AfghanistanNach Abzug der Bundeswehr erstarken die Taliban

Die Bundeswehr hat im Nordosten Afghanistans ein erstes Feldlager geräumt. Seitdem wächst der Einfluss der Taliban in Badachschan beständig. von dpa und

Festgenommene Taliban in Afghanistan, im Vordergrund ihre Waffen

Festgenommene Taliban in Afghanistan, im Vordergrund ihre Waffen  |  © Mustafa Andaleb/Reuters

Wenige Wochen nachdem die Bundeswehr ihr erstes großes Feldlager in Afghanistan geschlossen hat, gewinnen die Taliban in der Provinz Badachschan im Nordosten des Landes wieder an Einfluss. "Seit die Deutschen weg sind, wird es von Tag zu Tag gefährlicher", beschreibt ein Einheimischer die Lage nach Informationen der ZEIT. Der Mann hat in der Provinzhauptstadt Faisabad jahrelang für die Bundeswehr gearbeitet.

Meldungen über die wachsende Macht der Taliban gibt es seit dem Abzug gehäuft. Ein afghanischer Journalist berichtete, Anfang November hätten Rebellen das Haus eines Polizisten überfallen, um Waffen zu stehlen. Als sie den Mann nicht antrafen, töteten sie dessen Ehefrau. Vergangene Woche ermordeten Taliban vier Polizisten in einem Tal, in dem die afghanischen Sicherheitskräfte dieses Jahr schon mehrfach gegen Rebellen gekämpft hatten – auch mit Unterstützung deutscher Soldaten.

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In der Provinz Samangan, wo die Bundeswehr Ende Oktober einen Außenposten schloss, wurden Medienberichten zufolge vergangene Woche zwei Lastwagen mit Nato-Gütern von einer Sprengfalle zerstört.

Sowohl in Samangan als auch in Badachschan hatten die Deutschen ihren Abzug mit der verbesserten Sicherheitslage begründet. Beide Regionen gelten als verhältnismäßig stabil. Ihren derzeit gefährlichsten Außenposten in der Provinz Baglan plant die Bundeswehr im Frühjahr 2013 zu verlassen .

Anschlag in Kabul

Erstmals seit zwei Monaten haben Aufständische in Afghanistan zudem wieder einen Selbstmordanschlag in der Hauptstadt Kabul verübt. Ein Attentäter habe nahe dem US-Militärcamp Eggers zwei einheimische Wachmänner mit in den Tod gerissen, sagte Kabuls Polizeichef Ajub Salangi. Drei Menschen seien bei dem Angriff im Diplomatenviertel verletzt worden. Die Taliban bekannten sich zu der Tat.
 

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Leserkommentare
    • lufkin
    • 21. November 2012 17:29 Uhr

    Ehrlich, wundert das irgend jemanden?
    Die Afghanen sind weder personell noch technisch in der Lage ihr Land zu sichern und die Taliban in Schach zu halten. Ob sie es tatsächlich wollen ist bei vielen Soldaten und Polizisten wohl auch fraglich.
    Sobald die westlichen Truppen abgezogen sind gebe ich dem Land 1 bis max. 2 Jahre, dann ist wieder alles beim Alten und die Taliban kontrollieren das Land komplett.

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    ... was hat das uns zu interessieren ? Und viele der Maßstäbe, die bei uns gelten, sind wahrlich nicht geeignet um sie anderen Ländern aufzuzwingen. Anderen Kulturen schon gar nicht.

    Und das ganze als Friedensinitiative und Hilfe für die Bevölkerung a la Brunnenbohren und Schulen bauen ist eine Unverfrorenheit und eine politische Lüge. Das ganze ist ein Kriegseinsatz ! Und deutsche Soldaten haben dort nichts verloren.

    • Bashu
    • 21. November 2012 18:28 Uhr

    "There have been many claims that the CIA directly supported the Taliban or al-Qaeda. In the early 1980s, the CIA and the ISI (Pakistan's Inter-Services Intelligence agency) provided arms and money, and the ISI helped gather radical Muslims from around the world to fight against the Soviet invaders. Osama Bin Laden was one of the key players in organizing training camps for the foreign Muslim volunteers. "By 1987, 65,000 tons of U.S.-made weapons and ammunition a year were entering the war." (wikipedia)

    Ein Afghanischer Flüchtling hat mir zudem erzählt, die Amerikaner hätten zur Zeit des Kalten Krieges unzählige Islam-Schulen in Pakistan gegründet, die radikalen Islamismus und Nationalismus verbreiten sollten und so die Menschen gegen die kommunistischen Besatzer aufwiegeln sollten.

