Gaza-Gefechte"Das Schlimmste steht uns noch bevor"

Im Gazastreifen bereiten sich die Palästinenser auf einen neuen Krieg mit Israel vor. Auf Gazas Straßen ist es sehr ruhig geworden, es gibt erste Engpässe. von Yotam Feldman

Beit Hanoun

Vor einer zerstörten Moschee in Beit Hanoun im Norden des Gazastreifens (16. November 2012)   |  © REUTERS/Suhaib Salem

Es sollte ein unbeschwertes langes Wochenende werden, an dem es doppelten Grund zum Feiern gegeben hätte: der Unabhängigkeitstag der Palästinenser und das Neujahrsfest der Muslime. Die erneute Gewalteskalation mit Israel traf die meisten Einwohner des Gazastreifens völlig unerwartet.

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich am Mittwoch die Nachricht von der Ermordung von Akhmad Jaabri, dem Militärchef der radikal-islamischen Hamas. Sie schallte von den Minaretten der Moscheen und das palästinensische Fernsehen rief die Menschen dazu auf, öffentliche Gebäude zu meiden und am besten gleich ganz zu Hause zu bleiben.

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Viele Menschen erwarteten das Schlimmste und wussten sofort, was sie zu tun hatten. Vor Lebensmittelgeschäften, Bäckereien und Tankstellen bildeten sich lange Reihen von Menschen, die sich vorsichtshalber mit dem Nötigsten eindecken wollten.

Am Wochenende wird das Benzin knapp

Issam Younes, der Direktor der Menschenrechtsorganisation Almezan in Gaza, sagt, dass die meisten Geschäfte zum jetzigen Zeitpunkt bereits leergekauft seien. Auch das Benzin, mit dem viele Haushalte eigene Stromgeneratoren betreiben, werde langsam knapp. Am Wochenende erwartet er die ersten Engpässe bei der Energieversorgung. "Es gibt keinerlei Unterschlupf, wohin wir uns retten könnten. Wir sind völlig schutzlos", beschreibt Younes die Lage.

Auf Gazas Straßen ist es sehr ruhig geworden. Die Menschen bleiben lieber im Schutz ihrer Häuser. Alle paar Minuten schlägt irgendwo eine Rakete ein. Die meisten Palästinenser haben mit der Zeit gelernt, die Geräusche der israelischen Luftangriffe von denen der Hamas-Raketen zu unterscheiden.

Die jüngsten israelischen Luftangriffe töteten zwanzig Palästinenser, darunter elf Zivilisten. Unter den Opfern befinden sich auch sechs Kinder und eine schwangere Frau. Außerdem gibt es 53 Verletzte. Die Krankenhäuser riefen bereits den Notstand aus und alle Ärzte in Gaza wurden zum sofortigen Dienst geordert. "Das El-Shefa-Krankenhaus ist jetzt schon voll mit Verwundeten. Doch wir haben zu wenig medizinisches Personal, um allen helfen zu können", klagt der Arzt Ghassan Zakout.

Leserkommentare
  1. Wird es wieder ein isralisches Massaker an der Zivilbevölkerung geben ?

    http://www.zeit.de/online...

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  2. Ich bin kein Rassist, kein Antisemit, kein demokratiefeindlicher Mensch. Aber der Staat Israel macht sich damit ein für alle Mal bei allen unbeliebt. Ich bin der Meinung, dass die Israelis bald angreifen werden und damit einen Krieg auslösen, der globale Konsequenzen hervorruft. Israel muss gestoppt werden. Sei es durch Diplomatie oder wenn nötig durch Gewalt.

    Ich hege keine Sympathien für die Hamas oder die radikalen Terrororganisationen, aber in diesem Fall sind die Opfer einfache Menschen, Frauen, Männer, Kinder und Greise, die es überdrüssig sind, sich von den Mächtigen lenken zu lassen. Sie wollen nur ihre Ruhe. Auf beiden Seiten wird es Leid geben und dieses Leid wird sich für alle Menschen auf diesen Planeten ausdehnen, wenn Israel nicht aufhört mit dieser Kriegstreiberei.

