GriechenlandAufstand der Parlamentsdiener

"Golden Boys" werden Griechenlands Parlamentsbedienstete genannt, denn sie werden fürstlich bezahlt. Nun soll auch bei ihnen gespart werden. von 

Manche nennen sie die "Prinzen des Parlaments", andere sprechen von den "Golden Boys". Fest steht: Ohne sie nichts läuft im Politikbetrieb. Die Rede ist von den Bediensteten des griechischen Parlaments. Sie gelten als die bestbezahlten Staatsdiener in Griechenland . Jetzt sollen sie, wie alle Griechen, Opfer bringen. Doch die "Golden Boys" wehren sich, sie wollen streiken.

Es war eine zunächst harmlos wirkende Ergänzung, die der Finanzminister Giannis Stournaras am vergangenen Mittwoch wenige Stunden vor der entscheidenden Kampfabstimmung über das neue Sparpaket noch in den Gesetzentwurf einfügte: Die Parlamentsbediensteten werden nach den Regeln des öffentlichen Dienstes bezahlt, lautete die Beschlussvorlage sinngemäß. Bei der Parlamentsbediensteten schrillten sofort alle Alarmglocken. Sie wussten: Es geht an ihre Privilegien. Es kam zu Tumulten im Plenarsaal. Spontan traten die Parlamentsdiener in den Streik. Um das Sparpaket nicht zu gefährden, gab Ministerpräsident Antonis Samaras seinem Finanzminister Weisung, die Änderung zurückzuziehen – vorläufig.

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Hohe Abschlagszahlung

Die 1.311 Bediensteten des Parlaments schleppen Akten und stenographieren die Reden der Abgeordneten, sie betätigen sich als Hausmeister und erledigen Büroarbeiten. Dafür werden sie fürstlich bezahlt. Während ein Facharzt in einem staatlichen Krankenhaus mit 1.007 Euro monatlich entlohnt wird und ein Hochschulprofessor mit 1.459 Euro auskommen muss, erhalten sie rund 3.000 Euro. Bis vor zwei Jahren bekamen sie 16 Monatsgehälter pro Jahr. Dann wurden zwar das 15. und 16. Gehalt abgeschafft, durch die Hintertür aber in Form von Zulagen sofort wieder eingeführt. Bis zu 61 Überstunden dürfen die Parlamentsdiener im Monat abrechnen, doppelt so viele wie andere Staatsbedienstete. Nach 35 Dienstjahren bekommen sie außer einer stattlichen Pension eine Abschlagszahlung von rund 300.000 Euro.

Und wie steigt man in den exklusiven Kreis der "Golden Boys" auf? Ohne Beziehungen geht es nicht. Über die Vergabe der begehrten Stellen entschied bisher das Parlamentspräsidium in eigener Regie. Traditionell wurden die Jobs Verwandten von Abgeordneten zugeschanzt.

Premier Samaras ist entschlossen, mit den Vergünstigungen der Parlamentsdiener aufzuräumen. Er hält das Thema für so wichtig, dass er es sogar in seiner Rede während der Haushaltsdebatte aufgriff: "Ist es gerecht, dass die Parlamentsbediensteten achtmal so hohe Abfindungen bekommen wie andere Staatsdiener? Wir reden hier nicht über Rechte, sondern über skandalöse Privilegien", donnerte Samaras. Von den Streikdrohungen will er sich nicht einschüchtern lassen und die Gesetzesänderung erneut ins Parlament bringen.

Das könnte sich bald auf die Arbeitsfähigkeit des Parlamentes auswirken. Denn offenbar reichen jetzt immer mehr der Bediensteten Anträge auf vorzeitige Pensionierung ein – um noch schnell von den Vergünstigungen zu profitieren, die beim Ausscheiden aus dem Dienst winken. Nach inoffiziellen Informationen aus Kreisen der Personalabteilung des griechischen Parlaments haben in den vergangenen Tagen rund 60 Parlamentsdiener Anträge auf Pensionierung gestellt, davon 30 allein am Montag.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
    • RPT
    • 13. November 2012 16:13 Uhr

    1) die Sache wird jetzt thematisiert und dann hoffentlich auch angegangen 2) bis jetzt hat noch niemand Merkel dafür verantwortlich gemacht.

    Ist doch schon mal was. Die Presse sollte weiter solche Fälle aufdecken. Vielleicht passiert ja auch mal was mit der Steuerbefreiung der Reeder.

