Militärkonflikt mit Syrien Türkei bittet UN-Sicherheitsrat um Hilfe

Die Regierung in Ankara hat im Militärkonflikt mit Syrien die Vereinten Nationen angerufen. Nach Schusswechsel an der Grenze berät das Parlament über eine Intervention.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan

Die Türkei hat nach dem Beschuss eines türkischen Grenzorts durch syrische Truppen den UN-Sicherheitsrat eingeschaltet. Das höchste UN-Gremium müsse die Aggression stoppen, forderte die Regierung. Die Attacke sei ein Verstoß gegen internationales Recht und ein Angriff auf den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit.

Das türkische Militär setzte seinen Angriff auf einen syrischen Militärstützpunkt fort. Ziel sei die Region um die Stadt Tell Abjad gewesen, die rund zehn Kilometer von der gemeinsamen Grenze entfernt liegt, hieß es in türkischen Sicherheitskreisen. Mehrere Angehörige der syrischen Regierungstruppen seien getötet worden.

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In dem türkischen Dorf Akçakale waren am Mittwoch drei Granaten aus dem Nachbarland eingeschlagen, eine Frau und ihre vier Kinder starben. 13 weitere Menschen wurden verletzt, darunter mehrere Polizisten. Akçakale liegt unmittelbar an der Grenze und nahe des lange umkämpften Grenzübergangs Tell Abjad, den syrische Rebellen nach zweitägigen Gefechten eingenommen hatten.

Als Reaktion griff die Türkei am Mittwoch erstmals Ziele in Syrien an. Man habe die Angreifer mit Hilfe von Radargeräten identifiziert, teilte die Regierung in Ankara mit. Die türkische Artillerie nahm sie dann unter Feuer. Verlässliche Berichte über Opfer auf syrischer Seite gibt es bislang nicht.

Syrien kündigt Untersuchung an

Das türkische Parlament will in einer außerordentlichen Sitzung über einen Gesetzentwurf beraten, der eine Intervention in Syrien möglich machen soll. Nach türkischen Medienangaben soll der Text in ein bereits bestehendes Gesetz aufgenommen werden, das "Operationen außerhalb der türkischen Grenzen" möglich macht.

Der syrische Informationsminister Omran al-Subi kündigte eine Untersuchung des Angriffs an. Zudem drückte er im Namen der Regierung den Angehörigen und dem türkischen Volk sein Beileid aus, wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete. Im Fall von Grenzzwischenfällen müssten die Länder und Regierungen vernünftig, rational und verantwortungsvoll handeln, sagte der Minister.

Die Nato stufte den syrischen Angriff nach einer eilig einberufenen Sondersitzung der ständigen Nato-Botschafter als einen Bruch internationalen Rechts ein. Das Bündnis sieht eine Sicherheitsbedrohung für den Verbündeten Türkei. "Wie schon am 26. Juni festgestellt, beobachtet die Allianz die Situation in Syrien sehr genau", teilte die Nato-Führung mit. Damals hatte es bereits nach dem Abschuss eines türkischen Kampfflugzeugs Beratungen nach Artikel vier des Nato-Vertrags gegeben. Diese Konsultationen kann ein Verbündeter beantragen, wenn er seine Sicherheit als bedroht ansieht.

Nato - der Bündnisfall

Der Nordatlantikvertrag, der die Nato begründet, regelt, dass die Mitgliedsländer einander beistehen und gemeinsam das von den Vereinten Nationen anerkannte Recht auf Selbstverteidigung ausüben können, wenn ein Bündnispartner angegriffen wird. Dieser Bündnisfall wurde in der Geschichte der Nato bisher ein einziges Mal ausgerufen: nach den Anschlägen des 11. September 2001 in New York und Washington.

