JapanEin Populist gegen Japans Establishment

Direkt, aggressiv, widersprüchlich – und ziemlich unjapanisch: Toru Hashimoto will neuer Premier werden. Im Krisenstaat droht er mit Traditionen zu brechen. von 

Toru Hashimoto

Toru Hashimoto (M.)  |  © Koichi Kamoshida/Getty Images

Lange hat es keinen Politiker gegeben, an dem sich die Meinungen so teilen wie an Toru Hashimoto. "Was Japan heute braucht, ist eine Diktatur", verkündete er im Sommer. Inzwischen ist er in den Wahlkampf um das Amt des japanischen Premiers eingestiegen. Der eloquente 43-jährige mit dem jungenhaftem Gesicht ist ein für japanische Verhältnisse junger Politiker, einer, den das politische Establishment in Tokyo fürchtet. Die Radikalkur, die er seinem hochverschuldeten und politisch wie ökonomisch stagnierenden Land verpassen will, findet Freunde wie Gegner – und zwar auf beiden Seiten des politischen Spektrums.

Einerseits will Hashimoto, dass Japan zur Atommacht wird, andererseits verfechtet er den viel begrüßten Ausstieg des Landes aus der Atomenergie . Um politische Entscheidungsprozesse zu beschleunigen und Bürokratiekosten zu sparen, will Hashimoto das Oberhaus, das schwächere Organ in Japans Zwei-Kammerparlament, ganz abschaffen. Wirtschaftspolitisch steht er für Freihandel und stellt sich damit gegen Japans protektionistische Tradition, gleichzeitig schlägt er gern nationalistische Töne an. Als Bürgermeister Osakas hat er Lehrer dazu verdammt, bei offiziellen Schulveranstaltungen die japanische Nationalhymne zu singen.

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Nun wird darüber gestritten, wo er im politischen Spektrum eigentlich einzuordnen ist. Doch in einer Zeit, in der viele Japaner nach endlosen Skandalen den Glauben in die Politik verloren haben, funktioniert vor allem seine Strategie, an die Empörung der Menschen zu appellieren. Hashimoto ist zu einem der beliebtesten Volksvertreter seines Landes avanciert. Sein für japanische Verhältnisse ungewöhnlich direkter Stil hat ihm zweifelhafte Spitznamen wie "Möchtegern-Diktator" und "Japans Hitler" beschert.

Beamte dürfen keine Tätowierungen haben

Hashimotos Aufstieg war bislang rasant. Nachdem er mehrere Jahre eine Anwaltskanzlei in Osaka betrieben hatte, wurde der Sohn eines Yakuza-Mitglieds, der japanischen Mafia, vor zehn Jahren als TV-Jurist bekannt. 2008 kürten ihn die Wähler der Präfektur Osaka dann mit deutlicher Mehrheit zu ihrem Gouverneur. Weil er die Gehälter für Beamte kürzte, machte Hashimoto schnell Schlagzeilen.

Im nächsten Schritt wurde der gebürtige Tokyoter Ende vergangenen Jahres Bürgermeister von Osaka, der Hauptstadt der gleichnamigen Präfektur. Seine meistdiskutierte Maßnahme auf dieser Position war die Ankündigung eines Tattoo-Verbots für öffentlich Angestellte. Nachdem ein tätowierter Beamter Kinder eingeschüchtert haben soll, indem er diesen seine Körperbemalung gezeigt hatte, drohte Hashimoto seinen Angestellten, mit Tätowierungen könne man nicht länger für den Staat arbeiten. Viele Japaner sind skeptisch gegenüber Tätowierungen, weil diese traditionell mit der Yakuza assoziiert werden.

Leserkommentare
    • ST_T
    • 12. November 2012 18:37 Uhr

    "In den letzten 20 Jahren wechselte das Land 17 Mal den Premier. Entsprechend häufig gab es kleine Richtungswechsel, grundlegende Reformen konnten jedoch keine angepackt werden."

    In den letzten 20 Jahren gab es eine große Menge tiefgreifender Reformen, doch keine wurde wohl beachtet, wie so üblich im Westen. So etwa nicht die finanzpolitischen Maßnahmen, die Privatisierungen, die Umstellungen der Altersvorsorge, die Einführung der Gesetze zu Zivilgesellschaften nach dem Kôbe-Erdbeben, usw usf.
    Übrigens fiel ausgerechnet in diesem Raum der Premier, der am längsten an der Macht war, nämlich Junichiro Koizumi.

    Übrigens nur ein "paar" seiner Aussagen zu bestimmten Themen:

    http://www.japantimes.co....

    Dieser Mann ist gefährlich nationalistisch und teilweise überschreitet er die Grenze in den Rechtsextremismus. Das hatte ihm übrigens nicht nur eine Partei oder einige Leute einer Partei vorgehalten.
    Noch bezeichnender ist sein Konflikt mit der Asahi-Shinbun in der es um die Vergangenheit seines Vaters als Yakuza und (potentieller) Burakumin geht.
    Ein Ausschnitt dieser Debatte findet sich hier:

    http://www.japantimes.co....

  1. der weiß bereits, wes Geistes Kind Hashimoto sein wird.

    Wahrscheinlich wird man nichts zu lachen haben !

  2. Oberflächlicher Artikel, der nichts über das Zusammenspiel Hashimotos mit dem rechtsextremen Gouverneur von Tokio (gerade zurückgetreten, um auch für das Parlament zu kandidieren) und erklärten Rassisten Ishihara zu berichten weiß. Ebenso wenig über den Roll-back, den die Yakuza jetzt erstmals unter den regierenden Demokraten der DPJ zu erleiden haben und den Hashimoto sich populistisch zunutze macht. Hashimoto ist ein Teil der reaktionären und ultra-nationalistischen "Fart Heads", die sich in Japan wieder breit machen wollen. Doch die Umfragewerte für sie sind, ganz anders als in dem Artikel dargestellt, bisher noch schlecht und sie sind nur eine Marginalie, über die man sich schön aufregen kann. Noch.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Hainuo
    • 12. November 2012 22:29 Uhr

    Mehr habe ich nicht zu sagen ;-)

    • Hainuo
    • 12. November 2012 22:29 Uhr

    Mehr habe ich nicht zu sagen ;-)

    • Chali
    • 13. November 2012 8:38 Uhr

    Aber das ist ja ... Furchtbar. Ganz furchtbar!!

    "In den Zeiten grösster Not
    bringt der Mittelweg den Tod"

    Merkwürdig der Gebrauch des Wortes "Populist" ...
    Ein Etikett, vorab aufgeklebt, ... da braucht man sich mit den Inhalten ja gar nicht zu beschäftigen, das hat der Berichterstatter ja schon getan.

    Qualitätsjournalismus sieht anders aus, finde ich. Denn eigentlich solte ich es ja sein, der zu diesem Urteil kommt-
    Wohlgemerkt: Kommt.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Japan | Freihandel | Tokio | Atomenergie | Mafia | Nationalhymne
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