Maja Pandschikidse : "Georgien gehört zu Europa"

Maja Pandschikidse ist Georgiens neue Außenministerin. Im Interview erzählt sie von ihren Hoffnungen auf Europa und die Wiedervereinigung mit Südossetien und Abchasien.

ZEIT ONLINE: Frau Ministerin, Sie waren früher eine Weggefährtin des Präsidenten Michail Saakaschwili . Sie haben unter ihm als Botschafterin Georgien vertreten. Heute sind Sie Außenministerin – und seine Gegnerin. Wann kam der Wendepunkt?

Maja Pandschikidse: Ich hatte damals kein Problem damit, mein Land zu vertreten. Ich sah genauso wie die Regierung die Integration in die EU und in die Nato als einzigen Weg für Georgien. Ich wollte nicht gehen, ich bin gegangen worden. Mein Schwager, damals noch UN-Botschafter, hat eine Oppositionspartei gegründet. Für die Regierung war es bequemer, mich loszuwerden.

ZEIT ONLINE: Wegen Ihres Schwagers?

Maja Pandschikidse

ist zum ersten Mal als georgische Außenministerin in Berlin – doch sie kennt sich aus: Viele Jahre lang war sie hier Botschafterin Georgiens, bevor sie auf den Posten nach Den Haag wechselte. Sie spricht perfekt Deutsch. Heute dient sie der einstigen Opposition des noch amtierenden Präsidenten Saakaschwili, dessen Partei die Parlamentswahl im Oktober verloren hat.

Pandschikidse: Das war die inoffizielle Erklärung. Eine offizielle gab es nicht.

ZEIT ONLINE: Wann haben Sie beschlossen, die Nähe zu Milliardär Bitsina Iwanischwili zu suchen, der Saakaschwili herausgefordert und jetzt auch besiegt hat?

Pandschikidse: Nach meiner Entlassung als Botschafterin kehrte ich nach Georgien zurück. Ich hatte von allem genug. Ich fing an, Deutsch zu unterrichten. Dann kam Iwanischwili. Plötzlich war klar, dass das Land eine Chance bekommen hat. Denn er konnte die zersplitterte Opposition einen. Iwanischwili hat sofort seine Partner gewählt....

ZEIT ONLINE: ...mit unüberschaubar vielen Parteien.

Pandschikidse: Es sind sechs, darunter nur drei große. Nach einigen Monaten fragte er mich, ob ich nicht an einem außenpolitischen Parteiprogramm mitarbeiten will. So bin ich reingerutscht. Sehr bald wurde ich eine Art Sprecherin von ihm.

ZEIT ONLINE: Ihr Bündnis ist denkbar unterschiedlich. Es hat funktioniert, weil es einen Gegner gab: Michail Saakaschwili. Der ist jetzt besiegt – Ihrem Bündnis jedoch droht der Zerfall.

Pandschikidse: Selbst wenn: Wo ist das Problem? Unser Bündnis besteht aus drei großen Parteien. Wenn diese eines Tages zu Konkurrenten werden, wäre das nur gesund. Aber danach sieht es momentan nicht aus. Wir haben gemeinsam wichtige Aufgaben zu erfüllen. Was Iwanischwili fantastisch kann, ist gutes Management. Er hat die unterschiedlichsten Leute zu einem Team gemacht. Niemandem zuvor ist das gelungen.

ZEIT ONLINE: Was er nicht so gut kann, ist versöhnen.

Pandschikidse: Warum?

ZEIT ONLINE: Herr Iwanischwili forderte den Rücktritt des Präsidenten – der noch bis zur Präsidentenwahl im Oktober 2013 Staatsoberhaupt bleibt –, mehrere Ex-Minister wurden verhaftet.

Pandschikidse: Wir haben als Opposition alles erlebt: Entlassungen, Verhaftungen, Enteignungen. Man hat auf uns nicht geschossen, aber ansonsten hat man alles mit uns gemacht. Wir hatten Angst. Ich bin der Meinung, dass alles, was geschehen ist, analysiert werden muss.

ZEIT ONLINE: Zeigt Ihr Wahlsieg nicht, dass die Unterdrückung so schlimm nicht war?

