Nahost : Jassir Arafats Leichnam exhumiert

Seit Jahren kursieren Gerüchte, der frühere Palästinenserpräsident Jassir Arafat sei ermordet worden. Nun wurde seine Leiche aus dem Grab geholt, um Giftspuren zu prüfen.

Der Leichnam des früheren Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat ist in Ramallah aus seinem Grab geholt worden. Ausländische Experten begannen Medienberichten zufolge im Mausoleum Arafats bereits mit der Entnahme von Proben aus dessen Knochen. Die Untersuchung soll klären, ob der im Jahr 2004 verstorbene Palästinenserführer vergiftet wurde.

Ein Schweizer Labor hatte im Juli dieses Jahres an Arafats Kleidung eine erhöhte Konzentration der hochgiftigen, radioaktiven Substanz Polonium 210 gefunden. Arafats Witwe Suha hatte daraufhin in Frankreich Anzeige erstattet, Mordermittlungen wurden eingeleitet. Die Palästinenser verdächtigen Israel seit Jahren, ihren früheren Präsidenten vergiftet zu haben, was Israel jedoch bestreitet.

Arafat hatte 2004 einen Schlaganfall erlitten. In den Wochen vor seinem Tod litt er jedoch an einer Krankheit, die nicht genau diagnostiziert werden konnte. Er war im Alter von 75 Jahren in einem französischen Militärkrankenhaus verstorben.

Die Untersuchung führen Experten aus der Schweiz , Frankreich und Russland durch, teilte der Leiter des palästinensischen Ermittlerteams mit. Die Arbeiten im Hauptquartier der palästinensischen Autonomiebehörde werden vom Mufti von Jerusalem begleitet. Noch im Laufe des Tages soll der frühere Palästinenserpräsident bei einer offiziellen Zeremonie wieder beigesetzt werden.

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Kommentare

22 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Es änderte wohl -wie immer- nichts daran:

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"... Es wäre mir neu, dass Israel dafür belangt wird, fremde Staatsbürger zu ermorden ..."

Geheimdiener, Militärs und Staatenlenker wie ein Radko Mladic, ein Charles Taylor und selbst der ehemals demokratisch gewählte Führer eines souveränen Staates Yougoslawien, Slobodan Milosevic, fanden sich als Angeklagte vor dem Gerichtshof in Den Haag wieder.

Solange Israel allerdings den ebenso illegitimen wie unumstösslichen Schutz der Vereinigten Staaten für wiederkehrenden Staatsterror geniesst, werden wir das wohl kaum erleben dürfen, ein Umstand der Israel aber leider auch dem Reigen "normaler" Staaten entfremdet und es in der Geiselhaft seiner selbstgebauten "Sonderstellung" hält, Hass auf und Zweifel an Israel als funktionierendes Staatskonzept inclusive.

Die Gesamtsituation in Nahost wird sich erst dann entspannen können, wenn israelischer Terror nicht mehr komplett unterschiedlich als arabischer oder palästinensischer Terror behandelt werden wird.

Allein für die fällige Aufarbeitung auf dem Weg in irgendeine intelligentere, friedlichere Zukunft ist die genaueste Untersuchung der Todesumstände Arafats wichtig, um Legendenbildung und Märtyrerei zu verhindern.

Mit Protagonisten wie den derzeitigen auf beiden Seiten wird diese intelligentere Zukunft allerdings wohl bis auf weiteres ein frommer Wunsch bleiben.