ÄgyptenGewaltausbrüche zwischen Anhängern und Gegnern Mursis

In Ägypten haben die größten Proteste seit dem Amtsantritt von Präsident Mursi stattgefunden. Danach kam es in vielen Städten zu Zusammenstößen zwischen den Lagern. von afp, dpa und reuters

Demonstranten stützen einen Mann, der bei den Protesten in Kairo von Tränengas getroffen wurde.

Demonstranten stützen einen Mann, der bei den Protesten in Kairo von Tränengas getroffen wurde.  |  © Ahmed Jadallah/Reuters

In Protesten gegen den ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi ist es zu Schlägereien zwischen Anhängern und Gegnern des Staatschefs gekommen. In der Hafenstadt Alexandria und in der nördlichen Industriestadt Al-Mahalla wurden Dutzende Menschen verletzt.

Nach Angaben der Polizei bewarfen sich in Al-Mallah Mitglieder beider Lager mit Steinen. Gegner Mursis versuchten das Büro der Muslimbrüder-Partei Freiheit und Gerechtigkeit zu stürmen. Die Partei schrieb auf ihrer Website, 80 ihrer Anhänger seien verletzt worden. In Alexandria ordneten die Muslimbrüder die Räumung ihres Parteibüros an, nachdem dieses angegriffen worden war.

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In Kairo hatten in der vergangenen Nacht mehrere Zehntausend Menschen gegen Mursi demonstriert. Es war die größte Protestkundgebung seit dem Sturz seines Vorgängers Hosni Mubarak Anfang 2011. Nach Schätzungen von Teilnehmern versammelten sich sogar mehr als 300.000 Menschen auf dem Tahrir-Platz und in den angrenzenden Straßen und riefen Parolen gegen den Präsidenten. Dabei starb nach Angaben des Gesundheitsministeriums ein junger Mann, als die Polizei mit Tränengas auf eine Gruppe von Jugendlichen feuerte. Am Mittwochmorgen harrten noch Hunderte Gegner Mursis auf dem Platz aus. Auch in den Städten Luxor, Assiut, Kena, Tanta, Al-Arisch, Bani Sueif und Suez protestierten Menschen gegen Mursi.

Richter fehlten am dritten Tag auf der Arbeit

Zu den Demonstrationen hatten liberale, linke und sozialistische Gruppen aufgerufen. Unter den Teilnehmern waren auch Gelehrte der angesehenen Al-Ashar-Moschee und -Universität – ein Zeichen dafür, dass gemäßigtere Muslime die Politik des Präsidenten ebenfalls kritisch sehen. Zudem gingen auch viele ägyptische Christen auf die Straße.

Auslöser der Proteste war eine Verfassungserklärung , mit der der Präsident in der vergangenen Woche seine Macht ausgeweitet hatte. Durch das Dekret werden er selbst und das von Islamisten dominierte Verfassungskomitee vor dem Zugriff der Justiz geschützt. Trotz des Widerstandes der Opposition und der Justiz will Mursi nicht von seiner umstrittenen Position abrücken. Zahlreiche Richter erschienen aus Protest gegen die Entmachtung der Justiz auch am Dienstag nicht zur Arbeit, zum dritten Mal in Folge. Wegen der Unruhen sagten mehrere Reiseveranstalter Ausflüge in die ägyptische Hauptstadt ab.

Die Muslimbrüder, denen Mursi vor Amtsantritt angehört hatte, und die Salafisten sagten eine ursprünglich geplante Solidaritätskundgebung für den Präsidenten kurzfristig ab, "um Blutvergießen zu verhindern".

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Leserkommentare
  1. Nach dem arabischen Frühling kommt direkt der arabische Winter. Den Sommer muss ich verschlafen haben

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    • -emtz-
    • 28. November 2012 8:47 Uhr

    Demokratie ist eben mehr als ein politisches System. Demokratie ist eine Wertvorstellung und muss sich deswegen auch erst kulturell verankern (können).
    In Europa ist die Demokratie auch nicht in einem Frühling eingeführt worden. So kann es also nicht funktionieren. Dadrüber steht immer der Irrglaube, das perfekte System sowohl politisch, wie auch Wertemäßig zu besitzen. Die Frage ist also auch, ob es überhaupt wünschenswert ist, dieses System auch ausserhalb der westlichen Welt zu implementieren.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • krister
    • 28. November 2012 9:09 Uhr

    2."Die Frage ist also auch, ob es überhaupt wünschenswert ist, dieses System auch ausserhalb der westlichen Welt zu implementieren."

    Diese Frage stellt sich leider überhaupt nicht,in diesem Land mit seiner religiösen Ideologie,kulturell ohne jegliche Trennung von Staat und Religion.

    • krister
    • 28. November 2012 9:09 Uhr

    2."Die Frage ist also auch, ob es überhaupt wünschenswert ist, dieses System auch ausserhalb der westlichen Welt zu implementieren."

    Diese Frage stellt sich leider überhaupt nicht,in diesem Land mit seiner religiösen Ideologie,kulturell ohne jegliche Trennung von Staat und Religion.

    Antwort auf "Wertvorstellung"
  2. Machtrochade im Sinne der USA täuschen. Was einmal in Bewegung ist lässt sich schwer aufhalten....

    • TDU
    • 28. November 2012 9:51 Uhr

    "Die Muslimbrüder, denen Mursi vor Amtsantritt angehört hatte, und die Salafisten sagten eine ursprünglich geplante Solidaritätskundgebung für den Präsidenten kurzfristig ab, "um Blutvergießen zu verhindern"."

    Wieder diese ausserordentlich großzügige Zurückhaltung. Man darf sie wieder loben.

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    • MaxS2
    • 28. November 2012 9:59 Uhr

    Ich habe volles Verständnis für die Proteste der Säkularen. An Stelle der Christen wäre ich aber sehr vorsichtig - zu groß ist die Gefahr, am Ende als Sündenbock dazustehen.

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  3. Ich selbst Aegypterin und wohne in Kairo. Es eine Forderung der aegyptischen Revolution, dass der Staatsanwalt weggeht, der von Mubarak angestellt wurde und der alle Beweise gegen Mubarek und seine Leute vernichtet hatte. Ohne den letzten Schritt von Mursi, haette Mursi den Feind Nr. eins der Revolution nicht beseitigen koennen.

  4. Ich selbst Aegypterin und wohne in Kairo. Es eine Forderung der aegyptischen Revolution, dass der Staatsanwalt weggeht, der von Mubarak angestellt wurde und der alle Beweise gegen Mubarek und seine Leute vernichtet hatte. Ohne den letzten Schritt von Mursi, haette Mursi den Feind Nr. eins der Revolution nicht beseitigen koennen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters, nf
  • Schlagworte Mohammed Mursi | Gesundheitsministerium | Hosni Mubarak | Justiz | Polizei | Protest
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