Geregelt wird der Bündnisfall in den Artikeln vier und fünf des Vertrags. Sie  haben folgenden Wortlaut:

Artikel 4
Die Parteien werden einander konsultieren, wenn nach Auffassung einer von ihnen die Unversehrtheit des Gebiets, die politische Unabhängigkeit oder die Sicherheit einer der Parteien bedroht ist.

Artikel 5
Die Parteien vereinbaren, dass ein bewaffneter Angriff gegen eine oder mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als ein Angriff gegen sie alle angesehen wird; sie vereinbaren daher, dass im Falle eines solchen bewaffneten Angriffs jede von ihnen in Ausübung des in Artikel 51 der Satzung der Vereinten Nationen anerkannten Rechts der individuellen oder kollektiven Selbstverteidigung der Partei oder den Parteien, die angegriffen werden, Beistand leistet, indem jede von ihnen unverzüglich für sich und im Zusammenwirken mit den anderen Parteien die Maßnahmen, einschließlich der Anwendung von Waffengewalt, trifft, die sie für erforderlich erachtet, um die Sicherheit des nordatlantischen Gebiets wiederherzustellen und zu erhalten.

Von jedem bewaffneten Angriff und allen daraufhin getroffenen Gegenmaßnahmen ist unverzüglich dem Sicherheitsrat Mitteilung zu machen. Die Maßnahmen sind einzustellen, sobald der Sicherheitsrat diejenigen Schritte unternommen hat, die notwendig sind, um den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit wiederherzustellen und zu erhalten.

Die USA sagten der Türkei ihre Unterstützung zu. "Wir stehen zu unserem türkischen Verbündeten", sagte der nationale Sicherheitsberater Tommy Vietor. "Alle verantwortungsvollen Nationen" müssten jetzt deutlich machen, dass ein Rücktritt des syrischen Machthabers Baschar al-Assad überfällig sei. Damaskus müsse einen Waffenstillstand im Bürgerkrieg erklären und den politischen Übergang beginnen.

Westerwelle fordert Entschuldigung

Noch vor Bekanntwerden des türkischen Gegenangriffs hatte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sich zutiefst besorgt über die Lage geäußert. Die Türkei müsse alle Kommunikationskanäle zu syrischen Behörden offenhalten, um einen weiteren Aufbau von Spannungen zu vermeiden, sagte Ban bei einem Telefonat mit dem türkischen Außenminister Ahmet Davutoğlu.

Außenminister Guido Westerwelle verlangte von der Regierung in Damaskus eine Entschuldigung für die Gewalt. Die "erneute Verletzung der territorialen Integrität der Türkei aus Syrien" sei "ein schwerwiegender Vorgang". Westerwelle bat den türkischen Außenminister Davutoğlu, "bei aller verständlicher Empörung mit Besonnenheit und mit dem Blick für die außerordentlich gefährliche Lage in der ganzen Region zu handeln".

Die Türkei hat seit Beginn des Bürgerkrieges im Nachbarland mehr als 93.000 syrische Flüchtlinge aufgenommen. Die Forderung Ankaras, eine Schutzzone für Vertriebene auf der syrischen Seite der Grenze einzurichten, hat international keine ausreichende Unterstützung erhalten. Die türkische Regierung sympathisiert mit den Assad-Gegnern.

 
Leser-Kommentare
    • fuhayo
    • 04.10.2012 um 7:33 Uhr

    War das nun der Tropfen der das Fass zum überlaufen gebracht hat?
    War es eine False Flag Aktion?
    Ich kann mir net Vorstellen das es für die Türkei gut ist in den Krieg zu ziehen, wird sie es WIrtschaftlich stemmen können???

    Im moment scheint es am Logischsten ein Sicherheitskorridor von 20 Km zu errichten,
    Aber ist die Grenze zu Syrien net mehrere Hundert KM lang?

    WIe wird die Nato die Türkei unterstützen?
    Wie wird sich Deutschland dran beteiligen?

    Whos next?

