Nahost-KonfliktErdoğan wirft Israel ethnische Säuberungen vor

Der türkische Ministerpräsident hat Israel im Gaza-Streifen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Dennoch gibt es Hoffnungen auf eine schnelle Waffenruhe. von afp, dpa und

Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdoğan

Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdoğan  |  © Adem Altan/AFP/Getty Images

Ranghohe Politiker aus aller Welt versuchen im Gaza-Konflikt zu vermitteln und einen Waffenstillstand zu ermöglichen. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan jedoch stimmt andere Töne an: Israel führe "ethnische Säuberungen" durch, sagte Erdoğan vor Abgeordneten seiner islamisch-konservativen AK-Partei. "Israel ignoriert den Frieden in dieser Region, tritt das internationale Recht mit Füßen und führt eine Kampagne der ethnischen Säuberung gegen ein Volk."

Die Palästinensergruppen im Gazastreifen würden Gebrauch von ihrem Recht zur "legitimen Verteidigung" machen, indem sie sich mit ihren Raketen gegen die "wahllosen und illegalen Angriffe" Israels wehren, sagte Erdoğan. "Niemand kann behaupten, dass Israel sein Recht zur Selbstverteidigung benutzt, Israel bläst derzeit einen Wind des Terrors über den Nahen Osten." Dem Westen warf der türkische Regierungschef vor, den "terroristischen Staat" Israel zu unterstützen.

Anzeige

Während der türkische Regierungschef mit diesen Äußerungen die Lage im Nahen Osten eher verschärft, bemühen sich Außenminister Guido Westerwelle , UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und US-Außenministerin Hillary Clinton um eine Deeskalation des Konflikts.

Westerwelle traf sich in Israel zu Gesprächen mit Regierungschef Benjamin Netanjahu und Staatspräsident Schimon Peres . Er versicherte ihnen, das Deutschland an der Seite Israels stehe. Das Land sei ein Freund und habe das Recht, sich selbst und seine Bevölkerung zu verteidigen.

Während Westerwelles Besuch heulten im Großraum Jerusalem die Sirenen wegen eines Luftalarms. Eine aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete schlug nach Polizeiangaben außerhalb der Stadt ein. Bislang starben bei den wechselseitigen Angriffen 117 Menschen im Gazastreifen und drei in Israel. Fast 1.000 Menschen wurden verletzt, die meisten von ihnen Palästinenser.

Mursi rechnet mit Waffenruhe noch am Dienstag

Trotz der andauernden Gefechte hat Ägyptens Präsident Mohammed Mursi Hoffnungen auf eine baldige Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas geweckt. Er rechne mit der Einigung auf eine Feuerpause noch am Dienstag, sagte er. Der "israelische Angriff auf den Gazastreifen wird heute enden, die Bemühungen um eine Waffenruhe zwischen der palästinensischen und der israelischen Seite werden in den nächsten Stunden positive Ergebnisse bringen", sagte Mursi.

Israel bestätigte zwar Gespräche in Ägypten, dementierte jedoch, ein Durchbruch stehe unmittelbar bevor. Es sei noch keine Regelung gefunden worden, sagte Mark Regev, der Sprecher von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.

Unbestätigten Informationen zufolge soll es bei den Gesprächen nicht nur um ein Ende der Raketenangriffe auf Israel gehen, sondern auch um ein Ende der Blockade des Gazastreifens.

Leserkommentare
    • K.P.R.
    • 20. November 2012 15:38 Uhr

    Erdogan empfängt den vom internationalen Gerichtshof wegen Völkermordes angeklagten sudanesischen Präsidenten Omar al-Bashir, Erdogan: „Ein Muslim kann niemals Völkermord begehen“.

    Erdogan pflegt Kontakte zum Iran.

    Das sagt alles!!