    Geht wieder zurück an den Tisch, spricht drüber, und kommt endlich zu einem Kompromiss. Ich bezweifle, dass beide Seiten überhaupt noch wissen, warum sie streiten. Das heilige Land... Es ist euer Land. Ihr teilt es, also tragt gemeinsam die Verantwortung dafür, dass es unbehelligt bleibt.

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    Sind Sie blind oder verweigern Sie sich völlig der Realität? Seit Wochen und Monaten ist Israel Raketenangriffen ausgesetzt. Mittlerweile nicht mehr nur die Nachbarschaft des Gazastreifens, sondern auch Tel Aviv und andere israelische Städte.
    Israel ist nicht der Kriegstreiber, wie Sie schreiben. Das kleine Land mit seinen gerade mal 7 Mio Menschen verteidigt sich nur.

    • R. Rat
    • 16. November 2012 21:46 Uhr

    "Geht wieder zurück an den Tisch, spricht drüber, und kommt endlich zu einem Kompromiss. [...] Das heilige Land... Es ist euer Land. Ihr teilt es, also tragt gemeinsam die Verantwortung dafür, dass es unbehelligt bleibt."

    Die Hamas ruft in Ihrer Charta zur Tötung aller Juden auf, quasi als religiöse Pflicht, dieser Aufruf ist nicht an die politische Situation im Nahen Osten gekoppelt. Außerdem steht im Grundsatzprogramm, dass keine Nicht-Muslim im Heiligen Land leben darf, ebenfalls religiös begründet.

    Ich fürchte da wird ein Kompromiss etwas schwierig.

    und sie hatten auch gute Aussichten:
    http://www.aixpaix.de/aut...
    bis Israel dazwischengefunkt hat.

    Mit Hamas kann man nicht verhandeln. Die wollen Israel ausloeschen. Die Opfer an der Zivilbevoelkerung will Hamas ja: Deshalb schicken sie ihre Raketen von Schulen, Krankenkaeusern, Wohnbloecken ab, damit Israel bei Vergeltung moeglichst viele Zivilisten toetet. Und ihre Raketen schalgen in Israels zivile Siedlungen mit Absicht ein. Die Moerder sind also Hamas.

  3. ....von 350 Quadratkilometern, auf dem 1,7 Millionen Menschen leben, befindet man sich praktisch überall in einem Wohngebiet." steht oben.

    Ist natürlich nicht zutreffend, in der Mitte, im Norden und im Süden bei Al Fukhari gibt es ausgedehntes Acker- bzw. Brachland im Gaza-Streifen. Das kann selbst der entfernteste PC-Besitzer via google maps leicht feststellen. Also ist es an sich nicht notwendig, dass man seine Raketenstellungen in den Wohngebieten aufbaut, es sei denn natürlich, man möchte eben doch den "Schutzschild" derselben.

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    • Pogg
    • 16. November 2012 18:29 Uhr

    "Also ist es an sich nicht notwendig, dass man seine Raketenstellungen in den Wohngebieten aufbaut, es sei denn natürlich, man möchte eben doch den "Schutzschild" derselben."
    Was natürlich militärstrategisch schlichtweg dämlich wäre. Sobald die Hamas bzw. dschihadistische Gruppierungen Trainingslager oder Raketenstellungen auf offenem Feld errichten würden, wären diese bereits einige Minuten nach Beginn der Bauarbeiten durch israelisches Feuer eingeäschert. Natürlich profitiert die Hamas innenpolitisch von zivilen Opfern durch israelische Luftschläge. Allerdings ist dies schlicht ein "positiver" Nebeneffekt der militärischen Operation aus dichtbesiedelten Gebieten - strategisch ist sie alternativlos.

