NahostkonfliktIsrael kündigt Ausweitung der Gaza-Offensive an

Bemühungen einer Waffenruhe hatten bisher keinen Erfolg. Israel bombardiert weiter im Gazastreifen, die Hamas schießen Raketen auf Israels Städte. Ziel war auch Tel Aviv. von dpa

Israels Abwehrsystem "Iron Dome"

Israels Abwehrsystem "Iron Dome"  |  © Uriel Sinai/Getty Images

Israel ist nach den Worten seines Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu auf eine massive Ausweitung seiner Offensive gegen die im Gazastreifen herrschende Hamas vorbereitet. "Die Operation im Gazastreifen geht weiter und wir sind dazu bereit, sie noch bedeutend auszuweiten." Die radikal-islamische Hamas und andere extremistische Organisationen müssten einen hohen Preis für die Raketenangriffe auf Israel bezahlen, sagte Netanjahu. "Solange im Süden keine Ruhe herrscht, gibt es keine Änderung unserer Pläne", ergänzte ein Armeesprecher. Er sagte, Tausende von Reservisten würden auf einen möglichen Bodeneinsatz vorbereitet.

Militante Palästinenser feuerten erneut mindestens eine Rakete auf die israelische Küstenmetropole Tel Aviv ab . Nach einem Luftalarm war am Vormittag im Stadtzentrum eine dumpfe Explosion zu hören. Eine Armeesprecherin sagte später, die Raketenabwehr habe das Geschoss abgefangen. Die Luftwaffe habe sofort das Gebiet angegriffen, von dem aus die Rakete abgefeuert wurde.

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Die Hamas bekannte sich zu dem Angriff. Man habe eine "verbesserte" Kassam-Rakete des Typs M-75 mit  größerer Reichweite abgefeuert. Medien berichteten , ein Auto in einem Vorort sei von Raketenteilen getroffen und in Flammen aufgegangen.

Kinder getötet

Die israelische Armee teilte mit , in der Nacht hätten sie ein Trainingszentrum und eine Kommunikationsantenne der Hamas getroffen. Auch das Büro des Al-Kuds-Fernsehens, das Hamas nahesteht, habe das Militär angegriffen. Dabei seien sechs palästinensische Journalisten verletzt worden.

In der Küstenstadt Aschkelon schlug eine Rakete direkt in einem Wohnhaus ein, zwei Menschen wurden verletzt. Am Sonntagmorgen wurden zudem nach palästinensischen Angaben an nicht näher genanntem Ort ein Kind und eine Frau bei israelischen Angriffen getötet. In der Nacht waren im nördlichen Gazastreifen bei Marine-Beschuss zwei Kleinkinder getroffen worden.

Nach Armeeangaben feuerten Radikalislamisten seit Mittwoch mehr als 870 Raketen in Richtung Israel. Etwa ein Drittel fing die Raketenabwehr ab

Großbritannien warnt vor israel ischer Bodenoffensive

Der britische Außenminister William Hague warnte eindringlich vor einer Bodenoffensive. Ein solcher Einsatz würde Israel ein großes Maß an internationaler Unterstützung und Sympathie kosten, die das Land in der aktuellen Situation habe, sagte Hague. Zivile Opfer seien bei einer Bodenoffensive schwerer zu vermeiden, zudem drohe ein solcher Einsatz den Konflikt zu verlängern.

Außenminister Guido Westerwelle ( FDP ) forderte nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin von Ägypten und der Arabischen Liga, "auf die Machthaber in Gaza einzuwirken, die Raketenangriffe zu stoppen". Ebenso wichtig seien entschiedene Schritte, um den Waffenschmuggel in den Gazastreifen "endlich nachhaltig zu unterbinden". Auch hier müsse Ägypten seiner Verantwortung als Nachbar des Gazastreifens entschlossen nachkommen.

Bemühungen um Waffenruhe

Der israelische Rundfunk berichtete am Sonntag unter Berufung auf einen Hamas-Vertreter, es gebe weiterhin Bemühungen um eine Waffenruhe. Der französische Außenminister Laurent Fabius Plant sprach in dieser Sache in Jerusalem mit der israelischen Führung. Anschließend wollte er zu dem Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas nach Ramallah reisen.

