KP-KongressChinas Modell funktioniert nicht mehr lange
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 Regierung vertraut auf staatliche Lenkung

Diese Faktoren spiegeln sich in Wirtschaftszahlen, die für internationale Vergleiche herangezogen werden, nur unzureichend wider. Dies gilt auch für das große und damals international gelobte Konjunkturprogramm von 2009. Das Programm führte zu einem raschen Anstieg der Kreditvergabe durch die staatlichen Banken. Die Bewertung dieser Politik hängt nun sehr davon ab, inwieweit die oben genannten Aspekte des chinesischen Systems berücksichtigt werden: Gingen die Kredite vor allem in Prestigeprojekte von Lokalregierungen? Wurde das lokale Privatunternehmertum gestützt? Wurden wirtschaftlich sinnvolle Investitionen getätigt? Wie groß ist das Risiko, dass die Banken künftig mit hohen Kreditausfällen konfrontiert werden?

Die Meinungen hierüber gehen auseinander: So hat das Programm zum Beispiel den Ausbau des Eisenbahnnetzes mit Hochgeschwindigkeitslinien finanziert und damit die Verkehrsanbindung vieler Städte verbessert. Allerdings ist das Eisenbahnministerium jüngst von Korruptionsskandalen eingeholt worden, ein schwerer Unfall in 2011 hat Zweifel an der Reife der chinesischen Hochgeschwindigkeitszüge geweckt und wegen Problemen mit den Trassen fahren die Züge heute weit unter den angestrebten Geschwindigkeiten.

Innovation, Wissensgesellschaft, grünes Wachstum

Wenn die Regierung in diesem Jahr trotz einer schwachen Konjunktur noch kein neues großes Konjunkturprogramm auflegt, bleibt die Bewertung entsprechend schwierig: Ist dies ein gutes Zeichen, weil sie die Risiken der Politik von 2009 erkannt hat und wieder stärker den Marktkräften trauen will? Oder ein schlechtes Zeichen, das nur die Zerstrittenheit der Regierung in Zeiten des politischen Übergangs widerspiegelt?

Die chinesische Wirtschaftspolitik steht also vor ordnungs- und nicht konjunkturpolitischen Problemen. Die Regierung predigt schon länger, dass China ein neues Wachstumsmodell braucht . Das auf exportorientierter, arbeitsintensiver Produktion basierende Modell ist in Anbetracht einer alternden Gesellschaft und steigender Löhne nicht mehr vielversprechend. Innovation, Wissensgesellschaft und grünes Wachstum sind die Ziele für die Zukunft. Bisher hat die Regierung für diesen Wandel vor allem auf industriepolitische Instrumente und staatliche Lenkung vertraut.

Das reicht jedoch nicht, es braucht eine neue Wirtschaftsordnung, die Transparenz und fairen Wettbewerb fördert. Eine, die auf einem Bildungssystem basiert, das Kreativität, freies Denken und Widerspruch ermöglicht. Das Dilemma der chinesischen Einparteienherrschaft besteht aber eben darin, dass eine solche Wirtschaftsordnung den Bestand der politischen Ordnung und die Privilegien der aktuellen Eliten gefährdet.

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Leserkommentare
  1. sehe ich, wenn überhaupt, nach dem Europas :-)

    Ernst gemeint glaube ich daran das das chinesische Volk stückchenweise die aktuelle Situation erlebt und verarbeitet und sich damit auseinandersetzt und so handeln wird das China alles, nur nicht untergehen wird.

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    • Psy03
    • 09. November 2012 0:35 Uhr

    schneller, auch der (vorübergehende) von Amerika mit der kommenden Rezession.

    Klar erwischt es China auch, es erwischt Stück für Stück jedes Land in dieser globales Krise.
    Jetzt aber so über China zu schreiben die noch am Besten dastehen, naja...

    China besitzt 25% der europäischen Staatsanleihen und nur auf den Druck der Chinesen wurde der Schuldenschnitt der Griechen aufgeschoben.
    Der wird aber kommen und dann werfen die Chinesen die Anleihen auf den Markt und dann wars das.

    Die Chinesen könnten uns nach belieben und wann sie wollen Pleite gehen lassen und Frau Merkel würde Nackt im Bundestag tanzen, wenn die Chinesen das do anordnen.

    Darüber hinaus macht Deutschland die größte Selbstdemontage der eigenen Wirtschaft.
    Wir zerstören einerseits die Abnehmerländer unserer Exportwaren (Griechenland, Portugal, Spanien etc.) und pumpen dann noch zusätzlich Geld rein, was aber auch nicht zu mehr Konsum führt, sondern wegen der Sparmaßnahmen genau das Gegenteil erreicht.

    Ob man mit so einer Ausgangslage was über China sagen sollte...
    Wer im Glashaus sitzt...

    ja, mein Gott, wie oft habe ich diese Prognose schon gelesen.

    Mit dem sicheren Wissen um den unmittelbar bevorstehenden Untergang Chinas habe ich vor gut 25 Jahren zum ersten Mal chinesischen Boden betreten.

    Und seither höre ich die unterschiedlichsten Experten in wohlgesetzten Worten darüber schwadonieren, warum das chinesischen System bis zum (ja, mein Gott, wie oft habe ich diese Prognose schon gelesen.

    Und immer findet sich dann auch jemand, der genau weiß, woran das liegt - hier etwas weiter vorne ThorHa, der absolut sicher ist, dass in einer Diktatur der Kampf gegen die Korruption von vornherein verloren ist.
    Erfolgreiche Korruptionsbekämpfung geht nur in einer Demokratie, dafür gibt es ja vielfältige Beweise.

