an dem eine Feuerpause in dem Land herrsche, da dies "den Raum dafür öffnet, weiter am (politischen) Übergang zu arbeiten". Aber im Laufe des vergangenen Jahres sei klar geworden, dass "das syrische Regime gut darin ist, Versprechen zu machen, aber weniger gut darin, sich an sie zu halten", sagte Nuland.

Die UN-Vetomacht Russland , ein enger Verbündeter des Assad-Regimes, nannte die Waffenruhe "fundamental wichtig". Sie eröffne die Möglichkeit einer politischen Lösung, sagte ein Sprecher des Außenministeriums. Russland hoffe, dass die Muslime in Syrien das bevorstehende Opferfest ohne Angst um ihr Leben oder das ihrer Familie begehen könnten.

Außenminister Guido Westerwelle ( FDP ) sprach von einem kleinen "Schimmer der Hoffnung für die leidgeprüften Menschen". "Nun kommt es entscheidend darauf an, dass den Worten Taten folgen und die Waffenruhe ab Freitagmorgen auch tatsächlich eingehalten wird", hieß es in einer Erklärung Westerwelles.

Heftige Gefechte bis kurz vor der Pause

Radikale Islamisten in Syrien halten allerdings wenig von der Initiative. Die Terrorgruppe Al-Nusra-Front hat bereits angekündigt , für sie gelte eine Vereinbarung mit dem Assad-Regime nicht. Die Gruppe hatte sich bereits mehrmals zu Bombenanschlägen bekannt.

Kurz vor Beginn der Waffenruhe lieferten sich Regierungstruppen und Rebellen noch heftige Gefechte. Aktivisten der Opposition meldeten mehr als 100 Tote. Meldungen aus Syrien sind wegen der Medienblockade von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen.