Separatismus : Katalonien macht Spanien nervös

Die Katalanen haben in der Regionalwahl mehrheitlich separatistisch gewählt. Ihr konservativer Landesvater treibt nun die Unabhängigkeit von Madrid voran.
Kataloniens Regierungschef Artur Mas © REUTERS/Albert Gea

"Zwar haben wir die angestrebte überragende Mehrheit verfehlt", sagt Artur Mas, alter und soeben im Amt bestätigter Regierungschef Kataloniens. "Doch wir wissen nun genau, wo die Mehrheiten liegen." Das Projekt, in den kommenden vier Jahren ein Referendum über die Unabhängigkeit der Region von Spanien durchzuführen, werde er vorantreiben.

Mit der Neuwahl zwei Jahre vor Ende der Legislaturperiode wollte sich Präsident Mas den Rückhalt der Wähler für einen Vorstoß sichern, der auch eine radikale politische Kehrwende seiner Partei "Convergencia i Unió" (Konvergenz und Einheit) beinhaltet. Denn die Forderung einer Unabhängigkeit Kataloniens geht weit über das ursprüngliche nur den Fiskalpakt umfassende Programm der konservativen CiU hinaus.

Trotz des Verlusts der absoluten Mehrheit, mit der er und die CiU seit 2010 regiert hatten, interpretiert Mas das Mandat zur Regierungsbildung als Bestätigung für den neuen Kurs. Die CiU erhielt 30,67 Prozent der Stimmen und wird mit 50 von 135 Abgeordnetensitzen in der "Generalitat", wie die katalanische Regionalregierung genannt wird, vertreten sein. Die linksseparatistische Partei "Republikanische Linke" (ERC) erreicht 14 Prozent, schickt 21 Abgeordnete ins Parlament und ging damit überraschend als zweitstärkste Kraft hervor.


Zu Unterstützern eines Referendums zählen auch die noch junge Protestpartei "Candidatura d’Unitat Popular" (CUP) (3,4 Prozent und 3 Abgeordnete) sowie die "Initiative für Katalonien /Grüne" (ICV), (9,9 Prozent, 13 Abgeordnete). Das Vorhaben, ein Referendum für die Unabhängigkeit durchzuführen, wird damit von 86 der 135 Abgeordneten unterstützt. "Das katalanische Volk gibt uns einen klaren Auftrag", betont CiU-Generalsekretär Josep Antoni Duran Lleida.

Die mit 69,5 Prozent höchste Wahlbeteiligung in einer Regionalwahl seit dem Ende der Franco-Diktatur bestätigte die Wichtigkeit der Wahl, bei der vor allem der Wunsch der Katalanen nach Unabhängigkeit abgefragt wurde. "Das Ergebnis stellt uns vor neue Herausforderungen und Schwierigkeiten", so Mas. "Wir müssen nun mit einem Koalitionspartner die maximale Stabilität schaffen."

Damit, dass ausgerechnet ein konservativer Politiker das Thema Referendum auf den Tisch bringen würde, hatte in Katalonien niemand gerechnet. Doch nachdem Spanien Verhandlungen um die von Mas geforderte Neuordnung des Steuersystems abgelehnt hatte, kündigte der charismatische Regierungschef an, die Unabhängigkeit voranzutreiben. Die Forderung hat vor allem in Madrid für Entsetzen gesorgt, ist Katalonien doch trotz seiner hohen Staatsverschuldung von rund 44 Milliarden Euro (20 Prozent des BIP) noch immer die wirtschaftsstärkste Region Spaniens.

Auslöser für einen Sinneswandel Artur Mas' war aber nicht nur das Scheitern seiner Verhandlungen um einen Fiskalpakt, sondern auch die Stimmung in der Bevölkerung. Am 11. September, dem "Diada" genannten Nationalfeiertag der Katalanen, waren in Barcelona über 1,5 Millionen Menschen – ein Fünftel der nur rund 7,6 Millionen Katalanen – unter dem Motto "Catalunya, Nou Estat D’ Europa " (Katalonien, neuer Staat Europas) auf die Straße gegangen.

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Kommentare

66 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

Und was ist mit der Normandie?

Dann auch Unabhängigkeit für die Normandie und die Bretagne. Und wenn wir schon mal dabei sind, auch gleich Bayern. -
Wäre es vllt nicht sinnvoll, zuerst ein autonomes Parlament einzurichten, um zu schauen, wie es de facto mit einem katalanischen Staat klappt? Wirtschaftlich und gesellschaftlich - in Hinblick auch auf europäischer Ebene?