Der Iran forderte die arabischen und islamischen Länder auf, gemeinsam gegen Israel Front zu machen. "Sie sollten sich auf den Hauptfeind konzentrieren, und dieser ist das zionistische Regime", sagte Außenminister Ali-Akbar Salehi auf einer Konferenz zum Thema Syrien in Teheran . Gleichzeitig rief er dazu auf, den Menschen im Gaza-Streifen zu helfen.

Am Samstag hatte Ägyptens Präsident Mohammed Mursi bereits Hoffnungen auf eine baldige Waffenruhe geweckt. Er stehe mit den Konfliktparteien in engem Kontakt, sagte er nach einem Treffen mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan in Kairo . Es gebe "Indizien" für eine baldige Übereinkunft. Der im Exil lebende Hamas-Chef Chaled Maschaal, der sich ebenfalls in Kairo aufhielt, bezweifelte jedoch, dass Israel eine Waffenruhe einhalten werde.

Seit Beginn der Militäroperation Säule der Verteidigung am Mittwoch sind nach Angaben der palästinensischen Gesundheitsbehörde 50 Palästinenser getötet und mehr als 500 weitere verletzt worden .

Israel bombardiert seit Mittwoch den Gazastreifen und zieht in der Grenzregion weitere Truppen zusammen, was auf eine bevorstehende Bodenoffensive gegen die militante Hamas hindeutet. Das israelische Sicherheitskabinett hatte am Freitagabend die Mobilisierung von 75.000 Reservisten gebilligt . 16.000 Reservisten seien bereits einberufen worden, sagte eine Militärsprecherin. Weitere würden bald folgen.

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Leserkommentare
  1. "Bemühungen einer Waffenruhe hatten bisher keinen Erfolg."

    "There was a chance for a mutually agreed cease-fire. The difference between the proposal I drafted in cooperation with my Hamas counterpart and past proposals was that it included both a mechanism for dealing with impending terror threats and a clear definition of breaches. This draft was to be translated and shared with both Mr. Jabari and Israeli security officials, who were aware of our mediation efforts.(...)Instead, Mr. Jabari is dead — and with him died the possibility of a long-term cease-fire."
    http://www.nytimes.com/20...

    According to Haaretz, Israel's Interior Minister, Eli Yishai, said this about Israel's attacks on Gaza: "The goal of the operation is to send Gaza back to the Middle Ages."
    http://www.guardian.co.uk...

    11 Leserempfehlungen
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    "wir schicken Gaza ins Mittelalter zurück"
    Innenminister Yishai in Israel

    und

    "Europa beginnt in Israel, wir teilen dieselben Werte"P
    Premierminister Nethanyahu

    Vielleicht sollte Europa dazu einmal Stellung nehmen ?

    • sharia
    • 18. November 2012 13:12 Uhr

    auf noch mehr gemetzel geht lustig weiter.

    es hätte - mehrfach darauf hingewiesen - längst eine waffenstillstandsvereinbarung hamas-israel geben können.

    es bleiben daher die hier
    http://www.jeremiahhaber....
    aufgelisteten und nicht nur im US-TV sondern auch in der ZEIT ungestellten fragen.

    shavua tov!

    3 Leserempfehlungen
    • drusus
    • 18. November 2012 13:18 Uhr

    Dann geht die israelische in Gaza rein, in eines der dichtbesiedelsten Gebiete der Welt. Und woran wir der Erfolg der Aktion gemessen? Was kommt dann? Soll Gaza besetzt bleiben? Wie soll der Nahe Osten je befriedet werden?

    Die Aktionen Israels sind die eine Seite. Die USA und der Westen allerdings machen mir Angst. Sie tun nichts, um die Lage zu entschärfen.

    10 Leserempfehlungen
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    hat damit gedroht, die Westbank zu annektieren, falls
    Abbas bei der UN den Beobachterstatus für Palästina
    beantragen sollte.

    Außer verbalen Verurteilungen aus dem Ausland, was würde denn geschehen,sollte Israel diese ausgesprochene Drohung wahr machen?

    Innenpolitisch ist "Groß Israel" in der Charta der Likud
    erwünscht.

    Diplomatisch würde ein Aufruhr entstehen.
    Aber militärisch ?

    Der Iran ist durch die Sanktionen stark geschwächt,
    Syrien quasi ausgeschaltet, damit auch die Hisbollah
    im Libanon.

    Hamas wird gerade ins Mittelalter gebombt.

    Ägypten ?
    Abhängig von westlicher Hilfe bei seinem Aufbau.

    Obama angewiesen auf die israelfreundliche Kooperation
    der Republikaner bei den innenpolitischen Lösungen.

