ÄgyptenJuristen widersetzen sich Mursis Dekreten

Die Verfassungserklärung des Präsidenten spaltet Ägypten: Richter und Staatsanwälte streiken, während Mursi-Anhänger und Liberale weiter Straßenkämpfe austragen. von dpa

Demonstranten in Kairo

Demonstranten in Kairo  |  © AFP/Getty Images

Die Konfrontation zwischen Islamisten und Liberalen hat weite Teile der ägyptischen Gesellschaft erfasst. Nachdem sich Präsident Mohammed Mursi durch eine Verfassungserklärung mehr Macht verschafft hatte – seine Gegner sprechen von einem Staatsstreich – legte ein Großteil der Richter und Staatsanwälte des Landes aus Protest die Arbeit nieder.

In Kairo und in der Provinz Al-Baheira gingen die Straßenschlachten zwischen der Polizei und den Gegnern der Muslimbruderschaft weiter. Die Polizei setzte Tränengas ein, als eine Gruppe junger Männer vor dem Gebäude des Obersten Gerichts in Kairo Leuchtgeschosse abfeuerte. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden 57 Menschen verletzt.

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Mursi hatte am Donnerstag erklärt, die Gerichte des Landes dürften die Umsetzung seiner Dekrete nicht behindern. Außerdem haben sie laut der Verfassungserklärung nicht das Recht, die Verfassungskommission aufzulösen. Die wird von den islamistischen Parteien des Landes, wie den einst von Mursi geführten Muslimbrüdern, dominiert.

Die Muslimbrüder haben für diesen Sonntagabend zu einer landesweiten Solidaritätskundgebung für Mursi aufgerufen. Für Dienstag ist eine weitere Kundgebung geplant. Das Oberhaupt der Bewegung, Mohammed Badia, sagte: "Die überwältigende Mehrheit des ägyptischen Volkes hat die Entscheidungen des Präsidenten der Republik begrüßt."

Mursi lässt sich ausgiebig beraten

Das Ausmaß der Kritik aus dem In- und Ausland beunruhigt Mursi aber offensichtlich schon. Nach Angaben der staatlichen Medien rief er zum zweiten Mal binnen 24 Stunden seine Berater zu sich.

Ein islamistischer Anwalt erstattete derweil Anzeige gegen drei Oppositionelle. Hamed Sadik behauptet nach Angaben des Nachrichtenportals Egynews , der Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei, der Vorsitzende der liberalen Wafd-Partei, Sajjid al-Badawi, und der frühere Präsidentschaftskandidat Hamdien Sabahi hätten "mit einer ausländischen Kraft vereinbart, den Präsidenten der Republik, Mohammed Mursi, bei seiner Arbeit zu stören".

Die Anleger reagierten mit Sorge auf die jüngsten politischen Turbulenzen, ägyptische Aktienkurse verloren stark an Wert. Der EGX-30-Index verlor bis zum Mittag rund acht Prozent.

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