Die Medienmaschine in den USA läuft seit Wochen heiß, auch in Deutschland gibt es kein Thema, das größere Aufmerksamkeit erfährt als die amerikanische Präsidentschaftswahl. An Superlativen mangelt es nie während eines US-Wahlkampfs: Die wichtigste Entscheidung seit Menschengedenken, mindestens für diese Generation soll denn auch diese Wahl wieder sein. Nach Jahrzehnten jedmaliger Verwendung erscheint diese Einschätzung derart abgenutzt, dass es niemand ernsthaft glauben kann. Auch hat es in der Geschichte der USA sicher bedeutendere Wahlen gegeben, allen voran in Zeiten des Bürgerkriegs. Aber ist es nicht doch eine Weichenstellung für dieses Land, das vor so großen Problemen steht?

Zunächst muss man nüchtern feststellen: Der große Wandel, den Barack Obama den Amerikanern 2008 versprochen hat, steht diesmal nicht zur Wahl. Im Grunde, das haben die vergangenen vier Jahre gezeigt, war das schon damals nicht der Fall. Change konnte aus gutem Grund nicht der einzige Slogan der Wahlkampagne sein: Im Schlagwort Hope schwang schon 2008 die düstere Ahnung mit, der Präsident allein habe es nicht in der Hand, dieses Land zu gestalten, die drängenden Aufgaben zu bewältigen. Und die – inzwischen enttäuschte – Hoffnung, die maßgeblichen Kräfte würden nach seiner Wahl zusammenfinden können, um gemeinsam an Kompromissen zu arbeiten.

Diesmal gab Obama die Losung Forward aus – und es klingt nach weitermachen, durchhalten, ein wenig trotzig vielleicht. Der republikanische Herausforderer Mitt Romney bietet derweil in seinen letzten Reden vor der Wahl am Dienstag Real Change an . Sein Hope heißt Believe in America .

Wie kann die Wahl 2012 da eine Richtungsentscheidung sein? Was die beiden politischen Lager unterscheidet, ist so wenig neu wie vier Jahre zuvor. Es ist der alte Streit um die Rolle des Staates: Die Republikaner wollen ihn eher begrenzt sehen, die Demokraten manchmal lieber erweitern. Entlang dieser Linien bestand jedoch immer eine Art Grundkonsens über die wesentlichen Aufgaben; die Unterscheidungen waren marginal.

Obama ist kein antiamerikanischer Kommunist

Aber die Kluft zwischen den Parteien ist so groß wie selten zuvor: Der Kongress ist gelähmt, Kompromisse scheinen nahezu unmöglich. Das liegt kaum daran, dass die Demokraten signifikant nach links gerückt wären. Obama ist weit davon entfernt, jener antiamerikanische Kommunist zu sein, den manch verschrobener Rechtsaußen der Republikaner so gern in ihm sehen würde. Nicht einmal die Gesundheitsreform ist bei näherem Hinsehen dazu geeignet, eine solche Sicht zu stützen. Sie ist aber auch beinahe der einzige große Wurf , der ihn wirklich als sozialen Präsidenten qualifiziert. Vieles andere an seiner Politik kann man nicht einmal progressiv nennen, es spiegelt lediglich den Mainstream der Demokraten.

Der große Wandel ist ausgeblieben, weil dieser Präsident zwar überdurchschnittliche Ambitionen hegte, den bequemen Pfad der Mitte aber eben nie verließ und auch nicht gegen den ideologisch motivierten Stillstand in Washington anregieren konnte: Die Republikaner verweigerten von Beginn seiner Amtszeit an jede Mitgestaltung, sie dürften auch nach einer möglichen Wiederwahl Obamas den Kongress kontrollieren. Es würde also nicht leichter, zumal die Grand Old Party in ihrer Breite heute radikaler denn je erscheint.