Gegner des ägyptischen Präsidenten Mursi in einer Auseinandersetzung mit Polizisten nahe dem Tahrir-Platz in Kairo. © Gianluigi Guerica/AFP/Getty Images

Das von Islamisten dominierte ägyptische Verfassungskomitee will noch heute über die neue Verfassung abstimmen. In einer Blitzaktion haben die Gruppen mit ihrer Mehrheit in der Nacht sämtliche Artikel des umstrittenen Entwurfs beschlossen. Noch heute soll die Versammlung über den gesamten Text entscheiden.

Alle nicht-islamistischen Gruppierungen lehnen den Entwurf für die neue Verfassung ab und haben ihr Mandat in der Versammlung niedergelegt. Um die Mitglieder des Gremiums vor möglichen Protesten zu schützen, wurde in der Nacht zu Donnerstag eine Betonmauer vor dem Gebäude in Kairo errichtet.

Die plötzliche Abstimmung soll den autoritären Kurs des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi stützen. Seine Partei der Muslimbrüder verfügt zusammen mit der radikal-islamischen Salafisten-Bewegung über die Mehrheit der Sitze in der Versammlung.

  Machtkampf mit Justiz

Das Eilverfahren dürfte den Streit um den künftigen Kurs Ägyptens eskalieren lassen. Säkulare und linke Politiker werfen Mursi und den Muslimbrüdern vor, einen islamistischen Staat errichten zu wollen und die Unabhängigkeit der Justiz auszuhebeln. Seit Tagen gibt es massive Proteste gegen den Präsidenten , auch die Richter des Landes demonstrieren . Für Freitag und Samstag sind weitere Massenkundgebungen der Opposition geplant.

Die vorgezogene Abstimmung über die Verfassung greift zudem einer Entscheidung des ägyptischen Verfassungsgerichts vor, das am Sonntag über eine mögliche Auflösung der Versammlung entscheiden will, wie die BBC berichtete . Mursi verschärft damit den Konflikt mit der Justiz.

Der Präsident will sich zur Erläuterung seiner Politik noch heute in einer Fernsehansprache direkt ans Volk wenden. Dabei soll es um sein umstrittenes Verfassungsdekret, das ihm mehr Macht zusichert, sowie die darauf folgenden gewalttätigen Proteste gehen. Kritiker werfen Mursi vor, sich mit dem Erlass die Macht eines Diktators geben zu wollen. Er selbst hat von einem befristeten Schritt gesprochen, um Reformen voranzutreiben.