    Für eine Regierung mit Risikobereitschaft, die vor einem
    "hohen Einsatz für ein großes nationales Ziel" nicht
    zurückschreckt, vielleicht sogar der "richtige Moment".

    "Das Arsenal gefährlicher Raketen radikaler Palästinensergruppen im Gaza-Streifen sei so gut wie zerstört", zitierte gestern SPON den stellvertr. israel. Ministerpräsidenten Mosche Jaalon, der das bereits am Freitag verkündete, noch BEVOR israelische Luftangriffe Regierungsgebäude im Gaza-Streifen zerstörten.

    Die heute angekündigte Ausweitung der Bodenoffensive ist demnach nicht nur Netanjahus angestrebten Wahlsieg am 22.Januar geschuldet -
    sondern er will auch die jüdischen Siedlungen der Westbank anektieren, sollte Abbas seinen neuen Antrag auf staatliche Anerkennung bei der UN vorbringen.

    Netanjahu will jetzt mit aller Macht und ALLEN (!) Mitteln die Etablierung eines unabhängigen Palästina-Staates verhindern, welcher den Palästinensern völkerrechtlich zustünde, weil dieser Plan dem nationalistischen Ziel seiner LIKUD- Partei total zuwiderläuft, die einen "Staat" Palästina westlich des Jordans AUSSCHLIESST. Das Gebiet der Westbank ist nach den Statuten des LIKUD-Blocks für "Groß-Israel" vorgesehen.

    Anrührend wirkt dazu der damals noch hoffnungsvolle Kommentar von Amos Oz, 1996
    http://www.zeit.de/1996/2...

    Ernüchternd und warnend dagegen die aktuelle Analyse von MOSHÉ MACHOVER vom 15. Nov. 2012
    http://www.hintergrund.de...

    Wem und was also wollen Obama und Merkel eigentlich wirklich "den Rücken stärken"?
    Die Großmacht-Phantasien eines Eroberers?

  2. "wir schicken Gaza ins Mittelalter zurück"
    Innenminister Yishai in Israel

    und

    "Europa beginnt in Israel, wir teilen dieselben Werte"P
    Premierminister Nethanyahu

    Vielleicht sollte Europa dazu einmal Stellung nehmen ?

    21 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Waffenruhe"
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    ... die Sicherheit Israels ist nicht verhandelbar - sagte doch Frau Merkel. Wenn das nicht verhandelbar ist, gibt es doch nichts hinzuzufügen....
    Einem richtigen Freund helfe ich nicht, wenn ich alles (d.h. blind) unterstütze was er macht. Das sollte sich Frau Merkel vielleicht mal überlegen und ggfs. ihre Aussage relativieren.

    Was ist der Unterschied zwischen der Hamas und der Free Syrian Army?

    Die Hamas besteht aus Einheimischen, die Zahl ihrer zivilen Opfer in Israel liegt jährlich im einstelligen Bereich.

    Die Free Syrian Army besteht zum großen Teil aus Djihadis, die aus dem Ausland eingeflogen wurden, ihre Opfer in der syrischen Bevölkerung gehen in die Tausende oder Zehntausende.

    Jetzt versucht die Zeit online uns zu erklären, dass es sich bei der FSA um humanitären Terrorismus handelt, den man mit einer "Flugverbotszone" wie in Libyen (früher sagte man: in die Steinzeit zurückbomben) unterstützen sollte.

    Bei der Hamas liegt die Sache anders, dort sind Luftwaffe, Phosphorbomben und Uranmunition angebracht, um den "Terrorismus zu bekämpfen", dabei können wie bei der Operation gegossenes Blei an die tausend tote Zivilisten in Kauf genommen werden. Der deutsche Steuerzahler MUSS dafür Waffen bereitstellen, das ist "Staatsräson".

    Das Ganze verwirrt mich ein wenig, könnte Herr Joffe den Zeit online Lesern noch mal grudsätzlich erklären, wann Terrorismus, Besatzung und Massenmord wünschenswert sind und wann nicht?

    Ein Volk, das eingesperrt ist,
    zum größten Teil aus Flüchtlingen/Vertriebenen besteht, militärisch) absolut unterlegen ist,
    von der israelischen Bestzungs-Kontrollmacht in nahezu jeder Beziehung (bei der Wasserzuteilung angefangen) abhängig ist,
    das nicht fliehen kann,

    in einem winzigen Gebiet, auf dem ca. 4000EW/km2 wohnen,
    das von Mauern und Stacheldraht umzingelt ist,
    das von israelischen Militär belagert wird,

    dieses Volk zu bombardieren und mit einer Übermacht an Soldaten (mit modernsten Waffen bestückt) zu bekämpfen,

    das ist bestialisch.

