Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney hat die Außenpolitik von Amtsinhaber Barack Obama scharf kritisiert und eine aggressivere Gangart angekündigt. "Der Präsident sagt gern, 'die Welle des Krieges ebbt ab'. Und wie jeder möchte ich ihm gern glauben", sagte Romney vor Kadetten des Militärinstituts von Virginia in Lexington. "Aber wenn ich heute in den Nahen Osten sehe, ... dann ist das Risiko eines Konflikts in der Region jetzt höher als zum Amtsantritt des Präsidenten vor vier Jahren."

Romney meldete den globalen Führungsanspruch der USA an. "Das 21. Jahrhundert kann und muss ein amerikanisches Jahrhundert sein." Obama gebe der Welt keine Führung. "Unsere Freunde und unsere Verbündeten wollen nicht weniger, sondern mehr amerikanische Führung." Zugleich sprach er sich energisch gegen Einsparungen bei den US-Militärs aus.

Vor allem im Nahen Osten warf Romney dem Präsident Versagen vor. Er werde dort eine aktivere Politik betreiben – Obama habe eine Strategie der Passivität verfolgt anstatt Partnerschaft mit den Regierungen dieser Region zu suchen. "Ich weiß, dass der Präsident auf einen Nahen Osten gehofft hat, der sicherer, freier und aufblühender ist sowie eng verbündet mit den USA", sagte Romney. "Ich teile diese Hoffnung. Aber Hoffnung ist keine Strategie."

Der Republikaner kündigte an, er werde die militärische Unterstützung und Zusammenarbeit mit Israel ausbauen, das einen Präventivschlag gegen den Iran in Erwägung zieht. Die Wahl eines neuen Präsidenten würde nach Romneys Worten auch die Chance für einen neuen Versuch eröffnen, einen Friedensvertrag zwischen Israel und den Palästinensern zu erreichen. Dabei sprach sich Romney für eine Zwei-Staaten-Lösung aus, die auch Obama anstrebt. Romney plädierte für einen demokratischen palästinensischen Staat, der friedlich an der Seite Israels bestehen soll.

Kriegsschiffe sollen Iran beeindrucken

Romney will außerdem die Sanktionen gegen den Iran verschärfen, um das Land zur Abkehr von seinem Atomprogramm zu zwingen. Außerdem werde er mit der Entsendung von Kriegsschiffen in die Region den Druck auf die iranische Regierung erhöhen. Im syrischen Bürgerkrieg würde eine Regierung unter seiner Führung jene Elemente in der Opposition suchen, die amerikanische Werte teilten, und dafür sorgen, dass sie die benötigten Waffen erhielten, um Präsident Baschar al-Assad zu stürzen.

Die Grundsatzrede ist ein Versuch, einen Monat vor der Präsidentenwahl außenpolitisch an Profil zu gewinnen. Auf diesem Feld gilt der Präsidentschaftskandidat als unerfahren und hat bisher eher durch Patzer Schlagzeilen gemacht.

In Umfragen liegt Romney derzeit dicht hinter Obama . Der US-Präsident hatte seinen deutlich größeren Vorsprung nach einer schwachen Vorstellung bei dem ersten TV-Duell der beiden Männer eingebüßt. Damit steigt der Druck auf Vize-Präsident Joe Biden , bei seiner Debatte mit dem republikanischen Konkurrenten Paul Ryan am Donnerstag die Initiative zurückzugewinnen. "Biden hat die Chance, etwas von dem Schaden aus der ersten Debatte wiedergutzumachen", sagte David Steinberg von der Universität Miami.