MilitärdiktaturMassenprozess gegen Mitglieder der argentinischen Militärjunta

Fast 30 Jahre nach Ende der Diktatur in Argentinien hat der größte Prozess zu den Verbrechen der Militärjunta begonnen. 789 Fälle sollen in zwei Jahren verhandelt werden. von afp

Der Gerichtssaal in Buenos Aires

Der Gerichtssaal in Buenos Aires  |  © Marcos Brindicci/Reuters

In Buenos Aires hat ein großangelegter Prozess zu den Verbrechen während der argentinischen Militärdiktatur begonnen. Fast 800 Fälle werden in dem auf zunächst zwei Jahre angesetzten Prozess verhandelt, etwa 900 Zeugen sollen angehört werden. Unter den 68 Beschuldigten sind acht Piloten der sogenannten Todesflüge, bei denen Hunderte Oppositionelle betäubt ins Meer geworfen wurden.

Einer der Angeklagten ist der argentinisch-niederländische Pilot Julio Alberto Poch. Der 59-Jährige war im September 2009 in Spanien festgenommen und nach Argentinien ausgeliefert worden. Auch der frühere Finanzminister Juan Alemann ist angeklagt. Er soll bei der Folterung eines Mannes anwesend gewesen sein, dem ein Anschlag auf ihn vorgeworfen wurde.

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Außerdem müssen sich die 2011 bereits zu lebenslanger Haft verurteilten früheren Junta-Offiziere Jorge Acosta und Alfredo Astiz, der als "blonder Todesengel" bekannt wurde , sowie dreißig weitere frühere Militärs verantworten. Ihnen wird insbesondere die Entführung und Tötung der 17-jährigen Schwedin Dagmar Hagelin vorgeworfen, die mit einer Guerilla-Kämpferin verwechselt und in das Folterzentrum ESMA gebracht worden war.

Menschenrechtler fordern Gerechtigkeit für Opfer

Vor dem Gerichtsgebäude in Buenos Aires versammelten sich am Mittwoch zahlreiche Aktivisten, die Gerechtigkeit für die Opfer der Diktatur forderten. Der Menschenrechtsanwalts Rodolfo Yanzón sagte, dies sei "der größte Prozess um Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Der letzte Prozess diesen Ausmaßes zu Verbrechen der Diktatur fand 2003 statt. Damals ging es vor allem um Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der Marine-Technikerschule ESMA in Buenos Aires.

Während der Militärdiktatur wurden etwa 30.000 Menschen getötet oder verschwanden spurlos. Allein an der ESMA wurden 5.000 Gefangene gefoltert, nur wenige überlebten. Eine zunächst ausgesprochene Amnestie für Verbrechen während der Diktatur wurde 2003 aufgehoben, sodass es möglich wurde, den Tätern den Prozess zu machen. Allein zwischen 2008 und Juli 2012 gab es 61 Prozesse zu Verbrechen während der Diktatur mit 270 Schuldsprüchen.

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Leserkommentare
  1. Gerechtigkeit kann nicht mehr hergestellt werden. Es ist für uns Menschen deutlich leichter 30.000 Menschen zu töten als einen toten wieder lebendig zu machen. Trotzdem ist es selbstverständlich gut, richtig und wichtig, dass die Täter des "Guerra Sucia" endlich zur Verantwortung gezogen werden.

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    Aber dann müssen auch die Montoneros und deren Wegbereitern und Unterstützern genauso vor Gericht.
    Die haben Nämlich auch ein Paar Tausend Tote zu verantworten.

  2. Aber dann müssen auch die Montoneros und deren Wegbereitern und Unterstützern genauso vor Gericht.
    Die haben Nämlich auch ein Paar Tausend Tote zu verantworten.

    Antwort auf "Gerechtigkeit"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, nf
  • Schlagworte Militär | Amnestie | Anschlag | Diktatur | Entführung | Finanzminister
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