Gaza-KonfliktHamas hindert Ausländer an der Ausreise

Israels Militär hat in der Nacht 180 Angriffe im Gazastreifen geflogen. Die Hamas hält 22 ausländische Journalisten und Mitglieder von Hilfsorganisationen fest. von afp, dpa, reuters und dapd

Eine Explosion in Gaza-Stadt

Eine Explosion in Gaza-Stadt  |  © Suhaib Salem / Reuters

Die Hamas hat 22 ausländischen Journalisten und Mitgliedern von Hilfsorganisationen die Ausreise aus dem Gazastreifen verweigert. Das berichtete einer der festsitzenden Journalisten der Nachrichtenagentur dpa. Das Hamas-Innenministerium habe zur Begründung angegeben, Israel schließe den Erez-Kontrollpunkt im Norden des Gazastreifens am Schabbat. Israel widersprach dem jedoch: Der Übergang sei wegen des Konflikts für Personen auch am Samstag geöffnet. Die Ausländer berichteten, sie hätten dies der Hamas mitgeteilt, dennoch hätten sie nicht passieren dürfen.

Am frühen Morgen hatte Israels Luftwaffe das Regierungsgebäude der Hamas in Gaza-Stadt bombardiert. Die palästinensische Nachrichtenagentur Maan meldete, der mehrstöckige Gebäudekomplex sei schwer beschädigt worden. Dabei wurde nach Angaben der Hamas auch das Büro des Ministerpräsidenten Ismail Hanijeh attackiert.

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Ein israelischer Militärsprecher bestätigte den Angriff auf Hanijehs Büro. Insgesamt hätten die Angriffe 85 "Terror-Zielen" gegolten, darunter Werkstätten zum Bau von Raketen. Die Polizeizentrale der Hamas im Westen von Gaza-Stadt, das im Norden der Stadt gelegene Hauptquartier der Inneren Sicherheit, sowie das Haus eines Vertreters des Innenministeriums im Flüchtlingslager Dschabalja seien angegriffen worden.

Seit der gezielten Tötung des Hamas-Militärchefs Ahmed al-Dschabari am Mittwoch bombardiert Israel Hunderte von Zielen in dem Gebiet am Mittelmeer , die Hamas beschießt ihrerseits israelische Ziele mit Raketen. Erstmals wurden auch Tel Aviv und Jerusalem beschossen, zu Schaden kam dabei jedoch niemand. Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben bisher mehr als 800 Ziele getroffen. Allein in der Nacht zum Samstag habe die Luftwaffe etwa 180 Angriffe geflogen.

Der Hamas zufolge wurden seit Beginn der Luftangriffe im Gazastreifen 30 Palästinenser getötet, darunter acht Kinder und eine schwangere Frau. In Israel wurden drei Menschen durch eine Rakete getötet und mehr als 20 verletzt. Laut israelischem Militär schlugen seit Freitag 133 Raketen auf israelischem Boden ein. 82 weitere wurden durch die Raketenabwehr abgefangen.

Obama spricht von Israels Recht auf Selbstverteidigung

Trotz internationaler Appelle gab es keine Anzeichen für ein schnelles Ende der Gewalt. Stattdessen bereitet sich Israel auf eine mögliche Bodenoffensive vor. Dafür will Verteidigungsminister Ehud Barak statt 16.000 nun bis zu 75.000 Reservisten mobilisieren . Das Kabinett habe dem schon zugestimmt, berichtete das israelische Fernsehen. Nahe der Grenze zum Gaza-Streifen fuhren Panzer, gepanzerte Truppenfahrzeuge und Planierraupen auf. Die israelische Armee erklärte die Grenzregion zum Sperrgebiet und sperrte drei Straßen für den zivilen Verkehr.

US-Präsident Barack Obama setzte sich in erneuten Telefonaten mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu und Ägyptens Präsident Mohammed Mursi für eine Deeskalation ein. Obama bedauerte den Tod von Israelis und Palästinensern, wies aber gleichzeitig auf Israels Recht auf Selbstverteidigung hin.