    Hat verdammt gut funktioniert.

    Bitte belegen Sie Ihre Behauptungen mit entsprechenden Quellen. Danke. Die Redaktion/kvk

  1. ... was hat das uns zu interessieren ? Und viele der Maßstäbe, die bei uns gelten, sind wahrlich nicht geeignet um sie anderen Ländern aufzuzwingen. Anderen Kulturen schon gar nicht.

    Und das ganze als Friedensinitiative und Hilfe für die Bevölkerung a la Brunnenbohren und Schulen bauen ist eine Unverfrorenheit und eine politische Lüge. Das ganze ist ein Kriegseinsatz ! Und deutsche Soldaten haben dort nichts verloren.

    Antwort auf "Wundert das wen?"
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    • kai1
    • 21. November 2012 17:54 Uhr

    Dem ersten Teil Ihres Kommentars kann ich zustimmen. Die optimistischen Prognosen hinsichtlich der Fähigkeit der afghanischen Sicherheitskräfte (Polizei und Streitkräfte), Ruhe und Ordnung (auch in einem "Friedensafghanistan" anders zu definieren als in einem europäischen Rechtsstaat) nach dem Abzug der westlichen Streitkräfte aufrechtzuerhalten sind sehr stark von Zweckoptimismus bestimmt. Zweckoptimismus, der demonstrativ zur Schau getragen wird, um eine getroffene Abzugsentscheidung im Nachhinein zu rationalisieren.
    Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass Afghanistan nicht wirklich in unserem Sinne zu befrieden sein wird. Insofern ist die Entwicklung nach dem Teilabzug der Bundeswehr nicht wirklich überraschend.
    Das darf jedoch nicht zu der fatalistischen Vogel-Strauß-Politik (Kopf in den Sand stecken) führen, die Sie im zweiten Teil Ihres Kommentars an den Tag legen (und die auch das Denken weiter Teile der deutschen "Zivilgesellschaft" bestimmt).
    Tatsächlich werden auch nach "2014" (jenes magische Abzugsdatum, das eher als "Beruhigungspille" für eine "kriegsmüde" Gesellschaft zu sehen ist) westliche (auch deutsche) Soldaten (v.a. Spezialkräfte) in Afghanistan bleiben in der richtigen Einschätzung, dass dieser, an den Unruheherd Pakistan grenzende Staat sicherheitspolitisch viel zu wichtig, um ihn wieder komplett in den Zustand von vor 2001 zurückfallen zu lassen.

    Wenn sollte das Schicksal Afghanistans nach dem Abzug des Gros der Truppen also interessieren? Uns alle!

    • Brako
    • 22. November 2012 12:26 Uhr

    Mich als Frau interessiert es zb schon, dass in einem Land (bzw in vielen Ländern) Frauen nichts wert sind und unterdrückt werden. Nennen wir es mal Solidarität.

    Taliban sind verrohte Männer die in einer Kultur des Krieges aufgewachsen sind. Was glauben Sie eigentlich was die wieder für Nachkommen zeugen werden? Und die Frauen haben null Macht und dem nichts entgegenzusetzen.

    Dieser Kreislauf der Gewalt weitet sich aus. Pakistan wird instabil. Gerade eben haben die Taliban angekündigt in Indien werden sie die Hinrichtung des Mumbai-Attentäters rächen....

    Wem die Welt nicht egal ist den interessiert es. (Tragischerweise gibt es in Regionen wie dem Kongo und der Sahelzone ähnliche Entwicklungen).
    Momentane Taktik: Gegengewalt => Teufelskreis.
    Ev. Lösung: Frauenrechte stärken helfen (zb Geld daran knüpfen, passiert leider überhaupt nicht).

  2. Natürlich, es ist ja auch ihr Land.
    Ob die Entwicklung in die Richtung geht, die uns gefällt oder nicht. Die Afghanen müssen einen eigenen Weg finden.
    .
    Das sie nicht fremdbestimmt sein wollen, geben sie ja täglich zum Ausdruck.
    .
    Wir alle müssen wohl lernen, dass unsere "Demokratie-Vorstellungen" nicht in allen Kulturen angenommen werden.

