BürgerkriegKeine Feuerpause in Syrien

Auch am zweiten Tag der vereinbarten Waffenruhe hat es in Syrien landesweit Gefechte gegeben. Selbst die Luftwaffe soll bei einer Bombardierung zum Einsatz gekommen sein. von AFP, dpa , Reuters und dapd

Trümmer eines Hauses in dem Damaszener Vorort Arbeen, das nach Angaben der Rebellen am zweiten Tag der Waffenruhe bei einem Luftangriff der Armee zerstört wurde.

Trümmer eines Hauses in dem Damaszener Vorort Arbeen, das nach Angaben der Rebellen am zweiten Tag der Waffenruhe bei einem Luftangriff der Armee zerstört wurde.  |  ©Maawia Al-Naser/Reuters

Die für Syrien vereinbarte Waffenruhe hat auch am zweiten Tag des muslimischen Opferfestes nicht gehalten. Die Opposition berichtete von landesweiten Kämpfen zwischen Rebellen und Regierungstruppen. Dabei seien 20 Menschen getötet worden. Gegen die seit Freitagmorgen geltende viertägige Feuerpause wurde nach Erkenntnissen syrischer Aktivisten 220 Mal verstoßen.

"Keine Seite scheint bereit zu sein, mit den Kämpfen aufzuhören", sagte der Chef der oppositionellen Syrischen Beobachtungsstelle in London , Rami Abdel Rahman. Es sehe so aus, als ob die Waffenruhe scheitern werde.

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Aufständische berichteten, die Streitkräfte von Präsident Baschar al-Assad hätten Wohngebiete in den Städten Deir al-Sor und Aleppo beschossen. Syrische Kampfflugzeuge hätten den ersten Luftangriff seit Beginn der Waffenruhe geflogen und ein Gebäude in einem Vorort von Damaskus bombardiert, teilte die Beobachtungsstelle mit. Bei dem Angriff auf Arbeen seien acht Menschen getötet worden. Bewohner von Damaskus veröffentlichten entsprechende Videoaufnahmen von dem Einsatz der Kampfflugzeuge.

"Ich kann keinen Unterschied zur Zeit vor der Waffenruhe erkennen", sagte der Oppositionelle Mohammed Dumani. Die syrische Armee erklärte, sie habe auf Angriffe von Aufständischen reagiert. "Terroristen" hätten Militärposten angegriffen und eine Patrouille der Militärpolizei in Aleppo beschossen.

Die vom internationalen Sondergesandten Lakhdar Brahimi für die Dauer des islamischen Opferfestes vereinbarte Feuerpause sollte am Freitag in Kraft treten. Die Gewalt schien zunächst abzuebben, doch dann erschütterte ein schwerer Bombenanschlag die Hauptstadt Damaskus, bei dem fünf Menschen starben. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden am Freitag 150 Menschen getötet.

"Wir wussten, dass das Regime die Waffenruhe nicht einhält"

Die syrischen Streitkräfte hatten am Donnerstag der von UN-Vermittler Lakhdar Brahimi vorgeschlagenen Feuerpause zugestimmt , sich aber vorbehalten, auf Verstöße zu reagieren. Die bewaffnete Opposition hatte sich schon vorher einverstanden erklärt, über die Feiertage die Kämpfe einzustellen, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass sich auch die Armee daran halte.

"Wir haben die Waffenruhe für die internationale Gemeinschaft akzeptiert (...), doch wir wussten, dass das Regime sie nicht einhalten würde", sagte der Oberkommandeur der Rebellen in Aleppo, Oberst Abdel Dschabbar al-Okaidi, der Nachrichtenagentur AFP . "Unsere Aufgabe ist es, das Volk zu verteidigen, es sind nicht wir, die angreifen." Er bezeichnete die ausgerufene Waffenruhe als gescheitert.

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Leserkommentare
  1. fehlt das Wort "sein" zum Schluss.

    Zum Bericht selber: Dass das nicht halten würde, stant zu befürchten. Ebenso klar ist aber auch wieder, dass man nie herausfinden wird, wer zuerst angegfangen hat und wer nur erwidert hat.

