Es gibt einen Grund dafür, dass ich mir die Republikaner lobe und die Demokraten kritisiere. Obwohl ich die Demokraten wähle. Dieses Paradox hat etwas damit zu tun, dass die Republikaner in der Öffentlichkeit missverstanden werden – und die Demokraten auch.

Die beiden Partien waren nicht immer so, wie sie heute sind. Im 19. Jahrhundert waren die Demokraten die Partei des Ku Klux Klan und die Republikaner diejenigen, die sich erfolgreich gegen die Sklaverei gestellt hatten (die Partei wurde von Abraham Lincoln mitbegründet).

Ich weiß auch nicht, wie sie es gedreht haben, aber heute sind die Demokraten die "Guten" und die Republikaner die "Bösen". Zumindest behaupten sie das. In Wahrheit hat diese moralische Unterscheidung mehr mit Wahlkampf zu tun als mit Politik selbst.

Der politische Dialog zwischen Demokraten und Republikanern ist heute fast so hysterisch und irrational wie in den 1970ern vor dem Hintergrund des Vietnamkrieges. Was auch immer die eine Seite vorschlägt, die andere muss es verteufeln. Zum Beispiel Obamas Gesundheitsreform: Während der Bush-Jahre wollten die Republikaner eigentlich fast die gleiche Gesundheitsreform durchsetzen, aber kaum machte Obama sie zum Thema , waren sie dagegen.

Diese Polarisierung fing in den siebziger Jahren an – und zwar mit den Demokraten. Vor dem Hintergrund des Vietnamkriegs und dann Watergate konnten sie sich leicht als die "Guten" positionieren: Sie waren gegen den Krieg (obwohl sie ihn unter Kennedy angefangen hatten), sie waren für den Fortschritt, sie waren die Retter der Armen und der Minderheiten, Beschützer der Witwen und Waisen…

Nur im praktischen politischen Leben setzen sie erstaunlich wenig von ihren Zielen durch. Obama hat zwar seine Gesundheitsreform durchgeboxt , aber das allein löst keine Probleme wie Armut, Bildung und Diskriminierung. Dazu müsste man viel weiter gehen.

Reagan rettete Republikaner aus der Versenkung

Andererseits tun die "bösen" Republikaner mehr für die Armen, als es ihrem Image entspricht. Das betrifft selbst die oft verschrienen "Steuerkürzungen für Reiche" unter George W. Bush : Sie beinhalteten nämlich auch, dass rund 46 Prozent der Amerikaner keine Steuern auf Bundesebene mehr zahlen mussten – für viele einkommensschwache Familien eine große Erleichterung. (Das waren die berühmten "47 Prozent Schmarotzer", die Mitt Romney im Sinn hatte .)

Nach Watergate war es Ronald Reagan , der die Republikaner aus der Versenkung rettete, und zwar mit einer Flucht nach vorn: Die Demokraten wollen die "Guten" sein? Kein Problem: Fortan waren die Republikaner eben "die wahren Amerikaner", die Anti-Demokraten, die Schützer der echten amerikanischen Werte.

Die Republikaner sollten die "Bösen" sein? Na gut: Ab jetzt waren die Demokraten dafür die überkandidelten, realitätsfernen Träumer und Schmarotzer, die mit ihrem naiven Gutmenschentum nur Unheil anrichteten.