Die USA haben Israel nach Aussage des israelischen Botschafters in Washington ihr Unterstützung zugesicherte. "Die USA haben uns volle Rückendeckung dafür gegeben, alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um unsere Staatsbürger vor dem Terror der Hamas zu schützen", sagte der Botschafter Michael Oren nach einem Bericht der Zeitung New York Daily News . Die Unterstützung durch die Vereinigten Staaten kam demnach sowohl aus dem Weißen Haus als auch aus dem Kongress, in dem Israel Zustimmung von allen Parteien erfahren habe.

Der ägyptische Ministerpräsident Hisham Kandil war am Freitag zu einem kurzen Solidaritätsbesuch von Hanijeh empfangen worden. Dabei wollte Kandil eigentlich zwischen beiden Seiten schlichten und für einen Waffenstillstand werben. Doch eine für den Besuch verabredete Feuerpause hielt nicht, Kandil beendete ihn daraufhin vorzeitig. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kündigte einen Besuch der Palästinensergebiete an.

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Leserkommentare
  1. "Israel broke an informal ceasefire on Wednesday by assassinating Hamas military commander Ahmed Jabari in an air strike. The Israeli peace activist Gershon Baskin, who helped mediate talks between Israel and Hamas in the deal to release Israeli soldier Gilad Shalit, has revealed Jabari was assassinated just hours after he received the draft of a permanent truce agreement with Israel, which included mechanisms for maintaining the ceasefire."

    http://www.democracynow.o...

    33 Leserempfehlungen
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    Kommentatoren wie "Realpolitik" und "norosewithoutthorns", die ausschließlich zu der Nahost-Thematik posten und dies dann komplett einseitig, sind nicht an einer Diskussion interessiert, sondern lediglich daran Politik zu machen mit der Aufmerksamkeit, die diese Kommentarspalte bietet.

    Handelt die Hamas denn menschlich und angemessen, handelt sie deeskalierend?
    Mit dem über Jahre andauerndem regelmäßigem Bombardement Israelischer Gebiete mit Quassam-, Grad- und neuerdings iranischen Fadschar-5-Raketen?
    Israel versucht seine Bürger mit Bunkern zu schützen, die Hamas benutzt sie als lebende Schutzschilde indem sie Raketen aus Wohngebieten abschießt und dann Betroffenheit über getötete Zivilisten heuchelt.
    Ich verstehe wie man Israel kritisch gegenüberstehen kann. Aber ich verstehe nicht wieso die Palästinenser hier von vielen Kommentatoren so undifferenziert ausschließlich als Opfer und die Israelis ausschließlich als Täter gesehen werden.

    auf das der Link von MarcelSchuhmann führt. Der Friedensaktivist/-unterhändler Gershon Baskin wie auch sein Pendant in Chan Junis auf palästinensischer Seite stellen die Situation komplex dar. Zu einseitiger Interpretation verleitet nur der Aufhänger, den "Realpolitik" hier zitiert. Er beschreibt das Interview nicht richtig, ist aus dem Zusammenhang gerissen.
    Baskin weist z.B. auch darauf hin, dass die Raketen der Hamas auschließlich zivile Objekte erreichten, also die Zivilbevölkerung terrorisierten, während die israelische Reaktion sich vorgeblich und auch vornehmlich auf militärische, strategische, administrative Ziele richtet.

    Man muss schon das ganze Interview sehen, um es zu verstehen, sich ein Urteil zu erlauben.

    nur noch auf Englisch zu schreiben?
    Das reißt ein!

  2. 2. [...]

    Entfernt. Bitte beachten Sie das konkrete Artikelthema und beteiligen sich mit eigenen Argumenten. Danke, die Redaktion/ls

    4 Leserempfehlungen
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    ..eigene Argumente werden von Ihnen doch häufig nur mit Quellenbelegen akzepziert, vor allem wenn sie nicht auf der politischen Linie der Zeitung liegen.Der Vanity Fair Text erschließt sich jedem Leser und lässt eigene Schlüsse zu.
    Im Artikel "The Gaza Bombshell" werden die Ursachen für das Erstarken der Hamas beleuchtet, im Zusammenhang mit verdeckten Operationen der USA und dem anschließenden blutigen Bürgerkrieg in Gaza.Das hat nichts mit dem konkreten Artikel zu tun ? Sind Sie sicher ? Warum haben Sie den Kommentar gelöscht ?

