Es ist einer der wichtigsten Posten der internationalen Politik, den Xi Jinping in Kürze einnehmen wird: Vorsitzender der Kommunistischen Partei Chinas , Chef des inneren Machtzirkels. Wenn der Parteikongress demnächst die neue Führung des Landes bestätigt, wird Xi die Nachfolge von Hu Jintao antreten und dabei auch gleich das Amt des Staatspräsidenten mit übernehmen. Es sind mit die schwierigsten Ämter der Welt, und Xi wird das sehr bewusst sein: China bedarf dringender Veränderungen. Die Erwartungen der Bürger an die Regierenden sind hoch.

Da ist zum einen die ökonomische Entwicklung: Mit weniger als acht Prozent war das Wirtschaftswachstum zuletzt so schwach wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr. Was jeden europäischen Regierungschef jubeln lassen würde, muss Xi Sorgen bereiten: Chinas auf den Arbeitsmarkt drängende Jugend braucht hohes Wachstum, um genügend Jobmöglichkeiten zu bekommen. Gleichzeitig verändert sich die Struktur der Volkswirtschaft, die Löhne steigen auch in China und arbeitsintensive Tätigkeiten finden zunehmend in Ländern mit niedrigeren Arbeitskosten statt. Xi muss dafür sorgen, dass die Wirtschaft nachhaltiger wird.

Außerdem drohen Inflation und eine Immobilienblase, die Umweltzerstörung ist ebenso noch immer ein Problem wie die rasante Verstädterung. Die soziale Gerechtigkeit nimmt ab, die Schere zwischen Arm und Reich weitet sich. Massive Korruption bedrängt die Bürger, besonders in Einparteienstaaten ein inhärentes Dauerproblem. "Man kann nicht mehr im System leben, ohne korrumpiert zu werden," sagt Politik-Professor Zhang Ming von der Pekinger Renmin-Universität im Tagesspiegel . Die Folge: Beamtenwillkür und und soziale Ungerechtigkeiten haben zu einem massiven Anstieg lokaler Unruhen geführt. Es gibt kaum etwas, dass die regierende KP mehr fürchtet, auch weil die Proteste inzwischen die bislang zufriedene Mittelschicht erreicht haben.

Politische Reformen wird es nicht geben

Xi Jinping wird die Besetzung seines zukünftigen innersten Zirkels mit zwei alten Herren abmachen: Seine Vorgänger, Hu Jintao (69) und der inzwischen 86-jährige Jiang Zemin mischen weiter kräftig mit im Machtgerangel. Xi Jinping muss also ein intelligenter Zentrist sein, um alle Interessen zu bedienen und dabei trotzdem das Land zu modernisieren. Seine Voraussetzungen dafür sind nicht schlecht.

Er selbst gehört zum wichtigen Kreis um Ex-Parteichef Jiang Zemin. Zudem ist er Teil des Parteiadels, ein sogenannter Prinzling: sein Vater Xi Zhongxun (1913-2002) war Kampfgefährte von Mao Zedong und wichtiger Wirtschaftsreformer unter Deng Xiaoping .

Xi Jinping gilt zwar als Liberaler, was aber für chinesische Politiker nicht mit westlichen Maßstäben zu werten ist. Liberal bedeutet primär, die private der bis heute dominanten staatlichen Wirtschaft vorzuziehen. Was also nicht zu erwarten ist, sind politische Reformen im westlichen Verständnis. Bestenfalls  werden wirtschaftliche und politische Prozesse künftig etwas transparenter.

Welche Politiker es in den den Ständigen Ausschuss des Politbüros schafft, werden wir in den kommenden Tagen erfahren. Wer die Kandidaten mit den besten Aussichten sind, lesen Sie auf den folgenden Seiten.