    Deswegen finde ich den Bericht etwas einseitig, da er gen Ende das Ganze so hindreht als hätten die Truppen von Assad wieder damit angefangen, was man aber nicht wissen kann.

    10 Leserempfehlungen
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    Hat sich Assad gelangweilt und deshalb irgendwann gedacht, ab morgen bombardiere ich mal unsere Wohngebiete?
    Oder war da noch mehr, was im Rahmen von embedded Journalism gefälligst bei Syrien-Berichten wegzulassen ist?

    • mgalvez
    • 27. Oktober 2012 17:56 Uhr

    Soso, daß das Regime die Feuerpause nicht einhält: Autobomben-Anschlag in Damaskus, Angriffe auf Militärposten in Idlib und Aleppo.Wenn die Rebellen das ihrerseits für das Einhalten einer Feuerpause halten, dann sind solche Feuerpausen natürlich zwecklos. Fakt ist, die syrische Armee hatte eher Interesse an einer Waffenruhe als die Rebellen, weil die Streitkräfte gerade in Homs sehr müde gekämpft sind.

    12 Leserempfehlungen
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    Besonders pikant das Quellenverzeichnis:

    dpa, dapd, Reuters, AFP, sc, Chef der oppositionellen Syrischen Beobachtungsstelle in London, Rami Abdel Rahman

    Gekürzt. bitte verfassen Sie konstruktive Kritik. Danke, die Redaktion/se

  2. Besonders pikant das Quellenverzeichnis:

    dpa, dapd, Reuters, AFP, sc, Chef der oppositionellen Syrischen Beobachtungsstelle in London, Rami Abdel Rahman

    Gekürzt. bitte verfassen Sie konstruktive Kritik. Danke, die Redaktion/se

    8 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Von wegen.."
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    Entfernt, bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/se

  3. ...die nächsten zehn Jahre eigentlich regieren, wenn er alles kurz und klein bombardieren lässt, und verantwortlich ist, dass so viele sterben oder ins Exil gehen ?

    Mann sollte meinen, die letzte Resolution der UN-Vollversammlung vom 3. August dieses Jahres - die ganz überwiegend die Verantwortung bei ihm sah - wäre ihm eine Lehre gewesen, aber es scheint leider nicht so zu sein.

    Eine Leserempfehlung
  4. ...nur wiederholen, was ich schon in früheren Kommentaren geschrieben habe.

    Wann endlich greift der Westen hier ein und verhindert weitere sinnlose zivile Verluste?

    Das Regime muss gestürzt werden, mit allen dazu nötigen Mitteln! Ich hoffe, dass Mitt Romney die Wahl gewinnt und endlich durchgreift!

    mit solidarischem Gruß,
    besorgter_mitbuerger

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    • otyak
    • 27. Oktober 2012 23:46 Uhr

    eingegriffen hat. Die Folgen kennen wir.

    Der Präsident al Assad bleibt trotz alldem solange Präsident von Syrien, bis ihn die Mehrheit des syrischen Volkers den Rücken kehrt. Derzeit kann die "Opposition" von einer solchen Mehrheit nicht sprechen, auch wenn man ständig vom Volksaufstand spricht.
    Durch Wiederholung einer Lüge wird diese nicht zur Wahrheit.

    Eine einzige Frage: Werden eigentlich die "Rebellen", die zivil bekleidet sind, als Zivilisten gezählt oder als Bewaffnete?

    Wenn die "Rebellen" aus Wohnhäuser heraus die Armeeposten angreifen und die Armee deshalb zurückschlägt, gehen die zivilen Opfer auf das Konto der syrischen Armee oder der "Rebellen"?

    Welche Unterdrückung rechtfertigt Autobombenanschläge, bei denen Zivilisten getötet werden oder zumindest deren Ermordung in Kauf genommen werden?

    Die eigentliche Opposition in Syrien, die friedlich mehr Freiheit und Demokratie verlangt hat, muss unterstützt werden und nicht Mördertruppen, die aus dem Ausland kommen und zivile Bevölkerung terrorisieren.