    Lol.

  2. Wenn man der Presse so glaubt: USA, Europa, China

    Wenn man den Zeit-Foristen glaubt: Deutschland aber vor allem die FDP

    Wie heißt es so schön: "in the long run we are all dead"

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    @ #2: Forist Walter fragt, wer wohl zuerst wirtschaftlich untergehen wird, China, USA oder Europa? Habe zwar keine Glaskugel, aber Europa hat auf jeden Fall momentan das geringste Wirtschaftswachstum von allen.

    • ThorHa
    • 08. November 2012 17:54 Uhr

    ohne öffentliche Kontrolle und verteilte Macht kann man die notwendig einsetzende Korruption samt ihren Folgewirkungen nicht in den Griff bekommen. Das ist der Fluch von Intransparenz, Machtmonopol und sorgfältig zensierter Öffentlichkeit. Auf Dauer wird dieses Problem jede noch so gute Absicht, jede noch so gewaltige Steigerung der Wirtschaftsleistung und jeden Fortschritt erwürgen. Aus dieser Falle gibt es keine diktatorischen Ausweg.

  3. ... das unser Model, allen voran das europäische Model schon so lange so hervorragend funktioniert. Alternativlos wunderbar. Einigkeit, Recht und Freiheit wohin man schaut auf dem europäischen Kontinent. Herrlich...

    http://carachancelermerke...

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    • bivi
    • 08. November 2012 19:57 Uhr

    ...denn ein Model ist nämlich eine Hohlform zur Formung plastischer Massen wie Teig (etwa für das Weihnachtsgebäck Spekulatius), Butter, Ton, ...

    • Dieterf
    • 08. November 2012 17:56 Uhr

    "China spaltet." Das ist ungrammatisch. "Spalten" ist ein transitives Verb. Entweder fehlt hier ein Objekt oder ein reflexives "sich".

    Eine Leserempfehlung
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    Spalten ist gar nicht transitiv und braucht auch ueberhaubt kein Objekt, Detlef!
    Wenn du sagst "eine Axt spaltet" kannst du mir glauben dann weiss jedes Objekt was gemeint ist. Okay?

  4. Die Aussage des Artikels lässt sich in einem Satz zusammenfassen: China schafft es nicht, wenn es nicht das westliche Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell übernimmt. Diese "Einsicht" ist weder neu, noch wird sie im Artikel durch irgendwelche Erkenntnisse abseits der oberflächlichen Wahrnehmung der Tagesnachrichten untermauert. Da war Martin Jaques ("When China Rules the World") schon 2009 weiter. Meines Wissens hat er bis heute keinen deutschen Verleger gefunden.

    Zitat: "Doris Fischer besetzt den Lehrstuhl "China Business and Economics" an der Universität Würzburg". Sie "besetzt"? Ich fürchte, so ist es.

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    Bevor die Besserwisser und Oberlehrer wieder zuschlagen: Der Mann heißt natürlich Martin Jacques. Kleiner Tippfehler!

    • keibe
    • 08. November 2012 18:07 Uhr

    "Nicht jeder wird reich werden, aber alle werden sich deutlich besserstellen. Dieser Konsens droht jedoch aufzubrechen: Korruptions- und Umweltskandale; das zerstörte Vertrauen in die Sicherheit der Lebensmittel; Skandale um die Enteignung von Bauern zugunsten von Bauprojekten; eine allgemeine Unzufriedenheit mit dem Bildungssystem; ein anhaltendes Auseinanderklaffen der Einkommensschere sowie die Informationen über den immensen Reichtum der Familien wichtiger Führungsfiguren."

    siehe Artikel

    Na, wer wars und wo?

    "Es wird niemandem schlechter gehen als zuvor - dafür vielen besser.

    Durch eine gemeinsame Anstrengung wird es uns gelingen, XXX schon bald wieder in blühende Landschaften zu verwandeln, in denen es sich zu leben und zu arbeiten lohnt."

    Und was könnte man über dieses zu erratende Land heute schreiben? Der Artikel, das sei angemerkt, drückt das zu Schreibende für China trefflich aus.

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    • bibicha
    • 08. November 2012 18:48 Uhr

    Wie sieht es denn mit blühende Landschaften aus,
    falls, ja falls eben doch die Himalaya-Gletscher
    abschmelzen und/oder Grundwasserreservoirs z.b.
    unter Beijing sich nicht mehr regenerieren ?

    Ein neues Wirtschafts(wachstums) und
    Gesellschaftsmodell wäre notwenig und
    lohnenswert.

    ... "Deutschlands Modell funktioniert nicht mehr lange":

    "Innovation, Wissensgesellschaft und grünes Wachstum sind die Ziele für die Zukunft. Bisher hat die Regierung für diesen Wandel vor allem auf industriepolitische Instrumente und staatliche Lenkung vertraut.

    Das reicht jedoch nicht, es braucht eine neue Wirtschaftsordnung, die Transparenz und fairen Wettbewerb fördert. Eine, die auf einem Bildungssystem basiert, das Kreativität, freies Denken und Widerspruch ermöglicht. Das Dilemma der deutschen Parteienherrschaft besteht aber eben darin, dass eine solche Wirtschaftsordnung den Bestand der politischen Ordnung und die Privilegien der aktuellen Eliten gefährdet."

    Na also, zwei Worte geändert und das passt so gut, fällt überhaupt nicht auf.

    Kai Hamann

  5. Bevor die Besserwisser und Oberlehrer wieder zuschlagen: Der Mann heißt natürlich Martin Jacques. Kleiner Tippfehler!

    Antwort auf "Übliche Sichtweise"

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