Bürgerkrieg : Türkei will syrische Flüchtlinge auf Europa verteilen

Die Türkei fordert mehr Unterstützung bei der Bewältigung des Flüchtlingsstroms aus Syrien. Die EU zögert, beschließt aber neue Sanktionen gegen das Assad-Regime.
Blick auf ein syrisches Flüchtlingslager in der türkischen Provinz Kilis © Umit Bektas/Reuters

Kurz vor Beginn des EU-Außenministertreffens in Luxemburg hat der türkische EU-Minister Europa zur Aufnahme syrischer Flüchtlinge aufgefordert. Europa müsse beginnen, über diejenigen Menschen nachzudenken, "die aus Syrien in die Türkei geflohen sind", sagte Egemen Bagis der Zeitung Die Welt . "Europa sollte den Menschen helfen, die einen sicheren Hafen suchen und Flüchtlinge bei sich aufnehmen." Momentan sei Europa "vollkommen auf die Euro-Krise fixiert". Daher komme der Staatenbund nicht voran. Es werde aber Zeit, "dass Europa endlich hilft." Die EU müsse außerdem mehr finanzielle Hilfe leisten, forderte Bagis.

Dem türkischen Katastrophenschutz zufolge sind inzwischen mehr als 100.000 Syrer vor den Kämpfen in ihrer Heimat in das nördliche Nachbarland geflohen. Nach Regierungsangaben haben sich zusätzlich bis zu 30.000 Syrer außerhalb der insgesamt 14 Auffanglager in angemieteten Wohnungen und Häusern niedergelassen. Der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu hatte im Sommer erklärt, die Schwelle von 100.000 Flüchtlingen markiere das Ende der Aufnahmefähigkeit seines Landes.

Die Regierung in Ankara verlangt, Schutzzonen in Syrien selbst einzurichten und international durchzusetzen. Die Türkei will demnach bei den Vereinten Nationen ( UN ) offiziell die Einrichtung einer international überwachten Schutzzone für Bürgerkriegsflüchtlinge selbst beantragen. Wegen der Uneinigkeit im UN-Sicherheitsrat werden diesem Vorhaben aber nur geringe Erfolgschancen eingeräumt.

Deutschland grundsätzlich bereit

Außenminister Guido Westerwelle sprach sich dagegen erneut dafür aus , syrische Flüchtlinge vorrangig in den Nachbarländern wie der Türkei zu versorgen. "Der klare Schwerpunkt muss sein, die Flüchtlinge vor Ort zu versorgen", sagte er in Luxemburg. "Diese Flüchtlinge wollen ja nicht auf Dauer ihr Land verlassen, sie haben Verwandte, sie haben ihre gesamten persönlichen Beziehungen zu dem Land, und sie wollen möglichst schnell zurück in das Land."

Zu Bagis' Forderung sagte Westerwelle, Deutschland sei im Prinzip bereit , "Flüchtlinge bei uns aufzunehmen, zum Beispiel zu medizinischen Behandlungen." Ein solches Vorgehen könne es jedoch nur als gemeinsames Vorgehen der EU und in Absprache mit den UN geben.

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Kommentare

113 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

Toll! Türkei will Vormacht spielen

Dazu braucht sie Geld für den Krieg.

Die Folgekosten aus den Vorbereitungen, die Flüchlinge, soll dann die EU übernehmen - besser noch: die EU überweist das Geld.
Die Flüchtlinge kriegt sie später sowieso; die werden dann weitergeschleust und landen doch in der EU. Es besteht doch freie Wahl des Aufenthaltes, sobald man sich aus der Türkei auf den Weg macht und in EU landet; möglichst ohne Papiere, dann geht's auch nicht zurück.

Und Herr Westerwelle war doch gerade in Ankara, hat Erdogan die Unterstützung zugesagt. Winkt heute ab, macht Frau Merkel dann morgen mit.

Das kennt man doch bei Zeit online, oder?

Zur Erinnerung AD 2003, Zeit online:
http://www.zeit.de/2003/0...

Es ist allles so simpel und einfach, wird aber doch meist hier weggelöscht: Die schönsten, unvergänglichen Märchen der Welt sind und bleiben die Märchen aus 1001 Nacht.
Aber wenn man die Augen verschließt sieht man nicht, dass die Märchen heute immer noch gelebt werden.

hört auf nur zu lesen was ihr lesen wollt !!!

Nein es besteht keine "freie Aufenthaltswahl". Stattdessen sitzen die Menschen in den Ländern fest in über die sie die EU betreten haben. Wenn sie ab und zu mal andere Quellen als die für die Masse Deutschlands heranziehen würden wüssten Sie das. Es ist nämlich nicht nur Griechenland dass seid mehr als einem Jahr lautstark ein ernsthaftes Humanitäres und politisches Problem (Zustrom bei den Ultrafaschisten) aufgrund der 300-400 täglich ankommenden Flüchtlinge anspricht. Aber dies ignorieren wie gesagt die Medien die Sie konsultieren.
Falls Sie sich -wie ich aufgrund Ihres Kommentars leider bezweifle-
weiterbilden wollen : das entsprechende Abkommen nennt sich "Dublin II"

@Misa8 - Werte MitforistIn

"Es besteht doch freie Wahl des Aufenthaltes, sobald man sich aus der Türkei auf den Weg macht und in EU landet; möglichst ohne Papiere, dann geht's auch nicht zurück."
Das hatte ich geschrieben -
und das besagt nichts weiter als:
In der Türkei können die Flüchtlinge sich ihr weiteres Ziel in der EU aussuchen und sich Schleuserbanden anschließen. Die sorgen dann schon dafür, dass die Flüchtlinge, möglichst nach vorherigem Verlust ihrer Papiere, dort landen wo ...
Ganze Clans leben mittlerweile in Ballungsgebieten, wo sie sich ballen.
Die Probleme des clash der Kulturen gehen dabei voll zu Lasten des Westens - in der Türkei lebten sie innerhalb ihres eigenen, vertrauten Kulturkreises.