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Kommentare

22 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Mit deutschem Geld MultiKulti fördern

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"Wir müssen für Abchasen und Südosseten wieder attraktiv werden"

Durch einen EU-Beitritt sollen dann die Milliarden fließen, mit denen man dann den Staat zusammenhalten will.

Wie auch bei anderen Machtspielchen soll Deutschland für die Ausweitung der amerikanischen Einflusssphäre zahlen. Siehe EU-Embargo Iran, ein Witz, der fortgeführt werden soll.

Vergessen wird, dass Osseten nunmal noch weniger Georgier sind, als die Kossovaren Serben waren. Wer einmal die Unverletzlichkeit der Grenzen bricht mit der Begründung des Selbstbestimmungsrechts der Völker, kann nicht an anderer Stelle MultiKulti preisen.

Die Osseten verdienen es in einem zusammenhängenden Verwaltungsraum zu leben, Russland schein mir hier der fairere Partner zu sein.

Bleibt zusammenzufassen: Kein deutsches Geld für die Machtinteressen der USA, darum sofortiger Austritt aus der EU und Nato.

Russland als Partner ?

Etwas schlimmeres kann man sich wohl kaum vorstellen als Russland als "Partner" zu haben. Die sogenannte Partnerschaft mit Russland bedeutet bedingungslose Unterwerfung, sonst rollen Panzer wie 1953, 1956, 1968...
Die Georgier haben die russische Okkupation endgültig abgeschüttelt, das passt Moskau natürlich nicht, also spielt man den Beschützer der Abchasen, deren Vettern im nördlichen Kaukasus von den Russen bis heute brutal unterdrückt werden. Es geht Russland natürlich nicht um irgendeine Form von Selbständigkeit der Völker des Kaukasus, sonst hätten sie sich und den Tschetschen die beiden blutigen Kriege ersparen können und Tschetschenien wäre ein freies Land. Statt dessen herrscht dort die von Putin eingesetzte Bestie Kadyrow. Das Vorgehen Russlands in Tschetschien zeigt das wahre Gesicht der Kremlherrscher.

abchasien & ossetien

ich glaube nicht, daß diese beiden staaten ihre unabhängigkeit aufgeben werden um wieder zu georgien zurückzukehren - warum sollten sie? kulturell und ethnisch habe diese sowieso nichts mit georgien zu tun.

wenn wir schon auf die "selbstbestimmung der völker" hinweisen, sollte dies für alle völker gelten - und nicht nur für ein paar dem westen "genehme".

Einfältig.

"Es gibt nichts Besseres als Europa auf dieser Welt und Georgien gehört zu Europa."

Russland gehört auch zu Europa. Ob sie das wirklich meint?

Georgiens territoriale Integrität: Zu Georgien gehört eben nicht Ossetien oder Abchasien, wie Georgien zu Russland. Wer die Unabhängigkeit der Georgier will, muss die der Osseten auch akzeptieren. Erst die Unabhängigen können sich auf freiwilliger Basis Verbündete suchen. Da die Georgier die Osseten bombardierten, werden die gegenwärtig wenig Interesse haben, sich mit Georgien zu verbünden.

Im Übrigen sollten die Georgier sich mal in ihrer Geschichte umsehen. Mit den Russen als Verbündete sind sie viele Jahre gegen ihre südlichen Feinde ganz gut gefahren. Ob die militaristischen USA eine erfolgreiche Wahl sind, wage ich stark anzuzweifeln.

Südliche Nachbarn

Die Russen haben Georgien nicht vor den "südlichen Nachbarn" beschützt, sondern im Gegenteil durch ihre Doppelzüngigkeit erst die Aggressionen dieser "südlichen Nachbarn" hervorgerufen. Ich gehe davon aus, dass Ihre Anspielungen sich auf Schah Abbas, den persischen Herscher, und nicht auf die unschuldigen Armenier beziehen, die ja eigentlich die südlichen Nachbarn sind. Schah Abbas hatte Georgien überfallen, nachdem der Russland einem Teilgebiet Georgiens einen Beistandspakt schmackhaft gemacht hatte, der dann von den Russen nicht eingehalten wurde. Schah Abbas sah sich durch die russischen Expansion in den Kaukasus zu einem Überfall auf Georgien veranlasst und verwüstete ganze Regionen. Die Russen schauten zu und annektierten danach das wehrlose Georgien. Wer solche "Freunde" hat, braucht keine Feinde mehr.