Türkei Syrisches Flugzeug hatte laut Erdoğan russische Munition an Bord

Die türkische Regierung verteidigt die erzwungene Landung eines syrischen Flugzeugs in Ankara: Es habe sich russische Munition an Bord befunden. Russland bestreitet das.

Die von der Türkei beschlagnahmte Fracht einer syrischen Passagiermaschine enthielt nach Angaben des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan Munition und weitere militärische Ausrüstung. Ein russischer Rüstungshersteller habe dies an das Verteidigungsministerium in Damaskus schicken wollen, sagte Erdoğan.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa soll sich Erdogan allerdings nicht so eindeutig geäußert haben. Auf der Pressekonferenz habe er auf Türkisch von "Malzemeler" gesprochen, was auf Deutsch "Materialien" bedeute. "Niemand darf, unter keinen Umständen, Waffen, Fahrzeuge, Materialien oder Munition mit einem Passagierflugzeug transportieren. Das ist gegen die internationalen Bestimmungen", zitierte die Agentur den Regierungschef. Er sei aber nicht konkret auf die Ladung des syrischen Flugzeugs eingegangen.

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Der Airbus war auf dem Weg von Moskau nach Syrien, als er am Mittwochabend über der Türkei von Kampfflugzeugen zur Landung gezwungen wurde. Nach Angaben der türkischen Regierung wurde an Bord eine "illegale Ladung" entdeckt, die meldepflichtig gewesen wäre. In türkischen Medienberichten hieß es, die Ermittler hätten rund 300 Kilogramm militärische Güter beschlagnahmt. Donnerstagfrüh durfte die Passagiermaschine in Ankara starten und Richtung Damaskus weiterfliegen. Keiner der Passagiere wurde festgenommen.

Russland bestreitet Lieferung

Die russische Regierung wies die Vorwürfe zurück und warf der Türkei umgekehrt vor, bei der Aktion das Leben russischer Passagiere gefährdet zu haben. "Wir sind besorgt, dass diese Notsituation das Leben und die Sicherheit der Passagiere gefährdet hat, unter denen 17 russische Bürger waren", teilte das russische Außenministerium mit. Das türkische Außenministerium entgegnete, es seien alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen worden, um die Sicherheit der Insassen zu gewährleisten.

Russland bestritt vehement, dass Militärgüter an Bord gewesen seien. Wenn Russland Militärausrüstung oder Waffen an Syrien hätte liefern wollen, wäre dies gemäß den Regeln, nicht auf illegalem Wege geschehen und "vor allem nicht mit Zivilisten an Bord des Flugzeuges", sagte ein Vertreter der Rüstungsexportbehörde.

Streit zwischen Syrien und Türkei wird schärfer

Die türkische Regierung beschwerte sich mittlerweile offiziell bei der Führung in Damaskus. Syrien habe mit dem Transport militärischer Güter den türkischen Luftraum sowie die internationalen Bestimmungen der zivilen Luftfahrt verletzt.

Syrien verlangte seinerseits die sofortige Rückgabe der Fracht. Der syrische Verkehrsminister Mahmud Said warf der Türkei "Luftpiraterie" und eine Verletzung internationaler Zivilluftfahrtabkommen vor. Die staatliche Fluggesellschaft SyrianAir warf der Türkei vor, die Besatzung sei "angegriffen" worden, nachdem sie sich geweigert habe, eine angebliche Notlandung ihrer Maschine zu bezeugen.

Westerwelle warnt vor Eskalation

Die Türkei erklärte jedoch, sie habe im Einklang mit dem Völkerrecht gehandelt und werde dies auch wieder tun. "Wir sind entschlossen, Waffenlieferungen an ein Regime zu kontrollieren, das solch brutale Massaker an der Zivilbevölkerung verübt", sagte Außenminister Ahmet Davutoglu. Es sei inakzeptabel, dass der türkische Luftraum für solche Transporte genutzt werde.

Die Türkei hat Davutoglu zufolge Geheimdienstinformationen darüber erhalten, "dass das Flugzeug eine Fracht transportiert hat, die möglicherweise nicht den Regeln der Zivilluftfahrt entspricht". Verkehrsminister Binali Yildirim betonte, sein Land werde auch künftig syrische Flugzeuge kontrollieren, die über türkisches Gebiet flögen.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle forderte eine gründliche Aufklärung des Vorfalls. "Niemand sollte jetzt Öl ins Feuer gießen und die Spannungen zusätzlich anheizen", sagte er. "Vor allem die syrische Seite sollte nicht durch Rhetorik, sondern inhaltlich zur Offenlegung der Angelegenheit beitragen."