    Nochmals: Es gibt keine Rechtfertigung für Autobomben in Wohngebieten, es gibt keine Rechtfertigung für Kopfabschneidung oder Hinrichtung von Gefangenen.

    Die "Opposition" in Syrien längst ihre Legitimation verloren.

    Nun ist jetzt Zeit, die Waffen-, Personal- und Geldlieferung an die "Rebellen" einzustellen. Nur so kann das Morden zumindest verringert werden.

  5. Wenn wir Bilder aus diesen Regionen ansehen: Männer mit Waffen. Ob nach Erdbeben, ein verunfallter Reisebus oder nach
    einer Kampfhandlung: Männer mit Waffen. So wird es nie funktionieren. Zumindest auf diesem Foto bräuchten die Protagonisten Schaufeln und Schubkarren, um den Schutt wegzuräumen. Ohne Waffe klappts vielleicht auch mit dem Nachbarn.

    5 Leserempfehlungen
  6. Wenn sich der Großteil der Rebellen nicht an diese Waffenruhe gebunden sieht und ankündigt weiter zu kämpfen, dann sollte man sich nicht überrascht geben oder nach einem Schuldigen suchen. Der Schuldige ist einfach zu benennen.

    Es gibt nur eine Gruppe der Rebellen, welche sich an den Waffenstillstand halten wollte, während alle anderen deutlich gemacht haben, das sie weiter kämpfen werden.

    "Die wichtigste Gruppe will sich an die Kampfpause halten, andere wollen weiterkämpfen." (N-TV)

    Wenn also de facto einfach weiter gekämpft wird von Seiten der "Opposition", dann gibt es de facto auch keine Waffenruhe von Seiten dieser "Opposition".

    Es liegt also NICHT an Assad, sondern an der "Opposition" wenn es keine Waffenruhe gibt bzw. diese gebrochen wird. Aus welchem guten Grund sollte die Regierung ihre Truppen von diesen Mörderbanden ohne Gegenwehr abschlachten lassen.

    Es ist eine bittere Enttäuschung, das dergleichen konsequente Schlußfolgerungen NIRGEND in der deutschen Mainstream-Presse zu finden. Obwohl es eure Meldungen waren ! Kein Wunder das bei solchen Berichten und Analysen die Sympatien für Assad wachsen ebenso wie das Mißtrauen gegen die Berichterstattung.

    Und ich wiederhole es noch einmal:

    Wenn also einfach weiter gekämpft wird von Seiten der "Opposition", dann gibt es de facto auch keine Waffenruhe von Seiten der "Opposition". Damit ist die "Opposition" allein schuldig am Scheitern des Waffenstillstandes.

    ALLEIN !

    9 Leserempfehlungen
  7. Es ist ein Irrtum, wenn wir glauben, es gaebe ein homogenes syrisches Volk, das von der Oberschicht ausgebeutet und unterdrueckt wuerde. Es entspricht dem Denken des 19.Jahrhunderts, aber hat mit den Realitaeten von heute nicht mehr viel gemein.

    Syrien ist ein komplexer Vielvoelkerstaat, so wie einst das Habsburger Imperium einer war. Kuenstlich zusammengefuegt durch Kolonialmaechte und wirtschaftlich wie militaerisch abhaengig von anderen Grossmaechten.

    Wer Frieden will fuer Syrien, der sollte nicht davor zurueckschrecken, den ethnischen und religioesen Gruppen Syriens den Weg in die Unabhaengigkeit zu ebnen. Leider stehen ausgerechnet unsere tuerkischen Verbuendeten dieser Loesung im Wege, indem sie die autonome kurdische Region innerhalb Syriens massiv bedrohen.

    Ein Ende des Konfliktes ist nur zu erreichen, wenn wir auch unsere eignen Freunde in der Region in ihre Schranken weisen, und die Konfliktparteien voneinander trennen. In Jugoslawien hat dies schliesslich auch geklappt.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, dapd, Reuters, AFP, sc
  • Schlagworte AFP | Feiertag | Gebäude | Gewalt | Hauptstadt | Nachrichtenagentur
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