Nein das Problem gibt's in Deutschland nicht

Bayern sehen sich vielleicht als Deutsche 1. Klasse, aber ich habe keinen Bayern gesehen, der sich nicht als Deutscher wahrnimmt. (kann das mal ein Bayer kommentieren?)

Deutschland ist (vielleicht bis auf die sorbische Minderheit) ein kulturell und sprachlich größtenteils homogenes Land. Katalonien und Spanien haben unterschiedliche Historien, unterschiedliche Sprachen, und Katalonien wurde soweit ich weiß militärisch annektiert von Spanien, es gab keinen freundlichen Zusammenschluss wie im Falle des Deutschen Reiches. Ähnliches gibt es in Frankreich oder auch in Italien (z.B. Sardinien) ...

Dann gleich weiter

unser Austritt aus der EU (=europ. Unvermögen), diese Mrd benötigen wir in D dringend, ca. 10 Mrd verschenkt D mindestens / Jahr, was ist der Dank - bekommen dafür Hass und mit immer mehr Pleiteländern geht es rapide bergab. Jetzt kommt F, E, I,.... wer zahlt dann überhaupt noch die ESM-Mrd,...?
Und es wird eine EU-Diktatur des Geldes.
Die vielen Bürgschafts-Mrd sind sowieso weg. Bald platzt noch die 800 Mrd Target-2 Schuldscheinblase, auch da sind wir voll dabei oder glaubt ein Id. das GR, Portugal,.... diese Unsumme mit erarbeiteten Waren einmal begleichen? Es wird noch sehr viele, sehr schmerzhafte Schuldenschnitte geben, auch beim 1. 50% für GR waren wir mit der bad bank Hyporeal,... mit einigen Mrd schon dabei, dann noch die Steuerverluste und Abschreibungen für Zocker,
schon schwätzt man vom nächten Mrd -Verlustschnitt,
auch der wird nicht reichen.
Wo ist denn der grosse Nutzen für D, den haben nur ca. 10%, die schon nicht wissen, wohin mit ihren Mill / Mrd.
Erbitte eine Kosten- / Nutzenrechnung, Arbeitsplätze gleichen das nicht aus. Wenn das alles stimmt, dann gute Nacht:
http://www.focus.de/finan...
zu viel Unsinn traue ich einem, der 18 Jahre Chef bei Thyssen war nicht zu, aber dem Schäuble u.v.a. Lobbypolitikern

freundlicher Zusammenschluss?

So richtig freundlich war der Zusammenschluss des deutschen Reiches aber auch nicht, Stichwort deutscher Krieg 1866.
Bin kein Linguist, aber unterscheiden sich Katalanisch und Spanisch wirklich deutlicher als Deutsch und z.B. Friesisch oder ist das vl v.a. eine politische Definition?
Zu guter Letzt- bin zwar kein Bayer- aber meine Eigenwahrnehmeung ist Schwabe und Europäer, deutsch ist nicht viel mehr als das, was auf meinem Pass steht (und espanol steht zumindest noch auf dem Pass des Katalanen ;). Ist zwar nur mein persönliches Empfinden,ich kann aber die Haltung in Katalonien gut nachvollziehen

Spanisch - Katalan

Ich bin eigentlich eher Hispanist ohne Ausbildung in Katalan. Aber ich habe einige Zit in Barcelona verbracht.
1.) Spanisch und Katalan haben als Basis das Vulgärlatein, was aber auf alle romanischen Sprachen außer dem Rätoromanischen und dem Rumänischen zutreffen dürfte (mit dem letzten bin ich nicht sicher).

2.) Die Wortbildung erfolgt im Katalanischen offensichtlich eher an das Französische angelehnt.

3.) Trotz des langen spanischen Einflusses sind viele Realia einfach anders als im Spanischen.

4.) Im gesamten ist das Katalanische eher dem Italienischen und dem Französischen ähnlich. Wenn man französische Schriftsprache deutsch ausspräche, käme etwas raus, was ziemlich katalanisch wirkt.

Ein Spanischsprecher und ein Katalansprecher können sich also verständigen und ein Spanier ziemlich schnell Katalan lernen und andersrum.

