KairoHamas und Israel verhandeln über Waffenstillstand

Immer neue Angriffe, immer mehr Tote, nun der Versuch, den Gaza-Konflikt diplomatisch zu lösen. In Ägypten sitzen Hamas und Israelis an einem Tisch – bisher ohne Erfolg. von afp, dpa, reuters und dapd

Rauch über Gaza-Stadt

Rauch über Gaza-Stadt  |  © Mohammed Salem/Reuters

In Ägypten verhandeln Israel und die radikalislamische Hamas über eine Beilegung des Gaza-Konflikts. Unter anderem sind UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und Außenminister Guido Westerwelle in die Region gereist. Doch bislang zeichnet sich keine Waffenruhe ab. Israel setzte seine Angriffe auf den Gazastreifen den sechsten Tag in Folge fort.

Ägyptens Führung hatte in den vergangenen Tagen offen ihre Sympathie für die Hamas zum Ausdruck gebracht. Nun versammelte Präsident Mohammed Mursi Vertreter beider Seiten an einem Tisch: Israel schickte einen hochrangigen Unterhändler nach Kairo . Von Seiten der Palästinenser saß der Exilchef der Hamas, Chalid Maschal mit am Tisch. Zudem war der Anführer der Gruppe Islamischer Dschihad, Abdallah Tschallah, anwesend.

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Maschal sagte, die Aufhebung der Blockade des Gazastreifens sei die Bedingung für eine Waffenruhe mit Israel. Ein Vertrauter von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, es gebe nur eine Lösung am Verhandlungstisch, die eine Bodenoffensive unnötig machen würde: Wenn der Bevölkerung im Süden Israels der Frieden garantiert werden könne. "Aber wenn die Diplomatie scheitert, gibt es wohl keine Alternative mehr."

Der stellvertretende israelische Ministerpräsident Mosche Jaalon sagte, das Land werde den Gazastreifen nicht mehr angreifen, wenn von dort keine Raketen mehr abgefeuert und keine Anschläge mehr begangen würden. Die Hamas dagegen forderte Israel zum ersten Schritt auf. "Wer den Krieg angefangen hat, muss ihn auch beenden", sagte Maschal. Ein Waffenstillstand sei zwar möglich, man werde aber Israels Bedingungen nicht akzeptieren. Sollte der Konflikt eskalieren, sei man bereit zurückzuschlagen. Die Hamas wolle aber Israel nicht in einen Einsatz am Boden hineinziehen.

Am Nachmittag verbreitete der ägyptische Regierungschef Hescham Kandil trotz der verhärteten Fronten vorsichtig Optimismus. Die Gespräche liefen, und er hoffe, dass es schon bald eine Einigung gebe. "Ich glaube, wir stehen dicht davor." Es liege aber in der Natur der Sache, dass das Ergebnis nur schwer vorhersehbar sei.

Gleichzeitig jedoch setzte Israels Armee die Vorbereitungen für eine Bodenoffensive fort. Nach Angaben des israelischen Rundfunks sind etwa 40.000 Reservisten einberufen worden.

Die radikal-islamischen Kämpfer feuerten nach Polizeiangaben bis zum Abend 110 Raketen vom Gazastreifen aus auf den Süden Israels . Israel bombardierte der Armee zufolge in der Nacht zum Montag 80 Ziele, darunter "unterirdische Abschussvorrichtungen für Raketen, Terror-Tunnel und Ausbildungslager" sowie Häuser ranghoher Extremisten. Erneut wurde ein von Medien genutztes Gebäude mit Raketen beschossen. Dabei wurde nach Angaben der Organisation Islamischer Dschihad einer ihrer Kämpfer getötet.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums der Hamas kamen in Gaza seit Beginn der Offensive 101 Menschen ums Leben, davon 24 Kinder. Auf israelischer Seite wurden seit Beginn des Konfliktes in der vergangenen Woche nach offiziellen Angaben drei Zivilisten getötet. Auslöser der Militäroffensive war ein tagelanger Beschuss Südisraels durch islamische Extremisten.