 
Leser-Kommentare
  1. ich habe auch erst spät gelernt mich klar und deutlich zu äußern. Sie sind aber ein bisschen älter als ich und Staatschef.

    Was war jetzt im Flugzeug? Mamuschkas, Vodka oder Kavier?

    Suchen sie bitte keinen Grund um Syrien zu überfallen.

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    • scoty
    • 11.10.2012 um 19:35 Uhr

    dies kommt bestimmt die nächsten Tage ans Licht.

    Wir könnten auch die Russen fragen was Sie geladen haben und wenn die Russen auch nichts presigeben wird wohl Hr. Erdogan recht haben.

    • scoty
    • 11.10.2012 um 19:35 Uhr

    dies kommt bestimmt die nächsten Tage ans Licht.

    Wir könnten auch die Russen fragen was Sie geladen haben und wenn die Russen auch nichts presigeben wird wohl Hr. Erdogan recht haben.

  2. Schade das so eine qualifizierte Zeitung wie die Zeit immer unqualifizierte Kommentare bekommt.

    Es ist nämlich egal, wie über die Türkei berichtet wird, negative Kommentare gibts immer.

    Man könnte meinen, selbst wenn eine Atombombe über die Türkei gezündet wird, meinen einige Kommentatoren, die Türken hättens selber gemacht, um einen Grund zu finden, ,,aktiv am Krieg teilzunehmen...''

    Echt schade..

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    Wenn man einfach mal logisch nachdenkt, stößt man auf so viele Ungereihmtheiten.

    - warum sollte die Syrische Armee gezielt Granaten rüberschießen? Assad hat doch mit den Aufständen genug zu tun. So bescheuert, dass er die ganze NATO gegen sich zieht, ist er wohl kaum. Wer hat denn dann die Granaten abgeschossen? Entweder Deserteure, Rebellen oder es war einfach Streuung. Mithin nichts, was Assad zu vertreten hat.

    - nun kommt die Türkei und erwidert das Feuer und gefährdet mit vollem Vorsatz Zivilisten - DAS hat Syrien nicht gemacht.

    - wenn in dem Koffer wirklich Waffen waren, warum hat man das nicht gleich konkret gesagt? Dauert es über 10 Stunden, 300 Kg Material zu durchsuchen? Und wo sind da genau die "schweren Waffen", von denen die Rede war? Panzer, Boote, Geschütze... nix ist da.

    - Warum sollten die Russen überhaupt eine Waffenlieferung direkt über die Türkei schicken lassen statt sicherheitshalber einen Umweg fliegen zu lassen? In einem Airbus übrigens.. das ist doch hirnverbrannt.

    - Die Waffen im Irak wurden übrigens immer noch nicht gefunden und irgendwie klingt das hier ganz ähnlich. Und nicht erst seit heute.

    - Im Übrigen war es völkerrechtswidrig, was sich die Türkei erlaubt hat. Eine Passagiermaschine genau genommen zu entführen und Diplomatengepäck zu öffnen - gehts noch?

    Es wäre für die Türkei, die ja nach eigenem Bekunden Informationen über den angeblichen Inhalt des Flugzeugs gehabt hatte, leicht gewesen, den Überflug über türkisches Gebiet zu versagen.
    Das Flugzeug zur Landung zu zwingen war ein glatter Rechtsbruch. Gefahr war offensichtlich nicht im Verzug.
    Beweise wurden nicht vorgelegt. Vermutlich werden die noch nachgereicht, nachdem man die Ladung entsprechend fingiert hat.
    Es gibt mehrere Gründe, die Erdogang gehabt haben könnte. Zum 1., die türkische Armee vorzuführen. Es ist diesem Herrn, dessen unverhohlenes Ziel es ist, einen islamistischen Staat zu errichten, nach wie vor ein Dorn im Auge, dass es die Anweisung an die Armee von Kemal Atatürk immer noch gibt.
    2. Er hatte Anweisung von seinem Vorturner (USA).

    nach Kosovo, Afghanistan, Irak, Libyen und Co. immer noch nichts gelernt hat.