"Schwabe und Europäer"

soso, "deutsch [ist] nicht viel mehr als das, was auf[ihrem] Pass steht"...

Das ist ja nicht weiter verwerflich, aber sich dann als Schwabe sowie als Europäer begreifen? Sie fühlen sich demnach mit den Schwaben so verbunden wie mit den Franzosen und Italienern. Fein, und Sie fühlen sich den Spaniern und Portugiesen näher als den Hessen und Sachsen? Also mir erscheint das alles ein wenig hanebüchen. Ich kann verstehen, dass Sie Europa schick finden, aber die Rückschlüsse auf ihre Zugehörigkeit sind doch komplett willkürlich.

Zugehörigkeit

sofern so etwas pauschal gehen sollte, fühle ich mich tatsächlich aus persönlichen Gründen den Franzosen näher als von mir aus den Sachsen. Aber ich schließe ja andere Deutsche überhaupt nicht aus, die gehören ja auch zu Europa....
Hanebüchen finde ich aber, wenn ich mich als Süddeutscher einem Mecklenburger näher fühlen soll als einem Österreicher oder Schweizer, entgegen sprachlicher und kultureller Ähnlichkeiten, nur aufgrund Grenzziehungen aus dem 19. Jahrhundert

Bitte nicht pauschalisieren! Vielleicht die Wetterau?

Bitte vergleichen Sie keine Äpfel mit Birnen. Bayern in allen Ehren, aber wo ist die Sprache? Die Sprache! Normandie, wo ist die eigene Sprache? Bretagne ok, die eigene Sprache ist da, aber der Rückhalt in der Bevölkerung ist gewiss nicht so stark wie in Katalonien. Gönnen Sie doch bitte den Katalanen ihren eigenen Staat. Sie haben ihn längst verdient. Ihnen wurde nur genommen und das ist noch sehr bescheiden ausgedrückt. Europa wird von Katalonien sicherlich mehr erhalten, als es glaubt. Gewiss!

Das Europa der Regionen im Sinne unserer Erbfreunde

hat man sich anders vorgestellt:

Mit Sachsen als Region, dem Rheinland als Region, Bayern (vielleicht besser Franken und die Oberpfalz extra, Preußen gibt es ja nicht mehr) als Region und Frankreich als Region,

leider kommt es nun anders und das trotz der Friedenswährung Euro.

Schwierige Frage: was würde aus der EU, wenn die

einzelnen Mitgliedsstaaten nach nach innen zerfallen? Schottland will sich ebenfalls vom UK abtrennen, Katalonien könnte schließlich doch das Baskenland folgen, die Nordiren den Schotten.
Wenn die EU tatsächlich das Friedensprojekt sein soll, als dass es uns so gerne verkauft wird, dann ist diese Entwicklung mit "mehr Integration" nicht zu vereinbaren.

Oder aber es dominieren die Machtträume einer europäischen "Supernation" die auf militärischer und ökonomischer Augenhöhe mit Peking, Moskau und Washington agieren soll - notfalls um den Preis europäischer Bürgerkriege. Auch diese Visionen werden vertreten.
Ich sehne mich langsam nach der alten EG zurück, ein weniger fester, aber um so stabilerer Aggregatzustand?

Antwort: Ein Europa der Regionen

Ich sehe das Problem nicht. Wenn sich die Katalanen nicht zu Spanien bekennen können/wollen aber doch zu Europa, so gibt es auf der Ebene kein Grundsätzliches Problem.

Man kann gleichzeitig Katalane und Europäer sein.

In der europäischen Idee sollen Völker und Kulturen gewahrt werden, auch in den Vereinigten Staaten von Europa wären Deutsche Deutsche. Sie würden nur zusätzlich auch Europäer sein.

Rein praktisch würde bei den jetzigen EU-

Prinzipien Katalonien aus der EU fallen und müsste seine Neuaufnahme beantragen, die Spanien dann per Veto verhindern könnte. Anderenfalls hätte die EU ein neues Mitglied, mit Veto-Rechten. Die Währung in Katalonien müsste geklärt werden, inwieweit würde sich Katalonien nicht nur an der Finanzierung der spanischen, sondern auch der griechischen, irischen und portugisischen Finanzkrise beteiligen? Alles das müsste geklärt werden, und das wäre nicht gerade leicht, wenn der neue Staat nicht großzügig auf nationale Eigeninteressen verzichten würde, da ja die EU zur Bewältigung der Krise mehr Kompetenzen von den Nationalstaaten übertragen bekommen soll.
In der alten EG mag das Verhältnis von Regionen/Nationalstaaten zu Brüssel noch spannungsfreier gewesen sein, jetzt geht es aber darum, dass die Nationalstaaten weitgehend auf Befugnisse zugunsten Brüssels verzichten. Wie wahrscheinlich ist es da, dass eine Region nationale Souveränität erstreitet, um diese dann sofort in Brüssel wieder abzugeben?

