Patriot-Einsatz in der TürkeiDie guten Geschäfte mit der Raketenabwehr

Die Nato wird der Türkei beim Schutz ihres Luftraums helfen. Von einem Einsatz der Bundeswehr könnten amerikanische Rüstungskonzerne profitieren. von 

Die Türkei will von ihren Nato-Verbündeten ein Luftabwehrsystem haben, und von Seiten des Bündnisses wird es wohl keine Einwände geben. Es geht um Hilfe gegen mögliche syrische Angriffe. Auch Soldaten der Bundeswehr werden dann samt Patriot-Abwehrsystem in die Türkei verlegt. Das dürfte nicht nur die Regierung in Ankara freuen, sondern auch den Hersteller des Systems, den Konzern Raytheon aus den Vereinigten Staaten. Der Rüstungsriese, weltweit auf Platz sechs der größten Waffenschmieden, hat sich bereits in Ankara gemeldet. Mike Boots, Manager von Raytheon , sagte der türkischen Zeitung Hürriyet : "Raytheon hat der Türkei das neueste Patriot-System angeboten."

Auch das weltweit größte Rüstungsunternehmen, Lockheed Martin, würde von dem Deal profitieren: Es stellt die PAC-3-Raketen her, die auch von der Bundeswehr seit September 2010 mit Patriot zur Flugabwehr verschossen werden. Doch die Amerikaner haben starke Konkurrenten: Der staatliche russische Waffenverkäufer Rosoboronexport sowie China Precision Machinery Import and Export Corporation, ein Unternehmen des chinesischen Militärs, sollen ihre Raketenabwehrsysteme angeboten haben. Noch hat die Türkei sich nicht auf einen Anbieter festgelegt. Der Einsatz der Patriot-Systeme könnte Raytheon und Lockheed einen Vorteil bringen.

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Denn mit Patriot sollen mögliche syrische Raketenangriffe auf die Türkei – und damit auf das Bündnisgebiet der Nato – abgewehrt werden. Die in den vergangenen Wochen mehrfach aus Syrien in türkischen Grenzorten eingeschlagenen Artilleriegranaten kann Patriot allerdings nicht abwehren. Das System würde vielmehr in Gefechten mit Raketen und Kampfflugzeugen eingesetzt. Sicherheitsexperten befürchten ein Übergreifen des Bürgerkriegs in Syrien auch auf Nachbarländer. Die Türkei reagierte stets mit Gegenfeuer auf die syrischen Granaten. Auch in Israel waren Geschosse aus Syrien eingeschlagen. Im Konflikt mit der Hamas hat die israelische Luftabwehr jüngst bewiesen, wie effektiv Raketen mit einer längeren Reichweite abgewehrt werden können. Die Türkei will jetzt einen ähnlichen Schutz aufbauen.

Seit den sechziger Jahren wird das System entwickelt

Grüne und Linkspartei kritisieren die anstehende Stationierung der Patriot-Raketen. Omind Nouripour, verteidigungspolitischer Sprecher der Grünen , bezweifelt, dass die Patriots der Türkei überhaupt helfen können. Jan van Aken, außenpolitischer Sprecher der Linken, wird noch deutlicher: "Es wäre nicht das erste Mal, dass die Bundeswehr aktiv Waffenexporte unterstützt – sei es durch die teure Überführung von Kampfflugzeugen, sei es durch Soldaten, die Saudi-Arabien am Leopard-Panzer trainieren."

Die Entwicklung des Abwehrsystems begann in den USA bereits in den sechziger Jahren. Patriot steht für Phased Array Tracking to Intercept of Targets . Die deutsche Luftwaffe übersetzt das mit "Abfangen von Zielen durch Abtastung des Zielgebiets". Das System besteht aus einem Radargerät, Signalprozessor, Feuerleitanlage, Transport-, Lager- und Startbehälter, mobilen Gefechtsstandkabinen, Abschusstechnik sowie den Raketen.

