NahostkonfliktDer Techniker des Krieges tritt ab

Als Premier und Verteidigungsminister gab Ehud Barak auf politische Fragen nur technische Antworten. Das hat den Friedensprozess verhindert, kommentiert Y. Feldman. von Yotam Feldman

Vor etwa einem Jahr lieferte der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak zu später Stunde einen eigenartigen Fernsehauftritt ab. Es ging um technische Geräte und elektronische Spielereien. Sieben Minuten lang zeigte Barak dem Moderator, wie viele Programme er auf seinem iPhone benutzt, darunter eine Musiksoftware, einen Sprachlehrer für Chinesisch und eine App für Satellitenbilder von Gebirgsketten.

So banal dies alles klingt: Diese Episode offenbarte eine Wahrheit über Ehud Barak. Der 72 Jahre alte Verteidigungsminister, der nun seinen Rückzug aus der Politik angekündigt hat, hegt nicht nur eine große Leidenschaft für Technik, sie spielt sogar eine zentrale Rolle in seiner politischen und ideologischen Weltanschauung.

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Barak, der als Ehud Broug im Kibbuz Mishmar Hasharon geboren wurde, machte bereits in jungen Jahren Karriere beim Militär in der Spezialeinheit Sayeret Matkal, die dem militärischem Geheimdienst untersteht. Sie kümmert sich vor allem um komplexe technische Operationen hinter den feindlichen Linien.

Auf historische Fragen technische Antworten

Jahrelang leitet Barak diese Einheit. Auch andere Kommandeure der Matkal wurden nach ihrer Militärkarriere wichtige Figuren in der israelischen Politik und Wirtschaft – und viele von ihnen boten dem Staat auf seine historischen Fragen meist nur technische Antworten. Sie setzten auf den mächtigen Sicherheitsapparat statt auf zivile Lösungen.

Die Beispiele dafür sind zahlreich: etwa die Anschläge der Sayeret Matkal auf die militärischen und politischen Führer der Palästinenser in den siebziger Jahren. Auch der Plan des früheren Premierministers Izchak Rabin, den irakischen Präsidenten Saddam Hussein zu töten, gehörte dazu.

Kurz bevor 1987 die Erste Intifada ausbrach, hatte Barak das Zentralkommando der Israelischen Streitkräfte übernommen. In dieser Zeit gründete er die Einheit Duvdevan, die viele Palästinenser im Westjordanland und in Gaza festnahm und tötete. Diese Vorgehensweise machte Barak unter israelischen Politikern zunehmend beliebt, da er ihre Illusion nährte, auf politische Fragen militärische und taktische Lösungen geben zu können. Er ermöglichte ihnen, weiterhin immer neue palästinensische Gebiete zu besetzen und sie allein durch das Militär kontrollieren und verwalten zu lassen.

Im Jahr 1999 wurde Barak Ministerpräsident in Israel. Er beendete die 22 Jahre lange Besatzung des Südlibanon und richtete die volle Aufmerksamkeit der israelischen Armee nun auf den Konflikt mit den Palästinensern.

Leserkommentare
  1. Zitat: "Zudem wird die israelische Bevölkerung von seinen verantwortungslosen Politikern seit Jahrzehnten in einem andauernden Ausnahmezustand der Angst gehalten, durch den sie ihre Macht festigen können."

    Ich würde meinen, die israelische Bevölkerung wird seit Jahrzehnten durch den palästinensischen Terror in Angst gehalten. Oder bilden die Israelis sich die Bedrohung durch Selbstmordattentäter und Raketenbeschuß nur ein?

  2. Kriegsverbrechen sind IMMER zu ahnden.

    Im Augenblick scheint aber Israel derjenige zu
    sein, der hier die größeren Befürchtungen hat.

    Abbas hat schließlich den Antrag gestellt und
    trotz massivster Drohungen nicht zurückgezogen.

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    • road90
    • 27. November 2012 12:51 Uhr

    Israelische Säuglinge abzuschlachten, sei kein Kriegsverbrechen. (Fam. Fogel)

    Verirrte israelische Soldaten zu lynchen, sei kein Kriegsverbrechen. (Lynchmord in Ramallah)

    ...

    Dagegen zu wehren sei Kriegsverbrechen.
    Merkwürdige Ansichten haben Sie!

    • road90
    • 27. November 2012 12:51 Uhr

    Israelische Säuglinge abzuschlachten, sei kein Kriegsverbrechen. (Fam. Fogel)

    Verirrte israelische Soldaten zu lynchen, sei kein Kriegsverbrechen. (Lynchmord in Ramallah)

    ...

    Dagegen zu wehren sei Kriegsverbrechen.
    Merkwürdige Ansichten haben Sie!