Das ist Sache von Katalonien

Wieder sehe ich das Problem nicht. Wenn die Katalanen maximale Unabhängigkeit (was bei den weltweiten ökonomischen und finanziellen Verflechtungen eh eine Illusion ist...) erhalten wollen, dann treten sie halt nicht der EU bei.

Das wichtige ist, dass das katalonische VOLK sich autonom für oder gegen die EU entscheidet. Separatismus gibt es überall da, wo eine Vereinigung von außen (meist mit militärischen Mitteln) und gegen den Willen des Volkes aufgezwungen wurde.

Als NIcht-EU-MItglied müsste Katalonien

sämtliche Handels-, Außen- und Verkehrsbeziehungen erstmal mit Spanien, Frankreich und der EU verhandeln, was bei einer Trennung von Spanien im Streit nicht ganz einfach sein dürfte. Als Industriestandort wäre Katalonien auf eine reibungslose Anbindung an die EU angewiesen, sonst würde ein massiver Exodus exportorientierter Unternehmen erfolgen und ein Zusammenbruch der Wirtschaft mit all den bekannten Folgen auch für die Staatsverschuldung. Eine massive Abwertung der Währung würde ebenfalls eintreten, die in Euro zuvor angefallenen Staatsschulden könnten nicht mehr bedient werden.
Von daher halte ich ein Katalonien außerhalb der EU für wenig überlebensfähig.

Liebe Zeit-Redaktion

Sie haben den Artikel ja nicht geschrieben, wenn ich das richtig lese, sondern Reuters. Jedoch möchte ich auf ein paar Dinge hinweisen:

1.) Separationsbewegungen gibt es momentan in ganz Europa. Auch wegen der Euro-Krise und der daraus folgenden Austeritäts. Beispiellos ist das keineswegs. Denn die Schotten bereiten ja ein Referendum vor und Herr Cameron hat es abgesegnet.

2.) Separation gibt es schon längst in ganz Europa. Europa besteht aus separatistischen Staaten: Tschechien, Slowakei, Polen, Portugal, Österreich. Außerhalb der EU gibt es kein Problem, wenn sich beispielsweise der Kosovo abtrennt. Auch wenn dort ganz andere Gründe dafür gesorgt haben, dass westliche Kräfte mit Freuden dieses Projekt vorangetrieben haben.

Es sollte also für die EU viabel sein.

Ihr Argument...

geht bei EU-Mitgliedschaft alleine.

Bei den Mitgliedern der Euro-Staaten, speziell in der für die nächsten, langen Jahre extrem prekären Situation, geht das nicht mehr.

Denn wenn sich aus ohnehin schon schwächelnden Ländern die letzten etwas leistungsfähigeren verabschieden, dann werden die Reststaaten zu außerordentlichen Belastungen für die gesamte Eurozone.

Dann hätten wir nicht mehr ein Griechenland, sondern 3 bis 4 (Wallonie, Restspanien, Süditalien).

Wer soll diese Staaten dann noch halten?

Oder gehen Sie dann selbstveständlich davon aus, dass diese Staaten aus dem Euro austreten?

Gut, das kann man erwägen.

Aber Sie haben wohl die Nachrichten der letzten Jahre verfolgt und wissen, wie die Märkte reagieren, wenn sie an Staaten nicht mehr glauben und wie sie ganze Regionen in die Krise ziehen, wenn nur einer dieser Staaten noch mehr schwächelt.

Zwei Lektionen der letzten Jahre: a) Ein Euro-Austritt ist sehr gefährlich und muss gut vorbereitet werden. b) Ein Land ohne jede Leistungsfähigkeit im Euro wird zur 100e-Milliarden-schweren Belastung für alle Euro-Mitglieder.

Leider ist die Welt nicht mehr so einfach seit dem Euro.