Wenn im November die Delegierten des Parteikongresses zusammentreffen, um die neue Führung zu bestätigen, wird der 57-jährige Li Keqiang Nachfolger von Wen Jiabao und damit zweitwichtigster Mann im Staat sein – er gilt als gesetzt. Der Jurist und Ökonom ist schlagfertig, jedoch weniger charismatisch als seine Vorgänger Wen und Zhu Rongji. Li Keqiang ist ein Protegé von Hu Jintao, dessen Machtbasis die Jugendliga der Kommunistischen Partei ist. Li hatte den späteren Parteichef und Präsidenten Hu bereits in den frühen achtziger Jahren kennengelernt. Tuanpai (Liga-Fraktion) nennen sich diese Funktionäre in China.

Als zweiter Mann nach Xi Jinping, der dem Netzwerk des Patriarchen Jiang nahesteht, wird Li voraussichtlich den wichtigen Part übernehmen, die erwähnten wirtschaftlichen Probleme und Veränderungen in die richtigen Bahnen zu lenken. Doch dabei hat er Konkurrenten, und derartiges durchzusetzen traut ihm mancher Peking-Insider wegen seiner professoralen Art nicht recht zu. In seinem jetzigen Job als Vizepremier hatte er bereits die Aufgabe, Chinas ausufernde und schwerfällige Regierungsbürokratie effizienter zu machen. Mit der Bildung der Nationalen Energiekommission war ihm das 2010 gelungen.