@torfkoeppl

Die absolute Mehrheit dieser Menschen strandet in dem Land in dem sie die EU betreten und dies sind meist die Länder Südeuropas. Bestünde freie Wahl wären diese Menschen alle in Deutschland, Österreich, England aber sicher nicht da wo sie sind . ergo: keine freie Wahl unter allen EU-Staaten.
diese menschen kommen wie sie richtig sagen ohne papiere in die EU
und damit kann man sie auch nirgens zurückschicken.
außer Papieren fehlt ihnen meist auch alles was man so zum überleben und zum in der EU weiterreisen bräuchte ... es fehlt ihnen so ziemlich alles, vor allem Kraft und Geld.
Falls Sie sich überzeugen wollen das "Dublin II" greift, und dass keine Sau auf diese armen Leute wartet um Sie in wesenlich wohlhabendere EU-Länder zu schleusen oder teleprotieren oder was auch immer - oder glauben Sie etwa das irgendjemand gerade in Griechenland stranden möchte wo die legal dort lebende Befölkerung am A**** ist ?-
Suchen Sie jedenfalls einfach anderen Quellen die die Thematik ansprechen. z.B. griechische oder italienische Quellen auf dt oder en.
Wir reden von Massen von Menschen die im Elend leben von denen viele keinen Ausweg sehen als Kriminalität- von ganzen Stadtteilen Athens wo so viele Übergriffe tägl. passieren das Nazi-Schläger den Bürgern als Schutzengel entgegentreten -wohl mit Unbildung der Hauptgrund für den Wahlerfolg der Nazis in Griechenland. Das Flüchtlingsproblem in Griechenland, Italien und Spanien ist nicht im Geringsten mit dem Resteuropas vergleichbar

Wenn, wie in diesem Fall,

der Aufnahmestaat die Türkei ist und die Türkei maßgeblich am Konflikt beteiligt, dann hat die Türkei auch die verdammte Pflicht zu dieser Verantwortung zu stehen. Flüchtlinge sind ein überaus trauriges Kapitel - aber wer Kämpfer, Waffen und Munition in das Land seines Nachbarn liefert um dieses Land in seinen Machtbereich zu bekommen, der verursacht das Flüchtlingsproblem zumindest zu diesem Teil mit.
Also, Verantwortung übernehmen und nicht abwälzen.

@ torfkoeppl

Nur weil Europa wegschaut, sollen alle anderen in der Verantwortung stehen?

Europa ist nicht direkt im Konflikt beteiligt, weil sie keine Eier hat und kein Interesse einen Fass ohne Boden aufzumachen. Es sterben ja sowieso nur Muslime und Alewiten.

Erdogan ist der Einzige, der nicht wegschaut.
Wie schön es sein muss, aus der Ferne (BRD) zu beruteilen, ob der Massenmord in Ordnung ist oder nicht.

Wenn Sie den Massenmord schon sehen

dann muss man sie ja wohl nicht aufklären, dass dazu Waffen gehören und Kämpfer.
Und da beginnt der Mit-Anteil Erdogans an den Opfern: genau da!
Und ihre Liebe für die männlichen Anhängsel. Ihnen ist schon bewusst oder bekannt, dass die beim Manne nicht das sinngesteuerte Denkvermögen bestimmen, sondern das triebgesteuerte. Keule statt Hirn, verstehen Sie.
Von daher funktioniert der Mann ja aus meiner Sicht in genau in die Richtung, die Sie ihm damit attestieren. Eiergesteuertes Denken.
Intelligente Menschen setzen aber den Kopf ein, die Denkmaschine, das Hirn.
Erdogan macht immer denselben Fehler: Er hebt sich hervor als Mann der Tat, haut drauf (Gaza-Flotte, zum Beispiel; er ist Wiederholungstäter), sieht was er angerichtet hat, bekommt vorgeführt dass er Unrecht begangen und Tote provoziert hat, startet das nächste Geschrei ("Jetzt mit Kriegsschiffen; wir retten Gaza). Ja, und dann wartet man auf die Rettung - und Funkstille.
Nun geht er denselben Weg und versuchts mit Kriegsgeschrei und List über Syrien.
Und das fordert Opfer, und das produziert Flüchtlinge.
Sie sehen, eiergesteuertes Denken produziert beim Mann zuviel Machtgehabe ("Macho"), Haudrauf-Trieb.
Dann folgt die Ernüchterung - und nun sollen sich andere um die Folgen kümmern. Er kümmert sich dann um die Macht.
Eiergesteuert eben.
Redaktion: Die Eier geistern hier schon durch mehrere Kommentare, nun löschen Sie mal schnell meinen, weil ich vor den Gefahren warne.

.....

DIe Türkei will unbedingt Regionalmacht spielen, bitte dann soll sie dann soll sie sich auch um die Flüchtlinge kümmern.
Ansonsten wozu gibt es die Umma ?
Da dürfen sich jetzt Saudi-Arabien, Kuwait und co. mal in islamischer Nächstenliebe betätigen.

Als Aussenminister hätte ich das weitaus deutlicher gesagt so im Stile von "sicher nicht".