ZEIT ONLINE: Frau Ministerin, Sie waren früher eine Weggefährtin des Präsidenten Michail Saakaschwili . Sie haben unter ihm als Botschafterin Georgien vertreten. Heute sind Sie Außenministerin – und seine Gegnerin. Wann kam der Wendepunkt?

Maja Pandschikidse: Ich hatte damals kein Problem damit, mein Land zu vertreten. Ich sah genauso wie die Regierung die Integration in die EU und in die Nato als einzigen Weg für Georgien. Ich wollte nicht gehen, ich bin gegangen worden. Mein Schwager, damals noch UN-Botschafter, hat eine Oppositionspartei gegründet. Für die Regierung war es bequemer, mich loszuwerden.

ZEIT ONLINE: Wegen Ihres Schwagers?

Pandschikidse: Das war die inoffizielle Erklärung. Eine offizielle gab es nicht.

ZEIT ONLINE: Wann haben Sie beschlossen, die Nähe zu Milliardär Bitsina Iwanischwili zu suchen, der Saakaschwili herausgefordert und jetzt auch besiegt hat?

Pandschikidse: Nach meiner Entlassung als Botschafterin kehrte ich nach Georgien zurück. Ich hatte von allem genug. Ich fing an, Deutsch zu unterrichten. Dann kam Iwanischwili. Plötzlich war klar, dass das Land eine Chance bekommen hat. Denn er konnte die zersplitterte Opposition einen. Iwanischwili hat sofort seine Partner gewählt....

ZEIT ONLINE: ...mit unüberschaubar vielen Parteien.

Pandschikidse: Es sind sechs, darunter nur drei große. Nach einigen Monaten fragte er mich, ob ich nicht an einem außenpolitischen Parteiprogramm mitarbeiten will. So bin ich reingerutscht. Sehr bald wurde ich eine Art Sprecherin von ihm.

ZEIT ONLINE: Ihr Bündnis ist denkbar unterschiedlich. Es hat funktioniert, weil es einen Gegner gab: Michail Saakaschwili. Der ist jetzt besiegt – Ihrem Bündnis jedoch droht der Zerfall.

Pandschikidse: Selbst wenn: Wo ist das Problem? Unser Bündnis besteht aus drei großen Parteien. Wenn diese eines Tages zu Konkurrenten werden, wäre das nur gesund. Aber danach sieht es momentan nicht aus. Wir haben gemeinsam wichtige Aufgaben zu erfüllen. Was Iwanischwili fantastisch kann, ist gutes Management. Er hat die unterschiedlichsten Leute zu einem Team gemacht. Niemandem zuvor ist das gelungen.

ZEIT ONLINE: Was er nicht so gut kann, ist versöhnen.

Pandschikidse: Warum?

ZEIT ONLINE: Herr Iwanischwili forderte den Rücktritt des Präsidenten – der noch bis zur Präsidentenwahl im Oktober 2013 Staatsoberhaupt bleibt –, mehrere Ex-Minister wurden verhaftet.

Pandschikidse: Wir haben als Opposition alles erlebt: Entlassungen, Verhaftungen, Enteignungen. Man hat auf uns nicht geschossen, aber ansonsten hat man alles mit uns gemacht. Wir hatten Angst. Ich bin der Meinung, dass alles, was geschehen ist, analysiert werden muss.

ZEIT ONLINE: Zeigt Ihr Wahlsieg nicht, dass die Unterdrückung so schlimm nicht war?