Von syrischen Kunden habe er gehört, islamistische Terroristen hätten sie aus ihren Dörfern vertrieben. Bald könnten sie auch die alawitischen Ortschaften in der Türkei angreifen, da ist er sich sicher. Vielleicht schon in den kommenden Wochen. "Der Westen weiß gar nicht, was da auf ihn zu kommt!", warnt er. Ein Weltkrieg und die Weltherrschaft der Muslimbrüder – das ist das Szenario, das er fürchtet. Wie er zu seiner Meinung kommt? "Na das ist doch alles ganz offensichtlich", sagt Hakan nur. Selbst war er das letzte Mal vor zwei Jahren in Syrien.

So wie er reden viele in der Region. Hatay brummt nur so vor Gerüchten, hinter vorgehaltener Hand ausgesprochenen Verdächtigungen und Horrorgeschichten. Diese Erzählungen und Theorien müssen nicht falsch sein. Ob sie stimmen, können aber auch die Bewohner der Grenzregion nicht wissen.

Im Februar und im September dieses Jahres gingen die Menschen in Antakya auf die Straße. Eigentlich sollte es eine Demonstration gegen Krieg und Eskalation werden, bewirkt hat sie am Ende das Gegenteil. Anhänger von Assad hielten Poster ihres Helden hoch, die Medien stürzten sich darauf, und so blieb vor allem das Bild türkischer Diktatoren-Fans hängen. Besonders die syrischen Flüchtlinge hier erzählen halb empört und halb beängstigt davon.

"Das sind einfach keine Demokraten"

Mithat Can, ein kleiner grauhaariger Mann mit Schnäuzer und winzigen Äuglein, ist der örtliche Vorsitzende des Menschenrechtsvereins Insan Haklari Dernegi. Er hat die Demonstrationen mitorganisiert. "Wir haben durch die Mikros noch darum gebeten, die Assad-Plakate runterzunehmen", sagt der pensionierte Lehrer, "aber es hat nichts gebracht". Auch Can ist Alawit, und wenn er über die Gegner Assads spricht, dann rutscht selbst ihm manchmal die pauschale Bezeichnung Terroristen heraus. Mittlerweile haben die Behörden in Hatay alle politischen Kundgebungen und Veranstaltungen verboten. "Weil das einfach keine echten Demokraten sind", sagt Can.

Das Paradoxe und Deprimierende in den Gesprächen mit den meisten Bewohnern ist: Sie beteuern ihre Immunität gegen den Virus der Gewalt und der Ignoranz, um ihn dann mit ihren eigenen Worten in die Stadt tragen.

Von Gruppen bewaffneter, islamistischer Terroristen ist da beispielsweise die Rede, die durch die Innenstadt gezogen seien. Fragt man genauer nach, bleibt nicht viel mehr übrig als Männer mit verdächtig langen Bärten und Gewändern.