    Es began immer mit einer Lüge - und die sog. Befreiung war auch nicht das Endergebnis. Aber gut, glauben Sie diesen Spielchen weiter.

    Wenn man einfach mal logisch nachdenkt, stößt man auf so viele Ungereihmtheiten.

    - warum sollte die Syrische Armee gezielt Granaten rüberschießen? Assad hat doch mit den Aufständen genug zu tun. So bescheuert, dass er die ganze NATO gegen sich zieht, ist er wohl kaum. Wer hat denn dann die Granaten abgeschossen? Entweder Deserteure, Rebellen oder es war einfach Streuung. Mithin nichts, was Assad zu vertreten hat.

    - nun kommt die Türkei und erwidert das Feuer und gefährdet mit vollem Vorsatz Zivilisten - DAS hat Syrien nicht gemacht.

    - wenn in dem Koffer wirklich Waffen waren, warum hat man das nicht gleich konkret gesagt? Dauert es über 10 Stunden, 300 Kg Material zu durchsuchen? Und wo sind da genau die "schweren Waffen", von denen die Rede war? Panzer, Boote, Geschütze... nix ist da.

    - Warum sollten die Russen überhaupt eine Waffenlieferung direkt über die Türkei schicken lassen statt sicherheitshalber einen Umweg fliegen zu lassen? In einem Airbus übrigens.. das ist doch hirnverbrannt.

    - Die Waffen im Irak wurden übrigens immer noch nicht gefunden und irgendwie klingt das hier ganz ähnlich. Und nicht erst seit heute.

    - Im Übrigen war es völkerrechtswidrig, was sich die Türkei erlaubt hat. Eine Passagiermaschine genau genommen zu entführen und Diplomatengepäck zu öffnen - gehts noch?

    Es wäre für die Türkei, die ja nach eigenem Bekunden Informationen über den angeblichen Inhalt des Flugzeugs gehabt hatte, leicht gewesen, den Überflug über türkisches Gebiet zu versagen.
    Das Flugzeug zur Landung zu zwingen war ein glatter Rechtsbruch. Gefahr war offensichtlich nicht im Verzug.
    Beweise wurden nicht vorgelegt. Vermutlich werden die noch nachgereicht, nachdem man die Ladung entsprechend fingiert hat.
    Es gibt mehrere Gründe, die Erdogang gehabt haben könnte. Zum 1., die türkische Armee vorzuführen. Es ist diesem Herrn, dessen unverhohlenes Ziel es ist, einen islamistischen Staat zu errichten, nach wie vor ein Dorn im Auge, dass es die Anweisung an die Armee von Kemal Atatürk immer noch gibt.
    2. Er hatte Anweisung von seinem Vorturner (USA).

    nach Kosovo, Afghanistan, Irak, Libyen und Co. immer noch nichts gelernt hat.

    Es began immer mit einer Lüge - und die sog. Befreiung war auch nicht das Endergebnis. Aber gut, glauben Sie diesen Spielchen weiter.

  3. kam mir bereits bei seinem Feierauftritt im Kölner Fußballstadion merkwürdig und bedrohlich vor.

    Wenn er da jetzt weiterstreitet legt er sich nicht nur mit dem Iran sondern bald auch ernstahlft mit Rußland und China an.

    Sonst schafft doch seine Regierung immer alles unter den Teppich zu kehren und jetzt auf einmal diese Angriffslust?

    Wenn das mal nicht so endet wie von Herrn Scholl-Latour befürchtet.

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    Wenn die Türkei angreifen wollte, hätte sie bis jetzt genug Gründe gehabt..es gab nämlich einige Grenzkonflikte...

    Man mag zu Erdogan stehen wie man will, er ist demokratischer und ehrlicher als sehr viele Politiker dieser Erde...

    hat er die Streitkräfte unter Kontrolle da er den verlässlichen Kader eingesperrt hat - vorher nicht also die Vergangenheit dürfte hier keinesfalls eine Meßlatte sein sondern die Gegenwart, Verhältnisse ändern sich, täglich und nicht immer zu Gunsten derer die es verdient haben.

    • scoty
    • 11.10.2012 um 19:40 Uhr

    aus dem letzten Jahrhundert ?

    Wenn die Türkei angreifen wollte, hätte sie bis jetzt genug Gründe gehabt..es gab nämlich einige Grenzkonflikte...

