ChinaKP untersucht Wen Jiabaos Vermögen

Der Bericht über das Milliardenvermögen der Familie von Chinas Premier hat eine offizielle Untersuchung zur Folge. Grund ist nach einem Medienbericht Unmut in der Partei. von afp und

Chinas Premier Wen Jiabao im September 2012

Chinas Premier Wen Jiabao im September 2012  |  © Laurent Dubrule/Reuters

Die Kommunistische Partei Chinas hat eine Untersuchung zu den Vermögensverhältnissen von Regierungschef Wen Jiabao und seiner Familie gestartet. Wen habe den Ständigen Ausschuss des Politbüros der KP, dem er selbst angehört, in einem Schreiben um die Untersuchung gebeten, berichtete die Zeitung South China Morning Post .

Damit reagierte der Premierminister auf einen Bericht der New York Times , wonach seine Familie ein Vermögen in Höhe von insgesamt 2,7 Milliarden Dollar (2,1 Milliarden Euro) angehäuft habe.

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Der South China Morning Post zufolge haben Parteimitglieder den Regierungschef gedrängt, "ausführliche Erklärungen zu allen wesentlichen Anschuldigungen abzugeben". Sie seien sehr unzufrieden mit Wens "moralischer Einstellung". Das Medium ist eines der wenigen regierungskritischen in China, obgleich es wie alle anderen unter staatlicher Zensur steht.

Anwälte von Wens Familie hatten den Bericht am Sonntag als "unwahr" zurückgewiesen. Die chinesischen Behörden hatten mit weitreichenden Zensurmaßnahmen auf den Artikel reagiert: Die Website der Zeitung war am Wochenende in China unzugänglich, und alle Kommentare in chinesischen Internetforen zu dem Artikel wurden gelöscht.

KP vor dem Machtwechsel

Dass nun über die parteiinterne Untersuchung der Vorwürfe berichtet wurde, ist ungewöhnlich. Normalerweise achtet die Kommunistische Partei sehr darauf, dass Interna nicht nach draußen dringen.

Der Bericht über das Milliardenvermögen der Familie untergräbt Wens Bemühungen, sich in der Öffentlichkeit als ein bescheidener Staatsdiener zu geben, der streng gegen Korruption und Vetternwirtschaft vorgeht. Die Enthüllungen sind besonders brisant, da am kommenden Donnerstag der 18. Parteitag der Kommunisten beginnt, bei dem Wen Jiabao und Präsident Hu Jintao die Übergabe der Führung an die nächste Generation auf den Weg bringen sollen.
 

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Leserkommentare
  1. Der Beweis, dass die NYT hier mit Schmutz wirft, ist ja der Artikel selbst.

    Sicher, die Zeitung hat einen Ruf - dennoch benutzt sie hier ein Verfahren, das man in diesem unseren Lande eher aus einer anderen Gewichtsklasse kennt.

    Man fabuliert über eine große Summe im Umfeld eines Menschen, für den der Vorwurf der Vorteilsnahme hochgefährlich wäre.

    Man vermeidet sorgfältig, den Menschen direkt der Vorteilsnahme zu beschuldigen, das wäre justiziabel und könnte bös teuer werden.

    Man vermeidet weiterhin sorgfältig jegliche Festlegung, wer für den Reichtum im Umfeld der Zielperson verantwortlich ist.

    Kurz, man bleibt auf rechtlich gesichertem Terrain, kann aber absolut sicher sein, dass beim geneigten Leser die Verbindung Wen Jiabao - 2,7 MrdUSD verfangen hat.

    Und das nenne ich mit Schmutz werfen.

    Antwort auf "Genau..."
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    Humptata: von einem anderen Foristen las ich einmal folgenden Satz über Chen Guangcheng:

    "Vielleicht konsultieren Sie mal einen Juristen Ihres Vertrauens zu der Frage, zu welchen diplomatischen Verwicklungen es kommen kann, wenn es einem verurteilten Straftäter (und um etwas anderes handelt es sich nicht bei einem Menschen, der unter Hausarrest steht) durch die Botschaft eines anderen Staates ermöglicht wird, sich seiner Strafe zu entziehen."

    Ich würde nicht unbedingt sagen, dass der Forist Chen mit Schmutz beworfen hätte, bin allerdings schon der Meinung, dass er die chinesische Justiz und ihre Zuständigkeiten nicht besonders gut kannte. Immerhin war kein Urteil bekannt, das dem Hausarrest Chens zugrunde gelegen hätte.

    Um allerdings Ihre Argumentation besser einschätzen zu können: finden Sie, dass der von mir verlinkte Kommentar Chen mit Schmutz bewarf? Immerhin könnte man diesen - im Kontext mit der New York Times und Wen Jiabao - so lesen, dass es sich bei Chen aufgrund seiner - vermuteten - Verurteilung um einen zweifelhaften Charakter handle.

  2. Enzyplopädie, Herr Fuchs, ich bin davon so überzeugt, dass ich mich sogar schon ein wenig an den Kosten beteiligt habe.

    Man muss nur wissen, wie das Gesamtwerk entsteht, dass z.B. die Konsenzsuche zwischen den Beteiligten bei strittigen Themen recht aufwendig sein soll - dann kann man damit sehr schön arbeiten.

    Antwort auf "Genau..."
  3. Humptata: von einem anderen Foristen las ich einmal folgenden Satz über Chen Guangcheng:

    "Vielleicht konsultieren Sie mal einen Juristen Ihres Vertrauens zu der Frage, zu welchen diplomatischen Verwicklungen es kommen kann, wenn es einem verurteilten Straftäter (und um etwas anderes handelt es sich nicht bei einem Menschen, der unter Hausarrest steht) durch die Botschaft eines anderen Staates ermöglicht wird, sich seiner Strafe zu entziehen."

    Ich würde nicht unbedingt sagen, dass der Forist Chen mit Schmutz beworfen hätte, bin allerdings schon der Meinung, dass er die chinesische Justiz und ihre Zuständigkeiten nicht besonders gut kannte. Immerhin war kein Urteil bekannt, das dem Hausarrest Chens zugrunde gelegen hätte.

    Um allerdings Ihre Argumentation besser einschätzen zu können: finden Sie, dass der von mir verlinkte Kommentar Chen mit Schmutz bewarf? Immerhin könnte man diesen - im Kontext mit der New York Times und Wen Jiabao - so lesen, dass es sich bei Chen aufgrund seiner - vermuteten - Verurteilung um einen zweifelhaften Charakter handle.

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    Sie werden recht haben.

  4. Sie werden recht haben.

    Antwort auf ""Mit Schmut werfen""

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, tis
  • Schlagworte Kommunistische Partei | Behörde | China | Dollar | Einstellung | Euro
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