Die deutsche Armee ist für die amerikanischen Konzerne ein guter Werbeträger. Auf der Homepage der Luftwaffe heißt es über das Patriot-System, es sei technisch auf dem neusten Stand, mit einer Geschwindigkeit von Mach 5 würden die Geschosse von Patriot auf Abfangkurs rasen. Dank Patriot nehme die Bundeswehr bei der Luftabwehr international eine Spitzenstellung ein. Mit dem System sei man "bestmöglich gerüstet für aktuelle Bedrohungsszenarien" und es sei ausbaufähig für die Zukunft. Und weiter: "Die Feuertaufe hatte das System im Golfkrieg, als es Patriot-Raketen mehrfach gelang, anfliegende irakische Lenkflugkörper abzuschießen, die auf Israel und Saudi-Arabien anflogen."

Leserkommentare
    • SonDing
    • 22. November 2012 17:52 Uhr

    Hört das etwa an, wie Abwehr?:

    "using Patriot missiles to protect a zone inside war-torn Syria."
    http://bigstory.ap.org/ar...

    Eine "Schutzzone", egal welcher Art, ohne Zustimmung der syrischen Regierung in Syrien einzurichten, bedeutet zunächst einmal, militärische Intervention. Und dies wiederum bedeutet Krieg, welcher weder völkerrechtlich legitim, noch überhaupt von normalmenschlichen Gesichtspunkten aus, akzeptabel wäre.

    Noch mal zur Verdeutlichung - Wer will hier etwas "abwehren":
    http://www.zeit.de/politi...

    Wenn Deutschland hier mitmacht, sind die Verantwortlichen, sollte bei uns alles mit rechten Dingen und nach dem Grundgesetz laufen, mit einem Bein im Gefängnis.

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    • biggerB
    • 22. November 2012 18:23 Uhr

    "Wenn Deutschland hier mitmacht, sind die Verantwortlichen, sollte bei uns alles mit rechten Dingen und nach dem Grundgesetz laufen, mit einem Bein im Gefängnis."

    Für die Verantwortlichen läuft alles nach Plan!

    Und "Grundgesetz" und "nicht mit rechten Dingen zugehen"?

    schlagen sie doch eimal nach welche strafe auf verfassungsbruch steht...
    kleiner tip:
    dieselbe wie zu bismarks zeiten ;)

    Genauso wie die Granaten, welche auf dem Gebiet der Türkei und Israel eingeschlagen sind. Wollen Sie, dass hier nun auch streng nach internationalen Recht gehandelt wird, schließlich hat sowohl die Türkei wie auch Israel ein Recht auf Selbstverteidigung. Also was soll diese sinnlose Argumentation, dass Syrien wohl 'rechtens' den Krieg erklären dürfte ?

    Das sind ganz klar Defensivsysteme, lieber werden Raketen und sonstige Aktionen von Generälen oder wer auch immer die Nerven verlieren sollte abgefangen anstatt, dass sie ernsthaft Schaden anrichten und somit den Kampfhahn Erdogan dazu zwingen aktiv in diesen Krieg einzugreifen.

    Kein Verantwortlicher ist in Deutschland mit einem Bein im Gefängnis.

    All diese tollen Gesetze, mit denen man uns Bürgern das Hirn vernebelt hat, sind nur das: Nebelgeneratoren.

    Baut irgendwer richtig Mist, passiert nichts.

    Niente.

    Denken Sie nur an Oberst Klein.

    • Jalella
    • 23. November 2012 8:34 Uhr

    Keine Sorge, im Gefängnis wird niemand deswegen landen. DAS wäre allerdings mal wirklich eine neue Nachricht.

    So wichtig dieser Artikel auch ist, es handelt sich eigentlich um Jahrzehnte (Jahrhunderte?) alte Neuigkeiten. Dass Deutschland Rüstungsexporte im großen Stil betreibt. Und selbstverständlich nicht nur Deutschland. Dass die Deutschen jetzt amerikanische Waffen exportieren und bewerben, ist allerdings mal witzig. Ist das "patriotisch"? :-) Sollten sich was schämen und anständigerweise weiter den Leo, U-Boote etc. in Krisengebiete liefern.

  1. "Denn mit Patriot sollen mögliche syrische Raketenangriffe auf die Türkei – und damit auf das Bündnisgebiet der Nato – abgewehrt werden."

    Noch nie hat Syrien die Türkei mit einer Rakete beschossen.

