Anhänger des Präsidenten von Venezuela Hugo Chávez feiern seinen Wahlsieg in Caracas. © Edwin Montilva/Reuters

Die Gewinner haben nichts dem Zufall überlassen: Kaum hatte die staatliche Wahlkommission CNE um 22.01 Uhr Ortszeit Amtsinhaber Hugo Chávez mit rund 54 Prozent der Stimmen zum Wahlsieger erklärt, begann nur Sekunden später von fast allen öffentlichen Gebäuden der Hauptstadt Caracas ein gewaltiges Feuerwerk. Die Explosionen sollten auch dem letzten Zweifler klar machen, wer in diesem Land das Sagen hat. Zehntausende Chávez-Anhänger strömten auf die Straßen und feierten den Sieg bis tief in die Nacht.

Die Opposition ist zwar so stark wie nie zuvor in der bereits 14 Jahre währenden Amtszeit des Comandante Presidente. Rund 6,1 Millionen Stimmen bekam der konservative jugendliche Herausforderer Henrique Capriles. Doch mehr als ein Achtungserfolg sind die 45 Prozent der Stimmen nicht. Deswegen herrschte im Lager der Anhänger des unterlegenen Kandidaten Enttäuschung. Bis kurz vor der Bekanntgabe des Ergebnisses hatten Capriles' Anhänger auf eine Überraschung gehofft; nun stehen ihnen weitere sechs ohnmächtige Jahre in der Opposition bevor.

Sie sollten sich nicht als Verlierer fühlen, sagte ein sichtlich niedergeschlagener Capriles am Abend. Er sei erschöpft, gestand der nach seinem Wahlmarathon aber ein und bat, nur wenige Fragen beantworten zu müssen. Capriles weiß, was auf ihn zukommen wird. Chávez und sein Umfeld pflegen ihre Gegner öffentlich zu beleidigen und zu demütigen. Im Wahlkampf nannte ihn der spätere Sieger einen Homosexuellen und ein Schwein. Für die Verlierer werden es sechs harte Jahre. In den sozialen Netzwerken kursierten schnell Bilder der venezolanischen Flagge mit einer schwarzen Schleife und dem Spruch "Wir haben unser Land verloren."

Der Sieger des Abends aber heißt Chávez . Zwar büßte er gegenüber der letzten Präsidentschaftswahl vor sechs Jahren Prozentpunkte ein, auch das selbst gesteckte Wahlziel von zehn Millionen verpasste Chávez mit 7,4 Millionen Stimmen. Doch das Ergebnis ist auch angesichts der hohen Beteiligung von rund 80 Prozent deutlich genug, um über jeden Zweifel erhaben zu sein. Entsprechend gelöst trat Chávez kurz vor Mitternacht auf den Balkon des Volkes, wie Chávez den Präsidentenpalast nennt, um mit rot gekleideten Anhängern minutenlang zu singen. "Es lebe das Vaterland, Venezuela und die Revolution", rief Chávez.