Vor uns liegen Unmengen von Aufgaben. Um das zerstörte soziale Gefüge wiederaufzubauen, muss die neu entstehende Zivilgesellschaft unterstützt werden. Die über Jahrzehnte kontrollierte und korruptionsgeplagte Wirtschaft gilt es von Grund auf neu zu strukturieren. Dazu bedarf es nicht nur einer funktionierenden Übergangsjustiz, sondern Reformen in den unterschiedlichsten Bereichen.

Und: Bei diesem Prozess sind vor allem die wohlhabenden Länder gefragt. Der Wiederaufbau des verwüsteten Syriens wäre wohl ihre Chance, Wiedergutmachung zu leisten für die Gleichgültigkeit, die sie angesichts des Blutvergießens in Syrien an den Tag gelegt haben.

Über die Beteiligung von Staaten am Wiederaufbau Syriens lässt sich viel spekulieren. Wirkliche Perspektiven ergeben sich daraus nicht. Vielversprechender dagegen ist das Engagement der internationalen Zivilgesellschaft. Noch schweigt sie allzu oft. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass sie erwachen und sich an künftigen Entwicklungen beteiligen wird.

Vom ersten Tag an haben die Syrer eines richtig erkannt: man hat sie aufgegeben und sie ihrem Schicksal überlassen. Diese Feststellung wird ihnen helfen, künftige Hindernisse zu überwinden. Denn sie sind in der Lage, selbst für ihre Freiheit einzustehen und den Zusammenhalt der Gesellschaft wiederherzustellen. Ist das einmal erreicht, dann scheint fast alles möglich.