    Und gut auch, dass bekannt wird, dass ein Facharzt in einem staatlichen Krankenhaus mit 1.007 Euro monatlich entlohnt wird und ein Hochschulprofessor mit 1.459 Euro. Damit die Sache über die angeblich allgemein so hohen Löhne in Griechenland mal relativiert wird. Transparenz ist für solche Dingen ist jetzt wirklich sehr wichtig, wo es ans bezahlen geht.

  1. Griechenland sitz so wie es aussieht auf Europas größten Goldvorkommen und könnte Finnland als europäischen Top-Produzenten des Edelmatalls ablösen:
    Siehe:
    http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-10/griechenland-gold-abbau

    Laut Studien die bereits in den 70/80ern gemacht wurden, sitz Griechenland zudem auf riesiegen Erdöl- und dementsprechend auch auf riesigen Erdgasvorommen.

    http://www.griechenland-blog.gr/2012/griechenland-kann-neues-el-dorado-w...

    http://www.handelsblatt.com/politik/international/oelgeschaefte-die-grie...

    Antwort auf "Kaum zu glauben"
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    Es sollte natürlich "sitzt" heißen

  2. Es sollte natürlich "sitzt" heißen

    Antwort auf "Zum Thema Rohstoffe"
    • deDude
    • 13. November 2012 16:39 Uhr

    Wir beschweren uns darüber das Parlamentsdiener in Griechenland € 3.000 verdienen, zahlen unseren eigenen Abgeordneten für ihre (Un-)Tätigkeit selbst monatlich knapp € 8.000 + eine fette Altersversorgung von:

    nach 10 Jahren Landtagszugehörigkeit
    2.543,29 EUR monatlich
    nach 20 Jahren Landtagszugehörigkeit
    4.443,60 EUR monatlich
    nach 30 Jahren Landtagszugehörigkeit
    5.866,20 EUR monatlich

    Ausrechnen wieviel da am Ende zusammenkommt können Sie sich sicher selbst, außer der Schaum vorm Mund über die "faulen Pleitegriechen" versperrt schon die Sicht.

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    • RPT
    • 13. November 2012 17:13 Uhr

    in D-Land sich was ihre Altersversorgung angeht selber hemmumgslos auf Kosten der Steuerzahler bedienen wäre ein Thema, das mal ganz unabhängig von Griechenland angegangen werden sollte. Ändert aber nichts am Wahrheitsgehalt der Situation der Parlamentsbediensteten in Griechland. Man kann sich ja über beides aufregen, man muss ja beides bezahlen. Genaugenommen sollte man sich sogar über beides aufregen.

  3. ...aus SpiegelOnline: Im Bundestag werden Schreibkräfte, die als Leiharbeiter beschäftigt sind, teilweise zu Niedriglöhnen beschäftigt. Sie verdienen so wenig, dass sie ihren Verdienst auf Hartz-IV-Niveau aufstocken müssen.

    So sieht die europäische Realität aus...

  4. Faszinierend, was man einem Tag so liest. So sieht es für Mitarbeiter im deutschen Bundestag aus - http://www.tagesschau.de/inland/aufstocker-bundestag100.html

  5. In anderen Ländern würden Parlamentsdiener, die die Arbeit der Legislative behindern, fristlos entlassen. Es ist unnormal, dass sich in Griechenland diese Leute das Parlament zur Geisel nehmen. Eine solche Nötigung des Souveräns hätte in anderen Ländern schwerwiegende Folgen für die Täter.

  6. aber ich hätte tatsächlich Lust dort mit einem Megafon auf den Balkon zu steigen, um den Protestierenden (sofern es sich um die beschriebene Gruppe handelt) lächelnd mitzuteilen, dass sie ALLE FRISTLOS UND OHNE ABFINDUNG GEKÜNDIGT sind.

    Oh man, die wären sauer!^^

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    Naja Sie als ehrlicher Mensch vielleicht!

    Diese Leute sind überall im Gebäude!
    Die hören alles!
    Die kommen an jede Schublade!
    Was glauben Sie wieviele Leichen da ganz plötzlich aus diversen Kellern auftauchen würden! Autsch!
    Da wäre nix mehr zu machen mit Immunität und Vertuschung.
    LG

    Klaus

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  • Schlagworte Antonis Samaras | Abfindung | Euro | Finanzminister | Sparpaket | Streik
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