    • sharia
    • 16. November 2012 19:31 Uhr

    die bewohnerinnen der wohngebiete tun? sich auf acker- bzw. brachland häuslich niederlassen?

  4. Wie kann eine Armee mit Hightech-"Präzisionswaffen" und ausgiebigen Informationsressourcen (Satellitenbilder, Geheimdienste, GPS) Einsätze rechtfertigen, bei denen von den getroffenen Zielen die Hälfte Zivilisten waren?
    Mir ist klar, dass es für die stärkere Partei in asymmetrischen Kriegen keine "saubere" Art und Weise gibt den Gegner auszuschalten. Aber wenn uns die verzweifelten Versuche der Amerikaner im Irak, in Afghanistan etc. über die vergangenen Jahrzehnte irgendetwas gelehrt haben, dann doch dass eine Überwältigungs-/Einschüchterungs-Taktik mit Inkaufnahme von horrenden Kollateralschäden die Sicherheitslage eher verschlimmert als stabilisiert. Für jeden getöteten Zivilisten steigt die Chance, dass sich zwei weitere militarisieren.

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    Die Zivile opfer/Kämpfer zahlen im Gaza sind die niedrigste in militärische Geschichte!

    Mehr dazu hier:
    https://en.wikipedia.org/...

    Und hier:
    https://thisboysmind.word...

    • Pogg
    • 16. November 2012 18:29 Uhr

    "Also ist es an sich nicht notwendig, dass man seine Raketenstellungen in den Wohngebieten aufbaut, es sei denn natürlich, man möchte eben doch den "Schutzschild" derselben."
    Was natürlich militärstrategisch schlichtweg dämlich wäre. Sobald die Hamas bzw. dschihadistische Gruppierungen Trainingslager oder Raketenstellungen auf offenem Feld errichten würden, wären diese bereits einige Minuten nach Beginn der Bauarbeiten durch israelisches Feuer eingeäschert. Natürlich profitiert die Hamas innenpolitisch von zivilen Opfern durch israelische Luftschläge. Allerdings ist dies schlicht ein "positiver" Nebeneffekt der militärischen Operation aus dichtbesiedelten Gebieten - strategisch ist sie alternativlos.

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    Antwort auf ""In einem Gebiet ..."
  5. Die monatelangen Kriegsvorbereitungen Iraels und die Kriegshetze in den Medien haben nun offensichtlich zum gewünschten Ergebnis geführt.
    Arme Zivilisten, arme Kinder!

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    • bibicha
    • 16. November 2012 18:59 Uhr

    Krieg kennt meistens nur Verlierer; ich denke auch
    in diesem Fall.

    Aber hätte die Hamas nicht eventuell in Gaza die
    Unterstützung verloren und wäre von der Bevölkerung
    "abgesetzt" worden, wenn Israel nicht zurückgeschossen
    hätte ? Dies wäre ein Gewinn für Israel gewesen. Aber so..

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    • Pogg
    • 16. November 2012 19:37 Uhr

    Natürlich wissen die israelischen Entscheidungsträger, dass die Bombardierung Gazas und vor allem eine Bodenoffensive die zivilen Opferzahlen in die Höhe treiben wird. Dies spielt der ansonsten innenpolitisch angeschlagenen Hamas, aber auch wesentlich radikaleren Splittergruppen in die Hände, die durch ihren Widerstand/Aggression (hier scheiden sich ja bekanntlich die Geister) wachsende Unterstützung in der Bevölkerung erfahren.
    Da radikale Ideologien grundsätzlich in wirtschaftlich darniederliegenden Regionen fruchtbaren Nährboden finden, wäre die erfolgsversprechendste Option zur Marginalisierung der Hamas das Aufheben der hermetischen Abriegelung des Gazastreifens. Mit der Einkehr wirtschaftlichen Wohlstands und einer Normalisierung des Alltags der Bewohner Gazas schwände die Unterstützung für radikalislamische Positionen. Hierbei müsste man selbstverständlich noch von der Annahme ausgehen, dass wirtschaftlicher Wohlstand, einsetzender interkultureller Austausch sowie das Wegfallen einer als feindlich empfundenen, aufgezwungenen Blockade zu einer Ent-Konservatisierung der Gesellschaft beitragen würden.
    Jedenfalls wird die israelische Führungsriege nicht so naiv sein, ernsthaft von einem "militärischen Sieg" über Hamas auszugehen.
    Zyniker dürften sich hier an das altbewährte Konzept des 'divide et impera' erinnert fühlen. Solange Israel dafür sorgt, dass Hamas stark in Gaza und Fatah stark im Westjordanland bleibt, wird es keinen palästinensischen Gesamtstaat geben.