    Man mag zu Erdogan stehen wie man will, er ist demokratischer und ehrlicher als sehr viele Politiker dieser Erde...

    hat er die Streitkräfte unter Kontrolle da er den verlässlichen Kader eingesperrt hat - vorher nicht also die Vergangenheit dürfte hier keinesfalls eine Meßlatte sein sondern die Gegenwart, Verhältnisse ändern sich, täglich und nicht immer zu Gunsten derer die es verdient haben.

    • scoty
    • 11.10.2012 um 19:40 Uhr

    aus dem letzten Jahrhundert ?

  4. Damit einmal klar wird, wer hier, welche Gesetze bricht:

    "Legitimität der ausländischen Beteiligung
    Die Intervention eines fremden Staates zugunsten der Regierung eines Bürgerkriegsstaates ist legitim, wenn die Regierung um Hilfe gebeten oder ihr zugestimmt hat. Dieser völkerrechtliche Grundsatz basiert darauf, dass eine Regierung als alleinige Repräsentantin eines Staates berechtigt ist, ausländische Hilfe bei der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung zu erbitten...

    ...Die militärische Intervention zugunsten der Aufständischen verletzt das Gewaltverbot der UN-Charta und ist deshalb immer völkerrechtswidrig. Auch sonstige Unterstützung der Aufständischen stellt einen unzulässigen Eingriff in die inneren Angelegenheiten eines anderen Staates dar. Humanitäre Hilfe für die Opfer und technische sowie wirtschaftliche Hilfe dürfen geleistet werden, wenn letztere nicht dazu gedacht sind, den Ausgang des Bürgerkrieges zu beeinflussen."

    http://de.wikipedia.org/w...

    Das heisst im Klartext:
    Jeder Staat der die syrischen Rebellen unterstützt, nicht nur mit Waffen, verletzt klar die UN-Charta.

    Waffenlieferungen und Unterstützung an die FSA und andere Banden, die syrische Bürger terrorisieren, sind längst aktenkundig und belegbar.

    Auch belegbar ist, dass diese Fakten, nicht zu weitreichenden (UN)Verurteilungen und zu medialer Anprangerung führen. Dagegen wird aus jedem unbestätigten Verdacht und jeder Annahme gegen Syrien, sofort ein Hype gemacht.

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  5. "Vor allem die syrische Seite sollte nicht durch Rhetorik, sondern inhaltlich zur Offenlegung der Angelegenheit beitragen."
    Es ist zwar eh nicht relevant, was der Herr Außenminister zum Thema Syrien von sich gibt. Aber: wie meint er denn das?

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  6. Wenn die Türkei angreifen wollte, hätte sie bis jetzt genug Gründe gehabt..es gab nämlich einige Grenzkonflikte...

    Man mag zu Erdogan stehen wie man will, er ist demokratischer und ehrlicher als sehr viele Politiker dieser Erde...

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    Antwort auf "dieser Herr Erdogan"
    • scoty
    • 11.10.2012 um 19:35 Uhr

    dies kommt bestimmt die nächsten Tage ans Licht.

    Wir könnten auch die Russen fragen was Sie geladen haben und wenn die Russen auch nichts presigeben wird wohl Hr. Erdogan recht haben.

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    • spacko
    • 11.10.2012 um 22:36 Uhr

    Da der Inhalt des Flugzeugs nicht sofort "ans Licht" kam (schließlich hätte es Erdogan propagandistisch hervorragend in die Hände gespielt) sondern statt Fotos und Videos aus dem Frachtraum und von der Sicherstellung der Ladung nur vage Aussagen in Umlauf gebracht wurden drängt sich die Vermutung auf, dass die Türken etwas Zeit brauchen um sich die "Tatsachen" die dann auftauchen sollen am Computer selbst zu basteln. Pfui!

    • spacko
    • 11.10.2012 um 22:36 Uhr

    Da der Inhalt des Flugzeugs nicht sofort "ans Licht" kam (schließlich hätte es Erdogan propagandistisch hervorragend in die Hände gespielt) sondern statt Fotos und Videos aus dem Frachtraum und von der Sicherstellung der Ladung nur vage Aussagen in Umlauf gebracht wurden drängt sich die Vermutung auf, dass die Türken etwas Zeit brauchen um sich die "Tatsachen" die dann auftauchen sollen am Computer selbst zu basteln. Pfui!

  7. Wie wäre es den einfach mit einem Fotobeweis? Sollte heutzutage ja wohl nicht allzu schwer sein

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