Zwei wichtige ägyptische Gerichte haben aus Protest gegen Präsident Mohammed Mursi die Arbeit niedergelegt. Das Kassationsgericht und das Berufungsgericht erklärten, sie streikten aus Protest gegen Mursis Macht-Dekret.

In dem Dekret hatte Mursi unter anderem seine Anforderungen juristisch unanfechtbar gemacht, bis voraussichtlich Anfang 2013 ein neues Parlament gewählt wird. Das derzeitige von Islamisten dominierte Parlament hatte das Verfassungsgericht für ungültig erklärt.

Die ägyptischen Verfassungsrichter werfen Präsident Mursi zudem eine Rufmordkampagne gegen das Verfassungsgericht vor. Der Sprecher des Gerichts sagte, die Islamisten hätten das Gerücht gestreut, das Verfassungsgericht plane ein Amtsenthebungsverfahren gegen Mursi. Das sei falsch. Das Gericht werde sich nicht durch Drohungen oder Erpressungen terrorisieren lassen.

Gegen die Machterweiterung Mursis demonstrierten in Kairo am sechsten Tag in Folge Hunderte Menschen auf dem zentralen Tahrir-Platz. Auch andere Gerichte in Ägypten sind bereits in Streik getreten.

Das von Islamisten dominierte ägyptische Verfassungskomitee erklärte unterdessen, es wolle die ursprünglich für Dezember geplante Abstimmung über seinen umstrittenen Verfassungsentwurf vorziehen. Der Generalsekretär des Komitees sagte, die Diskussion über den Entwurf sei bereits abgeschlossen und die Abstimmung könne zügig stattfinden.