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    • echolon
    • 22. November 2012 21:23 Uhr

    Mit der Militarisierung der syrisch-türkischen Grenze soll wohl das nächste Szenario wahrscheinlicher gemacht werden. Vielleicht handelt es sich auch um einen Schritt zu Einkreisung Irans. Auch der 'Schlagabtausch' zwischen Türkei und Israel dürfte kalkuliert gewesen sein, denn es sind Köpfe derselben Organisation. Eine Volksabstimmung in Deutschland über die weitere Rolle der Bundeswehr ist überfällig. Die Deutschen wünschen sich eine Verteidigungsarmee - bisher mussten Minister und Medien immer lügen um eine Zustimmung der Bürger zum Krieg zu bekommen. Falls irgendwer Söldner in einer globalen Kriegsmaschine für Leute mit Werten sein möchte, kann er das ja immer noch. Aber bitte nicht mit schwarzrotgoldenem Fähnchen.

    wenn die türken die dinger nehmen sind wir den veralteten schrott los (und den liefer und servicevertrag)

    • biggerB
    • 22. November 2012 18:23 Uhr

    "Wenn Deutschland hier mitmacht, sind die Verantwortlichen, sollte bei uns alles mit rechten Dingen und nach dem Grundgesetz laufen, mit einem Bein im Gefängnis."

    Für die Verantwortlichen läuft alles nach Plan!

    Und "Grundgesetz" und "nicht mit rechten Dingen zugehen"?

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    wäre nicht das erste Mal, dass die Verfassung übergangen wird...

    • tnie
    • 22. November 2012 18:24 Uhr

    Ich bin gegen den Einsatz der Bundeswehr als Verkaufshelfer für die Rüstungsindustrie. So, jetzt wo das klargestellt ist frage ich mich aber, was dieser Artikel eigentlich aussagen will und auf welcher Basis.

    Fakten aus meiner Sicht: die Türkei hat als NATO-Mitglied Anspruch darauf, bei der Verteidigung ihres Staatsgebiets unterstützt zu werden. Das hat sie beantragt und dem aktuellen Anschein nach wird sich die Bundeswehr daran beteiligen.

    Implikation des Artikels: die Bundeswehr fährt in die Türkei um Werbung für amerikanische Rüstungsgüter zu machen.
    Später wird das dann darauf abgeschwächt, dass die BW vielleicht ihr Altgerät an einen NATO-Bündnispartner verkaufen will.

    Als Journalist kann (und sollte) man vor dem Hintergrund der zweifelhaften Aktivitäten der BW der letzten Jahre ja durchaus misstrauisch sein und Dinge hinterfragen - aber aus dem Erfüllen der NATO-Verpflichtungen zum Gebietsschutz gleich eine Verkaufsveranstaltung zu unterstellen und dafür nichtmal ansatzweise Belege zu liefern finde ich dann doch paranoid.

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    gegen Syrien verteidigen muß ? Es ist gradezu hanebüchen ,wenn behauptet wird ,daß das ums Überleben kämpfende Assad-Regime irgenein Interesse an einen Waffengang gegen eine starke Türkei hat.Es verhält sich wohl eher umgekehrt,Herr Erdogan hat bisher nur wenig zu einer Deeskalation beigetragen,im Gegenteil ,er hat schon vor Wochen öffentlich seinen -Exfreund-Assad aufgefordert zurückzutreten.Es darf und kann nicht sein,daß wir als Natoverbündeter aufgrund dieser Lage für die -Spielchen- der türkischen Machthaber -missbraucht- werden.Man braucht nicht viel Phantasie,was passiert ,wenn die einmal dort unten stationierten BW-Soldaten,auch nur einmal evt.aus versehen,oder inzeniert,von wem auch immer,schlicht und einfach beschossen werden.Rückzug,nein geht nicht,also mehr Truppen darunter.Gleichzeitig könnte Netanjahu grünes Licht von Obama bekommen,nun endlich gegen den Iran loszulegen,die wehren sich nach allen Seiten und -wir - sind vor Ort und werden voll mit hineingezogen.Ein gefährliches Fahrwasser in das unsere Politiker Deutschland bringen ,wenn sie ihr ok für so ein Abenteuer geben.Da auch die SPD schon Zustimmung zeigt,wird es wohl geschehen.

  2. Die Türkei mischt sich zweifellos massiv in den Konflikt ein

    http://www.diekurden.de/n...