Leserkommentare
  1. einen direkten Importweg für schwere Waffen zu eröffnen. Warum sollte sich Israel einer Forderung durch eine Organisation beugen, die in ihrer gültigen Gründungscharta fordert (Artikel 7)?
    „Die Stunde des Gerichtes wird nicht kommen, bevor Muslime nicht die Juden bekämpfen und töten, so dass sich die Juden hinter Bäumen und Steinen verstecken und jeder Baum und Stein wird sagen: 'Oh Muslim, oh Diener Allahs, ein Jude ist hinter mir, komm und töte ihn!'“
    http://de.wikipedia.org/w...

  2. ... wie damals Arafat nach Tunis. Dann hat man paar Jahre Frieden. Dann fängt alles wieder von vorne an. Das Problem ist nicht lösbar, da es kein Israel-Araber Problem ist. Auch wenn Israel das von der Hamas gewünschte Schicksal erreichen würde, könnte es keinen Frieden geben. Sunniten und Schiiten haben sich zigfach mehr gegenseitig durch Selbsmordattentate abgeschlachtet, als sie Israelis töten konnten. Warum sollte sich das ändern? Hamas-Fatah, bisschen googeln, und man weiß, was sie sich gegenseitig angetan haben. Keine Familie hat etwas vergessen.

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    • Rend
    • 19. November 2012 21:23 Uhr

    ist es eigentlich ein Araber Problem, es liegt einfach in der Natur der Araber? Wollen sie darauf hinaus oder wie soll man das verstehen

  3. Dass sich Israel im Verhältnis zu den Vertretern der palästinensischen Autonomiebehörde antagonistisch verfangen hat, behaupten nur welche, denen ohnehin der Bezug zur Realität längst selbst abhanden ging, weil die jüngste Feststellung des deutschen Bundespräsidenten angesichts dessen, dass jener gleich in welcher Form überholt ist, nach wie vor gilt und insofern einen sofortigen Waffenstillstand universell ermöglicht.

  4. >>Die Hamas dagegen forderte Israel zum ersten Schritt auf. "Wer den Krieg angefangen hat, muss ihn auch beenden", sagte Maschal.<<

    Na dann sollte Maschal einfach nochmal überlegen, wer die erste Rakete geschossen hat und dann einfach damit aufhören.

    Jaalon hat ja schon zugesichert, dass Israel den Gazastreifen nicht mehr angreifen wird wenn von dort keine Raketen mehr abgefeuert und keine Anschläge mehr begangen werden.
    Klingt ja nach einlösbaren forderungen.

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    Würde von Gaza aus die Beschießung gegen Israel aufhören -sie haben ja auch angefangen -, würde die Beschießung von Israel aus auch aufhören. Leider ist dieses aber nicht zu erwarten denn für die islamische Seite ist alleine die Existenz Israels auf „islamischem Grund und Boden“ ein nie zu akzeptierender Fakt. Nicht Israel ist hier der Aggressor, sondern die islamische Seite, die diesen Staat auslöschen will – ob sie nun Hamas heißt oder Iran oder Türkei oder Syrien oder Ägypten oder sonst wie.

  5. "Israel setzte seine Angriffe auf den Gazastreifen den sechsten Tag in Folge fort."
    Das klingt doch sehr einseitig. Diese verfluchten Israelis.

    Und dann ganz unten eingeschoben: "Die radikal-islamischen Kämpfer feuerten nach Polizeiangaben bis zum Abend 110 Raketen vom Gazastreifen aus auf den Süden Israels."

    Sind das nun einseitige, israelische Angriffe?

    Oder feuert Gaza, Israel auch?

    Geht es nicht ein wenig ausgewogener?

    Israel und Palästinenser setzten auch am sechsten Tag in Folge ihre Angriffe fort?

    Wollte das übermittelt werden? Dann sollte man das auch schreiben - so setzt man sich doch nur unnötig (?) der Parteilichkeit aus, zumindest des Verdachts der.