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    • kai1
    • 21. November 2012 18:01 Uhr

    Ob "die Afghanen", eigentlich kein einheitliches Volk in einem Nationalstaat europäischer Prägung, sondern eine archaische Kultur von Stammesgemeinschaften, in einer neuerlichen Machtübernahme der Taliban (als der angeblich "Ihren") mit den vermutlich altbekannten Begleiterscheinungen tatsächlich den Ausdruck von Selbstbestimmtheit gegenüber der angeblichen "Fremdherrschaft" der ISAF-Truppen sehen (sollten), bleibt zumindest problematisch.

    Es hört sich so an, als seien Sie der Propaganda der Taliban auf den Leim gegangen.

    Afghanen?
    Ich befürchte, Sie unterschätzen die Vielfalt der ethnischen Gruppen in Afghanistan:
    http://de.wikipedia.org/w...

    • kai1
    • 21. November 2012 17:54 Uhr

    Dem ersten Teil Ihres Kommentars kann ich zustimmen. Die optimistischen Prognosen hinsichtlich der Fähigkeit der afghanischen Sicherheitskräfte (Polizei und Streitkräfte), Ruhe und Ordnung (auch in einem "Friedensafghanistan" anders zu definieren als in einem europäischen Rechtsstaat) nach dem Abzug der westlichen Streitkräfte aufrechtzuerhalten sind sehr stark von Zweckoptimismus bestimmt. Zweckoptimismus, der demonstrativ zur Schau getragen wird, um eine getroffene Abzugsentscheidung im Nachhinein zu rationalisieren.
    Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass Afghanistan nicht wirklich in unserem Sinne zu befrieden sein wird. Insofern ist die Entwicklung nach dem Teilabzug der Bundeswehr nicht wirklich überraschend.
    Das darf jedoch nicht zu der fatalistischen Vogel-Strauß-Politik (Kopf in den Sand stecken) führen, die Sie im zweiten Teil Ihres Kommentars an den Tag legen (und die auch das Denken weiter Teile der deutschen "Zivilgesellschaft" bestimmt).
    Tatsächlich werden auch nach "2014" (jenes magische Abzugsdatum, das eher als "Beruhigungspille" für eine "kriegsmüde" Gesellschaft zu sehen ist) westliche (auch deutsche) Soldaten (v.a. Spezialkräfte) in Afghanistan bleiben in der richtigen Einschätzung, dass dieser, an den Unruheherd Pakistan grenzende Staat sicherheitspolitisch viel zu wichtig, um ihn wieder komplett in den Zustand von vor 2001 zurückfallen zu lassen.

    Wenn sollte das Schicksal Afghanistans nach dem Abzug des Gros der Truppen also interessieren? Uns alle!

    Antwort auf "Na und ...."
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    • Bashu
    • 21. November 2012 18:32 Uhr

    Nichtstun scheint nicht moralisch.

    Aber was tun, wenn wir was tun? Im Zuge der NATO-Besatzung sind wahrscheinlich deutlich mehr Menschen umgekommen als unter den Taliban gestorben wären.

    Und was hat es gebracht? Nichts?

    Afghanistan ist durch Russland und USA noch mindestens auf Jahrzehnte zerstört und nicht zu befrieden, sagte mir ein Landesmann.

    Die radikalen Strömungen in Pakistan, die einen islamischen Gottesstaat errichten wollen sind in den letzten Jahren immer stärker geweorden. Wenn die Taliban in Afghanistan wieder freie Hand haben, wird dadurch die radikalisierung des Nachbarstaates forciert. Pakistan ist eine Nuklearmacht - und wenn islamische Gotteskrieger dort die Kontrolle übernehmen und somit über Nuklearwaffen verfügen haben alle westlichen Staaten ein richtiges Problem. Die Truppen aus Afghanistan abzuziehen könnte sich also als äußerst fatal erweisen.

    • kai1
    • 21. November 2012 18:01 Uhr

    Ob "die Afghanen", eigentlich kein einheitliches Volk in einem Nationalstaat europäischer Prägung, sondern eine archaische Kultur von Stammesgemeinschaften, in einer neuerlichen Machtübernahme der Taliban (als der angeblich "Ihren") mit den vermutlich altbekannten Begleiterscheinungen tatsächlich den Ausdruck von Selbstbestimmtheit gegenüber der angeblichen "Fremdherrschaft" der ISAF-Truppen sehen (sollten), bleibt zumindest problematisch.

