USAPetraeus-Affäre ist mehr als ein moralischer Fehltritt

Der Rücktritt von CIA-Chef David Petraeus beflügelt Verschwörungstheoretiker und Moralapostel. Politisch kann daraus niemand Kapital schlagen. Von Eva C. Schweitzer von 

Präsident Barack Obama, Verteidigungsminister Leon Panetta (damals CIA-Direktor) mit den Generälen David Petraeus und George Allen im April 2011.

Präsident Barack Obama, Verteidigungsminister Leon Panetta (damals CIA-Direktor) mit den Generälen David Petraeus und George Allen im April 2011.  |  © Saul Loeb/AFP/Getty Images

Nach dem langen, erbitterten Wahlkampf, der scharfen politischen Spaltung der USA und den Attacken gegen einen demokratischen Präsidenten, den so manche Republikaner für einen in Kenia geborenen Muslim halten, hat das neue Lieblingsthema der USA eindeutig humoristische Qualität. New York Times -Kolumnistin Maureen Dowd verglich die "Seifenoper" ( CNN ) gar mit der Reality-TV-Familie Kardashian, eine Art Trash-Version von Paris Hilton: Es geht um General David Petraeus , General John Allen und zwei, wenn nicht drei Frauen, mit denen die beiden führenden Militärs in unschöne Schlagzeilen geraten sind.

Petraeus, CIA-Chef und vorheriger Oberkommandierender im Irak und in Afghanistan , musste zurücktreten, weil er eine außereheliche Affäre mit seiner Biografin Paula Broadwell eingeräumt hatte. Laut Washington Post hatte Broadwell auch vertrauliche Dokumente auf ihrem Computer . Derweil ist Allen, der jetzige Oberkommandierende in Afghanistan und frühere Stellvertreter von Petraeus in der Kritik, weil er mit einer Frau namens Jill Kelley einen "unangemessenen" E-Mail-Austausch hatte; von 20.000 bis 30.000 Seiten ist die Rede, darunter auch geheime Dokumente.

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Kelley, eine Salonlöwin aus Tampa, Florida, ist mit Allen und auch mit Petraeus befreundet. Nun liegt Allens geplante Beförderung zum Nato-Oberkommandierenden und zum obersten Befehlshaber der US-Truppen in Europa erst mal auf Eis. Allen erklärte, er habe sich nichts zuschulden kommen lassen, seine Beziehung zu Kelley sei platonisch. Nicht ganz so platonisch scheint die Beziehung zwischen Kelley und dem ermittelnden FBI-Agenten zu sein: Der mailte der Frau ein Porträtfoto mit nacktem Oberkörper zu.

Was der Affäre eine politische Note verleiht, ist der Zeitpunkt: Petraeus trat direkt nach der Wahl zurück. Es ist fraglich, ob er nun noch für Auskünfte zur Verfügung steht, was die Attacke auf die US-Botschaft im libyschen Bengasi betrifft, die den Botschafter und drei weitere Amerikaner das Leben gekostet hat.

Geheimdienstausschuss erfuhr von der Affäre aus der Zeitung

Es war Jill Kelley, die den Skandal ins Rollen gebracht hat. Sie hatte sich an den fraglichen FBI-Agenten gewandt, weil Broadwell ihr drohende E-Mails geschickt und sie aufgefordert habe, die Finger von Petraeus zu lassen. Aber der Agent beschränkte sich nicht aufs Ermitteln: Als er den Eindruck bekam, das FBI verfolge den Skandal nicht hinreichend, wandte er sich an Eric Cantor, den republikanischen Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus. Und Cantor hakte bei FBI-Chef Robert Mueller nach.

Bald gelang es dem FBI, an die E-Mails zu kommen, die Broadwell und Petraeus ausgetauscht, oder eher in eine Gmail-Dropbox gestellt hatten. Nicht zu unrecht bekrittelt nun das Wall Street Journal , dass auch jeder einigermaßen belesene Al-Kaida-Terrorist sich Zugang zu dem Account des CIA-Chefs hätte verschaffen können. So flog die Affäre letztlich auf.

Zwar ist Ehebruch in den USA nicht strafbar, aber ein hochrangiger Geheimdienstmann macht sich so erpressbar. Zudem verletzt er den Ehrenkodex den Militärs. Allerdings bestreitet Petraeus, dass die Affäre schon begonnen habe, als er noch General war.

Die Seifenoper mit Hollywood-Niveau wird heiß diskutiert. Viele Senatoren und Abgeordnete sind verschnupft, weil sie erst spät von der Affäre erfahren haben. Nicht nur Republikaner übrigens, auch die Demokratin Dianne Feinstein, die dem Geheimdienstausschuss des Senats vorsteht, erfuhr davon erst aus der Zeitung. Aber auch das Weiße Haus wurde offenbar reichlich spät informiert. Vom FBI hieß es, da es keinen Geheimnisverrat gegeben hatte, habe man dies nicht für nötig gehalten.

