Ein Plakat der inhaftierten Julija Timoschenko in der ostukrainischen Stadt Donetsk © S. Supinsky/AFP/Getty Images

Der Präsident der Ukraine ist eine Witzfigur. Mal hat er einen grünen Kopf und heißt Shrek II, mal kämpft er mit Tannenzweigen. Millionen Ukrainer machen sich im Internet über ihren Präsidenten lustig. Dabei ist die Situation dieses Landes eigentlich zu ernst, um drüber zu lachen. Geschenkt. Das wirkliche Problem: Die meisten dieser jungen Leute sind von all ihren Politikern so enttäuscht, dass sie sich abgewandt haben.

Sie gehen nicht wählen, weil sie den Glauben an den Sinn daran verloren haben. Die Parlamentswahlen vom Sonntag haben diesen Verlust bestätigt. Die Wahlbeteiligung, 58 Prozent, war die geringste in der Geschichte des Landes.

Diejenigen, die dennoch wählten, hatten keine faire Wahl. Stimmen wurden gekauft. Busse mit Mehrfachwählern durchs Land geschickt. Ausgezählte Wahlzettel hinter dem Rücken internationaler Wahlbeobachter "nachgebessert". Experten sagen, wenn manipuliert wird, dann selten am Wahltag, sondern danach: Je länger die offizielle Auszählung dauerte, desto mehr Parlamentssitze gewann Janukowitschs Partei. Die OSZE spricht von einem "demokratischen Rückschritt". Die von der Regierungspartei organisierte Wahlkommission von korrekten Wahlen.

Nach westlichen Maßstäben ist das ein Skandal. Doch richtig angekommen ist das in Deutschland noch nicht. Die Bundesregierung hat den Wahlbetrug noch nicht kommentiert. Und die Öffentlichkeit, naja: Es muss schon Fußball-EM, Revolution oder ein vermeintlicher Tierschutzskandal sein, damit Nachrichten aus dem größten in Europa liegenden Land es hier auf die Titelseiten schaffen.

Hauptsache weg

Dabei ist das Desaster in der Ukraine ein erschreckendes: Reiche Oligarchen übernehmen Aufgaben des Staates und steuern Politiker. Kritische Journalisten werden verfolgt. Die Wirtschaft schwächelt. Die Korruption frisst eine Voraussetzung der Demokratie: Sozial gerecht geht es fast nirgends mehr zu.

Um zu erfahren, was das mit Menschen macht, muss man Deutschland noch nicht mal verlassen. Zum Beispiel Irina: Die 32-Jährige hat in der Ukraine ein Lehramtsstudium abgeschlossen, aber seit Jahren putzt sie lieber schwarz in Berlin anderer Leute Wohnungen. Sie ist illegal in Deutschland. Ihre Söhne werden in ihrem Heimatdorf von deren Oma aufgezogen. Dafür schickt sie Geld. Sie sagt, Ukrainerinnen wie sie gibt es Tausende, allein in Berlin. Andere sind nach Italien, die Schweiz, Polen oder sonst wo geflüchtet. Hauptsache weg.