    Es hört sich so an, als seien Sie der Propaganda der Taliban auf den Leim gegangen.

    • Gomulka
    • 21. November 2012 18:10 Uhr

    Die sogenannte "afghanische Armee/Polizei" hat den Oppositionsaktivisten nichts entgegenzusetzen.

    Nach dem Abzug der westlichen Besatzer werden die sogenannten "Sicherheitsorgane" auseinanderfallen, und die Angehörigen werden sich wieder ihren Stämmen und Clans anschließen.

    Den "Afghanen" gibt es nicht - aber es gibt Paschtunen, Usbeken, usw...

    Über den Missionierungsdrang der "westlichen Wertegemeindschaft" kann man nur den Kopf schütteln - aber wer sich nun einmal als "Krone der Schöpfung" sieht, ist wahrlich beratungsresistent!

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    • kai1
    • 22. November 2012 7:54 Uhr

    Die von Ihnen beklagte Einstellung haben die verantwortlichen Militärs bis heute gründlich abgelegt. Ich hatte die Möglichkeit, als Reservist der Bundeswehr den Kontakt zu einem Fallschirmjägerbataillon zu haben, das in allen Phasen des deutschen Afghanistan-Einsatzes immer wieder im Einsatz war. An den Kommentaren und Erzählungen der Bataillonsangehörigen konnte man sehr gut die progressive Desillusionierung der Soldaten (aber auch den Zorn über "die da in Berlin" - wobei man nicht nach Parteien unterschied) verfolgen, aber auch eine wachsende, nüchterne und professionalisierte Einstellung zum Thema Krieg und Frieden, die sich Lichtjahre von der Haltung der sogen. "Zivilgesellschaft" hierzulande entfernt hatte, die anfangs den Parolen der Politik geglaubt hatte, um sie dann übergangslos ohne Zwischenschritte in Bausch und Bogen zu verwerfen.
    Wer heute noch in seinen Forenbeiträgen behauptet, die Soldaten träumten noch vom fast sprichwörtlichen Bohren von Brunnen und dem Bau von Mädchenschulen und hätten sich nicht auf die Ablehnung eingestellt, die ihnen teilweise entgegenschlägt, ist informationstechnisch nicht wirklich auf der Höhe der Zeit, liegt sogar hinter dem Erkenntnisstand des Sesselstrategen auf den Hinterbänken es Bundestages zurück.
    Afghanistan heute zu "befrieden", bedeutet, sicherzustellen, dass das inhärente Gewaltpotential dieser Gesellschaft nicht so viele Menschenleben fordert, dass es die Ereignisse auf die Titelseite westlicher Zeitungen schaffen.

  3. Wer ist hier wohl wem warum und wessen Probaganda auf den Leim gegangen ? Weshalb war Afghanistan seit Jahrhunderten nicht "siegbar" ? Das niemand das Wort "gescheitert" in den Mund nehmen wird ist eh klar.(wäre ja mit "Inkompetenz" vergleichbar)

    • Bashu
    • 21. November 2012 18:28 Uhr

    "There have been many claims that the CIA directly supported the Taliban or al-Qaeda. In the early 1980s, the CIA and the ISI (Pakistan's Inter-Services Intelligence agency) provided arms and money, and the ISI helped gather radical Muslims from around the world to fight against the Soviet invaders. Osama Bin Laden was one of the key players in organizing training camps for the foreign Muslim volunteers. "By 1987, 65,000 tons of U.S.-made weapons and ammunition a year were entering the war." (wikipedia)

    Ein Afghanischer Flüchtling hat mir zudem erzählt, die Amerikaner hätten zur Zeit des Kalten Krieges unzählige Islam-Schulen in Pakistan gegründet, die radikalen Islamismus und Nationalismus verbreiten sollten und so die Menschen gegen die kommunistischen Besatzer aufwiegeln sollten.

    Hat verdammt gut funktioniert.

    Bitte belegen Sie Ihre Behauptungen mit entsprechenden Quellen. Danke. Die Redaktion/kvk

    Antwort auf "Wundert das wen?"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, tis
  • Schlagworte Afghanistan | Anschlag | Bundeswehr | Hauptstadt | Information | Provinz
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