Europäische UnionBlair warnt Briten vor einem EU-Austritt

Die Loslösung von Europa wäre katastrophal für das Vereinigte Königreich, meint Expremier Tony Blair. Sein Plädoyer gilt auch als Bewerbung für einen Top-Job in Brüssel.

Tony Blair bei einem Auftritt in Mexiko City am 21. September 2012

Tony Blair bei einem Auftritt in Mexiko City am 21. September 2012  |  ©Jose Mendez/dpa

Der ehemalige britische Premierminister Tony Blair warnt sein Land vor einem Rückzug aus der Europäischen Union. Jede Loslösung von der "Tabellenspitze" der Gemeinschaft wäre eine Katastrophe für die Wirtschaft des Vereinigten Königreichs und seine Bedeutung auf der Weltbühne, wird Blair vom Guardian vorab zitiert. Die Mitgliedschaft in der EU sei angesichts wachsender Konkurrenz auf den globalen Märkten für Großbritannien wichtiger denn je.

Blairs Mahnung ist Teil einer Rede, die der Labour-Politiker am Mittwoch vor dem pro-europäischen Wirtschaftsverband Business for New Europe (BNE) halten will. Laut seiner Website setzt sich BNE das Ziel, "Großbritannien ins Zentrum eines offenen und wettbewerbsfähigen Europas zu rücken".

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Während immer mehr einflussreiche Mitglieder der regierenden Tories im Zuge der Debatte um den EU-Haushalt die britische Mitgliedschaft in Frage stellten, wolle Blair die Wirtschaftsvertreter zu einer Kampagne vereinen, die den europaskeptischen Zug zum Halten bringe, bevor es zu spät sei, berichtet The Guardian. Vor allem der Verweis auf die aufstrebenden Volkswirtschaften wie China, Indien, Brasilien und Russland solle die Bedeutung der EU für Großbritannien verdeutlichen.

Großer Plan für Europa

Ein Vertrauter Blairs wird in dem Bericht wie folgt zitiert: "Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Argument für Europa: Frieden oder Krieg. Er wird klarmachen, dass es für Europa im 21. Jahrhundert um eine Machtstellung oder Bedeutungslosigkeit geht." Blair werde in seiner Rede einen "großen Plan" für Europa fordern, mit dem die Mitglieder der EU einen vereinten Block bilden könnten, der in der Lage sei, den aufstrebenden enormen Wirtschaftsmächten Paroli zu bieten. Großbritannien liefere 47 Prozent seiner Exporte in die EU und erhalte die Hälfte der ausländischen Investitionen aus EU-Staaten, heißt es in dem Redemanuskript laut The Guardian.

Die Zeitung spekuliert, mit dieser leidenschaftlichen Intervention zeige Blair erneut seine "Sehnsucht" nach einer prominenten Rolle in der europäischen Politik, nachdem er es 2009 nicht geschafft hatte, der erste ständige EU-Ratspräsident zu werden (diesen Posten bekam seinerzeit der Belgier Herman van Rompuy). Freunde des 59-jährigen Labour-Politikers sagten dem Guardian, Blair glaube, dass es der EU an effektiver Führung fehle und der Entwurf einer "großen Vision" allzu oft scheitern würde.
 

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Leserkommentare
  1. steht für eine Politik von Vorvorgestern....

    man sollte langsam damit beginnen, die Besten
    nach Brüssel zu schicken,
    und nicht die Gescheiterten dahin abzuschieben.

    Jedenfalls dann, wenn man Europa ernst nimmt.

    4 Leserempfehlungen
  2. durchaus angemessen T.B im Zusammenhang mit der Förderung des irak-Krieges aufgrund der von ihm wiederholt öffentlich vorgetragenen wahrheitswidrigen Behauptungen zur angeblichen C-Kapazität des Irak als dringend tatverdächtig zu bezeichnen.

    Der Herr har entgegen besseren Wissens einen Angriffskrieg befördert und betrieben.

    MfG KM

    10 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[...]"
  3. 11. Einheit

    die Commonwealth Länder haben mehr gemein als die vielen Länder der EU.. z.B,. eine Sprache mit der man sich verständigen kann....
    Geografische Einheit ist in einer vernetzten globalen Welt sowieso unwichtig.

    Und ich habe ja nicht davon gesprochen dass GB diese Länder dominiert, sondern dass sie dafür sorgen könnten, dass daraus eine wirtschafsgemeinschaft wird.... ggf unter gleichberechtigten Partnern.
    Die Wirtschaftsverflechtungen bestehen schon.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Commonwealth?"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • PGMN
    • 26. November 2012 9:46 Uhr

    ... dass die Commonwealth Länder nicht viel von einem gemeinsamen Wirtschaftsraum mit Großbritannien haben und daher auch nicht darauf anspringen werden.

    Großbritanniens größter Standortfaktor ist heute die Mitgliedschaft in der EU und der damit verbundene Zugang zu 500 Millionen der reichsten Konsumenten des Planeten. Sollte das anders werden, müsste sich die britische Wirtschaftsstruktur gewaltig ändern, das Land müsste sich reindustrialisieren. Das geht nur nicht von heute auf morgen.

    Übrigens: Die Sprache ist in einer Welt, in der fast jeder gebildete Mensch Englisch spricht, vielleicht ein ideologisches, aber kein realistisches Argument.

  4. "Tony Blairs Plädoyer gilt als Bewerbung für Top-Job in Brüssel".

    Genau so ist es. Nicht mehr und nicht weniger !
    Dass Großbritannien o h n e EU besser da stünde interessiert den
    einen feuchten Kehricht !

    3 Leserempfehlungen
  5. Es wird aus UK nie ein klares, eindeutiges Ja oder Nein zu EU geben, es ist so eine good cop/bad cop Inszenierung. Der Angriff laut genug um im Land die Stimmung zu reflektiven und nach Möglichkeit in Brüssel Geld zu sparen und dann auf der anderen Seite versöhnliche Töne, die quasi die Stimme der Vernunft widerspiegeln sollen. Was wäre das für ein Schmierentheater wenn Cameron (UK Prime Minister) mit Blair (in Rolle als EU Häuptling) um die Beitragshöhe der Briten verhandelt. Dann hätten es die Briten geschafft alle an der Nase rumzuführen.

    3 Leserempfehlungen
    • ludna
    • 25. November 2012 16:46 Uhr
    14. Danke,

    besser hätte ich es nicht ausdrücken können. Er wird übrigens ziemlich oft Tony Liar genannt. So gesehen passt er ganz gut nach Brüssel.

    6 Leserempfehlungen
  6. lügern -tony lebt also auch noch.

    das ist doch der inbegriff des abgehalfterten poltikers.

    5 Leserempfehlungen
  7. hat kein Entwicklungspotential. Trotz aller Verbundenheit. Hätte er es,wäre er schon längst ein echter Faktor auf diesen Planeten. Er ist in erster Linie wegen der EU - Mitgliedschaft des "Mutterlandes" und den damit verbundene indirekt erleichterten Zugang auf die europäischen Märkte für die meisten Mittglieder interessant. Fällt das weg ist die Welt um eine Folkloreveranstaltung reicher.Blair hat mit seiner Analyse recht.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "England hat Optionen"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, sc
  • Schlagworte Tony Blair | Europäische Union | EU-Haushalt | Export | Großbritannien | Herman van Rompuy
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