ReligionLos bestimmt Bischof Tawadros zum Papst der Kopten

Sieben Monate nach dem Tod des alten Papstes haben die ägyptischen Kopten ein neues Kirchenoberhaupt. Der Nachfolger wurde in Kairo per Los bestimmt. von afp, dpa und dapd

Der neue Papst der koptischen Christen, Tawadros

Der neue Papst der koptischen Christen, Tawadros  |  © STR/AFP/Getty Images

In Ägypten hat die Minderheit der christlichen Kopten einen neuen Papst auserkoren. In einem Gottesdienst in der Markus-Kathedrale in Kairo wurde der 60-jährige Bischof Tawadros an seinem Geburtstag per Los zum 118. Kirchenoberhaupt bestimmt.

Ein kleiner Junge mit verbundenen Augen hatte den Zettel mit Tawadros' Namen aus einem gläsernen Kelch gezogen, der mit rotem Wachs versiegelt war. Der Kelch hatte drei Lose mit den Namen von ranghohen Geistlichen enthalten, die Anfang der Woche von einer Versammlung mit 2.500 Mitgliedern in die engere Auswahl genommen worden waren. Die Ziehung durch den Ministranten mit verbundenen Augen soll Gottes Willen symbolisieren.

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Der neu gewählte Papst soll am 18. November feierlich eingesetzt werden. Tawadros folgt auf den im März verstorbenen Papst Schenuda III., der 40 Jahre an der Spitze der größten christlichen Gemeinde im Nahen Osten stand.

Der am 4. Oktober 1952 geborene Tawadros hat Pharmazie an der Universität in Alexandria studiert und anschließend eine Arzneimittelfabrik geführt. 1988 kehrte er diesem Leben den Rücken und wurde Mönch im Wüstenkloster Deir Anba Bischoi. 1997 ging er als Weihbischof nach Beheira im nördlichen Nildelta, wo er bis zu seiner Wahl zum Papst tätig war.

Der als aufgeschlossen geltende Akademiker tritt die Nachfolge zu einer schwierigen Zeit an. In Ägypten, wo der Großteil der rund zehn Millionen Kopten lebt, führt die islamistische Muslimbruderschaft die Regierung. Wie schon zu Zeiten des Diktators Mubarak kommt es immer wieder zu gewaltsamen Übergriffen auf die christliche Minderheit.

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Leserkommentare
  1. .....hat Pharmazie studiert, eine Firma geleitet
    und dann als Moench gelebt.

    Was fuer ein unglaublich positiver Gegensatz
    zum katholischen Papst, dem Ergebnis einer
    lebenslangen kirchlichen Indoktrination.

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    Ich, als Katholik, freue mich über die Wahl des koptischen Papstes - dass der Oberhaupt von etwa 1000 mal mehr Christen gerade ein Deutscher ist und trotz seiner Jahre als der intelligenteste Mensch auf dem Erdkreis gilt, das wird im deutschen Sprachraum ignoriert (Deutschland, Österreich und Schweiz).

    Die ganze Welt jubelt ihm zu, nur die eigene Landsleute haben an ihm etwas auszusetzen.
    Woran mag das wohl liegen????? ;))

    Ihr Vergleich ist ziemlich komisch. Sie kennen wahrscheinlich weder den einen noch den anderen und fahren deshalb auf die äussersten Eckdaten ihrer Biografien ab. Sein Sie aber sicher, dass Ratzinger sicher nicht lebenslang "kirchlich indoktriniert" wurde, höchstens aktiv kirchlich indoktrinierte. Das könnte, aufgrund seines Amtes, gerade noch durchgehen.
    Aber ganz davon ab gehören der Wahl nach Losverfahren meine Sympathien. Dieses ewige Rumgesülze der Politiker bleibt dem Wähler erspart, Populisten und Parvenues haben keine Schnitte.

  2. Ich, als Katholik, freue mich über die Wahl des koptischen Papstes - dass der Oberhaupt von etwa 1000 mal mehr Christen gerade ein Deutscher ist und trotz seiner Jahre als der intelligenteste Mensch auf dem Erdkreis gilt, das wird im deutschen Sprachraum ignoriert (Deutschland, Österreich und Schweiz).

    Die ganze Welt jubelt ihm zu, nur die eigene Landsleute haben an ihm etwas auszusetzen.
    Woran mag das wohl liegen????? ;))

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    • Peterra
    • 07. November 2012 0:29 Uhr

    ...dass Papst Ratzinger als der intelligenteste Mensch auf dem Erdkreis gilt?

  3. Ihr Vergleich ist ziemlich komisch. Sie kennen wahrscheinlich weder den einen noch den anderen und fahren deshalb auf die äussersten Eckdaten ihrer Biografien ab. Sein Sie aber sicher, dass Ratzinger sicher nicht lebenslang "kirchlich indoktriniert" wurde, höchstens aktiv kirchlich indoktrinierte. Das könnte, aufgrund seines Amtes, gerade noch durchgehen.
    Aber ganz davon ab gehören der Wahl nach Losverfahren meine Sympathien. Dieses ewige Rumgesülze der Politiker bleibt dem Wähler erspart, Populisten und Parvenues haben keine Schnitte.

    • Peterra
    • 07. November 2012 0:26 Uhr

    ...dass die Kopten meinen, Gott könne ihren Papst nur mittels Losentscheid bestimmen.

    Sehr viel traut man seinem Gott in der Glaubensgemeinschaft der Kopten offenbar nicht zu.

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    • PGMN
    • 07. November 2012 10:46 Uhr

    Ich habe zwar mit Religion nicht mehr viel zu tun, aber ich kann mich erinnern, dass ich es zu Zeiten meiner Kirchenzugehörigkeit immer für etwas merkwürdig hielt, dass unser Papst von einem Haufen alter Männer gewählt wird. Immerhin sollte man meinen, dass ein allmächtiger Gott es auch ohne Diskussionen schaffen müsste, "seinen" Kandidaten kenntlich zu machen.

    Da halte ich das Losverfahren (so eingeschränkt es sein mag) für in sich konsistenter.

    • Peterra
    • 07. November 2012 0:29 Uhr

    ...dass Papst Ratzinger als der intelligenteste Mensch auf dem Erdkreis gilt?

    Antwort auf "Armes Deutschland"
    • PGMN
    • 07. November 2012 10:46 Uhr

    Ich habe zwar mit Religion nicht mehr viel zu tun, aber ich kann mich erinnern, dass ich es zu Zeiten meiner Kirchenzugehörigkeit immer für etwas merkwürdig hielt, dass unser Papst von einem Haufen alter Männer gewählt wird. Immerhin sollte man meinen, dass ein allmächtiger Gott es auch ohne Diskussionen schaffen müsste, "seinen" Kandidaten kenntlich zu machen.

    Da halte ich das Losverfahren (so eingeschränkt es sein mag) für in sich konsistenter.

    Antwort auf "Irgendwie witzig..."

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, dapd, AFP
  • Schlagworte Minderheit | Muslimbruderschaft | Nachfolge | Papst | Regierung | Wahl
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