Leserkommentare
  1. Was die 20.000 bis 30.000 Seiten angeht, die General Allen an Ms. Kelley per E-mail geschickt haben soll: Lt. "Washington Post" hat das FBI die Seiten ausgedruckt, so dass unter jeder E-mail alle alten Mails zum jeweiligen Thema ebenfalls ausgedruckt wurden. Tatsächlich soll es sich nur um mehrere hundert Mails über den genannten Zeitraum gehandelt haben. General Allen hätte also nicht jeden Tag mehr als 40 Seiten neue Mails verschickt (wie einige Foristen ausgerechnet hatten) und konnte sich während seiner Arbeitszeit durchaus noch seinen eigentlichen Aufgaben widmen.

    Artikelzitat: "eine Art Trash-Version von Paris Hilton" - Frau Schweitzer, ich dachte immer, Paris Hilton _sei_ schon die Trash-Version... ;-)

    2 Leserempfehlungen
  2. Ich sympathisiere nicht mit den Republikanern, aber in diesem Fall finde ich es gut, dass sie so hartnäckig auf der Benghazi-Sache herumreiten.

    Es geht schlicht um die Frage, ob die CIA illegal Gefangene gehalten hat, was ihr eigentlich seit 2009 verboten ist, aber unter der Hand offenbar trotzdem fortgesetzt wird. Wir erinnern uns: in den geheimen CIA-Gefängnissen (u.a. in Polen) wurde gefoltert.

    Es entbehrt natürlich nicht einer gewissen Ironie, dass diese von Bush gutgeheissene Praxis nun von den Republikanern als Thema entdeckt wird, um es gegen Obama zu verwenden.

    Nimmt man die Affäre "at face value", hat letztlich ein kleiner FBI-Agent mit amourösen Intentionen den CIA-Chef zu Fall gebracht, da das FBI in solchen Fällen (Mobbing per
    E-mail) sonst gar nicht ermittelt, weil sie Wichtigeres zu tun haben. Vielleicht ist die Angelegenheit auch noch mal ein guter Anlass, um das Verhältnis untereinander und die Befugnisse der Geheimdienste generell zu diskutieren. (Respekt der Privatsphäre / des privaten Schriftverkehrs).

    Vielleicht wären auch grundsätzliche Richtlinien zum Themenkomplex "amouröse außereheliche Beziehungen" von Geheimdienstlern hilfreich, damit Leute wie Petraeus nicht nach Gutdünken von Vorgesetzten (hier: der Koordinator der US-Geheimdienste) zum Rücktritt genötigt werden können.

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  3. insoweit darf man gespannt sein, was die wahren Beweggründe dafür gewesen sein dürften, warum er seinen Rücktritt einreichte.

    Broadwell und Kelly zankten um die Zuneigung des älteren Herren? Das soll es gewesen sein??

    Clinton hatte eine Affäre mit einer Praktikantin, Petreaus mit einer Soldatin. So what? So wie Clinton im Amt blieb, könnte auch Petreaus im Amt bleiben, wenn es denn diese "SEXAFFÄRE" wäre, die ihn zum Rücktritt bewog. Offensichtlich liegt der Schlüssel in Bengasi.

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  4. Vielen Dank,
    die erwähnten 20 - 30.000 Seiten E-Mail-Korrespondenz werden so mit einem Mal plausibel.
    Ihr Einwand zum "Trash-ranking" war das Erste, was auch ich bei der Lektüre gedacht habe.

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  5. Sehr geehrte Frau Schweitzer,

    mir schien es so bei der Lektüre der amerikanischen Presse, dass die Republikaner in diesem Fall die Frage eines geheimen CIA-Camps durchaus bereit sind, gegen die Obama-Administration zu instrumentalisieren. Nicht umsonst brachte zuerst Fox-News (meines Wissens nicht gerade Demokraten-freundlich) die These von den im Konsulat gefangenen Milizen. (Im Gegensatz zu Ihnen bin ich übrigens kein Fan von Verschwörungstheorien... ;-) ).

    So oder so hat der Benghazi-Vorfall und die Bemerkung von Ms. Broadwell über Gefangenenbefreiung die amerikanische Öffentlichkeit auf das Thema "geheime CIA-Camps" gestoßen (auch abzulesen an Diskussionen bspw. im Forum der "Washington Post" unter Artikeln zur Petraeus-Affäre).

    Dass den Republikanern ansonsten wurscht ist, ob die CIA Gefangene hält oder foltert - selbstverständlich.

    Was Paris Hilton und die Kardashians angeht: Man müsste vermutlich einen eigenen Begriff einführen für Trash, der noch unter Trash-Niveau liegt...damit nicht Leute wie Paris Hilton versehentlich wieder auf "Normalniveau" landen... ;-)

    Herzlichst,

    leanders

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  • Schlagworte David Petraeus | CIA | CNN | FBI | Afghanistan | Agent
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