  3. Civilians Under Attack in Gaza: a Photo Essay:

    http://www.counterpunch.o...

    12 Leserempfehlungen
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    • chino1
    • 17. November 2012 10:01 Uhr

    Es ist doch wirklich eine Schande, dass Obama eine solch unkritische Haltung einnimmt.

    [...]
    Man sollte doch mal den Blick auf die Situation der Palästinenser werfen, die täglichen Schikanen gegen sie, beachten und verstehen, dass sie auch ein Recht haben auf Selbstverteidigung.

    [...]

    Gekürzt. Bitte verfassen Sie differenzierte Kommentare. Danke, die Redaktion/ls

    Die Hamas predigt Hass im Fernsehen und redet ihren eigenen Leuten ein, dass es gut ist, wenn sie als menschliche Schutzschilde dienen. Des Weiteren rufen sie sogar im Kinderfernsehen dazu auf zum Beispiel Kurt Westergaard zu ermorden. Hass, speziell Judenhass wird natürlich auch im Kinderfernsehen gepredigt.

    http://www.welt.de/debatt...

    Meiner Ansicht nach steht diese Art der Hamas-Propaganda auf einer Stufe mit dem Einsatz von Kindersoldaten und sollte genauso als Kriegsverbrechen verfolgt werden. Stattdessen fällt die Welt immer wieder auf die Hamas rein, wenn sie Israel für die zivilen Opfer im Gazastreifen verantwortlich macht. Genau das will die Hamas ja.

    Wie wäre es dagegen zur Abwechslung mal damit, die Hamas knallhart dazu aufzufordern sich selber einmal zu bemühen, die eigene Bevölkerung aus der Schusslinie zu halten und den Tod von palästinensischen Zivilisten eben nicht zu provozieren? Gut, dies würde weniger fernsehtaugliche Leichen von Zivilisten bedeuten, aber eben genau darum sollte es doch gehen!

    nur noch auf englisch zu schreiben??

  4. Wäre nur ein kleiner Teil der israelischen Reservisten - etwa 1% oder etwas mehr (1000 Leute) - als vedische Kohärenzaktivisten im Bewusstseinsfeld ausgebildet und würde täglich seinen "Dienst" am Volke verrichten, gäbe es dort keinen Hass, keine Gewalt, keinen Krieg, sondern Freundschaft zwischen den Völkern, einträchtigen Aufbau des Landes und ein Zentrum des Weltfriedens. Selbst in Syrien und im Libanon würden die Waffen schweigen... die US-Armee setzt diese Technologie bereits seit längerem zur Rehabilitation ihrer traumatisierten Veteranen aus Irak, Afghanistan und sogar Vietnam ein. Allerdings bisher nur als medizinische-psychologische Individualtherapie, nicht als sozialen Kohärenz-Feldeffekt. s. David Lynch Foundation.

    2 Leserempfehlungen
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    Ihrem ersten Satz stimme ich voll und ganz zu. Jeder Krieg ist überflüssig.

    Aber hier mit einer extrem auf Abzocke ausgerichteten Sekte (TM) aufzuwarten, die das Paradies herbei meditieren soll, ist einfach Unsinn. Kennen Sie den Film zu TM und David Lynch "David wants to fly"?

    Ihren Kommentar sollten Sie lieber auf die Verursacher des Konflikts beziehen. Solange Israel nicht angegriffen wird, herrscht dort Ruhe.

    Der Israel-Islam-Konflikt wird aber ewig weitergehen. Israel ist ein stetig schwärender Dorn im Islam.

    [...]

    Gekürzt. Bitte beachten Sie das konkrete Artikelthema. Danke, die Redaktion/ls

    Der Kommentar, auf den Sie kritisch Bezug nahmen, wurde entfernt. Die Redaktion/fk.

    • B17
    • 17. November 2012 9:49 Uhr

    http://www.jpost.com/Defe...

    ...wegen der Ausgewogenheit der Berichterstattung und so! ;-)

  5. aus Tunesien Gaza.
    Die Israelis beschießen Ziele ganz in der Nähe.

    Über Nacht hat sich die Zahl der Toten in Gaza
    auf 37 erhöht.

