Die Bundesregierung setzt in Afghanistan auf Verhandlungen mit den Taliban. Nach dem Aussetzen von Sondierungsgesprächen im März gebe es erste Anzeichen dafür, "dass wichtige, bestimmende Teile der Taliban eine Wiederbelebung des Prozesses wollen", heißt es im Fortschrittsbericht Afghanistan , den das Bundeskabinett beschlossen hat. Allerdings dürfe es "keinen Frieden um jeden Preis" geben, schreiben die beteiligten Ministerien für Auswärtiges, Verteidigung und Entwicklungszusammenarbeit. Dauerhafter Frieden in Afghanistan werde nur eintreten, wenn der innerafghanische Versöhnungs- und Friedensprozess Fortschritte mache.

Die Bundesregierung drängt in dem Bericht zugleich auf Reformen in dem Land. Insbesondere mahnt die Regierung ein härteres Vorgehen gegen die Korruption an. Die für 2014 geplanten Präsidentschaftswahlen müssten unter "größtmöglicher Transparenz und Glaubwürdigkeit" stattfinden.

Zusammen mit dem Bericht beschloss das Kabinett den ersten Schritt zum umfassenden Truppenabzug aus Afghanistan . Bis Anfang 2014 soll die Zahl der Bundeswehrsoldaten von derzeit maximal 4.900 auf 3.300 Mann und damit um knapp ein Drittel sinken.

Unterdessen haben die Vereinten Nationen (UN) Afghanistan Fortschritte auf dem Weg in die Souveränität attestiert. Das Land habe in Hinblick auf Sicherheit, Regierungsführung und Entwicklung in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Infrastruktur "bemerkenswerte Fortschritte" erzielt, sagte der deutsche UN-Botschafter Peter Wittig vor der UN-Vollversammlung in New York bei der Vorstellung der jährlichen Resolution zur Lage in Afghanistan.

US-Sondergesandter scheidet aus Amt

Gestern Abend war bekannt geworden, dass der US-Sondergesandte für Afghanistan und Pakistan , Marc Grossman, nach fast zwei Jahren zurücktritt. Der 61-Jährige werde sich ins Privatleben zurückziehen, teilte seine Sprecherin Laura Lucas mit. Grossman hatte unter anderem in Pakistan die Wiedereröffnung der Grenze zu Afghanistan für Nato-Konvois erreicht. Diese waren infolge eines tödlichen Nato-Angriffs auf einen pakistanischen Grenzposten geschlossen worden. Den Angaben zufolge soll Grossman seinen Posten als Sonderbeauftragter im Dezember verlassen. Er wird darin zunächst von seinem Stellvertreter David Pearce ersetzt.