Einen Tag, nachdem der ägyptische Präsident Mohammed Mursi seine Befugnisse ausgeweitet hat, haben Anhänger und Gegner des Staatschefs in mehreren ägyptischen Städten demonstriert. Dabei kam es auch zu gewaltsamen Zusammenstößen, zudem wurden in drei Städten Büros der Partei der Muslimbrüder angezündet.

Nach Angaben arabischer Medien gingen Büros von Mursis Partei für Freiheit und Gerechtigkeit (FJP) in Alexandria , Port Said und Suez in Flammen auf. In einem Vorort von Kairo wurde ein Brandanschlag auf ein FJP-Büro verhindert.

Auslöser für die Proteste ist eine Verfassungserklärung, die Mursi am Donnerstagabend hatte verkünden lassen. Damit setzte sich der Präsident über mehrere Entscheidungen der Justiz hinweg und erweiterte seine eigenen Machtbefugnisse. So wurde in einem Verfassungszusatz verfügt, dass von Mursi "zum Schutz der Revolution getroffene Entscheidungen" rechtlich nicht mehr angefochten werden können. Auch die Verfassungsversammlung könne nicht mehr von einem Gericht aufgelöst werden. Zudem entließ der Präsident Generalstaatsanwalt Abdel Meguid Mahmud .

Mursi als "neuer Pharao"

Führende Oppositionelle warfen Mursi daraufhin vor, er gebärde sich als "neuer Pharao" und wolle die Macht im Staat an sich reißen. Die ägyptische Tageszeitung Al-Masri Al-Jum titelte am Freitag: "Mursi, Übergangs-Diktator". Der Vorsitzende der Berufsgenossenschaft der Richter, Ahmed al-Sind, bezeichnete die Erklärung des Präsidenten als "Angriff auf das Gesetz und die Unabhängigkeit der Justizbehörden".

Mursi ist der erste frei gewählte Präsident Ägyptens . Er hatte die Nachfolge des im Februar 2011 gestürzten langjährigen Machthabers Husni Mubarak angetreten.

Auf dem Kairoer Tahrir-Platz versammelten sich am Freitag Tausende Oppositionsanhänger, um gegen den "Staatsstreich" Mursis zu demonstrieren. Sie riefen: "Nieder mit der Herrschaft des Oberhauptes der Muslimbrüder". Vor dem Präsidentenpalast In Kairo und in der südlichen Stadt Luxor fanden sich Islamisten zu Solidaritätskundgebungen für Mursi zusammen. In Alexandria und anderen Provinzen kam es zu Zusammenstößen zwischen Gegnern und Anhängern des Präsidenten.

Mursi verteidigt seinen Plan

Am Freitag sagte Mursi vor einer Moschee in Kairo, Ägypten werde auf seinem Weg weitergehen und lasse sich dabei nicht aufhalten. Er erfülle seine Pflichten im Sinne Gottes und der Nation. Ohne einen klaren Plan könne es keinen Sieg geben, und er habe diesen Plan.

Ein Vertreter seiner Partei FJP sagte, das Vorgehen sei notwendig, um die Errungenschaften der Revolution gegen Mubarak zu verteidigen. So habe es bislang kein rechtliches Mittel gegeben, die Exbeamten zur Verantwortung zu ziehen, die für den Tod Hunderter Demonstranten während des Volksaufstands verantwortlich seien. Mursi hatte nach Angaben seines Sprechers am Donnerstag ein Gesetz vorgeschlagen, mit dem ein "Revolutionsgericht" zu Ermittlungen über die Tötungen geschaffen werden soll.