    Herr Joppe, Herr Graumann und co., bitte setzen Sie sich öffentlich dafür ein, dass Israel und Ägypten die Grenzen öffnet, damit die Menschen, wenigstens Frauen und Kinder, fliehen können und dieses Verbrechen ein Ende hat.

    Was dort passiert ist unmenschlich!

    Gerade als Juden, als Nachkommen von Menschen,
    die so viel Leid erdulden mussten, die gedemütigt, gequält, eingesperrt wurden und keine Chance zum Fliehen hatten, die der Vernichtung ohne Hoffnung auf Hilfe ausgeliefert waren, sollten Sie dafür sorgen, dass Menschen kein Leid zugefügt wird.

    Bitte helfen Sie.

    Es gibt andere Möglichkeiten den Beschuss Israels mit Raketen zu verhindern, als ein Volk einzusperren und zu zerstören.

    Da sieht man erst was anhaltender Krieg aus Menschen macht wenn Politiker solche Stellungsnahmen von sich geben.
    Solche Aussagen zeigen unangebrachte Stärke und ziehen nur weitere Agressionen auf Israel. Damit zieht man zusätzlich das zum Frieden bereite palästinensiche Volk auf die Seite der radikalen Milizen.
    Israel sollte nach Außen zeigen das sie ein ende des Konfliktes wünschen und nicht eine ganze Region Verantwortlich machen.

  3. 10 Tage nach den US-Wahlen,2 Monate vor Parlamentswahlen in Israel,2 Wochen vor UN-Sicherheitskonferenz ob Palästina als UN-Mitglied anerkannt wird,kommt mir Netanjahus Drehbuch nicht glaubwürdig vor,kann mich Bitte jemand von Gegenteil überzeugen?

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    • drusus
    • 18. November 2012 13:25 Uhr

    USA ist in der Regierungsbildung, Europa schwer mit sich selbst beschäftigt. Das ist kein Zufall.

    Falls der Zeitpunkt für Israel so "günstig" war hätte die Hamas ja einfach mal 2 Monate keine Raketen abfeuern können.

    • drusus
    • 18. November 2012 13:25 Uhr

    USA ist in der Regierungsbildung, Europa schwer mit sich selbst beschäftigt. Das ist kein Zufall.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Nein..Nein..Nein...."
  4. 7. Hamas

    Falls der Zeitpunkt für Israel so "günstig" war hätte die Hamas ja einfach mal 2 Monate keine Raketen abfeuern können.

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    Antwort auf "Nein..Nein..Nein...."
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    • drusus
    • 18. November 2012 13:38 Uhr

    Ich bin kein Freund der radikalen Hamas, zumal sie von den gleichen Kräften unterstützt wird, welche die "syrischen Rebellen" zum Teil unterstützen.
    Dieser Konflikt geht aber schon Jahrzehnte und wird mit der Schuldfrage sicher nicht zu lösen sein. Ich sehe auch kein Land oder Persönlichkeiten, die eine Vermittlerrolle spielen könnte. Isaak Rabin war so einer. Der wurde aber von seinen eigenen Leuten umgebracht. Auch dieses Ereignis hat beide Seiten mehr radikalisiert.

    Und die jungen Palästinenser und Israelis kennen doch gar keinen Frieden mehr. Das ist eine verlorene Generation. Ein Verbrechen ist das...

  5. ... die Sicherheit Israels ist nicht verhandelbar - sagte doch Frau Merkel. Wenn das nicht verhandelbar ist, gibt es doch nichts hinzuzufügen....
    Einem richtigen Freund helfe ich nicht, wenn ich alles (d.h. blind) unterstütze was er macht. Das sollte sich Frau Merkel vielleicht mal überlegen und ggfs. ihre Aussage relativieren.

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    Antwort auf "Ziel der Operation"
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    • vino87
    • 18. November 2012 15:56 Uhr

    Was sollte der Freund Ihrer Meinung nach tun, wenn er angegriffen wird?!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, nf
  • Schlagworte FDP | Hamas | Mahmud Abbas | Israel | Mohammed Mursi | Außenminister
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