    • scoty
    • 19. November 2012 21:12 Uhr

    und anschließend mein Leben in einen Gefängnis verwandelt,
    ja dann würde ich auch dagegen kämpfen mit allen Mitteln.

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    … hat auch ägyptische Gefängniswärter. So langsam müsste das auch der Letzte kapiert haben.

    Wenn die Bosse der Gefangenen meine Resozialisierung hintertreiben, weil sie Angst haben statt Bossen nur noch Idioten zu sein wenn es keine Gefangenen mehr gibt sondern alle zu friedlichen Bürgeren geworden sind, dann würde ich mir vielleicht mal überlegen, ob ich den richtigen Feind bekämpfe...

    • sibeur
    • 19. November 2012 23:28 Uhr

    Probleme Rechts von Links zu unterscheiden? Siedlungen werden in Westjordanland gebaut. Westjordanland ist nordwestlich von Israel. Westjordanland stört sich zwar dran, dass Juden bei denen leben. Sie sagen es auch laut, dass in Westjordanland keine Juden erwünscht sind. Der Krieg befindet sich jedoch woanders. Nicht im Westjordanland, sondern in Gaza. In Gaza wurde vor vielen Jahren alle Siedlungen geräumt. Gaza ist Judenfrei. Und genau aus Gaza kommen diese Geschosse.

    Wenn ich israelischer Präsident wäre. Und ich sehe was in Gaza passiert, nach dem die Siedlungen dort geschlossen wurden. Dann würde ich mir 3 mal überlegen, ob ich dasselbe in Westjordanland machen soll. Man schließt die Siedlungen und als Dankeschön gibt es Terror. Erklären Sie mal das der israelischen Bevölkerung, dass man dasselbe jetzt in Westjordanland machen muss.

    • MrWho
    • 19. November 2012 21:14 Uhr

    Eine Seeblockade ist nach Völkerrecht bereits ein kriegerischer Akt. Insofern sind die Forderungen der Hamas durchaus nachvollziehbar. Auch der Status quo ante bellum war bereits durch diese israelische Provokation geprägt - ob nun Raketen fliegen oder nicht.

    Niemand muss eine dauerhafte Belagerung hinnehmen.

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    ... laut UN.

    ist nach Untersuchung der UN legitim.
    Was schreiben Sie denn da?

  6. Würde von Gaza aus die Beschießung gegen Israel aufhören -sie haben ja auch angefangen -, würde die Beschießung von Israel aus auch aufhören. Leider ist dieses aber nicht zu erwarten denn für die islamische Seite ist alleine die Existenz Israels auf „islamischem Grund und Boden“ ein nie zu akzeptierender Fakt. Nicht Israel ist hier der Aggressor, sondern die islamische Seite, die diesen Staat auslöschen will – ob sie nun Hamas heißt oder Iran oder Türkei oder Syrien oder Ägypten oder sonst wie.

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    ich erwarte nicht, dass eine der beiden Seiten an der schnellen Deeskalation interessiert ist oder dass ein finden der Schuld zu einer Einsicht führen würde.

    Ich fand nur Maschals Argumentation so weit weg von der Realität (die offensichtliche Fehleinschätzung, dass hier Israel den aktuellen Krieg gestartet hätte) dass man schon Mitleid mit der Realitätsverweigerung haben muss.
    Es passt aber in's Bild. Hamas fordert ein Ende der gezielten Tötungen - nicht ein Ende von toten Zivilisten. Hamas bietet großzügig für den Staats-Status ein paar Jahre Waffenruhe an. Wenn es nicht um so ein verdammt ernstes Thema gehen würde könnte man sich überlegen, ob Leute wie Pispers so einen "Argumentationsstrang" toppen könnten.

    Mir tun die Palästinenser außerordentlich Leid. Ich hoffe, dass sie es endlich schaffen eine friedliebende Partei zu gründen, dann würden Sie Israel vor sich hertreiben, wie damals Ghandi das Empire.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, dapd, Reuters, AFP, sk
  • Schlagworte Benjamin Netanjahu | Israel | Guido Westerwelle | Mahmud Abbas | Hamas | Mohammed Mursi
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