Chinas Führung : Herr Xi und sein umkämpftes Politbüro
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Li Keqiang

Li Keqiang © REUTERS/Yves Herman

Wenn im November die Delegierten des Parteikongresses zusammentreffen, um die neue Führung zu bestätigen, wird der 57-jährige Li Keqiang Nachfolger von Wen Jiabao und damit zweitwichtigster Mann im Staat sein – er gilt als gesetzt. Der Jurist und Ökonom ist schlagfertig, jedoch weniger charismatisch als seine Vorgänger Wen und Zhu Rongji. Li Keqiang ist ein Protegé von Hu Jintao, dessen Machtbasis die Jugendliga der Kommunistischen Partei ist. Li hatte den späteren Parteichef und Präsidenten Hu bereits in den frühen achtziger Jahren kennengelernt. Tuanpai (Liga-Fraktion) nennen sich diese Funktionäre in China.

Als zweiter Mann nach Xi Jinping, der dem Netzwerk des Patriarchen Jiang nahesteht, wird Li voraussichtlich den wichtigen Part übernehmen, die erwähnten wirtschaftlichen Probleme und Veränderungen in die richtigen Bahnen zu lenken. Doch dabei hat er Konkurrenten, und derartiges durchzusetzen traut ihm mancher Peking-Insider wegen seiner professoralen Art nicht recht zu. In seinem jetzigen Job als Vizepremier hatte er bereits die Aufgabe, Chinas ausufernde und schwerfällige Regierungsbürokratie effizienter zu machen. Mit der Bildung der Nationalen Energiekommission war ihm das 2010 gelungen.

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Kommentare

12 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Verwirrend

Ich stimme dem Autor bzgl der Problembeschreibung in China voll und ganz zu, was mich aber immer wieder irritiert, dass der angebliche China-Kenner Felix Lee, immer ganz anderer Ansicht ist und er die Probleme zum Teil eines Planes macht, wie bspw. hier

http://blog.zeit.de/china...

Und deshalb schreibt er schon am 07.10.2012:

"Wie auch immer die Entscheidung ausgehen wird – Chinas Wirtschaftpolitik wird sich nicht ändern. Trotz der in jüngerer Zeit sich auch im Reich der Mitte verdüsternden Wirtschaftsdaten läuft in China alles nach Plan. Genau genommen nach dem 12. Fünfjahresplan. An ihm wird auch die künftige Führung festhalten."

Also der Artikel hier und der von Herrn Lee, der nach meinem Dafuerhalten eine starke Affinitaet zur chinesischen KP an den Tag legt, lehrt uns also, China wird wohl im Chaos enden, weil ja alles nach Plan laeuft. Ist aber ein komischer Plan, und muss wohl mit Kulturunterschieden erklaert werden.

Es kann schon sein, ...

... dass Herr Lee China-affin ist - aber wenn das auf ihn zutrifft, dann vermutlich auf die meisten Sinologen. Ich kenne nur wenige Ausnahmen.

Das Verhältnis der China-Wissenschaftler und Berichterstatter zu Chinas politischem System scheint mir generell sehr viel freundlicher - allenfalls freundlich-neutral - zu sein als das früherer Berichterstatter über die UdSSR.

Aber mit letzterer gab's ja auch allenfalls Bartergeschäfte. Außerdem glaubte man "den Russen" zu kennen. China ist aus deutscher Sicht immer wieder von weihevollen Geheimnistümern umkräuselt - so oder ähnlich hat es mal ein recht bekannter Sinologe ausgedrückt. Mit anderen Worten: China ist so anders, da kannste gar nicht mitreden.

Übrigens: "KP-affin" trifft es m. E. wirklich nicht. Bis hin zum chinesischen Landtag ist man anscheinend durchaus bemüht, die Tatsache zu ignorieren, dass viele chinesische Amtskollegen halt auch eine Parteifunktion ausüben.

Um Ihren eigenen Link zu zitieren

"Wird die Kernstadt (hohe Bebauungsdichte und geschlossene Ortsform) als Grundlage genommen, leben in Chongqing 4,3 Millionen Menschen." Größte Stadt, ist die nur, wenn man die Verwaltungsgrenzen nimmt .... dazu gehören dann aber auch Wald & Wiesen ... und das ist für mich und wahrscheinlich nicht das Erste Bild, was einem in den Kopf kommt wenn man das Wort "Stadt" hört.