BudapestZehntausende Ungarn demonstrieren gegen Präsident Orbán

Den Nationalfeiertag nutzten über 50.000 Menschen, um gegen die Regierung zu protestieren. Der Präsident attackierte unterdessen die EU, der er Bevormundung vorwirft. von afp und dpa

Anlässlich des ungarischen Nationalfeiertags haben in Budapest Zehntausende Menschen gegen die national-konservative Regierung von Viktor Orbán protestiert. Mehr als 50.000 Oppositionsanhänger folgten dem Aufruf der im Internet entstandenen Bewegung Milla (Eine Million für die Pressefreiheit ). Der Oppositionssender Klubradio sprach sogar von mehr als 100.000 Teilnehmern.

Mit dem Nationalfeiertag wird des Aufstands gegen das kommunistische Regime von 1956 gedacht, der von Sowjettruppen blutig niedergeschlagen worden war. Seit 2010 ist die Fidesz-Partei von Orbán an der Macht und verfügt über eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Der radikale Umbau des politischen Systems hat im In- und Ausland für Kritik gesorgt . Zudem leidet das Land unter einer schweren Wirtschaftskrise und musste um internationale Finanzhilfen bitten.

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Bei der Kundgebung von Milla trat erstmals der ehemalige Ministerpräsident Gordon Bajnai vor eine größere Öffentlichkeit. Der parteilose Politiker hatte von April 2009 bis Mai 2010 mit Unterstützung der Sozialisten die Regierungsgeschäfte geführt. In seiner Rede forderte Banjai, bei den Wahlen 2014 bedürfe "es nicht nur eines Regierungswechsels, sondern auch eines Regime- und Epochenwechsels." Er bezog sich damit auf den unter Orbán durchgeführten Abbau von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit .

Bajnai und der Milla-Initiator Peter Juhasz kündigten an, dass sich die Milla, Bajnais Vereinigung Heimat und Fortschritt sowie die unabhängige Gewerkschaft Szolidaritas zu der Wählerbewegung Zusammen 2014 vereinen werden. Die Bewegung sei offen für alle, die einen Regierungswechsel, aber auch eine "neue politische Kultur" anstreben, sagte Bajnai. Beobachtern zufolge könnte diese Bewegung den Kern einer künftigen Wahlplattform für die bislang zerstrittene demokratische Opposition bilden.

Busse brachten Teilnehmer zur Pro-Orbán-Demo

Auch Orbán nutzte den Revolutionstag für eine Kundgebung. Nach Angaben der offiziellen Nachrichtenagentur MTI nahmen an der Demonstration 150.000 Menschen teil. Die Nachrichtenagentur AFP schreibt von etwa 100.000 Teilnehmern. Der sogenannte Friedensmarsch war von regierungsnahen Geschäftsleuten und Journalisten organisiert worden. Die Teilnehmer wurden mit Bussen aus dem ganzen Land nach Budapest gebracht.

In seiner Rede kritisierte Orbán die angebliche Bevormundung durch die EU , die Ungarn unter Druck setze, das Defizit und die Verschuldung zu reduzieren. "Andere können uns nicht sagen, was wir tun oder lassen sollen in unserem Heimatland." Orbán beschuldigte Europa , das Wesen der gegenwärtigen Finanzkrise nicht richtig zu deuten. Die EU müsse endlich verstehen, dass sie "ohne Nationen kein Herz, ohne Christentum keine Seele" habe.

Umfragen zufolge käme die Fidesz bei Wahlen derzeit nur noch auf 20 Prozent, gefolgt von den Sozialisten mit 16 Prozent. Die Sozialisten können die Fidesz 2014 aber voraussichtlich nur mithilfe von starken Koalitionspartnern ablösen.

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt, bitte verzichten Sie auf Unterstelllungen. Danke, die Redaktion/se

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Kritik an der Moderation richten Sie bitte an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/se

  2. *ähem*
    und wieviele demonstrierten für Orban?
    nur schlappe 150000
    dumm gelaufen.
    Aber man darf gespannt sein, was die Zukunft unter Milla mit Juhasz und Co in Ungarn so bringt.
    THC für alle?

  3. 3. [...]

    Kritik an der Moderation richten Sie bitte an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/se

    Antwort auf "[...]"
  4. bekämen 16% die Sozialisten, 20% Orban. Wo sind 64%?

  5. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Danke. Die Redaktion/kvk

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    ... die frei und demokratisch (mit 66%) gewählte Regierung "muss mit einer Stahlernen Hand weggeschafft werden"? Und wer soll an die Macht? Eine 16% Partei mit "99%"? Das hatte Ungarn schon über 44 Jahre.

  6. ... die frei und demokratisch (mit 66%) gewählte Regierung "muss mit einer Stahlernen Hand weggeschafft werden"? Und wer soll an die Macht? Eine 16% Partei mit "99%"? Das hatte Ungarn schon über 44 Jahre.

  7. Ausgewogener Journalismus:

    Überschrift:
    Zehntausende Ungarn demonstrieren gegen Präsident Orbán
    Fett:
    Den Nationalfeiertag nutzten über 50.000 Menschen, um gegen die Regierung zu protestieren.

    Normal:
    Auch Orbán nutzte den Revolutionstag für eine Kundgebung. Nach Angaben der offiziellen Nachrichtenagentur MTI nahmen an der Demonstration 150.000 Menschen teil.

    Fett:
    Busse brachten Teilnehmer zur Pro-Orbán-Demo

    Auch Orbán nutzte den Revolutionstag für eine Kundgebung. Nach Angaben der offiziellen Nachrichtenagentur MTI nahmen an der Demonstration 150.000 Menschen teil.

    Zur Anti-Orbán-Demo kamen alle zu Fuß, oder wie ?

    Warum kann man nicht einfach schreiben, 50000 ´demonstrierten gegen die Regierung, 150000 dafür.

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    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

    • Suryo
    • 24. Oktober 2012 12:05 Uhr

    Allein die Tatsache, daß eine Regierung es nötig hat, selbst eine regierungsfreundliche "Kundgebung" zu organisieren, ist schon verdächtig.

    "Andere können uns nicht sagen, was wir tun oder lassen sollen in unserem Heimatland."

    Doch, Herr Orbán. Das bringt die EU-Mitgliedschaft nun einmal mit sich, man nennt das Übertragung von Souveränität. Ohne funktioniert die EU nun mal nicht. Das wußten Sie, das wußte Ungarn. Wenn's Ihnen nicht paßt - dann raus mit Ihnen.

  8. 8. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, nf
  • Schlagworte Europäische Union | Gordon Bajnai | AFP | Christentum | Demonstration | Finanzkrise
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