Gaza-GefechteMursis heikle Mission

Ägyptens Präsident kommt im Gaza-Konflikt eine Schlüsselrolle zu: Er steht der Hamas nahe, doch weiß er sehr gut, was auf dem Spiel steht. von 

Mohamed Mursi

Ägyptens Präsident Mohamed Mursi  |  © Mark Wilson/Getty Images

Man kommt nicht umhin in diesen Tagen, Parallelen zum Gazakrieg vor vier Jahren zu ziehen : Damals wie heute begann es mit Raketenfeuer aus dem von der Hamas kontrollierten Küstenstreifen. Damals wie heute war die Präsidentenwahl in den Vereinigten Staaten gerade vorbei. Der Nahe Osten aber hat mit dem von vor vier Jahren nichts mehr gemein. Der aktuelle Konflikt findet in einer gänzlich neuen politischen Umgebung statt.

In Ägypten regiert nach dem Volksaufstand des Arabischen Frühlings nicht mehr Hosni Mubarak , sondern der Muslimbruder Mohammed Mursi . Mubarak ließ die anti-israelischen Proteste seiner Landsleute unbeeindruckt niederknüppeln. Mursi dagegen muss auf die öffentliche Meinung Rücksicht nehmen und steht zudem der Hamas ideologisch nahe.

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In Syrien herrscht Bürgerkrieg, erstmals schlugen Artilleriegeschosse jetzt auch auf den von Israel besetzten Golanhöhen ein . Im Libanon fürchtet die Hisbollah die Niederlage ihres engsten Verbündeten Baschar al-Assad. Und obendrein haben aus dem libyschen Bürgerkrieg gegen Muammar al-Gaddafi Hunderte von Raketen mit größerer Reichweite sowie Zehntausende von Granaten und Gewehren ihren Schmuggelweg nach Ägypten und von hier weiter auf den Sinai und in den Gazastreifen gefunden.

Insofern fällt der neuen ägyptischen Führung angesichts der Kriegsgefahr in Gaza eine heikle Schlüsselrolle zu. Wie seinem Vorgänger Mubarak ist auch Präsident Mursi bewusst, wie gefährlich eine weitere Eskalation für das eigene Land werden könnte. In Teilen des Sinai herrscht Anarchie durch radikale Dschihadisten aus dem Gaza-Streifen, die mittlerweile auch mit Raketen in Richtung Israel operieren.

Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz angekündigt

Praktisch alle politischen Strömungen in Ägypten, von den Salafisten über die Muslimbrüder bis hin zu den Säkularen, fordern eine härtere Gangart gegenüber Israel. Zu Freitag sind große Protestdemonstrationen auf dem Tahrir-Platz angekündigt. Am Samstag kommen in Sichtweite des legendären Freiheitsplatzes die Außenminister der Arabischen Liga zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Und so könnte Ägypten in den nächsten Tagen vor einer Eruption anti-israelischer Aggressionen stehen, wie es sie seit dem Camp-David-Abkommen von 1979 noch nie gegeben hat.

Staatschef Mursi versucht, die öffentliche Empörung aufzufangen, ohne zusätzlich Öl ins Feuer zu gießen. Denn das post-revolutionäre Ägypten braucht vor allem Ruhe und Stabilität, um seine Wirtschaft wieder in Gang zu bringen, die dringenden Reformen bei den Subventionen anzupacken, seine Verfassung zu verabschieden und ein neues Parlament zu wählen.

Gleichzeitig gelten die Regeln offener Gesellschaften jetzt auch am Nil , liegt der einhellige Unmut in der Bevölkerung über Israels Umgang mit den Palästinensern offen zutage. "Schluss mit dem Schweigen" und "Mursi, wo ist deine Entscheidung", skandierten die Menschen in ersten spontanen Protestmärschen.

Kein Kontakt mit Israel

Auch deshalb verurteilte Ägyptens Staatschef den tödlichen Anschlag auf den Hamas-Militärchef als "unakzeptable Aggression", und beorderte für Freitag seinen Premierminister mit großer Delegation direkt ins Kampfgebiet nach Gaza-Stadt - ein ebenso spektakulärer wie geschickter Schachzug. Den Botschafter in Tel Aviv ließ er nach Kairo zurückrufen. Dessen israelischer Amtskollege war bereits wenige Stunden zuvor aus der ägyptischen Hauptstadt abgereist.

Mursis Beziehungen nach Jerusalem sind kaum vorhanden, jeden persönlichen Kontakt mit israelischen Politikern lehnte er bisher ab. Von einem Bruch der diplomatischen Beziehungen zu Israel aber will Ägyptens neue Führung bislang nichts wissen. Einen zweiten Gaza-Krieg allerdings würde das Verhältnis beider Staaten wohl nicht überstehen.

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Leserkommentare
  1. Mursi dagegen muss auf die öffentliche Meinung Rücksicht nehmen und steht zudem der Hamas ideologisch nahe.

    Die Hamas ist eine Tochterorganisation der Muslim-Brüderschaft, der auch Mursi angehört.

    Aber die Raketenangriffe aus Gaza sind zu einem großen Teil nicht von der Hamas verursacht. In Gaza tummeln sich dutzende islamistische Gruppen, die nicht kontrollierbar sind.