    Antwort auf "Umso besser..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    schreckliche Verbrechen, aber keine Kriegsverbrechen
    für den Gerichtshof in Den Haag.

    Der Mord an der Fogelfamilie vor zwei Jahren
    wurde mit 5x lebenslänglich bereits gesühnt.
    Der Täter, ein Palästinenser, der zwei ermordete
    Bewohner seines Dorfes rächen wollte, wurde
    festgenommen und verurteilt.

    Abbas hat diese Tat verurteilt.

    Der Lynchmord an zwei israelischen Soldaten in
    Ramallah fand vor 12 Jahren statt, Israel hat
    die Täter verhaftet.

    Lesen Sie sich bitte noch einmal die Rom Statuten
    durch, auf denen die Rechtsprechung in Den Haag
    basiert.

    Über 6000 Palästinenser wurden von Israel getötet.

    Die letzten, eindeutig Unschuldigen, waren zwei
    unbewaffnete Demonstranten in der Westbank vor
    einigen Tagen.

    In Gaza wurden 3 Journalisten, die als solche
    erkennbar waren, ebenfalls vor 1 Woche
    gezielt ermordet.

    Durch den Staat Israel und seine Soldaten,
    das erfüllt den Tatbestand schon eher.

    Im übrigen zählen auch Folter, Vertreibung etc.
    zu denjenigen Verbrechen, die in Den Haag verhandelt
    werden.

    • juchude
    • 27. November 2012 18:11 Uhr

    was man mit kriegsverbrechern halt so macht.

    In seinem falle hätte es sogar noch den Vorteil, dass ein weiterer 11.September verhindert werden kann. Schließlich wird er nach seinem Rückzug aus Politik seine blutigen Hände nicht in den Schoß legen, sondern einen nächsten Anschlag auf die Weltgemeinschaft und aushecken.

    • FLH80
    • 27. November 2012 18:12 Uhr

    Junkies ihrem Dealer für die geilen Halos danken...

  3. schreckliche Verbrechen, aber keine Kriegsverbrechen
    für den Gerichtshof in Den Haag.

    Der Mord an der Fogelfamilie vor zwei Jahren
    wurde mit 5x lebenslänglich bereits gesühnt.
    Der Täter, ein Palästinenser, der zwei ermordete
    Bewohner seines Dorfes rächen wollte, wurde
    festgenommen und verurteilt.

    Abbas hat diese Tat verurteilt.

    Der Lynchmord an zwei israelischen Soldaten in
    Ramallah fand vor 12 Jahren statt, Israel hat
    die Täter verhaftet.

    Lesen Sie sich bitte noch einmal die Rom Statuten
    durch, auf denen die Rechtsprechung in Den Haag
    basiert.

    Über 6000 Palästinenser wurden von Israel getötet.

    Die letzten, eindeutig Unschuldigen, waren zwei
    unbewaffnete Demonstranten in der Westbank vor
    einigen Tagen.

    In Gaza wurden 3 Journalisten, die als solche
    erkennbar waren, ebenfalls vor 1 Woche
    gezielt ermordet.

    Durch den Staat Israel und seine Soldaten,
    das erfüllt den Tatbestand schon eher.

    Im übrigen zählen auch Folter, Vertreibung etc.
    zu denjenigen Verbrechen, die in Den Haag verhandelt
    werden.

    Antwort auf "Kriegsverbrechen"
  4. ...das Israel jetzt in der Pflicht sei, erste vertrauensbildende Schritte zu unternehmen. Gut, wieso nicht?

    Was würden denn aber die Palästinenser ihrerseits in die Wagschale werfen wollen?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    sich mit 22% des ursprünglichen Gebietes von
    Palästina zufrieden zu geben, Grenzen von 1967,
    das ist aus meiner Sicht ein ganz erhebliches
    Entgegenkommen der Palästinenser !

    Abbas war schon immer dazu bereit, die
    Arabische Friedensinitiative unter Leitung
    der Saudis ebenfalls, jetzt auch Hamas.

    Und Israel ?

    Israel reichen die 78% immer noch nicht ???

    Ynetnews heute :
    "Politburo Chief Khaled Mashaal said his Islamist movement Hamas is willing to accept a Palestinian state within the 1967 borders or 22% of "historical Palestine."

    • C.Herub
    • 27. November 2012 19:07 Uhr
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    Dezember 1987 - September 2000 1.376 Palästinenser
    - Dezember 2008 4.834 Palästinenser
    - Januar 2009 1.397 Palästinenser
    - September 2012 319 Palästinenser

    Quelle (Btselem, israelische Menschenrechtsorganisation)

    Ich erspare mir jetzt ein zynisches "Aufaddieren"
    bzw. einen Vergleich mit den Opferzahlen auf
    israelischer Seite. Das kann jeder selbst auf
    der website der NGO tun.

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