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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen und belegen Ihre Aussagen mit seriösen Quellen. Danke, die Redaktion/ls

    ..m.E. ist alles nennenswerte in der Geschichte eine eine false flag Aktion. Die Agenda wird so laufen, wie es bestimmt worden ist. --> Siehe Aussagen Vier-Sterne-General Wesley Clark, 02.03.2007

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen und belegen Ihre Aussagen mit seriösen Quellen. Danke, die Redaktion/ls

    ..m.E. ist alles nennenswerte in der Geschichte eine eine false flag Aktion. Die Agenda wird so laufen, wie es bestimmt worden ist. --> Siehe Aussagen Vier-Sterne-General Wesley Clark, 02.03.2007

  1. dass die Diskussion in diesem Thread etwas sachlicher verläuft als die gestern abend begonnene.

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  2. Dieser letzter Angriff auf die Türkei hat das Fass zum überlaufen gebracht. Spätestens jetzt muss der Westen gegen Diktator Assad geschlossen vorgehen.

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    Nichtsdestotrotz!

    Entfernt. Bitte verzichten Sie gegenüber anderen Diskussionsteilnehmern auf Vorwürfe. Danke. Die Redaktion/sh

    So wie sich Deutschland nach dem Angriff auf den Sender Gleiwitz "verteidigt" hat? Etwas mehr Kenntnis darüber, wie Kriege ausgelöst werden, könnte man schon erwarten, Das reicht von Tonking (Vietnamkrieg) bis zu Massenvernichtungswaffen (Irak).

    Nichtsdestotrotz!

    Entfernt. Bitte verzichten Sie gegenüber anderen Diskussionsteilnehmern auf Vorwürfe. Danke. Die Redaktion/sh

    So wie sich Deutschland nach dem Angriff auf den Sender Gleiwitz "verteidigt" hat? Etwas mehr Kenntnis darüber, wie Kriege ausgelöst werden, könnte man schon erwarten, Das reicht von Tonking (Vietnamkrieg) bis zu Massenvernichtungswaffen (Irak).

  3. Entfernt wegen unsachlicher Spekulationen. Die Redaktion/sh

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  4. syrischen Regierung zu diesem Thema.Danke!

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    ein Land wie Syrien, dessen Truppen im Bürgerkrieg gebunden sind, kann sich keinen Krieg mit dem großen Nachbar erlauben. Daher ist die Entschärfung seitens des syrischen Regimes nur logisch. Ich glaube nicht, dass man untätig bleiben sollte wenn das Nachbarhaus abfackelt. Auch Funken können gefährlich werden...

    ein Land wie Syrien, dessen Truppen im Bürgerkrieg gebunden sind, kann sich keinen Krieg mit dem großen Nachbar erlauben. Daher ist die Entschärfung seitens des syrischen Regimes nur logisch. Ich glaube nicht, dass man untätig bleiben sollte wenn das Nachbarhaus abfackelt. Auch Funken können gefährlich werden...

  5. wenn die Türkei ihre Granaten auf ihrer Seite der Grenze belassen würde.

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  7. Entfernt, bitte bleiben Sie beim Thema. Die Redaktion/sh

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    Sehr geehrter Herr Horn (sh)

    Der Artikel:

    "Die Attacke sei ein Verstoß gegen internationales Recht und ein Angriff auf den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit."

    Das internationale Recht wird hier klar thematisiert. Was stimmt mit meinem Beitrag nicht, der genau das Artikelthema behandelt, um gelöscht zu werden? Wenn die Türkei die UN anruft, beruft sie sich auch auf intenationales Recht etc.

    Sehr geehrter Herr Horn (sh)

    Der Artikel:

    "Die Attacke sei ein Verstoß gegen internationales Recht und ein Angriff auf den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit."

    Das internationale Recht wird hier klar thematisiert. Was stimmt mit meinem Beitrag nicht, der genau das Artikelthema behandelt, um gelöscht zu werden? Wenn die Türkei die UN anruft, beruft sie sich auch auf intenationales Recht etc.

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