    Weitere Infos zu dieen Gruppen:
    http://www.freitag.de/aut...

    Ausserdem ist interessant zu erwähnen, dass syrische Vollbart-Milizen Dörfer auf den Golanhöhen und fast alle im Grenzgebiet erobert haben und von da aus agieren.

    http://www.huffingtonpost...

    Die Syrer haben auf diese Milizen geschossen, die sich auf den Golanhöhen verschanzt haben. Israel hat geantwortet und die syrische Armee angegriffen.

    Es kann ja nicht sein, dass diese Milizen über die Grenze fliehen (Golan oder türkische Grenze) und die syrische Armee nicht zurückschlagen kann.

    Israel sollte sich sehr genau überlegen, in dieser Art gegen syrische Soldaten vorzugehen wie die Türkei. Denn viele der Islamisten sehen Damaskus nur als Zwischenstop auf dem Weg nach Jerusalem.

    3 Leserempfehlungen
  2. Vermittler? Das glaubt doch niemand.

    6 Leserempfehlungen
  3. Eigentlich klar oder!Hoffen wir das der NICHT stattfindet
    Israel und Islamisten sind zu Kriegstreibern geworden und die Welt schaut tatenlos zu!
    Nur Amerika hat sich wie immer klar zu Israel bekannt
    ,warum wohl?

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    ..UN-Friedenstruppen in dem Gebiet die beide Seiten stark eindämmen und einen Militärschlag verhindern könnten, aber das wird nicht passieren.

  4. "Damals wie heute begann es mit Raketenfeuer aus dem von der Hamas kontrollierten Küstenstreifen."

    Falsch! der unmittelbare Auslöser war bereits die Ermordung des Hamasanführers durch Israel, auf welche erst die Hamas und schließlich Israel selbst antworteten.

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    Was Sie sagen ist schlichtweg falsch. Der Führer der Hamas ist am Mittwoch den 14.11 getötet worden. Seit dem 10.11 sind über 120 Raketen auf Israel abgefeuert worden. Abgesehen davon ist die Huhn - Ei Debatte schlichtweg sinnfrei da Sie das Problem nicht lösen wird. Durch Gewalt ist noch nicht ein einziges Problem der Menschheitsgeschichte gelöst worden im Gegenteil.

  5. ..UN-Friedenstruppen in dem Gebiet die beide Seiten stark eindämmen und einen Militärschlag verhindern könnten, aber das wird nicht passieren.

    Eine Leserempfehlung
  6. 6. Zitat

    Ich sehe tote Städte, Ich sehe Bomben fallen,
    Strassen voller toter Menschen,
    Voll Feuer, Lärm und Qualm
    Das Schicksal meines Lebens
    Heisst kämpfen für den Tod
    Es gibt hier keine Gnade,
    Sondern Haß, Elend und Not

    Hunde des Krieges - sie sind wieder frei
    Hunde des Krieges - und alle sind dabei

    [...]

    RawSide

    Gekürzt. Bitte beachten Sie, dass wir aus urheberrechtlichen Gründen keine vollständigen Gedichte verbreiten dürfen. Die Redaktion/ls

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    • Jo_Zy
    • 16. November 2012 15:22 Uhr

    So tötet die Hunde des Krieges
    Und schändet den heiligen Frieden
    Besudelt die Tempel gewaltsam mit Blut
    Wenn euch das wie die Wahrung der Liebe erscheint

    ,)

    Nocte Obducta

    • wAltz
    • 16. November 2012 0:32 Uhr

    Ich sehe vor allem 2 Parallelen zum letzten "Gazakrieg", wenn man das Töten von Zivilisten und Kindern Krieg nennen will. Zum Einen wurde auch damals erst im Schatten der US-Wahlen der Ausbau völkerrechtswidriger Siedlungen vorangetrieben und zweitens herrschte in Israel ebenfalls Wahlkampf. Ebenso wie zu den Wahlen zuvor Scharon den Tempelberg stürmte.. Das Versetzen der eigenen Bevölkerung in Angst, indem man einen Konflikt mit den Palästinensern heraufbeschwört, um sich dann als starker Beschützer wählen zu lassen, ist offenbar zynischer Bestandteil des Wahlkampfs der Israelischen Rechten, so wie das reflexartige Verbrämen dieser Aggression seitens unserer Medien und Politik als "Selbstverteidigung" zynisch und unverantwortlich ist.

    2 Leserempfehlungen
  7. Was Sie sagen ist schlichtweg falsch. Der Führer der Hamas ist am Mittwoch den 14.11 getötet worden. Seit dem 10.11 sind über 120 Raketen auf Israel abgefeuert worden. Abgesehen davon ist die Huhn - Ei Debatte schlichtweg sinnfrei da Sie das Problem nicht lösen wird. Durch Gewalt ist noch nicht ein einziges Problem der Menschheitsgeschichte gelöst worden im Gegenteil.

    Antwort auf "Falschaussage"

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Mohammed Mursi | Hamas | Hisbollah | Hosni Mubarak | Israel | Ägypten
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