    • sabbat
    • 20. November 2012 15:39 Uhr

    "1: Die Hamas schloss im September einen Vertrag mit dem Iran, dass sie den Jihad mit sofortiger Wirkung aufgeben wird und zukünftig in Abstimmung mit der militärischen Führung in Tehran handeln wird. Dafür bekam die Hamas die neuen H-5 Raketen (iranische Bez. Fajr-5), die Tel Aviv erreichen können."
    Wenn die Hamas einen Frieden mit Iran schließt und dafür Fajr-5 Raketen bekommt, kann Israel sich sicher fühlen? Wenn das Ihr Standpunkt ist, ist jede Entgegnung überflüssig. Wenn Sie den Widerspruch darin nicht erkennen ist´s eh zu spät...und irgendwann wohl auch für Israel.

  1. Na prima, werden sich einige in Berlin denken, die also auch. Das kann ja nur unsere Erblast mindern. Dafür sollten wir ihm doch zu Weihnachten ein Geschenk machen. Wie wäre es mit Raketenwerfern? Die stehen ja hier sowieso nur nutzlos rum.

  2. die im Staat Israel leben. Die Begrifflichkeiten sollten klar sein.

    Antwort auf "Juden?"
  3. An dem Vorwurf ist viel Wahres, finde ich. Nur das Erdogan, der zu gerne mal den einen oder anderen Kurden niederstrecken lässt, sich darüber aufregt, ist schon etwas grotesk.
    Die große Mehrheit der israelischen Bevölkerung und die der Palästinenser, möchte doch nur zu gern in Ruhe und Frieden zusammen leben. Aber die Weltpolitik lässt dies offensichtlich nicht zu. Die israelische Bevölkerung aber noch viel mehr, die armen Menschen im GAZA - Streifen haben mein aufrichtiges Mitgefühl.

    Eine Leserempfehlung
  4. 94. [...]

    Wir haben Ihren Hinweis zu Kenntnis genommen. Es handelte sich hierbei um einen Fehler. Der Kommentar wurde inzwischen entfernt. Danke. Die Redaktion/kvk

    Antwort auf "Realitaet"
  5. "Dann habe ich als 1981 geborener auch keine Erbschuld mehr! Endlich!"
    Sie hatten nie eine. Wußten Sie das nicht? Die Sünden der Väter auf die Kinder zu übertragen ist ebenso unzulässig wie eine Kollektivschuld.
    Das befreit Sie natürlich nicht von der Verantwortung, die Deutschland aus seiner Geschicht erwächst. Verantwortung erlegt man sich jedoch stets selbst auf, sie kann nicht von anderen verordnet werden. Ebenso gilt, dass diese Verantwortung zunächst einmal für die Bundesrepublik ansich gilt, nicht automatisch für jeden einzelnen seinen Bürger. Ob Sie sich dieser persönlich stellen oder nicht, ist Ihre Entscheidung.
    Meine Tochter beispielsweise ist ganz gewiss frei von Schuld und Verpflichtung und das solange, bis sie sich entscheidet, diese anzunehmen oder auch nicht.
    Im Übrigen - sich kritikresistent auf die Seite Netanjahus zu schlagen und seinen Kriegskurs zu bejubeln, ist weder verantwortungsbewußt, noch im Sinne der israelischen Bevölkerung, die diesen Krieg zu etwa 70% ablehnt. Geschichtsvergessen ist es natürlich auch.

    Antwort auf "[...]"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    diesem Krieg gegen Gaza zu 90% zu,

    die US Bevölkerung übrigens auch zu 57%
    (74% Rep/40% Dem) . HAARETZ

  6. Dort wird Krieg geführt. Kolletaralschäden sind doch eingeplant. Es ist ein abartiger Krieg - wie jeder Krieg.

    Ein Kämpfer der sich zum Abschuss frei in die Gegend stellt, ist ein Idiot. Jeder steht sich in solch einem perversen Krieg doch selbst am nächsten. Das ist nun mal die Realität.

    Nicht meine Meinung ist unfaßbar, sondern die Friedensunwilligkeit beider Parteien.

Service