    Unter diesen Umständen ist eine Beteiligung der Bundeswehr nicht akzeptabel zumal die Kurden selbst in Opposition zu Assad stehen und die Behörden Assads aus ihren Regionen verbannt haben.
    Dieser Gesichtspunkt kommt meiner Einschätzung nach in der Diskussion viel zu kurz.

    http://www.taz.de/Kurden-in-Syrien/!104928/

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    zu tun?

    Was haben die Kurden mit einer Stationieruung von SAMs in der Türkei zu tun.
    Nur zur Info

    Eine PATRIOT-SAM kostet irgendwas mit 1 Mio. USD.
    Die werden nicht mal übungsmäßig verschossen, weil sie so teuer sind.

    Die werden da nur für den Fall der Föälle geparkt und nicht um eingesetzt zu werden.

  3. Ist es möglich, den Wunsch nach Frieden in Syrien mit stationierung von Raketen in der Türkei zu verfolgen? Weshalb betreiben wir nicht das Geschäft bapsw. der "Ärzte ohne Grenzen" mit derselben Verve und Ausstattung? Auch nur ein Handel letztlich. Evtl. genau so lukrativ.
    Die Waffenhändler, deren Lakaien sind seit tausenden von Jahren noch immer so naiv zu glauben, ihr Geschäft sei ein Geschäft im Dienst der Menschlichkeit. Sie begreifen nicht: Die Geschlagenen kommen rächend zurück. Wieder und wieder. Womit die Frage ernsthaft gestellt ist: Interessiert sich irgendjemand für Frieden?

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    • keox
    • 23. November 2012 2:33 Uhr

    "Die Geschlagenen kommen rächend zurück."

    das nenne ich doch mal 'ne solide Geschäftsgrundlage, das nennt sich 'Verstetigung der Nachfrage'.

    Was ich zum Ausdruck bringen will ist dies: Frieden ist ein ebenso eigenartiges Geschäft wie Krieg. Die Arbeit der Ärzte ohne Grenzen beansprucht ebenso wie das Militär Ressourcen, der greifbare Gewinn ist stets mehr als fraglich in beiden Fällen. Mal abgesehen, von den Erträgen der Rüstungsindustrie im einen Fall und denen der Medizinindustrie im anderen. Meine Behauptung: Es geht in beiden Fällen nur nachrangig tatsächlich um Geld. Es geht darum, wie wer lebenderweise der Welt ins Gesicht schaut. Was bringt uns dazu, das blutig-traurige Geschäft der Waffen derart ausgeprägt zu betreiben im Vergleich zu dem Geschäft, Leiden zu lindern? ... komme mir an der Stelle keiner mit Gott und Teufel. Bitte. Ich will von Bildern lesen, die die Menschen treiben. Der eine watet heilssuchend im Blut der Opfer, der andere läuft sich die Socken durch um Leid zu lindern. Was treibt den einen, was den anderen?

  4. http://www.jungewelt.de/2...

    Dieser Gesichtspunkt des Kurdenproblems kommt in der Diskussion viel zu kurz!

    • Conte
    • 22. November 2012 19:06 Uhr

    Ja Liebe Leute, Herr Journalist, sie alle brauchen Geld von ihren jeweiligen Arbeitgebern, ich auch. Und so ergeht all denjenigen, die täglich ihre Arbeit verrichten. Auch solche Produkte haben einen Zweck. Ganz gemein sind sie nicht. Eine ansprechende Technik, Solidität und sie geben Sicherheit. Also bitte ein wenig Respekt. Sie haben auch nichts dagegen, dass Brot weiter gebacken wird. Jedes Produkt hat seine Existenszberechtigung und hilft den Menschen auch wenn es schadet. Wir sind nicht auf der Erde um Wurzeln zu schlagen. Die Gene suchen sich stets neue Gehäuse. Sich von diesem Schicksal verabschieden zu wollen, ist nicht möglich. Die Religion bietet Linderung und gerade in unserer Zeit sind die Kirchen leer. Ein guter Beitrag, gute Gedanken, die Sicherheit ist gewährleistet. Geben wir der Türkei, was sie begehrt, solange sie pünktlich und vollständig zahlt.

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  • Schlagworte Türkei | Raketenabwehr | Bundeswehr | Die Linke | Israel | Luftwaffe
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