    Der Beschuß des Regierungsgebäudes war antizipiert
    worden, das Gebäude war leer.

    Motorradfahrer,Wohnhäuser, Gebäude der Wasserschutzpolizei bei Rafah und immer wieder das Flüchtlingscamp in Khan Younis werden massiv beschossen.

    Gerade nähert sich die israelische Marine wieder der Küste
    und nimmt Gaza von dort unter Beschuß.

    In Israel selbst gab es vereinzelte Demonstrationen
    gegen den Krieg gegen Gaza.
    Weltweit finden heute und in den nächsten Tagen
    Demonstrationen gegen Israel statt.

    Morgen auch in Berlin.

    Bitte belegen Sie Ihre Aussagen mit Quellen. Danke, die Redaktion/ls

    13 Leserempfehlungen
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    • otyak
    • 17. November 2012 10:42 Uhr

    Entfernt. Kritik an der Moderation richten Sie gerne an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/ls

    Reuters und dpa zeigen wie's geht: Wie Aktivisten berichten.

    • sharia
    • 17. November 2012 11:00 Uhr

    morgen in Berlin - hier der aufruf via FB
    http://www.facebook.com/e...
    in Ottawa war schon
    http://metronews.ca/news/...
    in Tel Aviv auch
    http://972mag.com/watch-i...

    und wenn Israel, wie im artikel zu lesen, bislang 800 ziele getroffen hat - dann nehme ich mal an, dass die über den ganzen streifen verteilt sind. auch weiterhin.

  6. 7. @Obama

    "US-Präsident Barack Obama setzte sich in erneuten Telefonaten mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu und Ägyptens Präsident Mohamed Mursi für eine Deeskalation ein."
    Es macht nur Sinn, wenn er Hanija/Hamas mit einbezieht. Über Dritte reden, führt selten zu einer einvernehmlichen Lösung, die sie einschließt.

    11 Leserempfehlungen
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    Zitat: "Es macht nur Sinn, wenn er [Obama] Hanija/Hamas mit einbezieht. Über Dritte reden, führt selten zu einer einvernehmlichen Lösung, die sie einschließt."

    Sie hatten jetzt mehrere Tage Zeit, sich darüber zu beklagen, dass Kandil Gaza besuchte und seine Solidarität mit Hamas erklärte.
    Sie haben jetzt noch die Möglichkeit, sich darüber zu beklagen, dass eine 10-köpfige tunesische Delegation Gaza besucht, um ebenfalls ihre Solidarität mit Hamas zu erklären.

    Aber das werden Sie natürlich nicht tun.

  7. Der US Professor Mearsheimer hat jetzt in einem Artikel
    Überlegungen angestellt, was das eigentliche Ziel
    der israelischen Regierung sei.

    "So what is going on here? At the most basic level, Israel’s actions in Gaza are inextricably bound up with its efforts to create a Greater Israel that stretches from the Jordan River to the Mediterranean Sea. Despite the endless palaver ab
    out a two-state solution, the Palestinians are not going to get their own state, not least because the Netanyahu government is firmly opposed to it. The prime minister and his political allies are deeply committed to making the Occupied Territories a permanent part of Israel. To pull this off, the Palestinians in the West Bank and Gaza will be forced to live in impoverished enclaves similar to the Bantustans in white-ruled South Africa."

    25 Leserempfehlungen
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    John Mearsheimer ist einer der Top-IR Profs in den USA.

    Er ist zwar noch im "Realismus" aktiv aber, das muss kein Fehler sein um die Lage in Nahost zu beschreiben, denn Israel ist auch sehr "realistisch" in der Analyse.

    Bevor hier jetzt irgendwelche Kritik kommt, die Begriffe "Realismus" und handeln nach "realistischen" Mustern nachsehen.

    Wenn so jemand sagt, Israel wird nicht "gewinnen können", dann sollte man sich darüber mal ein paar Gedanken machen.

    Er ist nicht einer der "püblichen Verdächtigen", die bei TV-Sendern als "Experten" aufschlagen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, dapd, Reuters, nf
  • Schlagworte Barack Obama | Hamas | Benjamin Netanjahu | Ehud Barak | Israel | Mohammed Mursi
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