Israel ist nach den Worten seines Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu auf eine massive Ausweitung seiner Offensive gegen die im Gazastreifen herrschende Hamas vorbereitet. "Die Operation im Gazastreifen geht weiter und wir sind dazu bereit, sie noch bedeutend auszuweiten." Die radikal-islamische Hamas und andere extremistische Organisationen müssten einen hohen Preis für die Raketenangriffe auf Israel bezahlen, sagte Netanjahu. "Solange im Süden keine Ruhe herrscht, gibt es keine Änderung unserer Pläne", ergänzte ein Armeesprecher. Er sagte, Tausende von Reservisten würden auf einen möglichen Bodeneinsatz vorbereitet.

Militante Palästinenser feuerten erneut mindestens eine Rakete auf die israelische Küstenmetropole Tel Aviv ab . Nach einem Luftalarm war am Vormittag im Stadtzentrum eine dumpfe Explosion zu hören. Eine Armeesprecherin sagte später, die Raketenabwehr habe das Geschoss abgefangen. Die Luftwaffe habe sofort das Gebiet angegriffen, von dem aus die Rakete abgefeuert wurde.

Die Hamas bekannte sich zu dem Angriff. Man habe eine "verbesserte" Kassam-Rakete des Typs M-75 mit  größerer Reichweite abgefeuert. Medien berichteten , ein Auto in einem Vorort sei von Raketenteilen getroffen und in Flammen aufgegangen.

Kinder getötet

Die israelische Armee teilte mit , in der Nacht hätten sie ein Trainingszentrum und eine Kommunikationsantenne der Hamas getroffen. Auch das Büro des Al-Kuds-Fernsehens, das Hamas nahesteht, habe das Militär angegriffen. Dabei seien sechs palästinensische Journalisten verletzt worden.

In der Küstenstadt Aschkelon schlug eine Rakete direkt in einem Wohnhaus ein, zwei Menschen wurden verletzt. Am Sonntagmorgen wurden zudem nach palästinensischen Angaben an nicht näher genanntem Ort ein Kind und eine Frau bei israelischen Angriffen getötet. In der Nacht waren im nördlichen Gazastreifen bei Marine-Beschuss zwei Kleinkinder getroffen worden.

Nach Armeeangaben feuerten Radikalislamisten seit Mittwoch mehr als 870 Raketen in Richtung Israel. Etwa ein Drittel fing die Raketenabwehr ab

Großbritannien warnt vor israel ischer Bodenoffensive

Der britische Außenminister William Hague warnte eindringlich vor einer Bodenoffensive. Ein solcher Einsatz würde Israel ein großes Maß an internationaler Unterstützung und Sympathie kosten, die das Land in der aktuellen Situation habe, sagte Hague. Zivile Opfer seien bei einer Bodenoffensive schwerer zu vermeiden, zudem drohe ein solcher Einsatz den Konflikt zu verlängern.

Außenminister Guido Westerwelle ( FDP ) forderte nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin von Ägypten und der Arabischen Liga, "auf die Machthaber in Gaza einzuwirken, die Raketenangriffe zu stoppen". Ebenso wichtig seien entschiedene Schritte, um den Waffenschmuggel in den Gazastreifen "endlich nachhaltig zu unterbinden". Auch hier müsse Ägypten seiner Verantwortung als Nachbar des Gazastreifens entschlossen nachkommen.

Bemühungen um Waffenruhe

Der israelische Rundfunk berichtete am Sonntag unter Berufung auf einen Hamas-Vertreter, es gebe weiterhin Bemühungen um eine Waffenruhe. Der französische Außenminister Laurent Fabius Plant sprach in dieser Sache in Jerusalem mit der israelischen Führung. Anschließend wollte er zu dem Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas nach Ramallah reisen.

Der Iran forderte die arabischen und islamischen Länder auf, gemeinsam gegen Israel Front zu machen. "Sie sollten sich auf den Hauptfeind konzentrieren, und dieser ist das zionistische Regime", sagte Außenminister Ali-Akbar Salehi auf einer Konferenz zum Thema Syrien in Teheran . Gleichzeitig rief er dazu auf, den Menschen im Gaza-Streifen zu helfen.

Am Samstag hatte Ägyptens Präsident Mohammed Mursi bereits Hoffnungen auf eine baldige Waffenruhe geweckt. Er stehe mit den Konfliktparteien in engem Kontakt, sagte er nach einem Treffen mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan in Kairo . Es gebe "Indizien" für eine baldige Übereinkunft. Der im Exil lebende Hamas-Chef Chaled Maschaal, der sich ebenfalls in Kairo aufhielt, bezweifelte jedoch, dass Israel eine Waffenruhe einhalten werde.

Seit Beginn der Militäroperation Säule der Verteidigung am Mittwoch sind nach Angaben der palästinensischen Gesundheitsbehörde 50 Palästinenser getötet und mehr als 500 weitere verletzt worden .

Israel bombardiert seit Mittwoch den Gazastreifen und zieht in der Grenzregion weitere Truppen zusammen, was auf eine bevorstehende Bodenoffensive gegen die militante Hamas hindeutet. Das israelische Sicherheitskabinett hatte am Freitagabend die Mobilisierung von 75.000 Reservisten gebilligt . 16.000 Reservisten seien bereits einberufen worden, sagte eine Militärsprecherin. Weitere würden bald folgen.