  6. Sind Sie blind oder verweigern Sie sich völlig der Realität? Seit Wochen und Monaten ist Israel Raketenangriffen ausgesetzt. Mittlerweile nicht mehr nur die Nachbarschaft des Gazastreifens, sondern auch Tel Aviv und andere israelische Städte.
    Israel ist nicht der Kriegstreiber, wie Sie schreiben. Das kleine Land mit seinen gerade mal 7 Mio Menschen verteidigt sich nur.

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    herrscht.

    Wie realitätsfern sind Sie denn? Was ist mit dem Bau von Kibbuzen auf palästinensischem Gebiet? Das ist eine imperialistische Politik, angetrieben von den Israelis, die das ganze Gebiet unterjochen wollen. Die Palästinenser haben genau so ein Recht dort in Frieden zu leben wie die Israelis. Die Israelis haben sich die Schuld selbst zuzuschreiben.

    Sie betreiben eine repressive und nationale Politik, die die Minderheiten in Israel unterdrückt. Von den von Ihnen genannten 7 Millionen sind ungefähr ein Fünftel Palästinenser und andere Muslime. Diese Leute werden wie Menschen zweiter Klasse behandelt. Die Israelis sind die größten Unterdrücke im Nahen Osten.

    daß Sie vielleicht selbst Blind sind .Sie sollten zur Kenntnis nehmen,daß die Gewalt überwiegend von Israel ausgeht,sie sind es die die Menschen im Gazastreifen -eingekerkert-halten und für menschenunwürdige sorgen,selbst internationale Hilfslieferungen werden von den Israelies oft willkürlich zurückgehalten,oder nicht ausgeliefert.Es gibt viele Beispiele wo israel.Sicherheitkräfte tagtäglich rücksichtlos vorgehen und Menschenrechte missachten.Sie kerkern ein, töten gezielt Menschen und bombardieren angebliche Munitionfabriken.Die Liste läßt beliebig fortführen.Wie ungleich hier der Kampf ist ,sieht man sehr schnell an der Höhe der Opfer im Verhältnis von ca. 1 :100 zugunsten der Israelies,bei den Verwundeten ist das Verhältnis noch höher.Soweit bekannt sind bisher insgesamt 4 Menschen den Kassamraketen zum Opfer gefallen,das sind 4 zuviel,in dem gleichen Zeitraum hat Israel auf der anderen Seite rund 1500 Menschen umgebracht.Diese Kassanraketen scheinen für die israelischen Machthaber ein -Persilschein - zu sein um ihr unverhältnismässiges militärisches Vorgehen zu rechtfertigen.Z.Zt. scheint die weltweite Presse und die israelische Führung nur noch auf einen -effektiven tötlichlen Raketeneinschlag -in einem Wohngebiet zu warten,um den anscheinend schon lange geplanten Einmarch zu rechtfertigen.Eine Schande für
    Deutschland ist auch die uneigeschränkte Unterstützung
    unserer Regierung für Israel,wohlwissend ,daß sie damit mal wieder auch kriegsverbrechen fördert.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Hamas | Arzt | Benzin | Energieversorgung | Israel | Minarett
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